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Bachelor: Es twerkt das Füdli, es wackeln die Backen

Bachelor Rina
Nicht weinen, Rina. Das Tabu muss jetzt gebrochen werden, du weisst es ganz genau.Bild: 3plus
Bachelor

Vom Sisyphos-Twerken und der Frage, wie glücklich man dabei werden kann

Wir wollten es alle umgehen, aber diese Folge macht es einfach unmöglich: Wir müssen über Analrinnen reden.
01.11.2023, 04:49
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Wie viele Ärsche kann ein Mensch ertragen?

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Sagt hallo zu Vanessas Arsch.gif: watson

Ich weiss es nicht genau. Ich weiss bloss, dass es heute einer zu viel war.

Zwei neue Ladys kommen dazu und eine davon stellt sich auf die Lounge und twerkt erst mal eine Runde zur Begrüssung. Hallo, hier bin ich. Mitten ins Gesicht der anderen Ladys und vor allem mitten in mein Gesicht. Und in Dani Hubers auch, der bei diesem Anblick ganz verdattert hinter mir stehen bleibt und empört «Annaaa!??!» raunt, als würde ich irgendeinen geheimen Genuss daraus ziehen.

Bachelor
Die Ladys eilen mit ihren Koffern zur Villa, wo sie diese Szene erwartet.Bild: 3plus

Das tue ich nicht.

Es ist viel eher so, als würde dir jemand ungefragt einen Fleischberg in die Fresse drücken.

Hier.

Nimm das.

Plätsch.

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gif: watson

Und das.

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gif: watson

Es ist, als wärst du in einer Endlosschleife gefangen, nur grüsst dich nicht täglich das Murmeltier, sondern wöchentlich und in jeder verfluchten «Bachelor»-Staffel von Neuem irgendein Wabbelarsch.

Ich kann's nicht mehr sehen.

Was habt ihr alle mit euren Ärschen? Habt ihr eventuell nicht mitgekriegt, dass jeder Mensch so einen hat? Ja, sogar jedes Tier über so eine Regio glutaea – eine Gesässregion – verfügt, die bei ihnen allerdings Kruppe heisst?

Und wie süss das im Vergleich aussieht, wenn sie mit ihrer Kruppe wackeln?

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gif: giphy

Weil ihre Kruppe eben nicht über zwei halbkugelförmige, spiegelsymmetrische Gesässbacken verfügt, durch deren Mitte sich zu allem Übel auch noch eine Analrinne zieht.

Wer mit so was geboren worden ist, kann einfach nicht kommen und sagen: «Hallo, mein Name ist Vanessa und hier ist meine Analrinne.» Das sind zwei Dinge, da weiss man nicht, Pest, Cholera? Vanessa oder Analrinne, Hans was Heiri. Was ist hier eigentlich die grössere Strafe. Vielleicht hat Vanessa sich ja darum gar nicht vorgestellt und dafür gleich mal ihre Analrinne hergezeigt.

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Pro memoria.bild: 3plus

Die verbindet uns Menschen schliesslich irgendwie. Also jetzt nicht so human-centipede-mässig, mehr so, weil wir alle eine haben, die aber im besten Fall nicht von einem deutschen Psychoarzt zusammengenäht wird. Und die wir wahlweise auch Afterfurche nennen können.

Einfach, um es noch ein wenig grüsliger zu machen.

Dennoch. So eine Gesässspalte ist und bleibt eine eher intime Verbindung. Oder um es mit Samanthas Worten auszudrücken:

«Vanessa kennt de Fabrizio gar nöd und twerkt scho mit em Arsch kai Ahnig was, statt irgendwie probiere mit ihm mol chli normal zrede und nöd grad mit dem Arsch zum Gsicht oder wie au immer.»
Samantha, zwei Sekunden bevor sie Fabrizio volle Kanne in den Schritt hineintwerkt.
Bachelor Fabrizio
Hände hoch! Fabio ergibt sich Samanthas «skills», wünscht sich aber nächstes Mal schon ein bisschen weniger «impact».Bild: 3plus

