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Dallas Stars' Tyler Seguin (91), Nashville Predators goaltender Pekka Rinne, Calle Jarnkrok (19), P.K. Subban (76), the Stars' Alexander Radulov (47) and Jamie Benn (14) watch as the puck falls out of the back of the net on a John Klingberg score in overtime of Game 6 of an NHL hockey first-round playoff series in Dallas, Monday, April 22, 2019. The Stars won 2-1 in overtime. (AP Photo/Tony Gutierrez)

Pekka Rinne, Calle Järnkrok und P.K. Subban müssen zuschauen, wie sie das entscheidende Tor in der Verlängerung kassieren. Bild: AP/AP

Analyse

5 Gründe, warum Nashville seine Titelträume bereits wieder begraben musste

Nach sechs Spielen sind die Playoffs der Nashville Predators bereits wieder vorbei. Für das beste Team der Central Division ist das eine riesige Enttäuschung. Sie ist aber erklärbar: Zu viele Spieler waren ausser Form. Und auch die Coaches müssen über die Bücher.



Es ist anders als noch letztes Jahr. Damals gingen die Nashville Predators als bestes Team der Regular Season in die Playoffs und scheiterten erst in der zweiten Runde an den ebenfalls bärenstarken Winnipeg Jets.

Dieses Jahr war die Qualifikation der «Preds» deutlich durchzogener. Den Titel in der Division holten sie sich nur hauchdünn. Die Erwartungen waren tiefer als auch schon – und dennoch wurden sie unterboten. Roman Josi und Co. scheiterten dieses Jahr bereits in der ersten Runde in sechs Spielen an den Dallas Stars.

Dallas Stars' Justin Dowling (37) and Nashville Predators' Roman Josi (59) slam against the boards chasing after the puck in the first period of Game 6 in an NHL hockey first-round playoff series in Dallas, Monday, April 22, 2019. (AP Photo/Tony Gutierrez)

Roman Josi wird wohl an die WM kommen. Bild: AP/AP

«Es ist enttäuschend. Wir mussten einen Weg finden, um dieses Spiel unbedingt zu gewinnen, und das ist uns nicht gelungen», versuchte Captain Josi nach dem Spiel eine Erklärung zu finden. «Eine solche Niederlage ist nur schwer zu akzeptieren», ergänzte Stürmer Austin Watson.

Josi und Weber an die WM?

Da die Playoffs nun vorbei sind, stünden Roman Josi und Yannick Weber auch der Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in der Slowakei zur Verfügung. Beide haben signalisiert, dass sie einem WM-Aufgebot Folge leisten würden. Dazu müssen sie von den Predators allerdings noch die Freigabe erhalten.

Josi muss nun auch in seinem zweiten Jahr als Captain und einem weiteren vorzeitigen Playoff-Aus Kritik einstecken. Die ist teilweise sicher angebracht, aber der 28-Jährige war mit je zwei Toren und Assists Topskorer der Predators und auch sonst einer der besseren Spieler. Die Gründe für das erneute Scheitern Nashvilles liegen über das ganze Team verteilt.

Miserables Powerplay

Nach diesem Punkt könnten wir die Analyse schon fast abschliessen. Das Überzahlspiel von Nashville war bereits in der Qualifikation miserabel und mit einer Erfolgsquote von 12,9 Prozent das schlechteste der Liga. Dass es so überhaupt zum Central-Division-Titel reichte, war schon erstaunlich genug.

«Wir konnten unser Powerplay nicht nutzen, weshalb auch immer. Ich übernehme die volle Verantwortung, schliesslich war ich dort draussen.»

Doch der absolute Tiefpunkt folgte erst in den Playoffs. 15 Überzahlmöglichkeiten hatten die Predators in sechs Spielen gegen Dallas. Sie nutzten kein einziges davon. Nicht einen einzigen Powerplay-Treffer brachten sie zustande.

