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Hockey-WM: Kurashev bewegt sich dank neuer Gedanken in neuen Sphären

Chicago Blackhawks center Philipp Kurashev chases a loose puck during the second period of an NHL hockey game against the Vancouver Canucks, Tuesday, Feb. 13, 2024, in Chicago. (AP Photo/Erin Hooley)
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Blackhawks-Stürmer Kurashev war in dieser Saison so gut wie noch nie zuvor.Bild: keystone

Philipp Kurashev bewegt sich dank neuer Gedanken in neuen Sphären

NHL-Stürmer Philipp Kurashev blickt zurück auf seine beste Saison mit Chicago und verrät, wie die Nati an der WM mit dem Druck umgehen soll.
03.05.2024, 05:0003.05.2024, 12:13
sascha fey / keystone-sda
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Wenn an die Schweizer NHL-Spieler gedacht wird, kommt wohl kaum jemand zuerst auf Philipp Kurashev. Wie auch immer hat sich der 24-jährige Berner prächtig entwickelt. Am Donnerstag spielt er mit dem Nationalteam in Kloten gegen Schweden.

«Die neuen Gedanken halfen mir sehr für die Saison.»

2018 von den Chicago Blackhawks als Nummer 120 gedraftet, war Kurashev in dieser Saison der Stürmer mit der zweitmeisten Eiszeit im Team. Durchschnittlich stand er 19:01 Minuten auf dem Eis. Mehr Vertrauen erhielt einzig das Supertalent Connor Bedard.

Zudem erzielte der 18-Jährige in der abgelaufenen Qualifikation als Einziger bei Chicago mehr Skorerpunkte als Kurashev, der in 75 Partien 18 Tore und 36 Assists produzierte, nachdem er die ersten sechs Spiele wegen einer Handgelenkverletzung verpasst hatte. Zuvor waren dem Schweizer nie mehr als 25 Punkte in einer Regular Season in der NHL gelungen.

Trainingsgemeinschaft mit Meier

Die Steigerung führte Kurashev einerseits auf eine gute Saisonvorbereitung zurück, nachdem er sich Ende März 2023 an der Schulter verletzt hatte. Er nutzte die knapp sechs Monate bis zum Start des Trainingslagers mit den Blackhawks, «um schneller und stärker zu werden und mich mental gut vorzubereiten» sagte Kurashev. «Ich brauchte diese Zeit, um einen Reset vorzunehmen, machte oft frei, um mal weg vom Eishockey, weg von allem zu kommen. Die neuen Gedanken halfen mir sehr für die Saison.»

«Am Anfang war es schwierig, denn man muss mit Bedard stets bereit sein, er schafft es auch dann, die Scheibe zu dir zu bringen, wenn du das Gefühl hast, dass dies nicht möglich ist.»

Kurashev, dessen Wohnsitz in der Schweiz seit längerem St. Gallen ist, trainierte den zweiten Sommer zusammen mit dem aus Herisau stammenden Timo Meier. «Wir haben ein gutes Setup in St. Gallen, pushen uns gegenseitig, das hilft enorm», erzählt der 24-Jährige. Auch aufs Eis gingen die beiden gemeinsam. «Es macht Spass mit ihm, wir verbringen auch neben dem Training viel Zeit miteinander.»

Faktor Bedard

Ein weiterer Faktor für die erhöhte Punkteproduktion war, dass er fast immer mit Connor Bedard eine Sturmlinie bildete. «Das macht einen grossen Unterschied», sagt Kurashev. «Er verfügt über eine extrem gute Spielübersicht. Am Anfang war es schwierig, denn man muss mit ihm stets bereit sein, er schafft es auch dann, die Scheibe zu dir zu bringen, wenn du das Gefühl hast, dass dies nicht möglich ist. Das zeichnet ihn neben den Fähigkeiten mit dem Puck aus.»

Imponiert hat Kurashev zudem, wie gut Bedard als 18-Jähriger mit den sehr hohen Erwartungen umgegangen ist. Die beiden verbringen auch neben dem Eis ab und zu Zeit miteinander, vor allem auf den Auswärtsreisen. «Er ist eher ein ruhiger Typ, aber wir haben es sehr gut zusammen», sagt Kurashev.

Wenig Siege

So viel Spass es ihm machte, mit Bedard zusammenzuspielen, so frustrierend verlief die Saison. Chicago gewann bloss 23 der 82 Partien, schlechter waren einzig die San Jose Sharks. Kurashev gab zu, dass es manchmal schwierig gewesen sei, die Motivation hochzuhalten.

Der Berner unterschrieb im vergangenen Sommer einen zweiten Vertrag mit den Blackhawks, der über zwei Jahre datiert ist und ihm 4,5 Millionen Dollar einbringt. Sein Ziel ist es, so lange wie möglich bei Chicago zu bleiben, da die Stadt einiges bietet. So geht er ab und zu Basketball, Baseball oder American Football schauen. Das United Center, die Heimstätte der Blackhawks, ist bekannt für eine grossartige Atmosphäre. Kurashev nimmt das Wort Spektakel in den Mund. Wenn man an der blauen Linie stehe, bekomme man rasch Gänsehaut. «Das gibt ein gutes Gefühl.»

«Logisch haben wir viel Druck, wir müssen diesen jedoch als Motivation sehen.»

Ein solches sollen auch die Fans rasch wieder bekommen. Nachdem die Blackhawks von 2010 bis 2015 dreimal den Stanley Cup in die Höhe gestemmt hatten, kamen sie nie mehr über die Achtelfinals hinaus. In diesem Jahr verpassten sie zum vierten Mal hintereinander die Playoffs. «Die Fans wissen, in welcher Situation wir momentan sind», sagt Kurashev. «Hoffentlich lernen wir aus der vergangenen Saison und machen einen Schritt vorwärts.»

Druck als Motivation sehen

Zunächst aber will Kurashev mit dem Nationalteam Erfolg haben. Er wird in Tschechien bereits seine vierte Weltmeisterschaft bestreiten. Erstmals war er 2019 dabei, als die Schweizer in den Viertelfinals gegen Kanada 0,4 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit das 2:2 kassierten und danach in der Verlängerung verloren.

Switzerland's Philipp Kurashev during the game between Switzerland and Austria, at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thusday, Ma ...
Kurashev will den Druck für die Nati in positive Energie umwandeln.Bild: KEYSTONE

Bei seiner zweiten WM-Teilnahme 2021 fehlten gegen Deutschland (2:3 n.P.) 44 Sekunden zum Halbfinaleinzug. Und nachdem Kurashev mit den Schweizern auch 2022 im Viertelfinal gescheitert ist (0:3 gegen die USA), soll es diesmal nun klappen mit dem Weiterkommen. «Logisch haben wir viel Druck, wir müssen diesen jedoch als Motivation sehen», sagt Kurashev. (abu/sda)

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