Oder um es mit Fabrizios Worten auszudrücken:

«Es wird es Rambazamba gäh.»
Fabrizio

Ich wünschte mir wirklich, es würde wenigstens eine Lady einmal etwas anderes als ihren Hintern in Szene setzen. Warum nicht das Knie? Ein völlig unterschätztes Körperteil. Liegt vielleicht daran, dass es ein Gelenk ist. Seine erotische Strahlkraft mag auf die meisten Menschen eher eine begrenzte Wirkung haben. Obwohl ...

«... die Gelenkhöhle ist von einer zweilagigen Gelenkkapsel umschlossen und zwischen den Gelenkkörpern befindet sich ein gelenkflüssigkeitsgefüllter Gelenkspalt.»
Wikipedia

Puh.

Ein gelenkflüssigkeitsgefüllter Gelenkspalt. Der kommt jetzt doch sehr überraschend.

Nun gut. Wikipedia ist auch ehrlich die Plattform mit der versautesten Sprache überhaupt. Der reinste Porno.

Ein kleiner Wikipedia-Exkurs zur Veranschaulichung am Beispiel des Paarungsverhaltens des Tigerschnegels
(unzensierte Version!)
«Die Kopulation beginnt damit, dass ein Tier die Schleimspur eines anderen Exemplars aufnimmt. Hat das herannahende Tier das andere erreicht, beginnt eine mitunter stundenlange Verfolgung, die damit endet, dass das verfolgte Individuum an einem für die Kopulation geeigneten Platz – fast immer eine senkrechte Fläche – nach rechts einbiegt und mit dem verfolgenden Tier einen ziemlich regelmässigen Kreis bildet.

Die Tiere bewegen sich unter gegenseitigem Belecken der Schwanzspitze zunächst weiter im Kreis. Dabei wird viel Schleim abgesondert, der einen runden Fleck auf dem Untergrund bildet. Die Tiere verkürzen sich und werden dicker. Dabei ist der Vorderkörper spindelförmig angeschwollen. Die Vorderkörper biegen sich nach rechts und nach links.

Am Ende dieses Teils des Vorspiels wird der Kreis enger, die Tiere legen jeweils den Kopf auf den Rücken des Partners. Zwar klafft die Genitalöffnung bereits, von den Genitalien selber ist jedoch noch nichts zu sehen. Danach beginnen sich die beiden Partner stürmisch zu umschlingen. Sie schlagen heftig mit den Vorderkörpern umher, belecken oder benagen sich gegenseitig und spreizen die Mantelschilde. Während dieser heftigen Bewegungen scheiden die Tiere mit ihrer Schleimdrüse jeweils einen 1½ mm dicken, rötlich-gelben Schleimfaden aus.

Nach weiteren heftigen Bewegungen und weiterer Schleimbildung lösen sich die beiden Partner von der Unterlage und hängen kopfüber am gebildeten Schleimfaden, der durch die heftigen Umschlingbewegungen immer stärker verdreht wird und rasch länger wird. Die endgültige Länge ist unterschiedlich. Ulrich Gerhardt gibt 15 bis 20 cm an, Karl Künkel in einem Brief an Ulrich Gerhardt bis 43 Zentimeter.*

Hat der Schleimfaden seine maximale Länge erreicht, hören die Bewegungen auf und die Tiere strecken sich, aber in sich verschlungen und mit fast in die Waagrechte gehobenen Köpfen. Erst danach erscheinen in den Genitalöffnungen die schlauchartigen, bis etwa 4 Zentimeter langen und etwa 4 Millimeter dicken Penes, die durch die Hämolymphe bläulichweiss gefärbt sind. Die Kämme sind bereits als gewellte Säume zu sehen. Die Penes beginnen nun sich zu suchen. Dazu werden die Köpfe etwas abgesenkt. Meist braucht es mehrere Versuche, bis sich die Penes gefunden haben. Sie umwinden sich anschliessend. Die Basen der Penes bleiben getrennt.