Special Teams
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Damit gewinnt man natürlich keinen Blumentopf. Das weiss auch Roman Josi. Der Berner führt bei Nashville die erste Powerplay-Linie an. Normalerweise ist er der Spieler bei Nashville mit den meisten Schussversuchen, doch in diesen Playoffs kam er in Überzahl kaum zum Abschluss. In 15 Minuten Powerplay gab er nur einen Schuss ab. Und so ging das Special-Teams-Duell klar an Dallas.

Stürmer ausser Form

Nicht nur im Powerplay, auch sonst fanden Nashvilles Spieler das gegnerische Tor nicht nach Wunsch. Zwei Tore pro Spiel reichen nicht, um eine Serie zu gewinnen. Insbesondere die Starstürmer waren bei der Mannschaft aus dem US-Bundesstaat Tennessee weit von der Topform entfernt.

Filip Forsberg, Ryan Johansen und Viktor Arvidsson bilden eigentlich das gefährlichste Sturmtrio der Predators. In den Playoffs kamen sie gemeinsam auf vier Skorerpunkte. Insbesondere Arvidsson blieb komplett unsichtbar und konnte sich weder ein Tor noch einen Assist gutschreiben lassen. Derweil hat Dallas' Toplinie mit Jamie Benn, Tyler Seguin und Alexander Radulov insgesamt 16 Punkte gesammelt.

Punkte von der Top-Linie
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Aber auch Nashvilles zweite Linie blieb unter den Möglichkeiten. Kyle Turris bleibt ein Fehlzuzug. Seit den 17 Punkten in seinen ersten 17 Spielen für die «Preds» beträgt seine Ausbeute mittlerweile nur noch 0,4 Punkte pro Spiel. Mikael Granlund, der im Austausch für Kevin Fiala von Minnesota ins Team gekommen ist, konnte die Erwartungen mit zwei Toren und fünf Assists ebenfalls nicht erfüllen.

Bezeichnend für die Misere in Nashvilles Angriff ist die Tatsache, dass Rocco Grimaldi (drei Tore) deren bester Stürmer war. Der Center war in Spiel eins noch nicht mal im Aufgebot. Auch das Stürmerduell ging klar an Dallas.

Passive Verteidiger

Was wurde Nashville in den letzten drei Jahren für seine Verteidigung gelobt. Das Quartett mit Roman Josi, Ryan Ellis, P.K. Subban und Mattias Ekholm sei etwas vom Besten, was die NHL zu bieten habe.

Davon war in der Serie gegen die Stars nicht viel zu sehen. Die Predators liessen im Defensivspiel ihre Gegner an der Bande und hinter dem Tor zu einfach gewähren. So konnten die Dallas-Stürmer ihr Spiel entfalten und Nashville durcheinander wirbeln.

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So einfaches Spiel hatte Dallas an den Banden und hinter dem Nasvhille-Tor. Video: streamable

Insbesondere der Schwede Mattias Ekholm war ein Schatten seiner selbst. Der 28-Jährige sass viel zu oft auf der Strafbank, leistete sich unnötige Scheibenverluste und konnte sein gewohnt physisches Spiel nicht auspacken. Ähnliches gilt auch für P.K. Subban, der offensiv zwar produktiv war, aber defensiv überhaupt nicht überzeugte.

Strafminuten bei Nashville
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Auch Ryan Ellis, der Verteidigungspartner von Josi, kam nicht an sein gewohntes Niveau heran. Besonders auffällig war, dass sich der Kanadier nicht mit seinem üblichen Speed bewegte. Und auch Josi darf man nicht von gewisser Kritik ausnehmen. Der Schweizer war zwar über weite Strecken überzeugend, leistete sich aber auch so viele Scheibenverluste wie kein anderer Verteidiger bei Nashville. Ein Lichtblick dürfte in Tennessee einzig Dante Fabbro gewesen sein. Der 20-Jährige kam von der Boston University mehr oder weniger direkt in die Playoffs und erkämpfte sich einen Stammplatz.

Muss Subban gehen?

