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Choreo der St. Galler Fans, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Sion, am Samstag, 2. November 2019, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Nicht nur die Fans der Grün-Weissen feuerwerken in diesem Herbst. Bild: KEYSTONE

Analyse

4 Gründe, warum der FC St.Gallen in dieser Saison ganz oben mitmischt

Als der FC St.Gallen gegen das unterklassige Winterthur im Cup ausschied, stellten sich seine Fans schon auf die nächste trostlose Übergangssaison ein. Doch dann wendete sich das Blatt. Mit mitreissendem Offensivfussball sorgt eine unerschrockene Ostschweizer Mannschaft derzeit für Furore.



Sechs Siege in den letzten sieben Spielen, unbesiegt seit eineinhalb Monaten: Der FC St.Gallen hat einen Lauf. Bis auf Platz 3 sind sie geklettert, mit YB und dem FC Basel liegen nur noch die Schwergewichte der Super League vor den Ostschweizern. Vier Gründe für die grün-weisse Erfolgswelle:

Das Trüffelschwein

St. Gallens Sportchef Alain Sutter, links, und St. Gallens Trainer Peter Zeidler, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und den BSC Young Boys Bern, am Samstag, 10. August 2019, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bild: KEYSTONE

Zu sagen, dass Sportchef Alain Sutter bei seinem Amtsantritt im Januar 2018 in St.Gallen überall mit offenen Armen empfangen wurde, entspräche nicht der Wahrheit. Der WM-Held von 1994 hat es aber geschafft, seine Kritiker ruhig zu stellen – mit geschickten Transfers. Sutter hat bei den Ostschweizern kaum Geld zur Verfügung, umso mehr Gespür braucht es beim Zusammenstellen der Mannschaft. Einerseits setzt der FCSG auf die Jugend, andererseits auf Gescheiterte.

Jordi Quintilla ist das beste Beispiel für einen, der eine zweite Chance benötigte. Ihn fand Sutter in der zweiten US-Liga beim FC Puerto Rico. Der Spanier stammt aus dem Nachwuchs des FC Barcelona, wo er den Sprung ins A-Team nicht schaffte. Zeitweise war er vereinslos, ehe er eine starke Premieren-Saison in St.Gallen hinlegte, die er nun noch toppt. «Sutter muss mit seiner Nummer 8 den auslaufenden Vertrag verlängern. Er muss!», fordert das «St.Galler Tagblatt».

St. Gallens Jordi Quintilla, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Sion, am Samstag, 2. November 2019, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Mittelfeldspieler Quintilla schoss schon sechs Tore. Bild: KEYSTONE

Der Zürcher Miro Muheim (21) versuchte sich vergeblich bei Chelsea. Victor Ruiz spielte vor seinem Wechsel in die Ostschweiz in der vierten (!) spanischen Liga auf der Insel Formentera, nachdem er beim FC Valencia ausser Rang und Traktanden gefallen war. «Falsche Berater, eine schwere Knieverletzung», erklärte der 26-Jährige.

Es kann schnell gehen und man ist weg vom Fenster. Das weiss auch Ermedin Demirovic, mit fünf Toren in den letzten sieben Spielen eines der Gesichter des Aufschwungs. Beim HSV sagten sie dem Stürmer, er solle aufhören: «Du wirst kein Fussballprofi!» Er wurde es, Sutter lieh den Bosnier von Alaves aus. Und noch ein letztes Beispiel, wo St.Gallen seine Verstärkungen findet: Yannis Letard. Der französische Innenverteidiger kam vom VfR Aalen, der aus Deutschlands 3. Liga abstieg und wo er kaum gespielt hatte.

Der Diamantenschleifer

St. Gallens Trainer Peter Zeidler, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Thun, am Samstag, 28. September 2019, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bild: KEYSTONE

Wer den FC St.Gallen spielen sieht, der erkennt die Handschrift von Peter Zeidler. Der Trainer hat einen klaren Plan und der Mannschaft gelingt es derzeit, ihn umzusetzen. Der 57-jährige Deutsche lernte in Hoffenheim und Salzburg viel von Ralf Rangnick und übernahm einiges von dessen Philosophie. Zeidler lässt einen mutigen Fussball spielen. Vollgasfussball – er setzt auf die Offensive und viel Laufbereitschaft. Klar, dass das junge Team dann und wann ins Messer läuft. Aber Zeidlers Devise lautet: Einfach ein Tor mehr schiessen als der Gegner. Dass so eine Spielweise – gepaart mit dem legendären Kampfgeist, den jedes St.Galler Team von Haus aus an den Tag legen muss – dem Publikum gefällt, liegt auf der Hand. Vor allem jetzt, wo sie Erfolg bringt.

Studiogast Peter Zeidler im «Sportpanorama» gestern. Video: SRF

Beim früheren Französischlehrer Zeidler ist es keine Floskel, wenn er sagt, dass das Alter bloss eine Zahl sei. St.Gallen stellt mit Abstand die jüngste Mannschaft der Super League, im Schnitt stellte Zeidler eine Elf auf, die 22,5 Jahre jung war – zwei Jahre jünger als das zweitjüngste Team der Super League. Beim 2:1-Sieg in Basel war Goalie Dejan Stovanovic (26) der älteste St.Galler, die Abwehr bildeten ein 17-, ein 20- und zwei 21-Jährige.