Nach der Umwindung der Penes legen sich die Kämme zunächst kurz an. Die Samenpakete erscheinen in den Genitalöffnungen und gleiten rasch zu den Spitzen der Penes. Die Kämme werden nun bis auf 2½ Windungen wendelartig abgespreizt. Haben die beiden Spermapakete die Spitzen der Penes erreicht, legen sich die Kämme der unteren 1½ Windungen wieder an und bilden mit den Penisspitzen eine bläuliche Kugel. Es entsteht das Bild einer hängenden Lampe (in der Literatur auch ‹Lampenglocke› genannt**). In dieser Kugel treten die Spermapakete aus und werden an Drüsenfelder an den jeweils anderen Penis angeheftet. Dieses Stadium bleibt eine ganze Weile ohne Veränderung bestehen.

Danach beginnt die Trennung der Penes, die von den Basen ausgeht. Die Kämme legen sich an, lösen sich vom jeweilig anderen Penis, bis dann nur noch die verbreiterten Endstücke der Kämme zusammenhängen. Unter Ziehen und Überwindung zähen Schleims werden die Penes schliesslich auseinandergezogen. Für einen kurzen Augenblick sind dabei die Spermapakete sichtbar, die nun rasch in den Penis eingestülpt werden. Die Penes werden nun rasch und vollständig in die Genitalöffnung zurückgezogen. Die Umwindung der Tiere löst sich nun.

Oft fällt nun ein Tier zu Boden, während das andere am Schleimfaden hochkriecht und ihn oft auch auffrisst. Ist eine feste Unterlage nicht weit, versucht ein Partner dort festen Halt zu finden und kriecht davon. Insgesamt dauert die Kopulation von der Bildung des Kreises bis zur Trennung meist nur etwa eine halbe Stunde bis eine Stunde. Die eigentliche Kopulation dauert nur 11 bis 20 Minuten (Mittel 15 Minuten). Selbstbefruchtung wurde, zumindest in Gefangenschaft, ebenfalls beobachtet.»


*Dieser Brief von Karl Künkel ist möglicherweise das Obszönste, das je von einem Menschen verfasst wurde.

**«Literatur»

Ins Bildliche übersetzt sieht das dann so aus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Tigerschnegel#/media/Datei:Limax-maximus_mating_2.jpg

Tigerschnegel bei der Paarung
Tigerschnegel bei der Paarung.Bild: wikimedia

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass man von diesem Fernsehformat namens «Bachelor» einfach nicht überrascht wird. Nicht von der Regie, nicht von der Kamera und schon gar nicht von den Protagonistinnen.

Es ist ein bisschen wie Persil. Da weiss man, was man hat. Für diejenigen, die es lieben, heisst das schlicht, dass sie niemals enttäuscht werden.

(🎶 Auf diese Steine können Sie bauen ...🎶)

Der Bachelor: «Häsch du Tattoos, wone Bedütig hend?»

Jenni:

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Nein. Einfach Wörter halt. «Effretikon» ginge auch. Oder «Shoppi Tivoli samstags».bild: watson

Da sind die bedeutungsvollen Täts und die wackelnden Füdlis, die Sonnenbrände und Poolpartys. Da sind die schwierigen Vergangenheiten und die kinderreichen Zukünfte, die Deep Talks und die fiesen Sprüche, die wunderschönen Locations und die noch schöneren Kleider. Da ist das Adrenalin und das Abenteuer ihres Lebens. Da sind Küsse, Schmetterlinge, Rosen und Tränen.

Das Zuhause vom «Bachelor» ist die Wiederholung. Da, wo auch Sisyphos zuhause ist. Der alte Grieche, der den Göttern einmal zu oft blöd gekommen ist, und deshalb in die Unterwelt, gar in die tiefste Region davon, in den Tartaros, hinabgestossen wurde, um dort ewige Qualen zu erleiden.

