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Auston Matthews: der ganz normale Wahnsinn.<br data-editable="remove">
Auston Matthews: der ganz normale Wahnsinn.
Bild: KEYSTONE

Ein Phänomen: So tickt ZSC-Ausnahmetalent Auston Matthews

Auston Matthews erfüllt, was sich die ZSC Lions versprachen: Der Amerikaner ist die Attraktion der Liga. Denn: Er kam und brillierte. Matthews wurde den hohen Erwartungen bisher gerecht. Der 18-Jährige ist einzigartig – auch im menschlichen Bereich. 
06.12.2015, 13:0506.12.2015, 14:17
Calvin Stettler und Marcel Kuchta&nbsp;/ Aargauer Zeitung

Eigentlich ist Auston Matthews längst da angekommen, wo er schon immer hinwollte: im Olymp. Der 18-Jährige lächelt schelmisch und korrigiert: «Mein Weg ist noch ein langer.» Die geräumige Garderobe der ZSC Lions, die Olymp genannt wird, soll erst der Anfang sein. Der Anfang von etwas Grossem. Denn Matthews strebt nach dem Hockey-Olymp.

Als die ZSC Lions im Spätsommer die Verpflichtung des damals 17-Jährigen bekannt gaben, übertrumpften sich die Vorschusslorbeeren im Blätterwald. Dieser Junge aus dem Wüstenstaat Arizona soll der nächste Sidney Crosby sein. Einer, der in den Juniorenligen heillos unterfordert sei. Anders als die anderen Talente, verblüffend eben. Vier Monate später nicken wir und sagen: Ja, dieser Matthews ist ein Phänomen.

Auston Matthews: Die NHL wartet.<br data-editable="remove">
Auston Matthews: Die NHL wartet.
Bild: Michela Locatelli/freshfocus

Seger voll des Lobes: «Dieser Junge ist einfach komplett»

Matthews ist einer, der sich pro Spiel mindestens einen Punkt gutschreiben lässt. Tendenz steigend. Obwohl er knapp einen Drittel aller bisherigen Meisterschaftsspiele erst aus arbeitsrechtlichen Gründen, dann wegen einer Verletzung verpasste, ist er der drittbeste Skorer der Löwen.

«Für einen 18-Jährigen ist er unglaublich weit», stellt ZSC-Captain Mathias Seger fest. «Ob im technischen, taktischen oder menschlichen Bereich, dieser Junge ist einfach komplett.» Schnell lässt sich Seger zum Satz hinreissen, dass er so etwas noch nie gesehen habe.

Fast 20 Jahre Altersunterschied, aber beides sind Leithammel: Seger und Matthews.<br data-editable="remove">
Fast 20 Jahre Altersunterschied, aber beides sind Leithammel: Seger und Matthews.
Bild: KEYSTONE

Das grösste Talent? «Die Bodenständigkeit»

Auch Edgar Salis, ZSC-Sportchef und jener Mann, der das Ausnahmetalent nach Zürich lotste, lobt den Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln: «Seine Bodenständigkeit ist wohl sein grösstes Talent.» Eine Tugend, die ihm seine Eltern implementierten. «Er stellt sich auf eine Stufe mit unseren Nachwuchsspielern», sagt Salis. Die Integration verlief auch deshalb formidabel. Gleichwohl sei einer wie Matthews auch etwas Grossartiges für die Nachwuchslöwen, findet ZSC-Leitwolf Seger. «Die Jungen sehen sich tagtäglich mit seinem Top-Level konfrontiert, das spornt zur Nachahmung an.»

«Dieser Junge ist einfach komplett.»
Matthias Seger über Matthews
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Keine Frage, Matthews’ Weg in die NHL ist vorgezeichnet. Niemand zweifelt daran, dass er im nächsten NHL-Draft im Sommer an erster Stelle gezogen wird. Wegen seiner Personalie entfachten in Übersee gar Diskussionen über die Ausdehnung der Zulassungsbestimmungen für den NHL-Draft, weil Matthews für die diesjährige Ziehung zwei Tage zu jung war. Nur darum kommt die Schweiz in den Genuss dieser Attraktion.

