Sport
Analyse

Olympia 2026: So gut ist das Schweizer Hockey-Kader im Vergleich

Connor McDavid und Roman Josi duellieren sich bald bei den Olympischen Spielen.
Connor McDavid und Roman Josi duellieren sich bald bei den Olympischen Spielen.Bild: shutterstock, imago, keystone
Analyse

Die Kaderanalyse zeigt, warum eine Hockey-Medaille eine Herkulesaufgabe wird

Seit gestern läuft bei den Olympischen Spielen auch das Hockey-Turnier der Männer. Wie gut ist das Schweizer Kader im Vergleich zu den Stars von Kanada oder den USA? Finden wir es heraus.
12.02.2026, 08:0112.02.2026, 08:01

In die Bewertung soll nicht nur der Name einfliessen, sondern auch die aktuelle Form und die Gesundheit der jeweiligen Spieler. Bei gewissen Stars gibt es nämlich noch Fragezeichen, wie gesund sie tatsächlich sind.

Das Bewertungs-Schema

  • ⭐⭐⭐⭐⭐
    Zahlreiche NHL-Superstars, ergänzt von guten bis sehr guten NHL-Stammspielern.
  • ⭐⭐⭐⭐
    Einzelne NHL-Superstars, ergänzt von guten NHL-Stammspielern oder einzelnen Stars aus europäischen Ligen.
  • ⭐⭐⭐
    Höchstens ein NHL-Star, mehrere NHL-Stammspieler ergänzt von Stars oder guten Stammspielern aus europäischen Ligen.
  • ⭐⭐
    Einzelne NHL-Spieler und Stars aus europäischen, mehrheitlich Stammspieler aus europäischen Top-Ligen.

  • Kaum oder keine NHL-Verstärkung oder nur NHL-«Hinterbänkler» und Spieler aus schwächeren europäischen Ligen

Kanada

Tor: Jordan Binnington (St.Louis), Darcy Kuemper (Los Angeles), Logan Thompson (Washington).
Verteidigung: Drew Doughty (Los Angeles), Thomas Harley (Dallas), Cale Makar (Colorado), Josh Morrissey (Winnipeg), Colton Parayko (St.Louis), Travis Sanheim (Philadelphia), Shea Theodore (Vegas), Devon Toews (Colorado).
Sturm: Sam Bennett (Florida), Macklin Celebrini (San Jose), Sidney Crosby (Pittsburgh), Brandon Hagel (Tampa), Bo Horvat (NY Islanders), Seth Jarvis (Carolina), Nathan MacKinnon (Colorado), Brad Marchand (Florida), Mitch Marner (Vegas), Connor McDavid (Edmonton), Sam Reinhart (Florida), Mark Stone (Vegas), Nick Suzuki (Montreal), Tom Wilson (Washington).

Tor:

Den einen Punktabzug gibt es hier aufgrund der schier unfassbaren Sturheit der Funktionäre. Jordan Binnington gewann mit Kanada vor einem Jahr das 4-Nations-Faceoff, wusste aber erst im Final so richtig zu überzeugen. Diese Saison spielt er in St.Louis sehr schwach (Fangquote von 86,4 Prozent und fast 25 Tore mehr kassiert als gemäss Expected Goals zu erwarten gewesen wäre). Trotzdem geht er wohl als kanadische Nummer 1 ins Turnier. Mit Logan Thompson und Darcy Kuemper hätte Kanada trotzdem noch zwei sehr starke NHL-Goalies dabei. Trainer John Cooper und sein Team müssten einfach über ihren Schatten springen und Binnington tatsächlich auf der Tribüne lassen. Es deutet aber alles daraufhin, dass er im ersten Spiel zwischen den Pfosten steht.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐

Verteidigung:

Cale Makar ist der beste Eishockey-Verteidiger der Gegenwart und wird vermutlich am Ende seiner Karriere einer der besten der Geschichte sein. Bei Olympia darf er zudem mit seinem gewohnten Verteidigungspartner Devon Toews auflaufen, einem exzellenten Shutdown-Verteidiger. Sie werden flankiert von exzellenten Läufern und Spielmachern wie Josh Morrissey oder Thomas Harley und physischen Abräumern wie Travis Sanheim und Colton Parayko.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

