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EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel jubelt mit dem Meisterpokal.
EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel jubelt mit dem Meisterpokal.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Der Hockey-Final der visionären Milliardäre wird sich noch mehrmals wiederholen

Der Final zwischen den ZSC Lions und Zug war nicht nur ein sportliches, es war auch ein wirtschaftliches Gipfeltreffen unseres Hockeys mit Walter Frey und Hans-Peter Strebel. Dieser Final ist auch der Beweis, dass Geld allein den Erfolg nicht bringt. Und vieles spricht dafür, dass diese beiden Teams in den nächsten Jahren unser Hockey dominieren werden.
02.05.2022, 19:2902.05.2022, 22:00

Gottérons Trainer und Sportchef Christian Dubé sagt es immer wieder mal mit ein bisschen Melancholie in der Stimme: «Am Ende gewinnen immer die mit dem grössten Budget.» Wo er recht hat, hat er recht: Alle Meister des 21. Jahrhunderts hatten genügend Geld für meisterliche Transfer-Investitionen. Über die Jahre auch Lugano, der HC Davos und der SC Bern.

Nun ist es so, dass Geld keine Tore und Titel macht. Mehr als je zuvor in unserer Hockey-Geschichte (seit 1908) gilt heute: Nur noch in Kombination mit einer Vision gelingt es, mit Geld eine Meisterschaft zu gewinnen. Walter Frey (78) und Hans-Peter Strebel (73), die grossen Vorsitzenden bei den ZSC Lions und Zug, sind dafür ein Beispiel. Kein Zufall, dass sich nun beide zum ersten Mal im Final begegnet sind. Gemäss den Schätzungen des Wirtschaftsmagazin «Bilanz» waren so im Final gut drei Milliarden vertreten. Vieles spricht dafür, dass sich dieser Final in den nächsten Jahren wiederholen wird.

«Wir haben halt keinen Mäzen», ist der oft gehörte Seufzer von Präsidenten, Manager und Sportchefs. Neidvoll wird nicht nur, aber vor allem auf die ZSC Lions und Zug verwiesen.

Ein Mäzen ist eine Person, die eine Institution (in unserem Fall ein Hockeyunternehmen) mit Geld oder geldwerten Mitteln bei der Umsetzung eines Vorhabens unterstützt, ohne eine direkte Gegenleistung zu verlangen. Die Definition ist eigentlich richtig, bedarf aber im Sport einer kleinen Ergänzung: Es wird eine Gegenleistung verlangt: Erfolg.

Der erste Mäzen seit Einführung der Playoffs (1986) war Luganos Präsident Geo Mantegazza. Er ist sozusagen der «Urvater» der erfolgreichen Investoren (Mäzen) im Playoff-Zeitalter. Der Milliardär verknüpfte sein Geld mit einer Vision. Mit der Vision neuer, umfassender Trainingsmethoden auch im Sommer und er fand mit John Slettvoll den Mann, der seine Visionen in die Tat umsetzte. Der Erfolg war durchschlagend: Lugano holte 1986, 1987, 1988 und 1990 den Titel und löste einen Entwicklungsschub aus, die zur atemberaubenden Rückkehr unseres Hockeys in die Weltspitze geführt hat.

Geo Mantegazza, der Urvater der Mäzen im Schweizer Hockey.
Geo Mantegazza, der Urvater der Mäzen im Schweizer Hockey.Bild: TI-PRESS

Unsere Hockeykultur des 21. Jahrhunderts prägen zwei Mäzen: Walter Frey und Hans-Peter Strebel. Zum ersten Mal haben ihre Klubs nun den Final ausgetragen. Zug gegen die ZSC Lions war das bisher beste Gipfeltreffen unseres Hockeys. Weil hinter dem Geld von Walter Frey und Hans-Peter Strebel eine Vision steht.

Walter Frey steht seit der Gründung (1997) den ZSC Lions als Präsident vor. Im Autogeschäft kam er zu Millionen. Das Leben hat es gut gemeint mit ihm und er meint es gut mit den ZSC Lions. Die Zürcher leisten sich die besten Spieler, die auf dem Markt zu haben sind: Denis Malgin, Sven Andrighetto, Denis Hollenstein oder der NHL-Rückkehrer Yannick Weber. Auch beim Trainer wird nicht gespart: Der glücklose Rikard Grönborg war als zweifacher Weltmeister der teuerste Trainer auf dem europäischen Markt, als er 2019 nach Zürich kam.

