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Peter Laviolette ist nicht mehr Trainer der Nashville Predators.
Peter Laviolette ist nicht mehr Trainer der Nashville Predators.
Bild: AP
Analyse

Die Predators suchen den 3. Trainer ihrer Geschichte – diese Baustellen warten auf ihn

07.01.2020, 11:3507.01.2020, 13:04

Peter Laviolette ist nicht mehr Trainer der Nashville Predators mit den Schweizern Roman Josi und Yannick Weber. Er und Assistent Kevin McCarthy wurden in der Nacht auf Dienstag entlassen. Die Entscheidung von General Manager David Poile kommt nicht überraschend – und ist dennoch eine riesige Überraschung.

Denn Poile ist nicht bekannt dafür, dass er überhastet reagiert, wenn es mal nicht läuft. Seit 1998 ist er GM in Nashville und hatte in dieser langen Zeit gerade mal zwei unterschiedliche Cheftrainer: Barry Trotz bis 2014 und bis vor wenigen Stunden Peter Laviolette. Es ist auch nicht so, dass die Predators meilenweit abgeschlagen wären. Derzeit liegen sie fünf Punkte hinter den Playoff-Plätzen, haben aber auch noch zwei bis drei Spiele weniger absolviert als die Konkurrenz in der Western Conference.

Dennoch war Poile wohl oder übel gezwungen zu reagieren. Das Team – es ist womöglich die talentierteste Truppe der Franchise-Geschichte – spielte klar unter seinem Wert. Ein Nachfolger oder eine Interimslösung stehen noch nicht fest, die Klubführung will im Laufe des Tages informieren. Schliesslich steht in der Nacht auf Mittwoch das nächste Spiel gegen die Boston Bruins an.

Welcher Trainer auch immer die Predators übernehmen wird, er wird eine Mannschaft mit diversen offenen Baustellen antreffen.

Torhüter-Duo

2017 hiess es noch «Pekka Rinne ist just too good right now» – Pekka Rinne ist momentan einfach zu gut. Diese Zeiten sind vorbei. Rinne und Juuse Saros bilden derzeit eines der schlechtesten Goalie-Tandems in der NHL. Rinne ist 37-jährig, bei ihm war irgendwann ein Einbruch zu befürchten. Doch derart krass hat man ihn nun doch nicht erwartet.

Und zwischenzeitlich hätte eigentlich der 24-jährige Saros den grösseren Teil der Last stemmen sollen, doch auch er scheint der Aufgabe derzeit nicht gewachsen zu sein. Gemeinsam haben die beiden dieses Jahr schon 27 Tore mehr erhalten, als bei der Anzahl und Qualität der Schüsse, mit denen sie konfrontiert wurden, zu erwarten gewesen wäre.

Das Torhüter-Problem ist denn auch die schwierigste Aufgabe für den neuen Trainer. Denn einfach zu lösen ist es nicht. Das Duo zu ersetzen, ist kaum möglich. Laviolettes Nachfolger muss gemeinsam mit Goalietrainer Ben Vanderklok, der seinen Job behalten hat, das Selbstvertrauen von Rinne und Saros wieder aufbauen.

Führungen verwalten

Nach der Niederlage im Winter Classic gegen Dallas (Nashville führte 2:0 und verlor am Ende mit 2:4) machte Analyst Micah McCurdy eine interessante Feststellung: Die Predators spielen defensiv ausgerechnet dann am schlechtesten, wenn sie mit einem Tor führen.

Wenn das Spiel ausgeglichen ist, sind Roman Josi und Co. zwar offensiv harmlos, aber defensiv sehr stark. Unter dem Strich gestalten die «Preds» das Spiel dort aber immer noch positiv. Anders sieht es bei einem Tor Vorsprung aus. Dann lassen sie gegenüber dem Ligadurchschnitt plötzlich 17,2 Prozent mehr Chancen zu. Dieses Defizit kann die Mannschaft auch mit der Offensive ausgleichen, was zu einem negativen Netto-Gefahrenwert führt.

Dass man mehr Chancen zulassen muss, wenn man in Rückstand liegt, ist klar. Schliesslich versucht das gegnerische Team, dann mit allen Mitteln auszugleichen. Aber es scheint tatsächlich so, als hätte Nashville unter Laviolette versucht, knappe Führungen auf eine Art und Weise zu verteidigen, die überhaupt nicht funktionierte. Der neue Trainer wird den Spielern diese Taktik austreiben müssen.

Special Teams

Der neue Nashville-Trainer muss auch bei den Special Teams die Hebel ansetzen. Das Powerplay ist gegenüber dem letzten Jahr etwas verbessert, aber als Nummer 23 (16,8% Erfolgsquote) der Liga immer noch nicht gut genug.

Noch schlimmer ist aber das Unterzahlspiel. Die Predators überstehen nur 74 Prozent aller Penalty-Killing-Situationen ohne Gegentor. Oder anders formuliert: Bei jeder vierten Strafe kassieren sie ein Tor. Das Problem ist die Konstanz. Es gab Phasen, in denen das Unterzahlspiel beinahe perfekt funktioniert hat. Aber es gab auch Phasen, in denen fast jede Strafe einen Gegentreffer bedeutete.

Zu oft mussten sich die Nashville-Keeper schlagen lassen.
Zu oft mussten sich die Nashville-Keeper schlagen lassen.
Bild: AP

Interessanterweise müsste Nashville mit einem Mann weniger besser dastehen. Sie lassen gemäss naturalstattrick.com in Unterzahl am sechstwenigsten Schüsse zu, am sechstwenigsten Torchancen und am zweitwenigsten High-Danger-Chancen. Das resultiert laut Expected-Goals-Against dann eigentlich im sechstbesten Penalty-Killing der Liga.

Vermutlich sind es am Ende auch die Torhüter, die diese Statistik negativ beeinflussen. Der neue Trainer wird evaluieren müssen, ob er das eigentlich solide Unterzahlspiel beibehält oder ob er etwas umstellen will.

Stürmer-Misere

Roman Josi hat eine herausragende Saison. Er spielt fantastisch und ist mit 44 Punkten in 41 Spielen Nashvilles bester Skorer. Das freut Schweizer Hockeyfans und vermutlich auch jene in Nashville. Dennoch sollten die 16 Punkte Vorsprung auf die nächstbesten Punktesammler (namentlich Filip Forsberg, Matt Duchene und Ryan Ellis) aus Sicht des Teams natürlich nicht sein.

Die zwei genannten Stürmer (Forsberg und Duchene) sowie auch Ryan Johansen und der zeitweise noch verletzte Viktor Arvidsson entfalten nicht ihr ganzes Potenzial. Woran liegt das?

Eine mögliche Behauptung liefert wieder Micah McCurdy. Laut seinem Modell beeinflusst Laviolettes Coaching die offensive Ausbeute der Predators schon die ganze Zeit durch negativ. Bei McCurdys Modell bedeutet das, dass die Predators unter Laviolette weniger und vor allem weniger gefährliche Schüsse produzieren als der Ligadurchschnitt. (Wer nachlesen will, wie das Modell funktioniert, kann das hier tun.)

Oder konkreter formuliert: Laviolettes Coaching-Stil sorgt dafür, dass Forsberg, Duchene und Co. weniger oft zum Abschluss kommen, als sie das eigentlich sollten. Der US-Amerikaner scheint demnach ein Defense-First-Trainer zu sein, worunter die Produktion der Stürmer leidet.

Der neue Trainer müsste den Stürmern also wieder mehr offensiven Freiraum lassen. Dann besteht allerdings die Gefahr, dass er auch etwas defensive Stabilität opfert.

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