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Spielszene im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Fribourg Gotteron, am Dienstag, 7. September 2021, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Der Blick aufs Spiel in Bern, wo gegen Fribourg 12'700 Zuschauer kamen. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Die bange Frage der Hockeyklubs: Wann kehren die Fans in grosser Zahl zurück?

Nie war die Stadion-Auslastung beim Saisonstart in den letzten zehn Jahren so schlecht wie beim Saisonstart am Dienstag. Die Frage ist also: Wie lange dauert die Rückkehr zur Normalität?



Die Zuschauerzahlen werden beim Saisonauftakt durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Das Wetter spielt ebenso eine Rolle wie die Attraktivität des Gegners. Aber im Vergleich zu den Vorjahren ist der Rückgang so klar, dass es sich um einen Trend und nicht um eine dem Zufall geschuldete Differenz handelt.

Noch nie in der Neuzeit war die Stadionauslastung beim Auftakt so schlecht. Der SC Bern und die ZSC Lions, die beiden Klubs mit den meisten Fans im Stadion verzeichneten einen Minusrekord. Und in Ajoie war nicht einmal das erste NL-Spiel seit 28 Jahren ausverkauft. Dabei war es die erste Partie mit Publikum im neuen Stadion.

Folgen der Corona-Pandemie

Logisch wäre eigentlich eine Rückkehr der Fans. Letztmals war ein Matchbesuch ohne Einschränkungen am 25. Februar 2020 möglich. Also vor mehr als 500 Tagen. Aber noch ist die Zurückhaltung gross.

Ein volles Stadion beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Ajoie und dem EHC Biel-Bienne in der Raiffeisen Arena in Porrentruy, am Dienstag, 7. September 2021. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

In Pruntrut blieben bei der Rückkehr von Ajoie in die höchste Liga zahlreiche Plätze frei. Bild: keystone

Ein Grund zur Sorge? Liga-Manager Denis Vaucher sagt, nach einem Spiel sei es zu früh für eine Beurteilung. Neben dem schönen Wetter (nach einem verregneten Sommer) spiele wohl auch die besondere Situation rund um Covid-19 eine Rolle. Zutritt zum Stadion gibt es nur mit dem Zertifikat (3G). Wobei alle Klubs die Möglichkeit angeboten haben, sich unmittelbar vor dem Spiel kostenlos zu testen.

Hauptsache, die VIP kommen und zahlen

Leicht rückläufige Besucherzahlen sind so oder so noch keine existenzielle Bedrohung. Ein gutes Beispiel ist der SC Bern, der Klub mit den grössten Hockey-Publikum Europas (im Schnitt seit Jahren immer mehr als 15'000 im Schnitt). Neben dem Ticketverkauf spielen in Bern die Einnahmen aus der Gastronomie im und ums Stadion eine zentrale Rolle.

SCB-General Marc Lüthis «Stabschef» Rolf Bachmann sagt es so: «Ob mehr als 16'000 kommen, spielt bei den Gastronomie-Einnahmen nicht mehr eine grosse Rolle.» Die Bewegungsfreiheit der Matchbesucher sei ab 16'000 spürbar kleiner, das wirke sich auf die Konsumationslust in den Pausen aus. So gesehen nimmt der SCB bei knapp 13'000 Fans im Stadion zwar weniger Geld ein – aber nicht dramatisch weniger. Zumal die «Hochpreis-Gastronomie» (VIP, Nachtessen vor dem Spiel), wo pro Kopf erheblich mehr Geld ausgegeben wird als von den Stehplatz-Fans, praktisch nicht beeinträchtigt wird. Die Tische der Reichen, Schönen, Wichtigen und Zahlungskräftigen sind auch dann besetzt, wenn «nur» 13'000 Fans kommen.

Berner Fans jubeln im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Fribourg Gotteron, am Dienstag, 7. September 2021, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die legendäre Stehrampe in Bern war schon wieder ordentlich gefüllt. Bild: keystone

Wie weiter mit Tests vor Ort?

Die Frage ist nun, ob die Stadionauslastung bald besser wird. Noch bieten die Klubs die Möglichkeit von Gratistests vor dem Spiel an. Ab dem 1. Oktober müssen diese Tests bezahlt werden. Rolf Bachmann sagt, noch sei nicht entschieden, ob dann noch weiterhin Testmöglichkeiten angeboten werden. Und wenn ja, ob dann für die Tests bezahlt werden muss oder ob der Klub die Kosten übernehme.