Sturm:

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie gut der kanadische Sturm tatsächlich ist, aber ich versuche es trotzdem mal. Elf von 14 Stürmern der Ahornblätter haben in der bisherigen NHL-Saison mehr als einen Punkt pro Spiel gesammelt. Connor McDavid (96 Punkte in 58 Spielen), Nathan MacKinnon (93 Punkte in 55 Spielen) und fast auch Macklin Celebrini (81 Punkte in 55 Spielen) sind näher an zwei Punkten pro Spiel als an einem. Mitch Marner und Nick Suzuki gehören zudem zu den besten Allround-Stürmern der Welt und Tom Wilson und Brad Marchand werden auch die nötige Prise «Dreck» ins Spiel bringen.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

Canada's Sidney Crosby (87), Connor McDavid (97) and Nathan MacKinnon (29) watch during practice for the 4 Nations Face-Off hockey tournament in Montreal, Tuesday, Feb. 11, 2025. (Christinne Musc ...
Was für ein Sturmtrio: Nathan MacKinnon, Sidney Crosby und Connor McDavid.Bild: keystone

Gesamtbewertung: 14/15 ⭐

USA

Tor: Connor Hellebuyck (Winnipeg), Jake Oettinger (Dallas), Jeremy Swayman (Boston).
Verteidigung: Brock Faber (Minnesota), Noah Hanifin (Vegas), Quinn Hughes (Vancouver), Seth Jones (Florida), Charlie McAvoy (Boston), Jake Sanderson (Ottawa), Jaccob Slavin (Carolina), Zach Werenski (Columbus).
Sturm: Matt Boldy (Minnesota), Kyle Connor (Winnipeg), Jack Eichel (Vegas), Jake Guentzel (Tampa Bay), Jack Hughes (New Jersey), Clayton Keller (Utah), Dylan Larkin (Detroit), Auston Matthews (Toronto), J.T. Miller (NY Rangers), Brock Nelson (NY Islanders), Tage Thompson (Buffalo), Brady Tkachuk (Ottawa), Matthew Tkachuk (Florida), Vincent Trocheck (NY Rangers).

Tor:

Trainer Mike Sullivan hat die Qual der Wahl. Connor Hellebuyck, Jake Oettinger und Jeremy Swayman sind allesamt herausragende NHL-Torhüter. Am besten in Form ist wohl Swayman, der sich bei Boston wieder gesteigert hat. Allerdings dürfte an Hellebuyck, dem besten Goalie und MVP der letzten Saison, kaum ein Weg vorbeiführen.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

U.S. goaltenders Connor Hellebuyck, centre, Jeremy Swayman, left, and Jake Oettinger on the ice during 4 Nations Face-Off hockey practice in Brossard, Que., on Monday, Feb. 10, 2025. (Christinne Musch ...
Die Goalies sind die grosse Stärke der USA.Bild: keystone

Verteidigung:

Der Kanadier Cale Makar ist der beste Verteidiger des Turniers, aber die USA stellen wohl insgesamt die etwas bessere Verteidigung. Quinn Hughes ist in Bestform auf ähnlichem Niveau wie Makar. Auch Zach Werenski und Jake Sanderson sind herausragende Offensivverteidiger, während Brock Faber, Charlie McAvoy oder auch der oft kritisierte Seth Jones für defensive Stabilität sorgen und die gegnerischen Stars neutralisieren können.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

Sturm:

Auf dem Papier sind viele ganz grosse Namen dabei: Jack Eichel, Auston Matthews oder auch Jack Hughes. Aber viele dieser Stars sind nicht in Bestform. Nur fünf der US-Stürmer skoren in der NHL über einen Punkt pro Spiel – gegenüber elf bei Kanada. Matthews ist zuletzt etwas besser in Form gekommen, aber hinkt seiner Bestform trotzdem hinterher. Jack Hughes ist nach seiner Verletzung zurück, aber noch sichtlich limitiert. Zudem ist es fragwürdig, dass Spieler wie Brock Nelson oder Vincent Trocheck nominiert wurden, aber beispielsweise Jason Robertson (66 Punkte in 57 Spielen) aussen vor bleibt.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐

