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SCB-Torhüter Niklas Schlegel zügelt nach Lugano.
SCB-Torhüter Niklas Schlegel zügelt nach Lugano.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

«Doppelmoral», «Transfer-Wildwest» und Zeit für eine neue, revolutionäre Statistik

Einst sorgten Transfers während der Saison für Empörung. Heute sind sie selbstverständlich. Und dank unserem «Transfer-Wildwest» ist es bei uns zum ersten Mal in der Geschichte des Mannschaftsportes möglich, die Zukunft zu berechnen.
14.12.2019, 06:0414.12.2019, 17:04

Ein Wechsel während der laufenden Saison? Früher undenkbar. Es gehe doch nicht, dass einer während einer Meisterschaft von einem Klub zu einem anderen wechsle. Das sei unerhört und gegen alle Anstandsregeln, verfälsche den Titelkampf, mache den Sport unglaubwürdig, müsse verboten werden und ach, die armen Spieler: Sie müssen von einem Tag auf den anderen zügeln! Oder gar während der laufenden Saison bereits bei einem anderen Klub unterschreiben? Völlig ausgeschlossen. Das wäre ja Verrat!

Inzwischen regt sich niemand mehr auf. Soeben zügelte SCB-Torhüter Niklas Schlegel nach Lugano und Zugs kanadischer Stürmer Dave McIntyre ebenfalls nach Lugano.

Diese Transfers sind gut für die Liga. Sie sollten sogar viel häufiger sein. Niklas Schlegel ist ein gutes Beispiel: Was nützt unserem Hockey ein Spieler, der bei seinem Trainer in Ungnade gefallen ist, bei einem anderen Trainer willkommen wäre, aber monatelang ausharren muss bis er endlich gehen kann? Gar nichts. Es ist besser, wenn er gleich wechselt.

Klar, bei uns ist es schwieriger, Spieler von einem Ort zum anderen zu verschieben. In der NHL können die meisten Spieler – nur Topstars haben eine sogenannte «No-Trade-Klausel» im Vertrag – auch gegen ihren Willen transferiert werden. Bei uns geht das nur im Einverständnis mit den Betroffenen.

Inzwischen haben mehr als 20 Spieler bei einem neuen Klub unterzeichnet, spielen diese Saison aber noch mit dem alten zu Ende. So auch Mark Arcobello.
Inzwischen haben mehr als 20 Spieler bei einem neuen Klub unterzeichnet, spielen diese Saison aber noch mit dem alten zu Ende. So auch Mark Arcobello.Bild: KEYSTONE

Wir transferieren also längst während der Saison. Was uns aber nach wie vor von allen anderen Ligen der Welt unterscheidet, ja in allen anderen Ligen völlig undenkbar wäre: Verträge vor der Zeit bei einem neuen Klub zu unterschreiben.

Inzwischen haben mehr als 20 Spieler bei einem neuen Klub einen Arbeitsvertrag unterzeichnet, spielen diese Saison aber noch mit dem alten zu Ende. Das sind fast zehn Prozent aller Arbeitnehmer in unserer höchsten Liga. Darunter Stars wie Mark Arcobello oder Dustin Jeffrey und sogar Torhüter wie Robert Mayer und Daniel Manzato, die bei ihren aktuellen Klubs weiterhin eine Schlüsselrolle einnehmen.

Diese seltsame «Doppelmoral» – spielen bei einem Klub, aber bereits einen Vertrag bei einem anderen haben – war früher völlig undenkbar. Noch bis in die Mitte der 1990er Jahre durfte nur im Monat Mai verhandelt und transferiert werden. Weshalb der Mai im Hockey «Transferperiode» hiess.

Hin und wieder gab es zwar Gerüchte über einen heimlich schon vorher gemachten Wechsel. Etwa beim Transfer von Jörg Eberle von Davos nach Lugano auf die Saison 1985/86. Aber nie eine Bestätigung. Damals gab es halt noch so etwas wie eine Transferscham. Und als das Gerücht umging, Luganos Nationalstürmer Thomas Vrabec habe vorzeitig in Bern unterschrieben, setzte ihn Trainer John Slettvoll im Frühjahr 1990 während der Playoff-Finalserie auf die Tribüne – und wurde trotzdem Meister.

