Dieser Jubel steht am Ursprung des Playoff-Strafenrekords
Der Mist in der BCF Arena ist längst geführt. Die Rapperswil-Jona Lakers führen im ersten Spiel des Playoff-Viertelfinals auswärts gegen Fribourg-Gottéron mit 4:1. Dank eines überragenden Gian-Marco Wetters (1 Tor, 2 Assists) steuern die Mannen vom Obersee auf einen souveränen Sieg zu, da kommen plötzlich doch noch einmal Emotionen auf.
Der Grund: Igor Jelovac. Der Lakers-Verteidiger und Strafenkönig der Regular Season (84 Strafminuten) trifft 52 Sekunden vor dem Ende ins leere Tor. Statt den fünften Treffer für sein Team einfach hinzunehmen, zeigt der 31-Jährige einen provokanten Jubel. Jelovac richtet den Blick auf die Gottéron-Fans und hält sich die Hand hinters Ohr, wie um zu sagen: «Wo seid ihr jetzt?».
Das lassen die Freiburger Spieler nicht auf sich sitzen – wohl auch, um hinsichtlich des zweiten Spiels am Sonntag in Rapperswil ein Zeichen zu setzen. Es kommt zu mehreren Scharmützeln auf dem Eis. Jelovac selbst wird von Gottéron-Verteidiger Patrik Nemeth zum Tanz gebeten. Der Rapperswiler zögert lange, ehe er sich doch noch auf den Kampf einlässt. Beide erhalten danach von den Schiedsrichtern genauso wie Jeremi Gerber und Mauro Dufner fünf Minuten plus Spieldauer für den Faustkampf. Jelovac und Kevin Nicolet, der sich von der Bank aus noch einmischt, erhalten zudem noch je eine 10-Minuten-Strafe wegen unsportlichen Verhaltens.
Als Jan Dorthe 30 Sekunden später in Unterzahl mit dem 2:5 für Fribourg in Unterzahl noch etwas Ergebniskosmetik betreibt, eskaliert die Lage erneut. Nun prügeln sich Rappi-Verteidiger Mika Henauer und Gottéron-Stürmer Jamiro Reber – beide werden von den Unparteiischen ebenfalls unter die Dusche geschickt, genau wie Dorthe, der allerdings nur zehn Minuten wegen unsportlichen Verhaltens erhält.
Weil Cedric Borga und Daniel Stricker bereits zuvor eher kleinlich gepfiffen haben, resultieren so am Ende 218 Strafminuten – ein neuer Playoff-Rekord in der National League. Die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2017, als sich der EHC Biel und der SC Bern ebenfalls zum Spielende prügelten, wurde um eine einzelne Minute übertroffen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein gegnerischer Jubel in der Freiburger Arena für hitzige Stimmung sorgt. Vor einem Jahr im Playoff-Viertelfinal siegte der SC Bern im sechsten Spiel mit 4:3 nach Verlängerung und SCB-Stürmer Waltteri Merelä provozierte nach dem Siegtreffer von Miro Aaltonen das Heimpublikum. Mit einer Geste forderte er noch mehr Würfe von Bierbechern auf das Eis, nachdem einige Gottéron-Fans sich im Frust über die Niederlage ihres Getränks entledigt hatten.
Klar ist: Das zweite Spiel ist bereits jetzt lanciert. Es dürfte von Beginn weg weitaus emotionaler ausfallen, als das bei der Auftaktpartie der Fall war. Die Aufgabe für Fribourg wird nicht einfacher. Nach Sandro Schmid (Saisonende) und Marcus Sörensen (hofft, im Laufe der Playoffs zurückzukehren) fiel gestern im Mitteldrittel auch noch Attilio Biasca aus.
