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Man kann ihn kaum stoppen: Grégory Hofmann.
Man kann ihn kaum stoppen: Grégory Hofmann.Bild: keystone, watson
Analyse

«Speed, Schuss, Instinkt, Ehrgeiz» – darum dominiert Zugs Grégory Hofmann die Liga

Grégory Hofmann ist auf bestem Weg, der erste Schweizer National-League-Topskorer seit Damien Brunner zu werden. Wir wollten herausfinden, was den Zuger Sniper denn so gut macht, und haben dafür in die Statistik geschaut, aber auch bei Leuten nachgefragt, die es wissen müssen.
26.10.2019, 10:1426.10.2019, 20:02

Er ist derzeit der erfolgreichste Spieler auf Schweizer Eis. Grégory Hofmann trifft und trifft und trifft. Der Romand hat gute Chancen, der erste Schweizer National-League-Topskorer seit Damien Brunner 2012 zu werden.

Brunner erzielte damals in 45 Spielen fantastische 60 Punkte (davon 24 Tore). Hofmann ist nach seinem brillanten Saisonstart aber noch besser unterwegs. Zieht er seine momentane Pace durch, landet er Ende Saison bei 50 Toren und insgesamt 77 Punkten. Solche Werte hat seit Oleg Petrov (35 Tore, 52 Assists) und Paul DiPietro (38 Tore, 44 Assists) 1998/99 niemand mehr erreicht.

Doch was macht Grégory Hofmann derzeit so gut? Warum scheint er schier unaufhaltbar? Wir gehen diese Fragen auf zwei verschiedene Arten an. Einerseits konsultieren wir die Statistik und schauen, ob die Zahlen uns Aufschluss geben können. Andererseits fragen wir Experten, Mitspieler und Gegner, wie sie Hofmann beurteilen.

Das sagen die Statistiken

Will ein Stürmer Erfolg haben, sind zwei Dinge besonders wichtig: Schussvolumen und Schussqualität. Hier wollen wir schauen, was Hofmann aus statistischer Sicht auszeichnet und ob seine aktuelle Form konservierbar ist.

Schusseffizienz

Grégory Hofmann ist ein hervorragender Schütze. Das zeigt auch seine Schusseffizienz, die in seiner ganzen Zeit in der höchsten Schweizer Spielklasse bei durchschnittlich 14,38 Prozent liegt. In den letzten zwei Jahren in Lugano lag sie gar konstant über 16 Prozent – ein herausragender Wert.

Mitte Oktober erzielte Grégory Hofmann einen Hattrick und sprach über die Situation als Goalgetter.Video: YouTube/MySports

Aktuell schiesst der 26-Jährige gar mit einer Effizienz von 24,53 Prozent. Zwar sollte aufgrund der besseren Mitspieler beim EV Zug eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr möglich sein, dennoch scheint es unrealistisch, dass er den Wert auf diesem Level halten kann.

Schussvolumen und -position

Hofmann schiesst oft und gut. Nur vier Spieler in der National League haben pro 60 Minuten Eiszeit noch mehr Schussversuche auf dem Konto (Fredrik Pettersson, Luca Fazzini, Oscar Lindberg und Toni Rajala). Aber nur einer davon (Lindberg) kommt auf eine ähnlich gute Schussqualität.

Hofmanns Schussqualität vs. Schussquantität 2018/19

Bild: screenshot nlicedata.com

Hofmanns Schussqualität vs. Schussquantität 2019/20

Lesehinweis: Je weiter rechts der Punkt steht, desto mehr Schüsse gibt der Spieler ab. Je weiter oben der Punkt steht, desto gefährlicher sind die Schüsse des Spielers
Lesehinweis: Je weiter rechts der Punkt steht, desto mehr Schüsse gibt der Spieler ab. Je weiter oben der Punkt steht, desto gefährlicher sind die Schüsse des SpielersBild: screenshot nlicedata.com

Im Vergleich zur letzten Saison schiesst Hofmann etwas weniger. Dafür haben die Schüsse aber nochmals eine etwas bessere Qualität als im Jahr zuvor. Das zeigt sich auch beim Blick auf den Schuss-Tracker von nlicedata.com: Der Romand kommt jetzt beim EVZ noch etwas näher vor dem Tor zum Abschluss als noch beim HC Lugano.

