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ARCHIV - ZUM JAHRESRUECKBLICK 2019 - SPORT STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Christian Stucki jubelt nach seinem Sieg im Schlussgang gegen Joel Wicki am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Sonntag, 25. August 2019. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Christian Stucki gehört zu den Grössten des Schweizer Sports. Bild: KEYSTONE

Analyse

Christian Stucki war 2019 der Grösste – 2020 darf es wieder Roger Federer sein



Wer hat eigentlich die grösste Leistung im soeben vergangenen Sportjahr 2019 vollbracht? In den letzten Tagen des alten Jahres habe ich bei lockeren Gesprächen unter Fachkollegen immer wieder hören müssen: Roger Federer war auch 2019 der Grösste und sicher nicht Schwingerkönig Christian Stucki. Solche Ansichten können nicht unwidersprochen bleiben.

Ist Schwingen überhaupt ein richtiger Sport? Diese Frage sollte eigentlich im Jahr 2019 nach dem grandiosen «Eidgenössischen» in Zug nicht mehr diskutiert werden. Und doch ist Schwingen offensichtlich in der Welt des Sportes noch lange nicht vollumfänglich akzeptiert und gilt nach wie vor mehrheitlich als helvetisches Phänomen. Nicht vergleichbar mit dem richtigen Sport eben. Unsere Ikone des richtigen Sportes sei Roger Federer. Also müsste er Sportler des Jahres 2019 sein.

Diese Argumentation ist auf den ersten Blick logisch. Wenn wir in Peking oder Buenos Aires oder New York oder Kapstadt oder Moskau oder Berlin nach Christian Stucki fragen, werden wir keine Antwort bekommen. Christian Stucki ist weltweit gesehen «niemand».

Wenn wir in Peking oder Buenos Aires oder New York oder Kapstadt oder Moskau oder Berlin nach Roger Federer fragen, wird die Reaktion strahlendes Verstehen sein. Roger Federer ist einer der bekanntesten Menschen auf diesem Planeten.

Der Schweizer Tennisspieler Roger Federer posiert neben seiner originaltreuen Figur anlaesslich des Mitarbeitertreffens von Kaffee-Vollautomaten-Hersteller Jura, aufgenommen am Samstag, 19. Oktober 2019 in Niederbuchsiten. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Nein, einen wie Roger Federer gibt es nur einmal – hier posiert das Tennis-Ass mit seiner Wachsfigur. Bild: KEYSTONE

Roger Federer ist die Lichtgestalt unter Millionen von Tennisspielern. Sein Sport wird in Nordamerika, in Südamerika, in Australien, in Afrika, in Europa und Asien ausgeübt. Die Konkurrenz ist global.

Christian Stucki ist der König unter gut 300 Schwingern. Sein Sport wird nicht einmal in der ganzen Schweiz ausgeübt. Die Konkurrenz ist lokal.

Verwiesen sei auch auf die immensen Unterschiede im wirtschaftlichen Bereich. Tennis ist ein globales Milliarden-Geschäft. Beim Schwingen verdient keiner eine Million. Würde Roger Federer sein ganzes Vermögen auf einem Bankkonto deponieren, dann wären die Negativzinsen höher als die gesamten Werbeeinahmen, die Christian Stucki während seiner Karriere einzusammeln vermag.

So gesehen scheint es absurd, die beiden Sportarten Schwingen und Tennis auf das gleiche Niveau zu stellen und miteinander vergleichen zu wollen. Oder vollends unsinnig scheint es, den gekrönten König der Schwinger im Sportjahr 2019 vor den ungekrönten König des Tennis zu stellen. Das widerspricht allem, was den Sport ausmacht.

Ist das wirklich so? Nein, es ist ganz anders. Christian Stucki hat im Sportjahr 2019 die grösste Tat vollbracht, mithin also eine grössere als Roger Federer.

Wenn es darum geht, in einem einzigen, nur alle drei Jahre stattfindenden Wettkampf an einem ganz bestimmten Tag der Beste zu sein, spielt es eine untergeordnete Rolle, ob an der Basis 100 Millionen oder bloss 300 diesen Sport (oder dieses Spiel) ausüben. Ganz oben, wenn die Besten antreten, ist die Luft immer dünn.

Christian Stucki hatte eine letzte Chance, seine Karriere zu krönen. Diese letzte Chance ist der Schlussgang beim Eidgenössischen Schwingfest in Zug. Ein Eidgenössisches gibt es nicht alle Jahre wie Wimbledon. Nur alle drei Jahre. Und es gibt nicht mehrere Eidgenössische, so wie es mehrere Grand Slam Turniere gibt.