Die Unbekümmertheit

Vom heutigen Bayern-Ersatzgoalie Sven Ulreich gibt es das grandiose Bonmot: «Jung und erfahren gibt es nicht im Fussball, das gibt es nur auf dem Strich.» Aber das Zitat stimmt nicht immer. St.Gallens Captain Silvan Hefti feierte erst gerade seinen 22. Geburtstag, hat aber schon 149 Pflichtspiele für die erste Mannschaft absolviert.

St. Gallens Cedric Itten, Silvan Hefti und Jeremy Guillemenot, von links, bejubeln das 1-1 durch Hefti, rechts Luganos Fabio Daprela, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Lugano, am Sonntag, 25. August 2019, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hefti (22, Mitte) jubelt mit den Stürmern Cedric Itten (22, links) und Jérémy Guillemenot (21). Bild: KEYSTONE

Hefti aus Rorschach ist der Anführer der jungen Garde, in der viele Spieler aus der Region stammen. Abwehr-Supertalent Leonidas Stergiou (17) kommt aus Wattwil, Stürmer Boris Babic (21) aus Walenstadt, Betim Fazliji (20) aus Rebstein, Alessandro Kräuchi (21) aus St.Gallen, Angelo Campos (19) aus Chur und der zurzeit verletzte Nicolas Lüchinger (25) aus Oberriet.

Der bislang letzte Streich: St.Gallen schlägt Sion hoch verdient mit 3:0. Video: SRF

Für diese Spieler ist der Klub mehr als nur ein Sprungbrett zu einem Grossklub. Zeidler, Sutter und Matthias Hüppi, der Präsident mit grün-weissem Herzen, verstehen es ausgezeichnet, sie zu motivieren und ihnen die Bedeutung des FC St.Gallen für die gesamte Ostschweiz aufzuzeigen. Die jungen Akteure spielen unbeschwert und unbekümmert, ohne Angst vor Fehlern und bei diesen gleich zusammengefaltet zu werden. «Wir wollen aktiven, mutigen Fussball», fordert Sportchef Sutter. «Immer in Bewegung, Leidenschaft, Feuer. Wir wollen starke Persönlichkeiten, die auch den Mut haben, einmal zu scheitern.» Der Job der sportlichen Leitung ist es, sicherzustellen, dass aus Mut nicht Übermut wird und Ikarus nicht zu nahe an die Sonne fliegt.

Matthias Hueppi, Praesident FC St. Gallen, links, und Ancillo Caneppa, Praesident FC Zuerich, rechts, dem Testspiel zwischen dem FC Zuerich und dem FC St. Gallen am Samstag, den 30. Juni 2018 auf dem Sportplatz Schuetzenwiese in Rueti.(KEYSTONE/Christian Merz)

Präsident Hüppi lebt mit viel Einsatz in der ganzen Region die Begeisterung für seinen Klub vor. Bild: KEYSTONE

Das nötige Glück

Bei Analysen oft unterschätzt, aber ein wichtiger Punkt im Fussball: das Glück. Bist du gut drauf, geht der Ball eher rein, als wenn du ohnehin schon Pech hast. Und beim FCSG geht er momentan definitiv rein. Der langjährige Fan und Statistik-Guru Tomi Wunder blickte ins Archiv und stellte fest:

Selbst in der alles überragenden Meistersaison 1999/2000 waren Charles Amoah, Ionel Gane und Co. nicht so gut drauf zu diesem Zeitpunkt der Saison. Damals standen nach 13 Runden 23 Punkte und 23:16 Tore auf dem Konto, in dieser Saison sind es 26 Punkte und 26:15 Tore.

Sturm auf Platz 1?

Nun geht's am Sonntag zum Spitzenkampf nach Bern – mit einem Sieg könnte dem FCSG, je nach Resultat des FC Basel in Lugano, der Sprung auf Platz 1 gelingen. Natürlich sind die St.Galler demütig, andererseits treten sie die Reise zum Meister und Leader voller Selbstvertrauen an. «Niemand macht uns Angst», betont Mittelfeldspieler Jordi Quintilla im «Blick».

St. Gallen's Leonidas Stergiou, links, im Kampf um den Ball gegen den Basler Valentin Stocker, rechts, am Sonntag, 28. April 2019, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen gegen den FC Basel im Kybun-Park in St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Juwel: Leonidas Stergiou ist mit 17 Jahren bereits Stamm-Innenverteidiger. Bild: KEYSTONE

Es wäre auch wieder einmal Zeit für einen Auswärtssieg bei YB. Der letzte gelang dem FCSG, als die Berner noch im kleinen Stadion Neufeld spielen mussten, weil das Wankdorf umgebaut wurde. Im März 2005 war das, die Torschützen hiessen Julio Lopez, Moreno Merenda und Dusan Pavlovic, Namen aus einer anderen Zeit. Verteidiger Leonidas Stergiou war damals gerade einmal drei Jahre alt.

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Die turbulente Zeit des FCSG seit dem Meistertitel 2000

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Die turbulente Zeit des FCSG seit dem Meistertitel 2000
quelle: keystone / sigi tischler
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