Matthews: «Tore und Assists sind nebensächlich»

«Ich bin in der Schweiz, um hart zu arbeiten und besser zu werden», sagt das Ausnahmetalent selbst. Sein Auftritt ist abgeklärt. Dass Matthews eben erst die Mündigkeit erlangte, vermag er gekonnt zu kaschieren.

Angesprochen auf die ansprechende Punkteausbeute verweist er gerne auf sein Bestreben, teamdienlich zu spielen. «Tore und Assists sind nebensächlich.» Dieses Understatement scheint echt, auch wenn der Junge aus Scottsdale grundsätzlich lieber zu interpretationsresistenten Floskeln greift. Fauxpas scheinen bei ihm in etwa so realistisch wie eine Ziehung als Nummer zwei beim kommenden Draft.

Dem Naturell des Amerikaners haftet etwas Märchenhaftes an. Matthews ist sich nicht zu schade, nach dem Training Pucks einzusammeln, und wenn Coach Crawford am Taktikbrett doziert, dann findet man den 18-Jährigen in der ersten Reihe. «Etwas, was gut ist, kann man halt nicht schlecht machen», kommentiert Sportchef Salis.

Was die Zukunft wohl bringt? Die Karriere von Matthews könnte einzigartig werden.<br data-editable="remove">
Was die Zukunft wohl bringt? Die Karriere von Matthews könnte einzigartig werden.
Bild: KEYSTONE

Der Rummel um den Hockeybegabten ist in der Schweiz – vor allem, wenn man ihn mit dem Echo in Übersee gleichsetzt – zwar übersichtlich, aber latent. Sportchef Salis relativiert den Matthews-Hype mit der helvetischen Mentalität: «Wir Schweizer funktionieren anders, selbst wenn wir Tina Turner im Niederdorf antreffen, verhalten wir uns so, als ob wir sie nicht kennen würden.»

Publikumsliebling und Mamas Nähe

Doch auch der Sportchef notiert, dass die Dichte an Matthews-Trikots rund ums Hallenstadion zunimmt. «Dass Auston im Fokus steht, kommt vor allem dem Team zugute», befindet derweil Captain Seger, «damit nimmt er uns als Mannschaft aus der Schusslinie.» Dem Druck scheint der 18-Jährige jedenfalls unbekümmert standzuhalten.

Neben dem Eis bewegt sich Matthews gerne in der Stadt, Zürich gefällt ihm. Einige Teamkollegen hätten ihm in einem Rundgang die schönsten Winkel der Limmatstadt präsentiert. «Zudem war ich schon in Luzern und kam in den Genuss von diversen kulturellen Highlights.»

Weiss, wie wer seinen Schützling aufbauen muss: ZSC-Trainer Marc Crawford.<br data-editable="remove">
Weiss, wie wer seinen Schützling aufbauen muss: ZSC-Trainer Marc Crawford.
Bild: KEYSTONE

Die Akklimatisierung fiel Matthews nicht schwer, da ihn seine Mutter in die Schweiz begleitete. Es ist jener Moment, indem der sonst so souveräne junge Mann erstmals etwas Jugendliches durchblicken lässt: «Ich bin erst 18 Jahre alt, mit ihr an meiner Seite ist alles ein wenig einfacher.» Sehnsucht nach der Heimat war allerdings nie Matthews’ Problem: «Bereits in den letzten Jahren in der amerikanischen Top-Juniorenliga trennten mich grosse Distanzen von zu Hause.»

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quelle: keystone / salvatore di nolfi
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Die Vergleiche mit Forsberg oder Kopitar

Einer der triftigsten Gründe, warum Matthews das Engagement in der fernen Schweiz einging, war ZSC-Trainer Marc Crawford. Aus seinen Zeiten in Nordamerika weiss Crawford, was es braucht, um einen Begabten wie Matthews perfekt auf die NHL vorzubereiten.