Bild: screenshot nlicedata.com
Bild: screenshot nlicedata.com

Anteil des Powerplays

Natürlich profitiert der 26-Jährige auch davon, dass er im Powerplay viel Eiszeit erhält. Mit mehr als viereinhalb Minuten Einsatzzeit in Überzahl pro Spiel ist Hofmann in dieser Sparte ein absoluter Spitzenreiter. Ligaweit hat nur Teamkollege Lino Martschini noch einen Hauch (nämlich sechs Sekunden) mehr Powerplay-Zeit pro Partie.

Das bedeutet auch, dass Hofmann in jedem Spiel über eine Minute mehr Auslauf erhält als letzte Saison bei Lugano. Damals war er mit rund drei Minuten diesbezüglich nur die Nummer 49 der Liga.

Der Goalgetter trifft natürlich nicht nur im Powerplay, profitiert aber schon stark davon, dass er so viele Chancen in Überzahl erhält. In allen Spielsituationen (Even Strength, Powerplay, Penalty Killing) gemessen ist er mit 3,1 Toren pro 60 Minuten Eiszeit der erfolgreichste Spieler der Liga.

Nimmt man nur die Daten aus ausgeglichenen Spielsituationen (also 5 vs. 5 Spieler, 4 vs. 4 oder 3 vs. 3), dann ist Hofmann «nur» noch die Nummer 5 der Liga.

Das sagen die Experten

Wir haben mit vier Fachleuten gesprochen: Thomas Roost ist NHL-Scout und auch Chefscout beim EHC Biel. Er beobachtet das Schweizer und internationale Eishockey schon jahrelang. Damien Brunner war der letzte Schweizer Topskorer in der National League. Er kennt Grégory Hofmann sowohl als Mitspieler bei Lugano und seit letzter Saison nun auch als Gegner. Raphael Diaz und Lino Martschini haben im Nationalteam schon mit Hofmann zusammengespielt und sind seit diesem Sommer nun auch im Klub Teamkollegen.

Was sind Grégory Hofmanns grösste Qualitäten?
Thomas Roost: Ganz klar sein Speed und seine Schusskadenz und Schussqualität, seine «Onetimer» sind Weltklasse und er hat mehr als vier Torschüsse pro Spiel. Hofmann schiesst auch schnell und ansatzlos – in diesen Bereichen ist er ganz Nordamerikaner.
Raphael Diaz: Er hat einen guten Schuss, ist ein sehr schneller Spieler und hat einen grossen Willen, Tore zu schiessen.
Damien Brunner: Viele Dinge: Der Speed, der Schuss, der Ehrgeiz, der Instinkt. Er kann seinen Schuss aus praktisch jeder Lage unglaublich beschleunigen. Beim Skating verschafft ihm seine Agilität aus der Kurve und beim Bremsen einen enormen Vorteil. Wenn er sich da einen halben Meter – meistens ist es eher mehr – Vorsprung verschafft, hat er schon genug Platz, die Scheibe so rauszubringen, dass es gefährlich wird. Durch all diese Waffen ist er auch an einem Abend gefährlich, an dem es ihm vielleicht eigentlich nicht läuft.

Grégory Hofmann jubelt mit Lino Martschini und Raphael Diaz.
Grégory Hofmann jubelt mit Lino Martschini und Raphael Diaz.Bild: PPR

Man hat das Gefühl, er steht auch immer am richtigen Ort.
Damien Brunner: Das liegt an seinem Instinkt. Er spürt immer, wo er hinmuss. Das ist eine Gabe. Darum gibt es auch viele Tore bei denen man das Gefühl hat, «den hätte ich auch noch gemacht». Das kommt alles durch den Instinkt und die Repetition.