Bei diesem Schlussgang kann sich Christian Stucki keinen einzigen Fehler erlauben. Eine einzige Unaufmerksamkeit kostet nicht einen Punkt oder einen Satz. Sie führt zur Niederlage. Und drei Jahre Training, Hoffen und Bangen waren umsonst.

ARCHIV ? ZUM

Stucki unmittelbar nach seinem Sieg gegen Wicki. Bild: KEYSTONE

Mehr als 50'000 sind in der Arena. Mehrere Hunderttausende verfolgen atemlos diesen Zusammenprall der Titanen am TV-Schirm.

Dazu kommt: Christian Stucki ist ein Aussenseiter. Die Geschichte sagt, dass eigentlich ein Sieg unmöglich ist. Noch nie hat einer in seinem Alter den Thron bestiegen. Noch nie ist einer, der schon einmal einen Eidgenössischen Schlussgang verloren hat, später doch noch König geworden. Er kann diesen Kampf nur gewinnen, wenn er den zwölf Jahre jüngeren Joel Wicki im ersten Anlauf besiegt.

Eine ganze Karriere wird in einigen Sekundenbruchteilen gekrönt oder eben nicht. Alle Erfahrung, Kraft, Energie, taktische Schlauheit, Konzentrationsfähigkeit muss Christian Stucki für diesen Angriff auf den Punkt bringen und umsetzen. Es gibt nur diese eine Chance in diesem einen Augenblick in drei Jahren. Das sind die faszinierenden Augenblicke im Sport. Es sind die Augenblicke, in denen die Zeit stillzustehen und die ganze Welt den Atem anzuhalten scheint. Sie sind ganz selten und sie bleiben ein ganzes Leben lang unvergessen. Nur die wahren Champions sind dazu in der Lage, diese grösste aller sportlichen Herausforderungen zu meistern.

Genau diese Herausforderung hat Christian Stucki gemeistert. Deshalb konnte es gar keinen anderen Sportler des Jahres 2019 geben.

2020 gibt es kein «Eidgenössisches». Roger Federer wird nun wieder konkurrenzlos die Ikone unseres Sportes sein.

Das ESAF 2019 in Zug in Bildern

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    Alle Leser-Kommentare
  • Inegleit 02.01.2020 14:25
    Highlight Highlight Eine (fast) Schweizermeisterschaft als "ganz oben" zu bezeichnen finde ich ein wenig vermessen. Ich bin mir sicher, dass die Luft bei den Schweizermeisterschaften in den meisten Sportarten dünn ist, das heisst allerdings nicht, dass das qualifiziert den Award zu bekommen.
    Zudem denke ich, dass der Award dazu dienen sollte herausragende Leistungen zu würdigen und nicht den beliebtesten Sportler (Federer) noch bekannter zu machen. Klar ist Federer wohl der grösste Schweizer Sportler der Geschichte, trotzdem hätte die Hälfte seiner Sports Awards jemand anderes mehr verdient als er.
  • Samurai Gra 01.01.2020 17:05
    Highlight Highlight Chläusu könnte doch mal über Kendo in der Schweiz Schreiben.
    Gibts Mittlerweile viele Klubs und das Nationalteam ist nicht mal schlecht im Europäischen vergleich
  • blobb 01.01.2020 14:09
    Highlight Highlight Schwingen ist ja schön und gut, aber wie kann man die Leistung Stuckis mit Internationalen Top-Athleten vergleichen? Er muss sich ja nur gegen die einheimische Konkurrenz durchsetzen.
  • Bätzi 01.01.2020 11:35
    Highlight Highlight Okay, Roger ist der grösste, das wissen Miliarden Menschen auf diesem Planeten.
    Aber: Es gibt durchaus sportliche Leistungen neben Roger, die kleine Schweiz hat immer wieder herausragende Sportler und auch diese dürfen im Rampenlicht erwähnt werden.
    Meiner bescheidenen Meinung nach sollte Roger endlich mal in den Ruhestand, Platz machen für andere Sportler.
    • P. Meier 01.01.2020 15:29
      Highlight Highlight Warum soll Roger Federer in den Ruhestand? Solange er sich an der Weltspitze hält, sehe ich da absolut keinen Grund. Was brächte sein Rücktritt anderen Sportlern? Es kann kein Tennisspieler seinen Platz erben, sondern sie müssen sich zuerst in diese Position kämpfen. Und was würde dies anderen Sportarten nützen?
  • Eau Rouge 01.01.2020 11:26
    Highlight Highlight Guter Bericht zum Jahresanfang, Chlöisu!
    Mir ist bewusst, dass einige (zu Recht?!) lamentieren, nun wieder Eau Rouge mit seinem „Geleier“.. wegen Jeremy Seewer MX-Vice-World-Champion.
    Frage mich eben ernsthaft, was schwieriger ist. Eine Top-Leistung an einem bestimmten Tag, vielleicht gar an einzigen Sekunden oder Top-Leistungen an 19 Wochenenden.