Heute werden Vertragsunterschriften vor der Zeit offiziell bestätigt. Sie gehören zur Tagesordnung. Die Spieler können damit gut leben. Sie werden wohl bei ihrer Ehre gepackt ihr bestes Hockey zu spielen, um nicht als Verräter dazustehen. Leonardo Genoni unterschrieb beispielsweise im Spätsommer 2018 bei Zug einen Fünfjahresvertrag, gültig erst ab der Saison 2019/20. Anschliessend führte er den SCB im April 2019 im Finale gegen seinen künftigen Arbeitgeber zum Titel. Seit er nun in Zug im Tor steht, hat er noch nie so gut gespielt wie zuvor in Bern.

Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots

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So geht es wahrlich nur bei uns zu und her. Aber abstellen lässt sich der «Transferwildwest» nicht mehr. Weil es, anders als in der NHL, mit anderen Strukturen (Spielergewerkschaft, Gesamtarbeitsverträge, Salärobergrenze für die Klubs, Deponieren der Verträge bei der Liga) einfach keine Kontrollmöglichkeit gibt. In Zeiten der Hosentelefone ist es sowieso kein Problem mehr, sich diskret zu verabreden und Deals vor der Zeit auszuhandeln.

Eine wirksame Kontrolle ist absolut unmöglich und wenn etwas nicht kontrolliert werden kann, macht ein Verbot keinen Sinn. Ein solches Verbot wäre bloss ein Intelligenz-Test: Nur die dümmsten Sportchefs, Agenten und Spieler können überführt werden. Der Chronist wüsste schon ein paar Kandidaten, die bei diesem Test wahrscheinlich durchfallen würden. Aber das wäre polemisch und er ist jeder Polemik abhold.

Statt uns also billig zu empören, sollten wir das Beste aus einer Situation machen, die nun mal nicht zu ändern ist und in Zeiten der ausufernden Statistiken unsere ganz besonderen Transferkultur konstruktiv nützen.

Unsere Liga hat nämlich dank unserem «Transfer-Wildwest» und unserer «Doppelmoral» weltweit als einzige die Grundlage für die aussagekräftige Zukunfts-Statistik.

Für diese sogenannte «Nostradamus Statistics» werden die Daten aller Spieler erfasst, die für kommende Saison bereits bei einem anderen Klub unterschrieben haben. Sodann werden ihre Tore, Strafen, Schüsse, geblockten Schüsse, Checks, Pässe und Fehlpässe der laufenden Saison beim aktuellen Arbeitgeber gestrichen und dafür beim neuen gut geschrieben. So erkennen wir, welche Auswirkungen einer bei seinem künftigen Klub haben wird.

Das geht zum Beispiel so: Mark Arcobellos Tore und Assists werden diese Saison nicht mehr beim SCB sondern bei Lugano verbucht. Dafür bekommt Bern alle Skorerpunkte von Dustin Jeffrey gutgeschrieben und bei Lausanne werden sie gestrichen. Die Werte von Miro Zryd werden bei Zug nicht mehr berücksichtigt und beim SCB eingetragen. Dafür übernehmen die Zuger die Statistik von Langnaus Claudio Cadonau. Die Tore von Yannick Herren zählen bereits für Gottéron und nicht mehr für Lausanne. Und so weiter und so fort.

Unser «Transfer-Wildwest» und unsere «Doppel-Moral» können uns also helfen, erstmals in der Geschichte des Mannschaftsportes die Zukunft eines unberechenbaren Spiels wie Eishockey berechenbar zu machen.

P.S: Wo sollten wir aufmerksam beobachten, ob lange vor der Zeit ein Vertrag bei der Konkurrenz unterschrieben wird? Beispielsweise bei Langnaus Ivars Punnenovs, lettischer Nationalgoalie mit Schweizer Lizenz, und bei Rappis Nationaltorhüter Melvin Nyffeler. Beide sind gut genug, um in Bern oder in Biel eine Nummer 1 zu sein. Beide haben Verträge, die im Frühjahr 2021 auslaufen. Bern und Biel könnten nächste Saison mit einem Ausländer im Tor überbrücken – bis zur Ankunft von Punnenovs oder Nyffeler …

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