Gesamtbewertung: 14/15 ⭐

Schweden

Tor: Filip Gustavsson (Minnesota), Jacob Markström (New Jersey), Jesper Wallstedt (Minnesota).
Verteidigung: Rasmus Andersson (Calgary), Philip Broberg (St. Louis), Rasmus Dahlin (Buffalo), Oliver Ekman-Larsson (Toronto), Gustav Forsling (Florida), Victor Hedman (Tampa Bay), Erik Karlsson (Pittsburgh), Hampus Lindholm (Boston).
Sturm: Jesper Bratt (New Jersey), Joel Eriksson Ek (Minnesota), Filip Forsberg (Nashville), Pontus Holmberg (Tampa Bay), Marcus Johansson (Minnesota), Adrian Kempe (Los Angeles), Gabriel Landeskog (Colorado), Elias Lindholm (Boston), William Nylander (Toronto), Elias Pettersson (Vancouver), Rickard Rakell (Pittsburgh), Lucas Raymond (Detroit), Alexander Wennberg (San Jose) Mika Zibanejad (NY Rangers).

Tor:

Jacob Markström hat mit den New Jersey Devils gerade neun Tore in einem Spiel kassiert. Aber zum Glück kann Schwedens Trainer Sam Hallam (ab nächster Saison bei Genf-Servette) gleich auf beide Goalies der Minnesota Wild zählen. Jesper Wallstedt hat in dieser Saison schon vier Shutouts gefeiert, Filip Gustavsson deren drei. Auf der Goalie-Position gibt es bei Schweden keine Sorgen.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

Verteidigung:

Die ganz grossen Namen in der schwedischen Verteidigung sind entweder schon etwas über dem Zenit (Erik Karlsson), in dieser Saison lange verletzt (Victor Hedman) oder aus persönlichen Gründen nicht in Bestform (Rasmus Dahlin). Mit Philip Broberg, Oliver Ekman Larsson und Gustav Forsling sind auch drei Verteidiger im Kader, die nicht (oder nicht mehr) zur absoluten NHL-Elite gehören. Zudem verpasst der sichere Defensivverteidiger Jonas Brodin das Turnier mit einer Verletzung, an seiner Stelle

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐

Sturm:

Auch die Schweden haben einige Stars in ihrem Sturm. William Nylander ist bei Toronto immer noch ein sicherer Wert und Lucas Raymond skort in Detroit über einen Punkt pro Spiel. Dazu kommen alternde Stars wie Filip Forsberg, Mika Zibanejad oder Gabriel Landeskog und diverse andere gute NHL-Stammspieler. Die Ausfälle von Youngster Leo Carlsson (44 Punkte in 44 Spielen) und William Karlsson (7 Punkte in 14 Spielen wiegen schwer. So bewegt sich der schwedische Sturm knapp unterhalb jenem der USA, aber gerade noch so innerhalb der vier Sterne.

epa12133996 Sweden's William Nylander (#88) in action of the bronze medal match in the Ice Hockey World Championship between Sweden and Denmark at Avicii Arena in Stockholm, Sweden, 25 May 2025.  ...
Nylander war für Schweden auch immer wieder an Weltmeisterschaften im Einsatz.Bild: keystone

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐

Gesamtbewertung: 13/15 ⭐

Finnland

Tor: Kevin Lankinen (Vancouver), Joonas Korpisalo (Boston), Juuse Saros (Nashville).
Verteidigung: Miro Heiskanen (Dallas), Henri Jokiharju (Boston), Mikko Lehtonen (ZSC Lions), Esa Lindell (Dallas), Nikolas Matinpalo (Ottawa), Niko Mikkola (Florida), Olli Määttä (Utah), Rasmus Ristolainen (Philadelphia).
Sturm: Sebastian Aho (Carolina), Joel Armia (Los Angeles), Mikael Granlund (Anaheim), Erik Haula (Nashville), Roope Hintz (Dallas), Kaapo Kakko (Seattle), Oliver Kapanen (Montreal), Joel Kiviranta (Colorado), Artturi Lehkonen (Colorado), Anton Lundell (Florida), Eetu Luostarinen (Florida), Mikko Rantanen (Dallas), Teuvo Teräväinen (Chicago), Eeli Tolvanen (Seattle).