Wie immer nach einem vorzeitigen Playoff-Aus wird sofort auch die Zukunft des Teams diskutiert. Bei den Predators scheinen Veränderungen wahrscheinlich. General Manager David Poile muss den Sturm verstärken. Kyle Turris, Mikael Granlund, Nick Bonino, Bryan Boyle und Wayne Simmonds haben nicht die erwünschte Verstärkung gebracht.

Ein Kandidat für einen Trade ist P.K. Subban. Der Verteidiger verdient die nächsten drei Jahre neun Millionen Dollar jährlich. Ihn jetzt noch loszuwerden, wo er noch einen guten Gegenwert einbringt (Poile will schon lange Matt Duchene verpflichten), scheint eine vernünftige Variante.

Bei Dallas übernimmt der 19-jährige Miro Heiskanen in der Verteidigung schon extrem viel Verantwortung – er hat von allen Spielern bei den Stars die meiste Eiszeit – und tut dies überzeugend. Mit John Klingberg und Esa Lindell bildet er ein Trio, das die Starverteidigung der «Preds» überflügelt hat.

Goalie-Duell auf Augenhöhe

Für einmal konnte Pekka Rinne keine Serie für Nashville gewinnen. Der finnische Goalie startete extrem stark in die Serie, musste sich dann in den Spielen vier und fünf aber öfter geschlagen geben, als ihm lieb war. In der Nacht auf heute rehabilitierte er sich. Rinne hielt 49 von 51 Schüssen und gab so seinen Vorderleuten die Möglichkeit, die Partie zu gewinnen. Doch wie wir nun wissen, kam es anders.

Nashville Predators' Austin Watson (51) taps goaltender Pekka Rinne, right, on the shoulder as they stand by the bench following their 2-1 overtime loss to the Dallas Stars in Game 6 of an NHL hockey first-round playoff series in Dallas, Monday, April 22, 2019. (AP Photo/Tony Gutierrez)

Pekka Rinne musste nach dem Ende der Serie aufgemuntert werden. Bild: AP/AP

Auch weil eben nicht nur Pekka Rinne, sondern auch Ben Bishop auf der anderen Seite hervorragend spielte. Der 32-Jährige hielt in der ganzen Serie 94,5 Prozent aller Schüsse, die auf sein Tor flogen. Und heute Nacht kassierte er dieses eine, entscheidende Tor weniger.

Taktische Einstellung

Auch taktisch schienen die Predators nicht perfekt auf Dallas eingestellt gewesen zu sein. Oder anders formuliert: Die Stars fanden auf alles, was Nashville bot, eine Antwort. Ein effizientes Mittel war, dass Dallas den scheibenführenden Spieler immer extrem stark unter Druck setzte, egal in welcher Zone dieser sich befand.

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Wie Dallas Nashville unter Druck setzte. Video: streamable

So provozierten die Texaner viele Scheibenverluste oder zwangen die «Preds» zu riskanten Aufbaupässen aus der eigenen Zone, die dann ebenfalls in Puckverlusten oder unerlaubten Befreiungsschlägen resultierten.

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Einige Beispiele von missglückten Pässen der Predators. Video: streamable

Dass Nashville nicht in der Lage war, auf die aggressive Spielweise der Stars zu reagieren (und übrigens auch das miserable Powerplay), ist auch dem Coaching von Peter Laviolette und seinem Team zuzuschreiben. Der US-Amerikaner führte die Predators vor zwei Jahren in den Stanley-Cup-Final und ein Jahr später zur President's Trophy. Dass er entlassen wird, scheint also nicht wahrscheinlich. Dennoch muss er sein System zumindest überdenken.

Mit Nashville sind nun drei von vier Division-Siegern ausgeschieden. Washington muss als letzter des Quartetts in einem siebten Spiel gegen Carolina bestehen. Was bei den Fans der Capitals für Unbehagen sorgen könnte: Tampa Bay scheiterte in vier Spielen, Calgary in fünf, Nashville in sechs ... und Washington in sieben?

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