Sobald der 54-jährige Trainingsleiter ein paar Worte über seinen talentiertesten Schützling verlieren soll, sprudelt es Elogen. Crawford vergleicht den 18-Jährigen mit Hockey-Koryphäen wie Peter Forsberg oder Anze Kopitar. «Das rührt mich natürlich», gibt Matthews zu, «doch diese Spieler sind keinen Qualitätsbeweis mehr schuldig. Ich schon.»

Die Vorzeichen stehen gut, dass ZSC-Fans dereinst einmal ein Matthews-Trikot aus dem Schrank fischen und sich denken: Ich habe es ja gesagt, dieser Junge wird irgendeinmal der Grösste im Hockey-Olymp.

Interview mit ZSC-Trainer Marc Crawford über Matthews
Marc Crawford, ist Auston Matthews so gut, wie ihn die Experten ankündigten?
Marc Crawford:
Oh ja, er ist sogar besser.

Definieren Sie seine Qualitäten.
Aufgrund seiner Grösse und seines Tempos ist es für Gegenspieler schwierig, ihn zu kontrollieren. Er verfügt über hervorragende Instinkte, hat den Blick für die Mitspieler und gibt immer Vollgas.

Welchen Einfluss hat Matthews auf das Spiel des ZSC?
Als er wegen einer Verletzung einige Spiele ausfiel, hat das Team gespürt, wie gross sein Einfluss ist. Das Spiel gestaltete sich gleich wieder einen Tick schwieriger. Erstaunlich ist, wie schnell sich Auston nach seiner Rückkehr wieder ans Niveau anpasste und brillant aufspielte. Dass wir uns auf ihn verlassen können, ist aber auch gefährlich, weil wir uns an seinen weitreichenden Einfluss gewöhnen.

Ein 18-Jähriger in der Rolle des ZSC-Leitwolfs. Das muss ziemlich speziell sein.
Ja. Ich habe aber aufgehört, nach dem Alter zu urteilen. Ich bewerte den Gesamtauftritt eines Spielers. Zudem ist Auston nicht der einzige Junge, der für Furore sorgt. Mit Sutter, Malgin, Siegenthaler und Karrer haben wir auch viele Nachwuchsspieler, die für ihr Alter schon wirklich gut spielen. Ich denke, dass sie sich gegenseitig helfen können. Wenn ich sehe, wie professionell die Jungen auftreten, stimmt mich das äusserst positiv. Wenn man Talent in seiner Mannschaft spürt, ist das auch für einen Trainer immer das Grösste.

Ist es hilfreich, mit Matthews ein Vorbild für die eigenen Nachwuchsspieler zu haben?
Da er sich auf einem anderen Level bewegt, pusht das sicherlich unseren Nachwuchs. Sie spüren täglich Austons Arbeitsmoral, seine Bewegungen und sein grosses Talent.

Sie haben Spielergrössen wie Peter Forsberg oder Joe Sakic trainiert, weist Matthews Parallelen auf?
Er vereint Qualitäten diverser Spieler. Seine Übersicht erinnert an Peter Forsberg. Seine Bewegungen und der Hang zum unerwarteten Spielzug mahnen an Anze Kopitar. Zudem spüre ich dieselbe Energie und Explosivität, die Jamie Benn seit Jahren auszeichnet.

Sie kommen ob seiner Fähigkeiten ins Schwärmen.
Das ist so. Dieser junge Mann ist wirklich mit reichlich Talent ausgestattet. Seine wichtigste Gabe ist aber sein Eifer. Dass er hier ist, ist eine Bereicherung fürs Schweizer Eishockey. Gleichzeitig ist es auch ein Zeichen dafür, dass in der NLA gut gearbeitet wird, sonst hätte er sich nicht für ein Engagement in der Schweiz entschieden. Gut möglich, dass in zehn Jahren Kinder Eishockey spielen, weil sie hier mal Auston bestaunten.

Denken Sie, dass die Leute realisieren, wie gut Matthews ist?
Definitiv. Er schafft es, auch die Fans des Gegners in Staunen zu versetzen. Dass Anhänger aus Bern einem Zürcher heimlich genussvoll nachschauen, gibt es nicht alle Tage.
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Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

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