Der von Tizian gemalte Sisyphos.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sisyphos#/media/Datei:Punishment_sisyph.jpg
Der von Tizian gemalte Sisyphos sieht mässig happy aus mit seiner Aufgabe.Bild: wikimedia

Diese bestehen in seinem Fall darin, ihr wisst es sicher, einen Felsblock einen Berg hinaufzuwälzen, der, fast am Gipfel angekommen, jedes Mal wieder ins Tal hinunterrollt. Und dann beginnt der ganze Mist von vorne, die Sisyphosarbeit, die wir alle kennen, putzen, dem Kind sagen, es soll nicht mit dem Tripp Trapp gagelen oder eben «Bachelor»-Rezensionen schreiben bzw. lesen.

Nun kommt ca. 2600 Jahre später so ein dahergelaufener Franzose und behauptet, dass «ein Kampf gegen Gipfel ein Menschenherz auszufüllen» vermag. Dass wir uns Sisyphos «als einen glücklichen Menschen vorstellen» müssen.

Ja was zum Henker.

Der pfeift also frischfröhlich vor sich hin, während er, den unanusweichlichen Ausgang seiner Tätigkeit sehr wohl kennend, total happy seinen blöden Stein da raufschiebt?

Jep.

Sisyphos in der Interpretation von Franz von Stuck, 1920.
Sisyphos in der Interpretation von Franz von Stuck (1920), happy oder eher nicht so?Bild: wikimedia

Camus meint, dass Sisyphos' Tun gerade in seiner äussersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint.

«Sein Schicksal gehört ihm. Sein Stein ist seine Sache.»
Albert Camus in «Der Mythos des Sisyphos»

Ja, natürlich ist es sein Schicksal. Und sein Stein. Diesen Mist will ja sonst keiner.

Andererseits hätte es schlimmer kommen können. Er hätte dazu verdammt werden können, auf ewig zu twerken. Für seinen Stein! (Die Strafe bestünde nun darin, dass der Stein davon natürlich absolut unbeeindruckt bliebe.)

Vielleicht ist es das. Vielleicht denken die Ladys, das Twerken sei das unabdingbare Schicksal, das sie erleiden müssen, um in diesem Bachelor-Universum bestehen zu können. Diesen Anschein macht zumindest Rosa, die nach ihrem Füdli-Auftritt an der Poolparty ein ganz schlechtes Gefühl hat und gar den Rosentod fürchtet, weil sie findet, alles sei ein bisschen «zu crazy» und «too much» gewesen:

«So wie ich mi verhalte han, das bin überhaupt nöd ich.»
Rosa
Bachelor Rosa
Man ahnt, was Rosa da unten treibt ...bild: 3plus

Am Ende sind wir eben alle Gefangene dieses bitteren Wiederholungszwangs. Sehen uns gezwungen, zu machen, was die anderen machen. Zuzuschauen bei dem, was die anderen machen. Es zu verurteilen, darüber zu lachen oder es zu feiern. Verurteilt dazu, zu leben, zu arbeiten, zu twerken – und irgendwann auch zu sterben.

Wenigstens müssen wir dann keine Analrinne mehr mit uns rumschleppen.

PS:
Julia ist auf OnlyFans, Ardita muss sich in ihrer Wortwahl mässigen («Hure» sagen geht gar nicht!), Ann-Lia, Lina und die nicht twerkende Vanessa sind raus.

Die ersten beiden Folgen verpasst? Hier entlang!

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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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tr3
31.10.2023 05:58registriert April 2019
Das Gute am Tripp-Trapp ist ja unter anderem, dass er durch seine Konstruktion das Gagelen praktisch verunmöglicht.
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Remus
31.10.2023 00:21registriert Dezember 2016
Ich verstehe langsam warum in jedem Film die Aliens fast gewinnen....
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Kleine Hexe
30.10.2023 22:45registriert März 2017
Ich bin überrascht. Ich habe in einem Bachelorartikel tatsächlich etwas Sinnvolles gelernt.
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