Sport
Doping

Russischer Dopingskandal rund um die Olympischen Spiele 2014

Russian President Vladimir Putin speaks at his meeting with Olympic volunteers in the Black Sea resort of Sochi, Russia, Friday, Jan. 17, 2014. Putin says gays should feel welcome at the upcoming Wint ...
Wladimir Putin bei den Olympischen Spielen 2014.Bild: AP RIA Novosti Kremlin

Das System Putin: Ein Loch in der Wand führte zur grössten Täuschung der Sportgeschichte

Ein Loch in der Wand bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi erschütterte den Weltsport und führte bis heute zu 302 Sanktionen gegen Russlands Sportstars.
06.05.2026, 19:0806.05.2026, 19:08
Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder

Es war der grösste Dopingskandal der Sportgeschichte. Der staatlich organisierte Betrug Russlands bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Durch ein Loch in der Wand des temporären Kontrolllabors wurden Proben von Dutzenden russischer Topathletinnen und Athleten mit garantiert sauberem Urin ersetzt.

Die Aussagen von prominenten russischen Whistleblowern wie Grigori Rodtschenkow deckten auf, dass sich dieses vom Inlandsgeheimdienst FSB orchestrierte Staatsdoping längst nicht auf Sotschi und den Austausch von Urin beschränkte. Während Jahrzehnten wurde in der Sportgrossmacht systematisch gedopt.

Grigori Rodtschenkow
Grigori Rodtschenkow leitete für zehn Jahre das Dopinglabor in Moskau.Bild: Sportphoto.Ru

Rodtschenkow leitete von 2006 bis 2016 das Dopinglabor in Moskau. Jener Ort, der eigentlich Betrüger überführen sollte. Doch der international renommierte Wissenschafter entwickelte nicht nur weltweit beachtete Nachweis-Methoden zur Ermittlung von anabolen Steroiden im Körper. Er mixte für die russischen Sportstars auch exklusive anabole Cocktails, welche nicht entdeckt werden konnten. So stammte beispielsweise von den rund 120 durch Nachkontrollen erwischten Doper bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London mehr als ein Drittel aus Russland. Sie wurden erst Jahre später erwischt.

Putin bezeichnete ihn als «nicht zurechnungsfähig»

Nach seiner Flucht in die USA im Jahr 2016 teilte der ausgebildete Chemiker sein Wissen über verabreichte Drogen, vertuschte positive Resultate und entsorgte Urinproben mit den Ermittlern von staatlichen Behörden und Antidoping-Organisationen. Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete Rodtschenkow in Folge als «nicht zurechnungsfähig».

Die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) startete 2019 mit der «Operation Lims» ihre bis heute umfangreichste Untersuchung. Lims steht für «Laboratory Information Management System» – die Datenbank des Moskauer Antidoping-Labors. Konkret ging es um die Auswertung von unfassbaren 24 Terabyte an Testresultaten, Probeinformationen und interne Notizen zu Dopingkontrollen. Rodtschenkows Informationen ermöglichten es der Wada erst, die Lims-Datenbank zu verstehen.

epa06369457 (FILE) - Team Russia with flag bearer Alexander Zubkov (C-R) during the Opening Ceremony of the Sochi 2014 Olympic Games at the Fisht Olympic Stadium in Sochi, Russia, 07 February 2014 (re ...
Die russische Delegation bei der Eröffnungsfeier 2014.Bild: EPA/EPA

Wobei der russische Beschiss im Rahmen des institutionalisierten Dopingsystems selbst bei der erzwungenen Übergabe der Daten im Frühling 2019 nicht endete. Die Investigativ-Abteilung der Wada deckte auf, dass die Originaldaten aus Russland nachträglich manipuliert wurden. Bei den Ermittlungen und vor allem der Wiederherstellung der von russischen Behörden präparierten Daten arbeitete die Wada eng mit einem Team von forensischen Experten der Universität Lausanne zusammen.

302 Sanktionen nach sieben Jahren Untersuchung

Vor wenigen Tagen feierte die Wada ein Jubiläum: Die Marke von 300 aufgrund der Informationen aus Lims sanktionierten russischen Sportlerinnen und Sportler wurde überschritten. Bis heute sind es 302 sportrechtliche Sanktionen gegen 291 verschiedene Athletinnen und Athleten, ausgesprochen durch 23 verschiedene Antidoping-Organisationen. Weitere vier Fälle sind noch nicht rechtskräftig. Die erwischten Betrüger stammen aus 22 verschiedenen Sportarten. Mit Abstand am häufigsten gedopt wurde in Russland in den Sportarten Gewichtheben (107) und Leichtathletik (93 Fälle).

Gleichzeitig gab die Wada vergangene Woche bekannt, dass sieben Jahre nach Start der Untersuchung nun alle potenziellen russischen Verdachtsfälle der Operation Lims untersucht wurden. Die russische Antidoping-Behörde (Rusada) bleibt auch heute weiterhin gesperrt und das Moskauer Labor ist nach wie vor nicht zugelassen. (riz/aargauerzeitung.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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Simsalabimeon
06.05.2026 19:30registriert Oktober 2024
War von russland nicht anders zu erwarten. Die Frage ist auch, wer macht da sonst noch was?
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juergen
06.05.2026 20:18registriert Juli 2025
Naja, wundert es irgendjemand das in Russland im grossen Stil beim Sport beschissen wird? Es geht ja vorallem darum, dem "Westen" zu zeigen, dass das eigene System allen anderen überlegen ist. Das war schon in der Sovjetunion so...
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