    Aber was soll‘s. Erfreuen wir uns doch einfach an den verschiedensten Leistungen in unterschiedlichsten Sportarten!

    Sport ist eine wunderbare Lebensschule, ob Leistungssport oder Breitensport!

    Go for it!✊🏁😎
  • Saerd neute 01.01.2020 09:55
    Highlight Highlight Stucki ist nicht durch Geldgier aufgefallen wie Federer. Darum ist er einiges symphatischer.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 01.01.2020 08:56
    Highlight Highlight Stucki hat das gut gemacht und in einem für die Mehrheit der Schweizer nicht so sehr bekannten Sportart einen grossen Titel errungen. Wer kennt die 23 Regeln im Schwingen?

    Wie viele Fussballer gibt es in der Schweiz, wie viele Schwinger? Darum ist es schwerer der beste Fussballer zu werden. Trotzdem, Respekt für Stucki.

    Ein Roger Federer spielt nicht nur finanziell in einer ganz anderen Liga. RF hat die Ausstrahlung eines griechischen Gottes, weltweit bekannt, geachtet, engagiert, bodenständig, spendet für Kinder und Arme, ein Held. Stucki ist eher der Typ Traktor. Und den braucht es auch.
    • Beaudin 01.01.2020 15:22
      Highlight Highlight Traktor ? ich habe gemeint Stucki ist ein Mensch.

      Bei den Schwingfesten sind keine Besucher die Petarden zünden und sich vermummen.
      Und zu gut aller letzt noch eine riesige Sauerei hinterlassen.



    • Stefan Morgenthaler-Müller 01.01.2020 20:14
      Highlight Highlight Das stimmt nicht. Habe noch nie an einem Anlass gesehen, dass so viele Besucher nicht das ToiToi benutzten, sondern den Gartenzaun oder den anstehenden Wald. Hände waschen unmöglich. Eine sehr archaische Gesellschaft.
  • Fehler beim Bearbeiten der Anfrage vong OLAF her 01.01.2020 08:52
    Highlight Highlight Können wir diesen Stucki-Hype wieder lassen, ja? Danke.
    • Manulu 01.01.2020 12:58
      Highlight Highlight Nein. Stucki ist ein sympa Typ und hat diese Lobeshymnen verdient. Schön, dass auch mal andere Sportler als RF ins Rampenlicht gestellt werden.
  • specialized 01.01.2020 08:38
    Highlight Highlight Vielleicht sollte Federer auch mal anwesend sein an den Sports Awards.

    In der Schweiz denken alle das Federer der grösste aller Zeiten sei und er jedes Jahr diesen Award verdient habe und das finde ich schade. Klar ist er ein ganz Grosser aber wir haben sehr viele weitere gute Sportler in der Schweiz, welche diesen Award schon seit langem verdient haben (Andy Schmid) z.B. oder auch Nino Schurter, der eine perfekte Saison hatte und wieder hatte Federer gewonnen aus Gründen).
    • P. Meier 01.01.2020 08:54
      Highlight Highlight Federer sollte anwesend sein? Er ist ein Einzelsportler, der seinen Terminkalender auf seinen Sport ausrichten muss. Da können solche Ehrungen halt wirklich unpassend terminiert sein. Im übrigen gebe ich ihnen recht. Trotz der grossartigen Karriere von R.F. sollten die Leistungen, international weniger bekannten schweizer Sportlern besser gewürdigt werden.
  • P. Meier 01.01.2020 08:28
    Highlight Highlight Warum konnte keinem anderen Sportler dieser Titel verliehen werden? Es gab weitere Sportler auf Liste der Nominierten. Christian Stucki erhielt nun diese Auszeichnung und andere gingen leer aus. Dies ist wie im Sport selber. Warum hier wieder Roger Federer aufgeführt werden muss, kann ich mir nur durch die zu erwartende Klickrate durch das Nennen seines Namens erklären. R. Federer zeigt über äusserst lange Zeit eine Topleistung suf internationalem Niveau und Stucki krönte seine Karriere mit dem Königstitel. Ein Ausspielen der Sportarten erachte ich als sinnlos.

Federer lobt Klimajugend – diese will «mehr als nur leere Worte» vom Superstar

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Nachdem auch Greta Thunberg die Botschaften mit ihren Millionen Followern teilte, war der Shitstorm lanciert. Doch vermutlich niemand glaubte ernsthaft, dass der Weltsportler sich zu dem Thema äussern würde, …

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