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Patrick Emond ist bei Servette nicht mehr erwünscht.
Patrick Emond ist bei Servette nicht mehr erwünscht.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Ein Trainer als Opfer seines Erfolgs – ist am Ende doch alles so, wie es immer war?

Eine Saison ohne Trainerentlassung? Was für ein Irrtum! Servettes Patrick Emond ist seines Amtes enthoben worden. Immerhin ist es eine Billig-Lösung: Assistent Jan Cadieux, der Sohn des legendären Paul-André Cadieux, übernimmt bis Saisonende. Und es soll keiner sagen, ein Name sei nur Schall und Rauch.
10.11.2021, 13:2111.11.2021, 06:34

Keine Trainerentlassung, weil es sich die Klubs nicht leisten können? Das ist immerhin eine halbe Wahrheit. Patrick Emonds Entlassung kostet nichts: Sein Assistent Jan Cadieux (41) steht beim Klub ja schon in Lohn und Brot. Und ein Eintrag fürs Geschichtsbuch ist es auch.

Sein Vater Paul-André Cadieux (74) war von 1987 bis 1989 als Spielertrainer (Aufstieg von der 1. Liga in die NLB) und von 1999 bis 2001 Cheftrainer in Genf. Sein Nachfolger wird 2001 Chris McSorley. Vater und Sohn im Laufe ihrer Karriere Cheftrainer beim gleichen Klub – eine Rarität. Zuletzt war das beim EHC Thun (MySports League) der Fall: Simon Schenk war von 1980 bis 1986 Spielertrainer in Thun. Heute coacht sein Sohn Christoph Schenk die Mannschaft.

Der neue starke Mann bei Servette: Jan Cadieux.
Der neue starke Mann bei Servette: Jan Cadieux. Bild: IMAGO / Geisser

Patrick Emond (56) wird im Sommer 2019 von Chris McSorley zum Cheftrainer befördert. Der Kanadier hatte zuvor zweimal hintereinander die Meisterschaft der Elite-Junioren gewonnen und die Mannschaft seit 1997 betreut. Der perfekte Mann also, um eine dem Sparprogramm geschuldete Verjüngung zu orchestrieren.

Und in der Tat: Rang 4 in der Saison ohne Playoffs (2019/20) und letzte Saison stürmt Servette vom 6. Rang aus über Gottéron und die ZSC Lions hinweg in den Final. Dort sind die Genfer gegen Zug zwar chancenlos. Aber der Zauberlehrling, der zuvor nur mit Junioren gearbeitet hat, ist jetzt auch ein Hexenmeister wie sein Vorgänger.

Opfer der gestiegenen Erwartungen

Und doch steht Patrick Emond auf dünnem Eis. Er wird ein Opfer seines Erfolges. Mit dem Final holt er ein Optimum aus seiner Mannschaft heraus. Ja, er vollbringt ein kleines Hockeywunder. Und ausgerechnet vor der Saison der Bestätigung wird seine Mannschaft auf der Torhüterposition auf fatale Art und Weise geschwächt: Servette hat mit Gauthier Descloux nur noch einen richtigen Torhüter. Letzte Saison war er statistisch in der Qualifikation noch die Nummer 3 – jetzt ist er noch die Nummer 12 mit erheblich schwächeren statistischen Werten.

Schon wieder bezwungen: Gauthier Descloux kann seine starke letzte Saison bislang nicht bestätigen.
Schon wieder bezwungen: Gauthier Descloux kann seine starke letzte Saison bislang nicht bestätigen.Bild: keystone

Letzte Saison war Daniel Manzato sein perfekter Ersatz. Als Gauthier Descloux kurz vor den Playoffs ausfällt, übernimmt die Nummer 2 und trägt die Mannschaft bis in den Final. Als statistisch bester Torhüter der Playoffs. Jetzt ist er die Nummer 2 in Bern und sein Nachfolger Stéphane Charlin (21) hat bei insgesamt fünf Einsätzen nicht einmal eine Fangquote von 80 Prozent erreicht. Die Heimniederlage gegen Ajoie (3:4 n.P nach einer 3:0-Führung) war die Niederlage zu viel – und im Tor war Stéphane Charlin wahrlich kein Held. Nicht im Spiel, nicht im Penaltyschiessen: Ajoie war gleich viermal hintereinander erfolgreich.

Nur auf einen Torhüter zu setzen – dieser bodenlose Leichtsinn ist schon den Langnauern diese Saison beinahe zum Verhängnis geworden. Sie mussten mit Robert Mayer nachrüsten. Der legendäre kanadische Coach Dave King pflegte seine Vorträge schon mal mit den Worten zu beschliessen: «Und nun, meine Herren, wenn sie keinen guten Torhüter haben, vergessen sie alles, was sie soeben gehört haben.» Und heute braucht es zwei gute Torhüter.

Auch die Tigers wissen spätestens seit dieser Saison: Ein guter Torhüter reicht in der National League nicht.
Auch die Tigers wissen spätestens seit dieser Saison: Ein guter Torhüter reicht in der National League nicht.Bild: keystone

Kein zweiter Goalie, zu hohe Erwartungen, die er durch den eigenen Erfolg geweckt hat – und schon ist eine völlig unnötige Trainer-Entlassung perfekt. Welch eine Ironie: Patrick Emond steht mit seiner Mannschaft nach Verlustpunkten exakt genau gleich da wie das Lugano seines Vorgängers Chris McSorley. Der Mann, der zuvor halt „nur“ jahrelang Juniorentrainer war, muss gehen. Der charismatische Bandengeneral Chris McSorley, der schon seit 20 Jahren unser Hockey rockt, darf in Lugano an der Bande bleiben. Soll keiner sagen, ein Name sei nur Schall und Rauch.

Und wer jetzt denkt, es sei gar ein wenig naiv, zu glauben, die Corona-Krise habe tatsächlich zu mehr Vernunft und Verstand in den Chefetagen geführt und die Amtsenthebung von Patrick Emond sei womöglich nicht die letzte in dieser Saison, liegt womöglich nicht ganz falsch. Ist es – Krise hin oder her – am Ende doch so, wie es schon immer war?

Ab heute ist das Eis für Jason O'Leary in Langnau, Johan Lundskog in Bern, Rikard Grönborg in Zürich und John Fust in Lausanne vielleicht doch ein klein wenig dünner geworden. Und Chris McSorley ist in Lugano froh, dass er unter Palmen sowieso keinen Wintermantel braucht.

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