Wie drückt sich sein Ehrgeiz aus?
Damien Brunner: Ich erlebe das, wenn ich jeweils im Sommer mit ihm trainiere. Grégory kann einfach nicht verlieren, er will alles immer nochmals und nochmals versuchen. Und wenn du ein Elite-Skorer sein willst, musst du genau so denken. Du darfst nicht zufrieden sein, wenn du schon ein oder zwei Tore gemacht hast. Oder du musst auch dann noch ein Tor schiessen wollen, wenn dein Team schon 4:0 oder 5:0 führt. Sonst kommst du nicht auf solche Zahlen, wie er sie hat.

Haben Sie schon jemals mit einem anderen Spieler mit Hofmanns Qualitäten zusammengespielt?
Lino Martschini: Nein, das kommt nicht oft vor. Mit diesen Eigenschaften und Qualitäten gehört er zu einer ganz kleinen Gattung von Spielern.
Raphael Diaz: Ja, habe ich: Lino Martschini.

Wird er dieses Level die ganze Saison durch halten können? Was trauen Sie ihm zu?
Thomas Roost: Seine Torproduktion wird er vermutlich nicht auf diesem Level halten können. Er dürfte aber trotzdem auch in dieser Saison mehr als einen Punkt pro Spiel skoren und dies ist im Wiederholungsfall – und bei ihm ist es ein Wiederholungsfall – positiv eindrücklich.
Damien Brunner: Ich bleibe bei meiner Aussage, dass Grégory 40 Tore schaffen kann, wenn er gesund bleibt und eine perfekte Saison hat.

Warum ist er so schwer zu verteidigen?
Thomas Roost: Weil er in Zug gute Mitspieler hat, die ihn lancieren und ihn in viel versprechenden Schusspositionen immer wieder offen finden, vor allem auch im Powerplay.
Lino Martschini: Weil er so schnell und wendig ist. Er steht immer am richtigen Ort und sucht sehr schnell den Abschluss.
Damien Brunner: Er hat in Zug talentiertes Personal neben sich. Gerade im Powerplay, da spielen Lino Martschini und Raphi Diaz genau in seine Fähigkeiten. Die beiden bringen die Scheibe im richtigen Moment in die richtige Position. Ich habe das auch jahrelang miterlebt bei Raphi. Das vereinfacht dann den Direktschuss.

Kennt Grégory Hofmann als Mitspieler und als Gegner: Damien Brunner.
Kennt Grégory Hofmann als Mitspieler und als Gegner: Damien Brunner.Bild: KEYSTONE

Wo liegen Hofmanns Schwächen?
Thomas Roost: Die Fragezeichen bei Hofmann liegen im Bereich «Toughness» (physisch und psychisch), beim Spiel ohne Scheibe und beim Persönlichkeitsprofil.

Könnte er sich auch in der NHL durchsetzen?
Thomas Roost: Wenn er sich in den angesprochenen Bereichen verbessert, würde er in der NHL nicht nur zum Mitläufer werden, sondern ein Spieler mit ca. 0,65 Punkten pro Spiel sein – das ist zumindest mein Tipp.
Damien Brunner: So wie er jetzt spielt, ist er eigentlich «verschenkt» in der Schweiz. Er hat genau die Qualitäten, die gefragt sind in der NHL – schnell, explosiv und mit einem Release, der sich abhebt von allem, was wir sonst in der Schweiz haben. Vielleicht hat das Timing nie gepasst, auch weil er letztes Jahr seinen Vertrag verlängern musste und nun offenbar keine Klausel hat. Aber von allen Schweizern in der National League würde ich ihm diesen Sprung am ehesten zutrauen.

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