Ich habe Spiel 7 mit Tausenden Fribourg-Fans verfolgt – so war es
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Dieser Donnerstagabend, der 30. April, war in den Kalendern vieler Freiburger rot angestrichen. Wer hätte schon das siebte Spiel des Finales zwischen Fribourg-Gottéron und Davos verpassen wollen? Sicherlich nicht all die Zuschauerinnen und Zuschauer, die in Scharen zur Eishalle St. Leonhard strömten.
Spielt Fribourg-Gottéron zu Hause? Nicht einmal das! Manchmal stellt der Verein seltsame Rekorde auf, etwa wenn die Eishalle für ein Auswärtsspiel so voll wie bei einem Heimspiel ist.
Die halbe Stadt ist da
Neben dem Gebäude zieht die Fanzone auf dem «Place du Fair-Play» Tausende von Fans an. Es ist ganz einfach: Mit den 9'372 Plätzen in der Eishalle und den Tausenden von Zuschauern auf dem Platz waren fast 30'000 Menschen versammelt. Zur Erinnerung: Die Stadt Freiburg zählt 39'000 Einwohner (ohne Agglomeration).
In der Menge herrscht eine für die Umgebung typische Mischung: gut gelaunt, familiär, eher französischsprachig, aber mit einigen deutlich hörbaren deutschschweizerischen Einlagen. Die Food Trucks werden gestürmt, das Bier fliesst in Strömen.
Die Leute haben sich vorbereitet. Wie dieser Fan, der bereit ist zu feiern: «Meine Arbeit ist nur ein paar hundert Meter von hier entfernt. Ich habe schon den Schlafsack gepackt, mein Chef hat mir seine Zustimmung gegeben.» Wir haben es verstanden: Wenn Gottéron gewinnt, wird die Party wild. In der Menge treffen sich zwei Freunde. Einer von ihnen geht sich ein Bier kaufen und ruft seinem Kumpel zu:
Die Menge wird immer dichter. Gleich nebenan strömen an der Bahnhaltestelle «Poya» in regelmässigen Abständen ganze Ströme von Zuschauern aus. Darunter sind Soldaten im Ausgang, die einen Gottéron-Schal über ihrer Kampfuniform tragen. Neben dem Sport-Café der Eishalle liegt der Duft von Fondue in der Luft.
«Eine Niederlage in der Verlängerung?»
Die Sonne versinkt langsam über dem Platz, während die Spannung steigt. Auf dem Bildschirm kommen die Spieler um Julien Sprunger aus der Kabine und stürmen auf das Eis. Das Publikum tobt. Der Anpfiff ertönt, alle sind voll dabei.
Nach wenigen Minuten bringt ein erstes Tor von Bergström die Menge zum Toben, gefolgt von einem zweiten Tor von Reber in der 14. Minute. Auch wenn Davos auf 2:1 verkürzt, bleibt die Stimmung auf dem «Place du Fair--Play» zuversichtlich.
Im dritten Drittel steigt die Spannung noch einmal – und die Menge spürt es. Nach dem Ausgleichstreffer von Davos ist es wie eine kalte Dusche. Ein grosser Kerl neben mir murmelt:
Sie haben es geschafft
Die Verlängerung beginnt gerade. Die Zuschauer halten bei jedem Versuch den Atem an. Dann nutzt Gottéron ein Powerplay. Nach sechs Minuten in der Verlängerung nimmt Wallmark einen Pass an und schiesst den Puck direkt nach vorne.
Die Geschwindigkeit der visuellen Nervenimpulse liegt zwischen 50 und 70 Metern pro Sekunde. Das ist zwar schnell, erklärt aber sicherlich den Bruchteil einer Sekunde, den alle vor der BCF-Arena anwesenden Fans gebraucht haben, um sich zu vergewissern, dass der Puck hinter Aeschlimann die Linie überquert hatte.
Es war wahr.
Es ist der totale Jubel. Auf dem Platz brechen die Freiburger Fans in Jubel aus. Bierflaschen fliegen durch die Luft, Rauchbomben werden gezündet, Knallkörper schiessen in die Höhe. Sie haben es endlich geschafft.
Tränen, Jubelrufe und Freudenschreie vermischen sich. Seit 46 Jahren wartete Fribourg-Gottéron darauf, offiziell in die Liga der Grossen aufzusteigen. Die Züge, die auf der Strecke Zürich–Genf nur wenige Meter von der Zone entfernt vorbeifahren, hupen fröhlich – und die Fans hupen zurück.
In der Stadt Freiburg ist Party angesagt. Am Kreisverkehr vor dem Bahnhof, auf dem Place Georges-Python und vor der Universität herrscht Jubelstimmung. Hupen, Fahnen und das Quietschen von Reifen erfüllen die Luft – die Freiburger Autowerkstätten werden nächste Woche ein kleines Vermögen verdienen.
Am frühen Morgen des 1. Mai werden die treuesten Fans da sein, um ihre Helden zu empfangen, die mit dem Pokal zurückkehren.
Auf der Strasse sagt ein Mann unter Tränen:
Das trifft sich gut, denn morgen ist schon da. Aber der Sieg der Dragons ist nun für immer.