Tor:

Einen echten Star-Goalie kann Finnland bei diesen Olympischen Spielen nicht vorweisen. Juuse Saros war das einmal, doch der 30-Jährige hat nun bereits die dritte Saison in Folge grosse Mühe mit der Konstanz bei Nashville. Trotzdem dürfte er am Ende zwischen den Pfosten stehen, auch weil Buffalos Ukko-Pekka Luukkonen ausfällt.

Bewertung: ⭐⭐⭐

Verteidigung:

Miro Heiskanen ist ein Starverteidiger in der NHL, doch dahinter hört es rasch auf. Esa Lindell und Niko Mikkola sind starke Defensiv-Verteidiger. Henri Jokiharju oder Olli Määttä gehören hingegen nicht zur NHL-Elite. ZSC-Verteidiger Mikko Lehtonen ist zudem der einzige Spieler im finnischen Kader, der nicht in der NHL aktiv ist.

Bewertung: ⭐⭐⭐

Sturm:

Zwei Stürmer Finnlands kann man als Star bezeichnen: Mikko Rantanen (69 Punkte aus 54 Spielen) und Sebastian Aho (57 Punkte aus 57 Spielen). Dahinter hat es andere gute NHL-Stürmer wie Artturi Lehkonen, Roope Hintz oder Anton Lundell, aber eben auch solche, die in der besten Eishockeyliga der Welt eher den Hinterbänklern zugeordnet werden (Joel Kiviranta, Kaapo Kakko, Joel Armia).

Finland's Mikkao Rantanen celebrates after scoring during the Ice Hockey World Championships group B match between Finland and Slovenia in the AccorHotels Arena in Paris, France, Wednesday, May 1 ...
Mikko Rantanen ist Finnlands grösster Star.Bild: AP/AP

Bewertung: ⭐⭐⭐

Gesamtbewertung: 9/15 ⭐

Tschechien

Tor: Lukas Dostal (Anaheim), Karel Vejmelka (Utah), Dan Vladar (Philadelphia).
Verteidigung: Radko Gudas (Anaheim), Filip Hronek (Vancouver), Michal Kempny (Brynäs/SWE), Tomas Kundratek (Trinec/CZE), Jan Rutta (Genf), Radim Simek (Liberec/CZE), David Spacek (Iowa/AHL), Jiri Tichacek (Kärpät/FIN).
Sturm: Roman Cervenka (Pardubice/CZE), Filip Chlapik (Sparta Prag/CZE), (Radek Faksa (Dallas), Jakub Flek (Brno/CZE), Tomas Hertl (Vegas), Ondrej Kase (Litvinov/CZE), Dominik Kubalik (Zug), David Kämpf (Vancouver), Martin Necas (Anaheim), Ondrej Palat (New Jersey), David Pastrnak (Boston), Lukas Sedlak (Pardubice/CZE), Matej Stransky (Davos), David Tomasek (Färjestad/SWE).

Tor:

Dan Vladar spielt eine sehr gute Saison in Philadelphia. Der 28-Jährige ist einer der Gründe, warum die Flyers aktuell einigermassen komfortabel auf einem Playoff-Platz sitzen. Lukas Dostal konnte seine gute letzte Saison in Anaheim hingegen noch nicht wirklich bestätigen und auch Karel Vejmelka zieht bei Utah ein weiteres schwieriges Jahr ein.

Bewertung: ⭐⭐⭐

Verteidigung:

Die Qualität der tschechischen Verteidigung wird in Online-Kommentarspalten auch von den eigenen Fans bemängelt. Ein echter NHL-Star ist keiner dabei. Ein Grossteil der Offensivaktionen dürfte über Vancouvers Filip Hronek laufen. Radim Simek (33), Michal Kempny (35), Jan Rutta (35, bei Servette unter Vertrag) und Tomas Kundratek (36) sind allesamt europäische Spieler im fortgeschrittenen Sportleralter. Ob das eine gute Idee ist, wenn auf der anderen Seite Connor McDavid und Nathan MacKinnon stehen?

