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Gerade in der Abwehr ist es wichtig, mit den Mitspielern klar zu kommunizieren. Bild: www.imago-images.de

Akanjis Revier

Wie wir uns beim BVB in der Kabine und auf dem Platz verständigen, damit es jeder versteht

Internationale Spitzenteams gleichen manchmal einer Weltauswahl. Bei Borussia Dortmund stehen Spieler aus rund einem Dutzend Ländern im Kader. Trotz ein paar Sprachbarrieren können wir uns gut miteinander verständigen.

Manuel Akanji
Manuel Akanji



Borussia Dortmund ist ein deutscher Klub und nach wie vor ist die am häufigsten gehörte Sprache auf unserem Trainingsgelände deutsch. Danach folgt bei uns englisch – das versteht jeder zumindest ein bisschen und die meisten Spieler können sich damit auch mehr oder weniger gut ausdrücken.

Ausserdem haben wir etwa ein halbes Dutzend Spieler bei uns, die nur französisch sprechen und ich habe einige spanischsprachige Mitspieler. Auch wenn ihr Anteil gesunken ist, da Paco Alcacer, Achraf Hakimi, Leonardo Balerdi oder Sergio Gomez nicht mehr bei uns sind. Erling Haaland und Thomas Delaney sprechen untereinander in ihren skandinavischen Sprachen, Norweger und Dänen verstehen einander. Und natürlich ist auch Schweizerdeutsch eine BVB-Sprache, mit unseren Goalies Roman Bürki und Marwin Hitz bilde ich ja ein Schweizer Trio in Dortmund.

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Da braucht es ohnehin keine Worte: Torjubel gemeinsam mit Giovanni Reyna. Bild: www.imago-images.de

Auf dem Platz verständige ich mich in drei Sprachen: deutsch, französisch und englisch. In der Regel passe ich mich dem Mitspieler an, der gerade in meiner Nähe ist. So funktioniert die Kommunikation untereinander, die gerade in der Abwehr wichtig ist, gut. Diese drei Sprachen sind im Weltfussball wohl die wichtigsten: Du findest fast in jeder Mannschaft einen, der entweder deutsch, französisch oder englisch spricht.

Sehr viel rede ich auf dem Platz aber nicht: Klare Kommandos genügen. Wenn ich einem Mitspieler den Ball passe, dann rufe ich ihm gleichzeitig zu, ob er unbedrängt ist oder ob ein Gegenspieler naht. Oder ich weise ihn an, dass wir als Mannschaft aufrücken.

Häufig nutze ich den Ausdruck «solo», denn der wird eigentlich in jeder Sprache verstanden. Den französisch sprechenden Mitspielern gebe ich vielleicht ein «tourne» mit, damit sie wissen, dass sie sich gefahrlos umdrehen können; wenn einer nicht unmittelbar unter Druck steht, rufe ich ihm «time» zu.

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Vor einem Freistoss hat man ausnahmsweise ein wenig mehr Zeit, um etwas zu besprechen. Bild: www.imago-images.de

Unser Trainer Lucien Favre spricht zur Mannschaft deutsch, mit den französisch Sprechenden unterhält er sich als Westschweizer in ihrer gemeinsamen Muttersprache. Wenn uns in der Teambesprechung der Gegner vorgestellt wird, dann erfolgt das auf deutsch und englisch. Ein Assistenztrainer übersetzt zusätzlich für die englisch sprachigen Mitspieler; das macht er auch im Training, wenn etwas nicht verständlich ist.

Es gibt auch andere Sprachtalente beim BVB. Mein belgischer Mitspieler Axel Witsel etwa kann französisch und englisch, deutsch spricht er zwar nicht gut, er versteht es aber. Dank seiner Zeit bei Benfica beherrscht er auch portugiesisch, und italienisch kann er auch. Erling Haaland beispielsweise kann sicher besser als viele andere deutsch, er zieht es aber vor, englisch zu sprechen. Auch der junge Amerikaner Giovanni Reyna versteht schon ziemlich gut deutsch, er traut sich aber noch nicht, sich so zu äussern.

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Bin ich mit Erling Haaland und Jadon Sancho zusammen, unterhalten wir uns auf englisch. Bild: www.imago-images.de

Da ich drei Sprachen beherrsche, bin ich auch oft als Dolmetscher gefragt. Ich bin häufig mit Jadon Sancho zusammen und übersetze ihm ins Englische, was er nicht versteht. Auch in der Kabine werde ich von den Kollegen regelmässig gebeten, etwas zu erklären, nicht nur Fussballsprache, sondern auch Kabinengeplauder. Eigentlich sollte ich mit Borussia Dortmund nebst dem Spielervertrag noch einen Vertrag als Dolmetscher abschliessen ;-)

Der Verein unterstützt die Spieler dabei, Sprachen zu lernen. Er bietet Sprachunterricht an, man kann nicht nur deutsch lernen, es gab auch schon Englischkurse. Und wir alle helfen einander natürlich ebenfalls. Das funktioniert in beide Richtungen, also auch, falls einer wie ich mal einen spanischen Ausdruck übersetzt haben will. Dass man sich ab und an auch einen Spass daraus macht und nicht unbedingt die wahre Bedeutung eines Worts erklärt wurde, kommt wohl in jeder Mannschaft dieser Welt vor, in der ein guter Teamgeist herrscht.

Mehr aus meinem Blog:

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bild: sven germann

Akanjis Revier

Von Wiesendangen auf die grosse Fussballbühne: Manuel Akanji hat sich als Bundesligaspieler und in der Schweizer Nati etabliert.

In seinem Blog auf watson erzählt der 25-Jährige aus dem Leben eines Profifussballers. Unverblümt, authentisch, anekdotenreich – mit einem spannenden Einblick auf und neben das Spielfeld.

Mehr von Manuel Akanji gibt's hier:
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50 Beweise, dass es fast unmöglich ist, Deutsch zu lernen

Apropos Sprachen: «Homeoffice» – oder wie wir Emilys englisch zerstörten

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