DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Supporter leave the Accor Hotels Arena after the Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between France and Finland in Paris, France on Sunday, May 7, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die Accor Hotels Arena in Paris war bei den Spielen von Frankreich bisher nicht ausverkauft. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Warum Eishockey in Paris ist wie Squash in Zürich

Paris im Ausnahmezustand? Nein, nicht einmal, wenn es um Hockey geht. Die Franzosen besiegen zum ersten Mal in der Geschichte an einer WM Finnland (5:1) – und niemand in der Stadt kümmert es.



Es ist kalt und windig in Paris. Und ruhig. Wer mag, kann allerhand in diesen ruhigen Sonntag interpretieren. Etwas stimme nicht oder es sei unheimlich still. Doch so ist es bei kaltem, windigem Wetter oft in Paris. Die Strassen sind weitgehend leer.

Ungewöhnlich ist die starke Polizeipräsenz – vor allem und gerade rund ums WM-Stadion. Nie mehr seit die Eishockey-WM im Ostblock ausgespielt worden ist (zuletzt 1986 in Moskau) stehen so viele uniformierte und nicht uniformierte Sicherheitskräfte ums Stadion herum.

epa05948587 Official mascot Asterix before the 2017 IIHF Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between Finland and France in Paris, France, 07 May 2017.  EPA/PETER SCHNEIDER

Asterix auf dem Eis, Sicherheitskräfte um das Stadion. Bild: EPA/KEYSTONE

In Frankreich gilt wegen der Terrorgefahr immer noch der Ausnahmezustand. Was sich an einem kleinen administrativen Detail zeigt. Ein ausländischer Chronist musste nach der Ankunft zwei Tage auf seine Zulassung (Akkreditierung) warten. Bis der französische Geheimdienst grünes Licht gibt. Alle, die eine WM-Akkreditierung bekommen (inkl. Spieler und Funktionäre) müssen den Sicherheits-Check durchlaufen. Unter der Oberfläche eines ruhig dahinplätschernden Alltages lauert eben doch die Angst.

Die WM als Saison-Höhepunkt

Die Eishockey-WM lässt Paris kalt. Ein Fremder, der nichts von der Eishockey-WM weiss, wird nur durch Zufall davon erfahren. Die Spiele der Franzosen im Stadion am Rande des «Parc de Bercy» sind nicht einmal ausverkauft. Die Eishockey-WM ist ein sportlicher Geheimtipp. Ähnlich wie der GC-Cup im Squash in Zürich. Ja, Eishockey in Paris ist ungefähr wie Squash in Zürich.

Players of France celebrate their sides fourth goal during the Ice Hockey World Championships group B match between France and Finland in the AccorHotels Arena in Paris, France, Sunday, May 7, 2017. (AP Photo/Petr David Josek)

Den Fans vor Ort gefällt's. Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Aber das macht es für die Schweiz nicht einfacher. Die Franzosen sind einer der Gegner auf dem Weg ins Viertelfinale. Die WM im eigenen Land befeuert die Spieler zusätzlich, und sie gelten sowieso als eines der Nationalteams mit dem grössten Zusammenhalt. Eine WM ist für alle der absolute Höhepunkt einer Saison. Unvergessen bleibt, wie IIHF-Präsident René Fasel eine Wette einlösen und in der Kabine der Franzosen nach dem 2:1-Sieg über Russland 2013 in Helsinki die französische Nationalhymne singen musste.

abspielen

Der Moment, als Frankreich Russland geschlagen hatte. Video: YouTube/IIHF Worlds 2017

Aber eben: Paris zeigt der Hockey-WM die kalte Schulter. Ausverkauft war die «Accor Hotels Arena», das Hallenstadion von Paris an der Seine mit 11'433 Fans auch für die Partie gegen Finnland nicht. Bloss 7893 waren für das erste Spiel gegen Norwegen gekommen.

Aber bald einmal brausten Jubelstürme durchs Rund als sei der hinterste und letzte Sitz verkauft worden. 5:1 gegen Finnland. Hockey-Frankreich rockte. Frankreichs erster Sieg gegen Finnland an einer WM. Nicht einmal 24 Stunden nach der 2:3-Startpleite gegen Norwegen.

Operettenliga-Torhüter als Held

Ein Sieg der Disziplin und der Leidenschaft – und eines starken Torhüters. Anders als beim 2:3 gegen Norwegen stand nicht einmal Lausannes Cristobal Huet im Tor. Florian Hardy, die Nummer 2 aus der österreichischen Operettenliga (Dornbirn) ermöglichte die Sensation mit einer Fangquote von 97,67 Prozent.

abspielen

Die unfassbare Parade von Hardy gegen Finnland. Video: streamable

Der amerikanisch-französische Doppelbürger Dave Henderson, seit 2004 Frankreichs Cheftrainer, nennt seine Spieler «Guerriers». Wörtlich übersetzt «Krieger». In der Hockeysprache ein durchaus gängiger Ausdruck für bissige, leidenschaftliche Spieler mit einer intensiven Spielweise. Er betont, Talent alleine genüge auf diesem Niveau gegen einen Titanen wie Finnland nicht.