Bewertung: ⭐⭐

Sturm:

Der grösste Name im tschechischen Kader ist natürlich David Pastrnak (48 Punkte in 38 Spielen). Der Stürmer der Boston Bruins hat den Schweizer Hockey-Fans im WM-Final von 2024 mit dem entscheidenden Tor bereits die Herzen gebrochen. Nun führt er gemeinsam mit Martin Necas (53 Punkte in 42 Spielen) und Tomas Hertl (32 Punkte in 41 Spielen) den tschechischen Sturm an. Daneben hat es aber auch NHL-Hinterbänkler wie David Kämpf oder Ondrej Palat und National-League-Söldner wie Matej Stransky von Davos oder EVZ-Stürmer Dominik Kubalik. Der Ausfall von Center Pavel Zacha wiegt allerdings schwer.

epa12126859 Czechia's Roman Cervenka (#10), center, celebrates with teammates Martin Necas (#98), Lukas Sedlak (#23) and David Pastrnak (#88) after scoring his team's first goal (3-1) during ...
Cervenka und Pastnrak führten Tschechien 2024 zum WM-Titel.Bild: keystone

Bewertung: ⭐⭐⭐

Gesamtbewertung: 8/15 ⭐

Schweiz

Tor: Reto Berra (Fribourg), Leonardo Genoni (Zug), Akira Schmid (Vegas).
Verteidigung: Tim Berni (Genf), Michael Fora (Davos), Roman Josi (Nashville), Andrea Glauser (Lausanne), Dean Kukan (Zürich), Christian Marti (Zürich), Janis Moser (Tampa Bay), Jonas Siegenthaler (New Jersey).
Sturm: Sven Andrighetto (Zürich), Christoph Bertschy (Fribourg), Kevin Fiala (Los Angeles), Nico Hischier (New Jersey), Ken Jäger (Lausanne), Simon Knak (Davos), Philipp Kurashev (San Jose), Denis Malgin (Zürich), Timo Meier (New Jersey), Nino Niederreiter (Winnipeg), Damien Riat (Lausanne), Sandro Schmid (Fribourg), Pius Suter (St.Louis), Calvin Thürkauf (Lugano).

Tor:

NHL-Stars hat die Schweiz bei ihren Goalies keine. Aber mit Akira Schmid immerhin einen Spieler, der bei seinem NHL-Team die Mehrheit der Spiele absolviert hat. Zudem ist natürlich mit Leonardo Genoni der beste Torhüter und MVP der letzten Weltmeisterschaft wieder dabei. Einige Schweizer Fans sind besorgt, dass der EVZ-Goalie in dieser Saison nicht gut genug ist, um eine Nomination zu rechtfertigen.

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni #63 receives the award for the best Swiss player by Switzerland's Defense Minister Federal Councillor Martin Pfister, right, after the IIHF 2025 Worl ...
Leonardo Genoni wurde an der letzten WM zum besten Spieler gewählt.Bild: keystone

Die Wahrheit ist: Genoni spielt dieses Jahr ziemlich gleich wie im Vorjahr, und trotzdem hexte er die Nati an der WM in den Final. Und er hat sich auch schon gegen Superstars bewiesen: Im WM-Viertelfinal 2018 gegen Kanada liess er unter anderem Connor McDavid immer wieder verzweifeln.

Bewertung: ⭐⭐

Verteidigung:

Die Verteidigung ist das Prunkstück dieses Schweizer Teams. Roman Josi kann immer noch ein NHL-Star sein, hatte die letzten zwei Jahre aber zu viele gesundheitliche Probleme, um das auch aufs Eis zu bringen. Trotzdem werden seine offensiven Fähigkeiten und seine Leader-Qualitäten essenziell sein für den Erfolg der Nati.

In dieser Saison tatsächlich ein NHL-Star ist Janis Moser. Der Bieler spielt momentan sackstark und ist gar einer der besten Verteidiger der Liga. In der verletzungsbedingten Abwesenheit von Victor Hedman hat sich Moser zu einem absoluten Leader entwickelt. Er gehört in dieser Saison defensiv zur absoluten Ligaspitze und steuert immer noch regelmässig Punkte bei.

