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Playoff-Final: Gottéron-Wende gegen Davos? 5 Schlüssel zum Erfolg

Attilio Biasca (HCFG) ist enttaeuscht nach dem fuenften Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Sonntag, 26. April 2026, in der zon ...
Enttäuschte Freiburger nach der Niederlage in Spiel 5. Bild: keystone
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Gottéron will den Final gegen Davos drehen – der 5-Punkte-Plan zum Meistertitel

Der HC Fribourg-Gottéron will die Finalserie gegen Davos noch drehen. Dafür braucht es zwei perfekte Spiele, angefangen heute Abend zu Hause.
28.04.2026, 16:0528.04.2026, 16:05

Fribourg-Gottéron steht vor einer Herkulesaufgabe. Nach der bitteren Niederlage nach Verlängerung in Spiel 5 vom Sonntag, müssen die Drachen nun Davos zweimal in Folge schlagen, um den Traum vom ersten Meistertitel der Klubgeschichte noch zu verwirklichen. In dieser National-League-Saison hat Davos nur dreimal zwei Spiele in Serie verloren, und bei einem dieser beiden Male lag zwischen den beiden Meisterschaftspartien noch der Triumph am Spengler Cup.

Damit in der Finalserie die Wende gegen den HCD noch gelingt, muss bei Gottéron zuerst im heutigen Spiel 6 (ab 20 Uhr im watson-Liveticker und live auf TV24 und 3+) und dann auch im allfälligen Spiel 7 also alles zusammenpassen. Das sind die Schlüssel zum Erfolg.

Spiel 5 vergessen

Die äusserst bittere Niederlage am vergangenen Sonntag muss Fribourg hinter sich lassen. Das Team von Roger Rönnberg verspielte einen 3:0-Vorsprung und verlor am Ende in der Verlängerung auch wegen einer ärgerlichen Strafe: Nathan Marchon schoss den Puck aus der eigenen Zone übers Plexiglas. Adam Tambellini schoss den HCD im folgenden Powerplay zum Sieg.

Aber eigentlich muss Fribourg genauso weiterspielen wie in den letzten beiden Finalspielen – so paradox das auch klingt nach zwei Niederlagen. Denn Gottéron hatte in beiden Partien mehr vom Spiel und spielte Davos phasenweise an die Wand. Doch in der vierten Partie in Fribourg verzweifelten die Drachen an Goalie Sandro Aeschlimann. Am Sonntag trieben sie Aeschlimann derart zur Verzweiflung, dass dieser seine Vorderleute zusammenstauchte. Doch am Ende erfolgte erneut der Einbruch, als auch die Davoser Offensive zum Sturmlauf ansetzte.

Trotzdem sollte Roger Rönnberg seine Spieler nochmals genau gleich einstellen wie zuletzt. In beiden Spielen startete Gottéron wie die Feuerwehr und stellte den HCD sofort vor Probleme. Schliesslich ist es am Ende im Prinzip eine einfache Rechnung: Kreierst du mehr Chancen, ist es wahrscheinlicher, dass du ein Spiel auch gewinnst.

Aggressivität beibehalten

Nach der Niederlage im zweiten Finalspiel bemängelten wir bei Fribourg-Gottéron die Zweikampfstärke. Insbesondere im Powerplay, aber auch sonst verloren die Freiburger viele wichtige Zweikämpfe, weshalb die Davoser gefährliche Situationen im Slot oft zu einfach klären konnten.

Im Verlauf des Finals hat sich Roger Rönnbergs Mannschaft im Zweikampfverhalten aber stark verbessert. Dass sie in den letzten beiden Spielen mehr Chancen hatte als die Bündner, liegt auch an gewonnenen Zweikämpfen. Zudem spielt Gottéron auch sonst sehr physisch. Christoph Bertschy packt immer wieder extrem harte, aber faire Checks aus. Auch Attilio Biasca, Henrik Borgström oder die Verteidiger Simon Seiler und Maximilian Streule versuchen, den Gegnern mit einer aggressiven, physischen Spielweise unter die Haut zu fahren.

Aggressivität hat aber nicht nur mit harten Checks zu tun, sondern kann auch anders ausgelebt werden – beispielsweise mit konsequentem Forechecking. Die letzten beiden Spiele haben gezeigt, dass die HCD-Spieler zu Fehlern neigen, wenn sie im Spielaufbau unter Druck gesetzt werden. Das hat Fribourg zuletzt immer wieder ausgenutzt, um zu guten Torchancen zu kommen.

Playoff-Final: Fribourgs Schlüssel zum Erfolg gegen Davos in Spiel 6.
Jeremi Gerber macht Druck auf HCD-Stürmer Simon Ryfors, der hinter dem eigenen Tor an die Scheibe kommt. Bild: screenshot national league/mysports
Playoff-Final: Fribourgs Schlüssel zum Erfolg gegen Davos in Spiel 6.
Gerber erhält im Forecheck Unterstützung von Jacob de la Rose. Dem Davoser gehen Zeit und Platz aus.Bild: screenshot national league/mysports
Playoff-Final: Fribourgs Schlüssel zum Erfolg gegen Davos in Spiel 6.
Die einzige Option, die Ryfors noch hat, ist der seitliche Pass zu Verteidiger Davyd Barandun.Bild: screenshot national league/mysports
Playoff-Final: Fribourgs Schlüssel zum Erfolg gegen Davos in Spiel 6.
Unter Druck spielt Ryfors den Pass seinem Teamkollegen allerdings in die Schlittschuhe statt auf den Stock. Währenddessen dreht Fribourgs de la Rose ab Richtung Tor. Bild: screenshot national league/mysports
Playoff-Final: Fribourgs Schlüssel zum Erfolg gegen Davos in Spiel 6.
De la Rose erobert die Scheibe und bedient Jamiro Reber, der zu einer Chance aus einer gefährlichen Position kommt.Bild: screenshot national league/mysports

Solche Szenen dürften auch heute Abend wieder eine wichtige Rolle spielen.