Das Talent der Franzosen ist allerdings nicht zu unterschätzen. Neben NLB-Profis wie Captain Laurent Meunier und Kevin Hecquefeuille (La Chaux-de-Fonds), Servette-Hinterbänkler Florian Douay oder NLA-Saurier Cristobal Huet (41) gibt es mit Center Pierre-Edouard Bellemare (Philadelphia) und Flügel Antoine Roussel (Dallas) zwei bestandene NHL-Stürmer und mit Damien Fleury und Stephane Da Costa auch zwei KHL-Profis im Team.

La Chaux-de-Fonds' center Dominic Forget, of Canada, right, celebrates his goal with teammates defender Kevin Hecquefeuille, of France, left, and forward Jerome Bonnet, center, after scoring the 1:1, during the fifth leg of the Playoffs semifinal game of National League B (NLB) Swiss Championship between La Chaux-de-Fonds HC and SC Rapperswil Jona Lakers, at the ice stadium Les Melezes, in La Chaux-de-Fonds, Switzerland, Tuesday, March 14, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Kevin Hecquefeuille (links) spielt in der NLB bei La Chaux-de-Fonds. Bild: KEYSTONE

Doch unverdrossen rühmt Cheftrainer Dave Henderson das Talent der Schweizer, spricht von einer grossen helvetischen Hockey-Nation, die doch erst 2013 das WM-Finale erreicht hat, hebt unsere Nationalmannschaft in den Himmel und beschwört die Aussenseiterrolle. So schlecht sind wir also gar nicht.

Am Dienstag tritt also der grosse Favorit Schweiz gegen den krassen Aussenseiter Frankreich (20:15Uhr, live SRF2) an. Affaire à suivre.

Diese 28 Talente musst du an der Hockey-WM auf dem Radar haben

Eishockey WM 2017

Was kann der neue Hexenmeister der Hockey-Nati bewirken?

Link zum Artikel

Ein Stutz ins Phrasenschwein – diese Sprüche wirst du an der Hockey-WM sicher hören

Link zum Artikel

Top-8-Status in Gefahr – der WM-Viertelfinal ist für die Hockey-Nati Pflicht

Link zum Artikel

Hockey-Nationalmannschaft – so gut wie seit 2013 nie mehr

Link zum Artikel

Diese 28 Talente musst du an der Hockey-WM auf dem Radar haben

Link zum Artikel

Patrick Fischer über die WM-Absenzen: «Wenn die Motivation fehlt, macht es keinen Sinn»

Link zum Artikel

Du weisst nicht, welches Team der Hockey-WM zu dir passt? Dieses Flussdiagramm hilft dir

Link zum Artikel

Diese 10 Spiderdiagramme musst du für die Eishockey-WM kennen

Link zum Artikel

Jetzt zeigt sich, ob wir einen Cheerleader oder Bandengeneral haben

Link zum Artikel

Fischer fischt an der WM mit diesen Fischen nach dem Titel

Link zum Artikel

Dank Genoni-Shutout und drei Punkten von Almond – die Schweiz bodigt Norwegen

Link zum Artikel

Den Super-Gau nach 4:0-Führung verhindert: Nati siegt zum WM-Auftakt im Penaltyschiessen

Link zum Artikel

Weder dick noch doof – überragender Hardy packt gegen Finnland diese Monsterparade aus

Link zum Artikel

Wirst du Eishockey-Weltmeister oder musst du frühzeitig unter die Dusche?

Link zum Artikel

Zu wenig Wasserverdrängung? Schweiz an der Hockey-WM am kleinsten und leichtesten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Patrick Fischer – ein Bandengeneral ohne Fortune, aber der richtige Nationalcoach

Hätte Patrick Fischer mit besserem Coaching den WM-Viertelfinal gegen Deutschland gewinnen können? Wahrscheinlich schon. Trotzdem ist er der richtige Nationaltrainer. Seine Absetzung würde uns um Jahre zurückwerfen.

Wenn Kaiser Napoléon ein fähiger Truppenführer zur Beförderung zum General vorgeschlagen wurde, soll er jeweils nur eine Frage gestellt haben: «Hat der Mann Glück?» Der grosse Korse wusste: Noch so viel militärischer Sachverstand hilft nicht, wenn im alles entscheidenden Moment das Glück fehlt.

Patrick Fischer wäre unter Napoléon nicht General geworden. Weil er im entscheidenden Augenblick kein Glück hat. Niederlagen gegen Deutschland in der Verlängerung im olympischen Achtelfinal von 2018 …

Artikel lesen
Link zum Artikel