NHL-Saison 2025/26: Player Card von Janis Moser.
Bild: evolving hockey

Dazu kommen noch NHL-Stammverteidiger Jonas Siegenthaler und Dean Kukan, der einer der besten Verteidiger Europas ist. Christian Marti und Michael Fora sollen für die nötige internationale Härte sorgen.

Bewertung: ⭐⭐⭐

Sturm:

Klar, Nico Hischier, Kevin Fiala, Timo Meier oder Nino Niederreiter sind aus Schweizer Sicht NHL-Stars. Nüchtern betrachtet haben sie dieses Prädikat in dieser Saison im internationalen Vergleich aber nicht verdient. Keiner der Schweizer Stürmer sammelt auch nur annähernd einen Punkt pro Spiel. Fiala ist zuletzt wieder etwas besser in Form gekommen, hatte aber auch immer wieder schwächere Phasen. Auch Hischier und Meier haben noch keine Konstanz gefunden. Niederreiter hat seit 16 Spielen nicht mehr gepunktet und Pius Suter sowie Philipp Kurashev sind derzeit verletzt.

Switzerland's forward Kevin Fiala reacts, during the IIHF 2025 World Championship preliminary round group B game between USA and Switzerland, at the Jyske Bank Boxen, in Herning, Denmark, Monday, ...
Liebt es, für die Schweiz zu spielen: Kevin Fiala.Bild: keystone

Was aus Schweizer Sicht Hoffnung macht: Bei Weltmeisterschaften haben die NHL-Spieler noch fast immer gut performt, egal wie zuvor die Saison verlaufen ist. Und Hischier und Co. werden von einer schlagkräftigen Truppe von National-League-Spielern unterstützt. Denis Malgin und Sven Andrighetto bringen NHL-Erfahrung mit und wissen, was sie bei Olympischen Spielen erwartet. Calvin Thürkauf ist der perfekte Viertliniencenter für ein solches Turnier: stark im Bullypunkt, physisch und trotzdem torgefährlich. Und auch Sandro Schmid und Simon Knak haben gezeigt, dass sie sich auf internationalem Niveau nicht einschüchtern lassen.

Bewertung: ⭐⭐

Gesamtbewertung: 7/15 ⭐

Deutschland

Tor: Maximilian Franzreb (Mannheim), Philipp Grubauer (Seattle), Mathias Niederberger (München).
Verteidigung: Leon Gawanke (Mannheim), Korbinian Geibel (Berlin), Lukas Kälble (Mannheim), Jonas Müller (Berlin), Moritz Müller (Köln), Moritz Seider (Detroit), Fabio Wagner (München), Kai Wissmann (Berlin).
Sturm: Leon Draisaitl (Edmonton), Alexander Ehl (Mannheim), Dominik Kahun (Lausanne), Marc Michaelis (Mannheim), John-Jason Peterka (Utah), Lukas Reichel (Vancouver), Tobias Rieder (München), Joshua Samanski (Bakersfield/AHL), Justin Schütz (Mannheim), Wojciech Stachowiak (Syracuse/AHL), Tim Stützle (Ottawa), Frederik Tiffels (Berlin), Parker Tuomie (Köln).

Tor:

Goalies sind manchmal komisch: Da spielt Philipp Grubauer vier Jahre lang wirklich schon fast miserabel, und diese Saison ist er plötzlich wieder gut. Zwar hat er bei Seattle längst nur noch eine Ersatzrolle inne, doch für Deutschland könnte (und muss) er sich als solider Rückhalt beweisen. Maxi Franzreb und Mathias Niederberger dürften auf diesem Niveau nämlich nicht genügen.