Da der SCB das Testprogramm zusammen mit YB und einem Ausstellungs-Unternehmen betreibt, sind die Zahlen der ersten Partie noch nicht ausgewertet. Bachmann kann also nicht sagen, wie viele Matchbesucher nur dank einem Test vor Ort zum Spiel kamen: «Wir gehen aber davon aus, dass es höchstens rund 10 Prozent waren.»

Die Hoffnung: Rückkehr der Geimpften

Die ab Montag ausgedehnte Zertifikats-Pflicht dürfte auf die Spielbesuche keine Auswirkungen haben. Weil ja für den Matchbesuch diese Pflicht jetzt schon gilt. Denis Vaucher hofft, dass durch die strengere Zertifikats-Pflicht die Impfquote steigen könnte – was womöglich eine positive Auswirkung auf die Publikumszahlen haben könnte: Wer geimpft ist, geht eher ins Stadion.

Immerhin muss in den beiden höchsten Ligen nicht mehr mit einer Beeinträchtigung des Spielbetriebes und mit Verschiebungen gerechnet werden. Vaucher sagt, mindestens 90 Prozent der Spieler seien geimpft. Getestet werden nur noch die Ungeimpften. Ist dann einer positiv, muss er in Quarantäne und kann nicht mehr mittrainieren und mitspielen. Für die Geimpften gibt es hingegen keinerlei Einschränkungen. Mehr Sorgen macht sich der tüchtige Liga-Manager bei den beiden höchsten Nachwuchsligen (U17-Elite, U20-Elite). Dort sei die Impfquote viel tiefer. Spielplan-General Willi Vögtlin musste bereits mehrere Vorsaisonpartien absagen.

So oder so haben die Klubs der National League noch über Jahre Corona-Altlasten abzutragen. Sie haben beim Bund insgesamt 25 Millionen Franken zinsfreie Corona-Kredite bezogen. Spätestens in zwei Jahren muss mit der Rückzahlung begonnen werden und in zehn Jahren sollte der gesamte Kredit getilgt sein. Allerdings kein Schelm, wer davon ausgeht, dass niemand in die Bredouille gerät, wenn die Rückzahlung nicht fristgerecht erfolgt. Der Bund wird es nicht wagen, beispielsweise Ambri oder den SCB durch eine Betreibung in den Konkurs zu jagen.

Rückkehr zur Normalität wie ein aufregendes Abenteuer

Alles in allem ist die Hockey-Szene auf dem Weg zurück zur Normalität. Die ersten Geisterspiele im Frühjahr 2020 waren noch ein Medienereignis. Eishockey in leeren Stadien! Unglaublich! Was für eine verrückte Welt! Gar manche Reportage ist über Hockey in leeren Tempeln geschrieben worden. Und als sich niemand mehr ohne Maske im Stadion aufhalten durfte, war die Aufregung anfänglich erheblich: eine Maske tragen und ein Spiel verfolgen? Geht doch nicht! Und überhaupt: Eishockey ohne Fans, ohne Emotionen, in leeren Stadien ist ein seelenloses Spiel.

Tigers Chef Scout Alfred Bohren, links, Peter Zahner, CEO ZSC Lions, Mitte und Chronist Klaus Zaugg, rechts, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Montag, 5. April 2021, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Auch der Chronist (rechts neben ZSC-CEO Peter Zahner) muss im Stadion keine Maske mehr tragen wie noch vergangene Saison. Bild: keystone

Wir gewöhnen uns an alles. Schon nach ein paar Spielen war letzte Saison klar: Keine Fans im Stadion – na und? Ständig Masken tragen – na und? Die Rückkehr zur Normalität war am Dienstag auf einmal so etwas wie ein aufregendes Abenteuer. Um es etwas frivol zu sagen: Die neue Freiheit, ohne Maske im Stadion herumzulaufen, war so ungewöhnlich, verursachte ein so starkes Gefühl der Unsicherheit, dass es einem schien, etwas stimme nicht, man habe etwas vergessen. Und kontrollierte, ob den wirklich alles in Ordnung und nicht etwa der Hosenladen noch offen sei.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Fans zurückkehren werden. Wenn die Weltlage nicht wieder aus den Fugen gerät, werden wir im November wieder in der Normalität ankommen.

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