Die Zürcher haben den Final 2022 zwar nicht gewonnen (verloren im Wortsinn haben sie ihn auch nicht, dafür waren sie zu gut). Aber ihre langfristige Erfolgsbilanz ist beeindruckend: Meister 2000, 2001, 2008, 2012, 2014 und 2018, Finalist 2002, 2005, 2015 und 2022.

Walter Frey meint es gut mit den ZSC Lions.
Walter Frey meint es gut mit den ZSC Lions.Bild: KEYSTONE

Diese Konstanz ist allein mit Geld nicht möglich. Erst die Vision von Walter Frey macht es möglich: Ja, die ZSC Lions sollen ein exzellentes Premium-Sportunternehmen sein. Aber nicht nur ganz oben, bei der ersten Mannschaft. Auch unten an der Basis. Deshalb hat der ZSC-Präsident mehr Geld in die Ausbildung und Förderung der Talente als in die Saläre der Stars investiert. Die ZSC Lions alimentieren die grösste und erfolgreichste Nachwuchsorganisation im Land. Es ist eine der besten in Europa. Als erste haben sie mit den GCK Lions ein Farmteam aufgebaut und nächste Saison werden sie die einzige Hockey-Organisation sein, die sich allein ein Farmteam leistet.

Diese Investition an der Basis zahlt sich mehrfach aus. Das gilt für die ZSC Lions und für Zug. Erstens ist es möglich, eigene Spieler in die Mannschaft zu integrieren. Wobei: Es ist heute nicht mehr möglich, mit eigenen Junioren ein Meisterteam zu bauen. Der letzte Meister, der aus dem eigenen Nachwuchs kam, war Langnau im Jahre 1976. Um Meister zu werden, braucht es den «Zukauf» von Schlüsselspielern. Also Geld.

Gerne klagen die Sportchefs über die Marktmacht der ZSC Lions. Nur: Die ganze Liga, unsere gesamte Hockeykultur profitieren von der Ausbildungsarbeit dieses Hockey-Unternehmens. Spektakulärstes Beispiel: Leonardo Genoni, der wichtigste Einzelspieler der Zuger, ist bei den ZSC Lions ausgebildet worden. Mit Dominik Schlumpf, Sven Senteler, Jérôme Bachofner, Luca De Nisco oder Claudio Cadonau haben soeben weitere in Zürich ausgebildete Spieler in Zug den Titel gefeiert. Insgesamt spielen in den beiden höchsten Ligen mehr als 50 Spieler aus der Nachwuchsorganisation der Zürcher.

Eine Investition in den Nachwuchs bringt langfristigen Nutzen, der nicht mit Geld messbar ist: Eine hohe politische und soziale Akzeptanz weit über die Sportkreise hinaus und ein Beziehungsnetz, dessen Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Nur wenige Junioren werden später Nationalspieler oder gar NHL-Profi. Aber alle, die als Buben für die ZSC Lions gespielt haben, bleiben auch dann ZSC Lions, wenn sie nicht mehr Hockey spielen. Sie werden später eine Saisonkarte kaufen, andere steigen in Chefetagen auf und befürworten ein Hockey-Sponsoring, andere werden Politiker. Es gibt im richtigen Leben viele Möglichkeiten, etwas für den Klub zu tun, für den man einst gespielt hat.

Wenn der Mäzen dann auch noch für die perfekte Infrastruktur sorgt, dann ist das Glück vollkommen. Ohne Walter Frey wäre der Bau des neuen Zürcher Hockey-Tempels in Altstetten nicht möglich geworden. Im November ist das neue Stadion bezugsbereit. Ein historischer Moment. Dass es in der politischen Fussball-Welthauptstadt Zürich (hier hat der Weltverband FIFA seinen Sitz) kein richtiges Fussballstadion gibt, hat viele Gründe.

Einer davon: Die Mäzene des Stadtzürcher Fussballs investierten und investieren Millionen. Aber keiner von ihnen hatte oder hat eine zündende Vision, die über den Tag und die Saison hinaus umgesetzt worden ist. Die GC-Gönner Rainer E. Gut und Fritz Gerber sind bis heute die schillerndsten Vertreter der oft glücklosen und inzwischen heimatlosen Stadtzürcher Fussball-Investoren (ohne eigenes Stadion).