Powerplay-Erfolg beibehalten

Nachdem sich Fribourg-Gottéron die ganzen Playoffs in Überzahl extrem erfolglos abgemüht hatte, erzielten die Drachen am Sonntag gleich zwei Tore in Überzahl. Zugegeben, das 4:4 von Lucas Wallmark war kein typisches Powerplay-Tor. Der Schwede überlistete den dabei nicht gut aussehenden HCD-Goalie Aeschlimann mit einem überraschenden Schuss aus der Distanz.

Das Powerplay-Tor zum 2:0 war hingegen das Resultat des Chaos, das Fribourg in der Davoser Zone erzeugte. Und kurz davor hatte Jacob de la Rose schon Bruchteile nach Ablauf einer Strafe getroffen – das Tor wurde aber wegen einer hauchdünnen Offside-Position im Vorfeld annulliert.

Der plötzliche Erfolg im Powerplay beruht – neben der geforderten Verbesserung in den Zweikämpfen – auch auf einer gesteigerten Variabilität. Wie auch MySports-Experte Ueli Schwarz in der TV-Übertragung feststellte, gingen die Freiburger in Überzahl auch gelegentlich hinter die Torlinie und spielten die sogenannten «Low-to-High-Pässe» in den Slot. Das machte das Gottéron-Powerplay etwas unberechenbarer. Wenn das heute Abend auch gelingt, kann das ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Julien Sprunger (HCFG) bejubelt das 0-3 von Jan Dorthe (nicht im Bild) gegen Torhueter Sandro Aeschlimann (HCD) im fuenften Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und ...
Fribourg jubelte am Sonntag drei Mal im Powerplay – zwei Mal zählte das Tor auch.Bild: keystone

Führung vor dem 3. Drittel

Dass es gegen den HC Davos, Ausgabe 2025/26, extrem schwierig ist, eine Führung zu verteidigen, hat Fribourg bereits in Spiel 1 gespürt und am Sonntag in Spiel 5 nochmals schmerzlich aufgezeigt erhalten. Fast noch schwieriger ist es aber, gegen die Bündner einen Rückstand aufzuholen.

Das Team von Josh Holden ist in der Lage, eine Führung zu verwalten – auch in den Playoffs. Insgesamt lagen die Davoser in Viertelfinal, Halbfinal und Final nach 40 Minuten neun Mal in Führung. Acht Mal holten sie dann auch den Sieg. Die einzige Ausnahme: Spiel 3 gegen Fribourg, als der HCD einen 2:1-Vorsprung zur 2. Pause noch aus der Hand gab. Ansonsten konnte Davos jeweils die Mitte gut zustellen und die gefährlichen Chancen der Gegner limitieren.

Selbst wenn das Spiel eng ist, schafft es der HCD, die verzweifelten Angriffe der Gegner in Schach zu halten. Als die Davoser in Spiel 4 in Fribourg eine 1:0-Führung ins Schlussdrittel nahmen, schafften sie es dort trotzdem, mehr Chancen zu kreieren als der Gegner und den Minisieg über die Zeit zu retten. Gleiches erlebten zuvor im Halbfinal auch schon die ZSC Lions.

Auch wenn die Freiburger bislang die Einzigen waren, die in den Playoffs einen Rückstand nach 40 Minuten gegen Davos noch in einen Sieg verwandeln konnten, muss es ihr Ziel sein, heute Abend zur zweiten Pause zu führen oder das Spiel wenigstens ausgeglichen zu gestalten.

Hoffen auf Sörensen

Im Playoff-Viertelfinal musste Fribourg noch gänzlich ohne Marcus Sörensen auskommen und bekundete grosse Mühe gegen die Rapperswil-Jona Lakers. Im Halbfinal kam der Schwede zurück und mit ihm die Leichtigkeit ins Spiel von Gottéron. Zwar brauchte der Stürmer noch etwas Anlaufzeit, um seine Topform zu erreichen (nur ein Tor in drei Halbfinalspielen), doch je länger die Playoffs dauern, desto besser spielt er.

Im Final gegen Davos ist er Fribourgs auffälligster Spieler (2 Tore, 2 Assists) und bildet mit Landsmann Lucas Wallmark (3 Tore, 2 Assists) ein kongeniales Sturmduo. Sörensen vereint Tempo, Technik und Physis wie kaum ein anderer Stürmer in der National League. Doch nun droht er für den Rest des Playoff-Finals auszufallen.

Marcus Soerensen (HCFG) bejubelt sein 0-1 im fuenften Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Sonntag, 26. April 2026, in der zonda ...
Marcus Sörensen ist einer der wichtigsten Spieler Gottérons.Bild: keystone

Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit verschwand der Spektakelstürmer in der Garderobe und kehrte auch für die Verlängerung nicht mehr aufs Eis zurück. Als er das Feld verliess, hielt er sich im Leistenbereich und schien dort Schmerzen zu haben. Noch ist unklar, ob Sörensen heute Abend einsatzfähig ist. Klar ist dagegen: Ohne den Schweden würde Fribourgs Herkulesaufgabe nochmals deutlich schwieriger.

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Dieses Tor hat ein Playoff-Spiel entschieden 🙈
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