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Reto Berra, neuer Torhueter des HC Fribourg-Gotteron, links, und Sportchef Christian Dube, sprechen an einer Medienkonferenz in Fribourg, am Freitag, 28. April 2017. (KEYSTONE/Thomas Hodel)

Reto Berra (links) und Christian Dube konnten sich ohne Mühe auf einen Vertrag einigen. Bild: KEYSTONE

Ein neuer Trend im Schweizer Eishockey – den Vertrag selbst verhandeln und Geld sparen

Torhüter Reto Berra ist an Gottérons zwei Startniederlagen unschuldig und auch bei Vertragsverhandlungen ein Nonkonformist.



Reto Berra (32) ist mit ziemlicher Sicherheit der talentierteste Goalie der Liga. Postur, Winkelspiel, Reflexe, Erfahrung und Persönlichkeit machen ihn zu Gottérons Hoffnungsträger auf dem Weg zurück in die Playoffs. An den zwei Startniederlagen gegen Biel (1:3) und Langnau (2:3) ist er mit einer Fangquote von über 90 Prozent unschuldig.

Der WM-Silberheld von 2013 und 2018 ist auf eine sympathische Weise ein cooler Nonkonformist. Er mahnt in seinem authentischen, entspannten Auftreten eher an einen Künstler – was ja ein Goalie im Grunde auch ist. Er nennt die Dinge beim Namen und verzichtet auf die sonst üblichen Floskeln und Sprüchlein, die Profisportler bei der Medienausbildung im Klub auswendig lernen.

Switzerland's goaltender Reto Berra removes the puck, during the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Slovakia and Switzerland, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Sunday, May 6, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Reto Berra an der Eishockey-WM 2018. Bild: KEYSTONE

«In der Schweiz sollte ein erfahrener Spieler eigentlich dazu in der Lage sein, einen Vertrag selbst auszuhandeln.»

Reto Berra

Und ungewollt ist er im vergangenen Spätsommer auch ein wenig ein Pionier geworden: Er dürfte der Erste der ganz Grossen der Liga sein, der seinen neuen Vertrag persönlich, also ohne Agenten, ausgehandelt hat. Früher bezahlten die Klubs die «Agent Fee». Also die Provision, die ein Spielervermittler für das Aushandeln eines Vertrages bekommt. Sie liegt in der National League zwischen zwei und sieben Prozent des Jahreslohnes und ist jedes Jahr fällig.

Vor drei Jahren haben die Klubs entschieden, diese Agentenprovision nicht mehr zu bezahlen. Seither bekommen die Spieler die Rechnung. Reto Berra bestätigt auf Anfrage, dass er den neuen Vertrag bei Gottéron (er verlängerte vorzeitig bis 2024) mit Sportchef Christian Dubé selbst ausgehandelt hat und nicht mehr mit seinem Agenten André Rufener zusammenarbeitet. «Bei Verträgen in Nordamerika ist ein Agent unerlässlich. Aber in der Schweiz sollte ein erfahrener Spieler eigentlich dazu in der Lage sein, einen Vertrag selbst auszuhandeln.» Man kenne ja die Leute und den eigenen Marktwert.

Switzerland's Reto Berra during the quarter final game between Canada and Switzerland, at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Steel Arena in Kosice, Slovakia, on Thursday, May 23, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Reto Berra hat dank seiner Erfahrung den Vertrag selbst ausgehandelt. Bild: KEYSTONE

War es ein langes Feilschen mit dem Gottéron-Sportchef? «Nein, überhaupt nicht. Ich hatte meine Vorstellungen und er auch. Wir sind zwei-, dreimal eine Viertelstunde zusammengesessen, und dann waren wir uns einig.» Zuvor hatte er sich von André Rufener, einem der Erfahrensten der Branche, vertreten lassen. «Rufi» ist Inhaber einer NHL-Lizenz und unter anderem der Architekt der Karrieren von Nino Niederreiter, Mirco Müller, Sven Bärtschi und Luca Sbisa – und ein wenig auch von Reto Berra.

Zwischen den beiden ist über die Jahre sogar eine Freundschaft entstanden. Ist es da nicht fast ein wenig Verrat, beim Abschluss des neuen Vertrages den Freund aussen vor zu lassen? «Nein», sagt Reto Berra. «Wir sind Freunde geblieben.» André Rufener kann es sicherlich verschmerzen. Er vertritt in der NHL mit seinen Klienten eine jährliche Salärsumme von mehr als 10 Millionen Dollar. Da bleibt bei einer Agent Fee zwischen drei und sechs Prozent des Salärs genug für eine warme Mahlzeit nicht nur an Sonn- und Feiertagen.

(ch media)

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Bill3290
20.09.2019 13:52registriert April 2019
Aha, der erste der ganz Grossen der den Vertrag selbst aushandelt? Dann war Martin Plüss wohl eher ein Ergänzungsspieler?!
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Bambusbjörn aka Planet Escoria
20.09.2019 14:23registriert June 2018
Aber das geht doch nicht.
Denkt doch mal an all die armen Agenten und Anwälte, die sich jetzt Ende Jahr mit einer Tissot begnügen müssen und sich keine neue Rolex leisten können.
Wenn die jetzt da nichts mehr verdienen gehen die noch alle in die Politik.
Genug Blödsinn für heute. 🙋‍♂️
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Warumdennnicht?
20.09.2019 14:21registriert January 2016
Nir sind die meisten nicht in derselben postion wo sie als Spieler in der stärkeren position sind. Vieleicht geht das für die besten 5%. Aber für alle anderen wirds schwierig.
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