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Patrick Fischer vor der Eishockey-WM 2017: Cheerleader oder Bandengeneral?

Cheerleader Patrick Fischer
Patrick Fischer: Cheerleader oder Bandengeneral? Auf diesem Bild scheint er noch nicht so ganz zu den Cheerleaders zu passen.bild: watson
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Jetzt zeigt sich, ob wir einen Cheerleader oder Bandengeneral haben

Die Viertelfinals sind bei der WM in Paris auch mit einer B-Auswahl Pflicht. Nun wird sich zeigen, ob Patrick Fischer ein Cheerleader oder doch ein grosser Bandengeneral ist.
05.05.2017, 06:3505.05.2017, 09:12

Wo stehen wir vor der zweiten WM mit Patrick Fischer? Er versteht zwar etwas von Taktik. Aber er vermag sein taktisches Konzept nicht so einzuschulen und durchsetzen wie seine VorgĂ€nger Ralph Krueger oder Sean Simpson. Er ist ein sehr guter Kommunikator und als «VerkĂ€ufer» unseres Hockeys ein idealer Nationaltrainer. Aber ihm fehlt nach wie vor das Charisma, das nur Sieger haben – er hat als Trainer noch nie etwas gewonnen. Und so sind wir bei der ersten WM unter Patrick Fischer vor einem Jahr in Moskau mit wildem «Pausenplatz-Hockey» knapp und im letzten Gruppenspiel an den Viertelfinals vorbeigeschrammt, schwebten aber zeitweise in Abstiegsgefahr.

Die erste WM mit Patrick Fischer bescherte uns ein «Scheitern mit Herz». Durchaus typisch fĂŒr die «Post-Silber-Ära», die neue Zeit seit der Silber-WM von 2013. Die Schweizer begeisterten mit mutigem, aber naivem und international nicht tauglichem Offensivspiel («Pausenplatz-Hockey»). Patrick Fischer und seine zwei Assistenten Felix Hollenstein und Reto von Arx mahnten in ihrem Wesen und Wirken in manchen Phasen mehr an Cheerleader als an grosse BandengenerĂ€le.

Tommy Albelin, Assistenztrainer, waehrend einem Medientermin zum Saisonstart der Herren A-Nationalmannschaft am Dienstag, 1. November 2016, in Opfikon. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Tommy Albelin: Er brachte die defensive StabilitĂ€t zurĂŒck.Bild: KEYSTONE

Emsige Manager des Optimismus

Diese SchwÀche ist erkannt worden. Felix Hollenstein und Reto von Arx sind nicht mehr dabei. Nun steht Patrick Fischer mit dem Schweden Tommy Albelin ein erfahrener Taktiklehrer zur Seite, der in der NHL bei New Jersey als Spieler und Assistent das Defensiv-Handwerk von Grund auf erlernt hat. Unser Spiel ist inzwischen besser strukturiert und mahnte in der WM-Vorbereitung in lichten Momenten, etwa bei den zwei Siegen gegen Russland, ein wenig an die Silber-Saison 2013.

Verbands-Sportdirektor Raeto Raffainer mit seinem geschĂ€ftigen, umtriebigen Optimismus und sein Nationaltrainer sind so etwas wie die Cheerleader dieser WM-Expedition. Fleissig bemĂŒht, gute Stimmung zu verbreiten. Emsige Manager des Optimismus. Die Botschaft: Es kommt schon gut, aber es ist gar schwer und man möge doch nicht so kritisch sein, wenn es halt wieder nicht fĂŒr die Viertelfinals reichen sollte.

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Nominell eines der schwÀchsten Teams der Neuzeit

Nun, leicht wird es nicht. Das WM-Team 2017 ist nominell eines der schwĂ€chsten der Neuzeit. Im Vergleich zum WM-Silberteam eine B-Auswahl. Von den «Silber-Helden» sind nur noch sechs dabei (Diaz, Furrer, AmbĂŒhl, Bodenmann, Hollenstein, Suri). Einzig Denis Malgin hat diese Saison regelmĂ€ssig in der NHL gespielt. Es ist eine Mannschaft mit geringem offensivem Überraschungspotenzial, abschlussschwachen MittelstĂŒrmern, wenig Feuerkraft auf den Aussenbahnen, geringer WasserverdrĂ€ngung in der Abwehr und zwei starken TorhĂŒtern (Genoni, Hiller). Der Nationaltrainer wird seine zwei nominell besten Verteidiger, Raphael Diaz und Philippe Furrer, mit mehr als 20 Minuten Eiszeit pro Spiel ĂŒber GebĂŒhr belasten mĂŒssen.