Hans-Peter Strebel ist Zugs Antwort auf Walter Frey. Einerseits ermöglicht er die Investitionen in die erste Mannschaft, die es nun mal braucht, wenn man Meister werden will. Es ist, wie es ist: Die Transfers von Leonardo Genoni, Grégory Hofmann, Dario Simion, Marco Müller oder Fabrice Herzog sind mit den Erträgen aus dem Spielbetrieb nicht bezahlbar. Das steht hier auch nicht zur Debatte.

Viel wichtiger ist die Vision des Präsidenten, die über den Tag und die Saison hinausgeht und Zug zu einer Organisation macht, die zusammen mit den ZSC Lions über Jahre unser Hockey prägen wird. Und er hat das Glück, dass er mit Dan Tangnes den Trainer gefunden hat, der seine sportlichen Visionen im Tagesgeschäft umsetzt – wie damals Geo Mantegazza mit John Slettvoll. Die ZSC Lions haben ihren Dan Tangnes noch nicht gefunden.

Wie Walter Frey investiert auch Hans-Peter Strebel in die nächste Generation, in die Zukunft: Sein Vermächtnis ist das OYM in Cham. Vielleicht das beste Sporthochleistungszentrum der Welt. Hier ist es möglich, die «perfekten» Hockeyspieler zu formen. Dass es am Ende doch möglich war, einen 0:3-Rückstand im Final aufzuholen, hat etwas mit dem OYM zu tun. Diese Infrastruktur ist ein wichtiger Grund für talentierte Spieler, in Zugs Organisation zu wechseln.

Die Zuger haben parallel zu den Investitionen in die erste Mannschaft eine vorzügliche Nachwuchsorganisation aufgebaut. Mit Nico Gross, Livio Stadler, Dario Allenspach, Lino Martschini, Sven Leuenberger, Yannick Zehner oder Luca Hollenstein kommen mehrere Meisterspieler aus dem eigenen Nachwuchs. Schade nur, dass das eigene Farmteam (EVZ Academy) nach fünf Jahren wieder aufgelöst wird. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte.

Das OYM-Trainingszentrum in Cham

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Das OYM-Trainingszentrum in Cham
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2015 hat Hans-Peter Strebel das Präsidium übernommen, sieben Jahre später feiert er den zweiten Titel. Als Erfinder eines Medikaments gegen multiple Sklerose (MS) kam er zu Millionen. Das Leben hat es gut gemeint mit ihm, nun meint er es gut mit den Zugern. Die Bilanz seiner Amtszeit ist beeindruckend: Meister 2021 und 2022, Final 2017 und 2019. Der EV Zug wird neben den ZSC Lions das dominierende Hockey-Unternehmen der nächsten Jahre sein.

Die ZSC Lions und der EV Zug setzen mit der Kombination von Geld, Infrastruktur und Visionen ganz neue Standards in unserem Hockey. Es bedarf in Bern, Lugano, Biel, Fribourg oder Davos aussergewöhnlicher und ausserordentlicher Anstrengungen, um die aktuellen Finalisten künftig auf Augenhöhe herausfordern zu können.

2022 haben wir den ersten Final mit den ZSC Lions und Zug gesehen. Vieles spricht dafür, dass diese Finalpaarung in den nächsten Jahren die Regel und nicht eine Ausnahme sein wird.

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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Liebu
02.05.2022 20:02registriert Oktober 2020
Vieles mag stimmen, aber etwas sicher nicht.

Die Zürcher haben den Final 2022 zwar nicht gewonnen (verloren im Wortsinn haben sie ihn auch nicht, dafür waren sie zu gut).

Schreibst du. Wer aber in der Serie 3:0 führt, hat nicht nur den Titel nicht gewonnen, nein sie haben ihn eben doch verloren, egal wie gut sie sind.
Aber ja, es ist nicht nur Geld, die Vision und die Trainingsmöglichkeiten im Nachwuchs zieht junge Spieler an. Auch Schulmöglichkeiten usw. was es für ländliche Clubs noch schwieriger macht, Talente zu halten.
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Romani ite domum
02.05.2022 20:01registriert April 2022
Ist leider so, in der modernen Profi-Sportwelt kommt man ohne Geld nicht mehr weit. Zum Glück investieren beide Vereine in den Nachwuchs und die Infrastruktur, so profitiert hoffentlich das schweizer Eishockey generell.
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harbourCity
02.05.2022 19:49registriert Januar 2021
Und Lugano investiert seit Jahrzehnten so viel und hat seit 2006 nix mehr gewonnen. Sportliche Kompetenz ist der Schlüssel zum Erfolg. Gepaar mit dem nötigen Kleingeld
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