Bewertung: ⭐⭐

Verteidigung:

Moritz Seider wird bei den Deutschen jede Menge Eiszeit erhalten – wohl bis zu 30 Minuten pro Spiel. Denn ansonsten gibt die Verteidigung nicht besonders viel her. Moritz Müller ist auch mit 39 Jahren noch ein Anker, auch Fabio Wagner, Kai Wissmann und Leon Gawanke bringen internationale Erfahrung mit. Aber ob das reicht, um gegen die NHL-Superstars zu bestehen?

epa07570749 Moritz Seider of Germany (L) celebrates scoring with teammate Patrick Hager (R) during the IIHF World Championship group A ice hockey match between Germany and France at the Steel Arena in ...
Moritz Seider (links) wird für Deutschland eine grosse Last stemmen müssen.Bild: EPA/EPA

Bewertung:

Sturm:

Der Sturm der Deutschen ist da deutlich besser besetzt. Leon Draisaitl (60 Punkte in 43 Spielen) und Tim Stützle (45 Punkte in 41 Spielen) sind Stars in der NHL. Unterstützt werden sie von NHL-Spielern wie JJ Peterka, Nico Sturm und Lukas Reichel sowie aufstrebenden AHL-Spielern wie Josh Samanski und Wojciech Stachowiak und natürlich den bekannten DEL-Akteuren wie Frederik Tiffels oder Marc Michaelis. Die deutsche Auswahl hat etwas mehr Starpotenzial, aber dafür weniger Tiefe als das Schweizer Kader, was sich am Ende ausgleicht.

Bewertung: ⭐⭐

Gesamtbewertung: 5/15 ⭐

Diese Story erschien Anfang Januar erstmals, als das Schweizer Olympiakader bekanntgegeben wurde. Sie wurde vor dem Schweizer Turnierstart noch einmal aktualisiert und neu publiziert.

Mehr Eishockey-Geschichten:
    DANKE FÜR DIE ♥
    Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
    (Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
    5 CHF
    15 CHF
    25 CHF
    Anderer
    Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
    Die besten Bilder der Eishockey-WM 2025
    1 / 49
    Die besten Bilder der Eishockey-WM 2025

    Nati-Goalie Leonardo Genoni mit Tränen in den Augen: Erneut verliert die Schweiz einen WM-Final.

    quelle: keystone / salvatore di nolfi
    Auf Facebook teilenAuf X teilen
    Hockey-Newbie vs. SCB-Nachwuchs
    Video: watson
    Das könnte dich auch noch interessieren:
    Du hast uns was zu sagen?
    Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
    51 Kommentare
    Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
    Die beliebtesten Kommentare
    avatar
    Mario 66
    08.01.2026 16:41registriert November 2015
    Auf dem papier ist die schweiz chancenlos.

    Aber ein chronist, dessen name mir gerade entfallen ist, pflegt zu sagen: hockey ist ein unberechenbares spiel auf rutschiger unterlage…
    610
    Melden
    Zum Kommentar
    avatar
    Oliver01
    08.01.2026 15:22registriert Februar 2023
    Eine Medaille wäre eine Sensation. Platz 4-6 realistisch.
    222
    Melden
    Zum Kommentar
    avatar
    Zapdos
    08.01.2026 13:07registriert Februar 2019
    Ich freue mich wie ein kleines Kind auf dieses Turnier. Und ehrlich gesagt wünsche ich mir eine Überraschung. Viele kanadische und amerikanische Spieler finde ich zwar toll, aber die Arroganz der Fans ist kaum auszuhalten. Die reden nur noch vom 4 Nations Nations Face Off, das zweifellos geil und auf hohem Niveau war. Aber nun haben sie das Gefühl, dass es gar nicht möglich sei, dass der Final anders als CAN-USA lautet. Abgesehen davon möchte ich nicht, dass sich ein 4-Nationen-Turnier durchsetzt.
    247
    Melden
    Zum Kommentar
    51
    Corinne Suter fährt in Soldeu wieder aufs Podest – Aicher gewinnt überlegen
    Die junge Deutsche Emma Aicher gewinnt den ersten von zwei Super-G in Soldeu überlegen. Corinne Suter steigt wie schon am Vortag auf das Podest.
    24 Stunden nach ihrem Sieg in der Abfahrt eröffnete Suter das Rennen in den andorranischen Pyrenäen. Mit der im Super-G undankbaren Startnummer 1 legte sie bei hohen Temperaturen eine Zeit in den frühlingshaften Schnee, an der sich die folgenden Fahrerinnen lange die Zähne ausbissen und die sie am Ende auf Platz 3 führte.
    Zur Story