Geringe WasserverdrÀngung bei der Schweiz. So sieht das aus, wenn man die durchschnittlichen Grössen und Gewichte der WM-Teams darstellt.
Geringe WasserverdrÀngung bei der Schweiz. So sieht das aus, wenn man die durchschnittlichen Grössen und Gewichte der WM-Teams darstellt.bild: watson

Richtig gecoacht ist vieles möglich

Es ist aber auch eine Mannschaft, die richtig gecoacht und mit dem RĂŒckhalt eines starken TorhĂŒters immer noch bei weitem genug Talent hat, um das Minimalziel Viertelfinals (dafĂŒr ist Platz 4 in der Gruppe notwendig) zu erreichen. Aber wir haben – anders als die Grossen – nach wie vor nicht das offensive Talent, um Siege herauszuspielen. Wir sind immer noch dazu verurteilt, Siege herauszuarbeiten und unser Talent dem taktischen Konzept unterzuordnen. Deshalb spielt bei uns der Nationaltrainer eine viel wichtigere Rolle als bei den Grossen. Etwas zugespitzt können wir sagen: Paris steht und fĂ€llt mit Patrick Fischer.

Seit der Silber-WM von 2013 ist unsere Nationalmannschaft in die Komfortzone der selbstzufriedenen MittelmĂ€ssigkeit geraten. Der WM-Final von 2013 scheint inzwischen so weit weg und entrĂŒckt ins Reich der Legenden wie die Heldentaten von Bibi Torriani in den 1920er und 1930er Jahren. Die kompromisslose Ausrichtung auf Leistung und Resultat, die klare taktische Konzeption aus der Ära der nordamerikanischen BandengenerĂ€le Ralph Krueger und Sean Simpson (1998 bis 2014) hat sich aufgelöst in einer rosa Wolke aus Optimismus, Aktivismus und Marketing der Zuversicht. Nur noch einmal (2015) sind die Viertelfinals erreicht worden. Inzwischen ist nach den WM-SchlussrĂ€ngen 9 (2014), 8 (2015) und 11 (2016) der 7. Platz in der Weltrangliste gefĂ€hrdet.

Swiss Hockey Nationaltrainer Patrick Fischer beantwortet Fragen der Journalisten bei einem Medientermin am Donnerstag, 20. April 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)
Diese WM wird zeigen, was Patrick Fischer draufhat.Bild: KEYSTONE

Polemik muss nicht sein, könnte aber kommen

Gemessen an der Bedeutung unseres Hockeys ist in Paris alles andere als eine Viertelfinal-Qualifikation als Misserfolg zu werten und zu kritisieren. Im Falle eines Falles muss ein Scheitern nicht gleich in eine Polemik gegen Nationaltrainer Patrick Fischer mĂŒnden. Aber in eine kritische, schonungslose Bestandesaufnahme. Die dann halt doch in eine Polemik gegen den Nationaltrainer mĂŒnden könnte.

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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rychro
05.05.2017 09:11registriert Juni 2014
Haha bei der WasserverdrÀngung ist watson ganz unten rechts.
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dho
05.05.2017 09:08registriert Oktober 2015
Der scglaksigen Watson Mannschaft in der Grafik wĂŒnsche ich viel Erfolg 😉
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Amboss
05.05.2017 10:18registriert April 2014
Nun, das ist ja gar nichts neues.
Die CH-Nati steht so ziemlich jedes Jahr an diesem Punkt: Vom WM-Titel bis zum Abstieg ist alles möglich.

Ob unter KrĂŒger, Simpson, Hanlon oder jetzt Fischer.

Mir scheint, Fischer hat aus letztem Jahr die richtigen Lehren gezogen - lassen wir doch jetzt die WM einfach mal kommen.

Was mich immer ein bisschen stört: Immer diese Glorifizierung der Ära Simpson. Er hatte einen riesigen, tollen Erfolg, klar.
Aber er war noch ein paar weitere Jahre Nati-Trainer, in denen man keine grossen Stricke zerrissen hat.
War er wirklich so ein guter Nati-Trainer?
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