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Serge Pelletier, neuer Trainer des HC Lugano, spricht waehrend einer Pressekonferenz des HC Lugano, am Samstag, 21. Dezember 2019, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Serge Pelletier, heute Samstagmorgen an der Pressekonferenz des HC Lugano. Bild: TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Freunde unter sich – Lugano ist wieder das wahre, echte Lugano

Wie funktioniert eigentlich das Eishockey-Geschäft? Am Beispiel des HC Lugano können wir es wunderbar erklären. Trainer Sami Kapanen blieb halt ein einsames Waisenkind. Sein Nachfolger Serge Pelletier aber gehört zur Familie.



Wir können den Planeten Eishockey auch so erklären: Er wird durchwandert von kanadischen Nomaden. Sie schliessen sich zu Bruderschaften zusammen, die oft über Jahrzehnte funktionieren. Findet einer aus dieser Bruderschaft einen Honigtopf, so ruft er seine Freunde herbei.

Im Grunde funktioniert auch die NHL so. Mehrere Bruderschaften kontrollieren das Geschäft und wer mit einem General Manager befreundet ist, hat eigentlich immer einen Job. In der NHL sind es ja 31 Klubs plus Farmteams. Da gibt es genug Honigtöpfe, an denen man sich laben kann. Im Laufe eines Hockeylebens gibt es genug Gelegenheiten, als Junior, als Spieler, als Assistent, Trainer oder Manager Freundschaften fürs Leben zu knüpfen. Wer diese Gelegenheiten auslässt, ist selbst schuld. Gute Beziehungen schaden halt nur jenen, die keine haben.

Wem es nicht für die NHL reicht, der reist durch Europa. Fasst er dort Fuss, so denkt er an seine Freunde. Die Kanadier haben das Eishockey erfunden, sie haben dieses Spiel zum Milliardengeschäft entwickelt und in die Welt hinausgetragen. Noch immer haben sie die besten Beziehungen bis hinein in die hintersten Winkel der Hockeywelt. Keine Liga, wo wir nicht einen Kanadier finden, und ihre Sprachkenntnisse (Englisch und Französisch) helfen ihnen noch heute bei der Eroberung der Welt. Sie sind mit ihrem «Hockey-Imperialismus» nach wie vor erfolgreicher als die Finnen und die Schweden, die nach dem gleichen Muster vor allem Westeuropa mit ihrem Netzwerk überziehen.

Hnat Domenichelli ist ein weitgereister Mann. Er war unter anderem schon zu Gast in Edmonton, Kamloops, Hartford, Springfield, Calgary, Saint John, Atlanta, Houston, St.Paul, Ambri, Lugano und Bern. Inzwischen ist er in der Schweiz eingebürgert und hat sich in Lugano niedergelassen. In einer der schönsten Hockeystädte der Welt. Und dort ist es ihm im letzten Spätsommer gelungen, den wichtigsten Job zu bekommen: Er ist Sportchef geworden und er hat das Ohr und das Vertrauen seiner klugen Präsidentin Vicky Mantegazza.

Hnat Domenichelli, GM-Head Of Sports & Competitions, links, und Spieler Atte Ohtamaa an der Vorsaison-Medienkonferenz des HC Lugano auf dem Schiff

«Find yourself someone who looks at you the way Hnat Domenichelli looks at Atte Ohtamaa.» Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Sportchef oder General Manager ist die ideale Position, um seinen Freunden Jobs zu verschaffen. Das Problem war in Lugano bloss, dass Vicky Mantegazza beim Aufbau einer neuen Hockeyfamilie ein kleiner Irrtum unterlaufen ist. Sie stellte den Trainer (den Finnen Sami Kapanen) ein, und erst dann Sportchef Hnat Domenichelli.

Das konnte nicht funktionieren. Sami Kapanen ist unter Hnat Domenichelli ein hockeytechnisches Waisenkind geblieben und nie Mitglied der Bruderschaft seines Chefs geworden. Es reichte nicht zu einer Adoption. Zumal er keinerlei Charisma hat. Im Unterschied zum grossen, machtbewussten Kari Jalonen, dem es in Bern in kurzer Zeit gelungen ist, alle Schlüsselpositionen mit seinen Kumpels zu besetzen, und der inzwischen den Sportchef nach seiner Pfeife tanzen lässt.

Nun ist der Irrtum korrigiert. Sami Kapanen hat die Trainergarderobe geräumt. Hnat Domenichelli nützt die Chance des Neubeginns, um etwas für seine kanadischen Freunde zu tun. Nun ist man endlich unter sich.

ARCHIVBILD ZUR ENTLASSUNG VON SAMI KAPANEN BEIM HC LUGANO, AM MITTWOCH, 18. DEZEMBER 2019 ---- Lugano's Head coach Sami Kapanen during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2019/20 between HC Lugano and SC Rapperswil Jona Lakers at the ice stadium Corner Arena in Lugano, Switzerland, Friday, November, 22, 2019..(KEYSTONE - ATS / Ti-Press / Alessandro Crinari)

Sami Kapanen musste beim HC Lugano Platz machen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Sami Kapanens Nachfolger ist Serge Pelletier. Eingebürgerter Kanadier. Seine Assistenten heissen Paul DiPietro (eingebürgerter Kanadier) und Rob Cookson (Kanadier). Wieder einmal sammelt sich eine kanadische Bruderschaft am kapitalistischen Herdfeuer einer grosszügigen, klugen Klubbesitzerin, um sich zu wärmen, zu nähren und zu vergnügen.

Der grosse Hockeydiplomat Serge Pelletier ist also zurück und setzt seine Karriere dort fort, wo er sie einst in der Schweiz begonnen hat: 1989 als Juniorentrainer in Lugano. Zehn Jahre blieb er unter Palmen und stieg unter südlicher Sonne bis zum Assistenten der ersten Mannschaft auf. 1999 feierte er in dieser Position den Titel.

Nach einer Tour de Suisse, die ihn nach Zug, Fribourg, Ambri und La Chaux-de-Fonds geführt hat, ist er nun wieder am Ort seiner Bestimmung angelangt und aus der Arbeitslosigkeit erlöst worden. Sein Vertrag in La Chaux-de-Fonds ist im letzten Frühjahr nicht erneuert worden. Obwohl er die Mannschaft bis ins Finale der Swiss League geführt und Champagner-Hockey zelebriert hatte.

Paul DiPietro ist eine der interessantesten Hockey-Persönlichkeiten in unserem Land. Er war ein Schlüsselspieler beim bis heute letzten kanadischen Stanley-Cup-Sieger. 1993 hatte er bei den Montréal Canadiens unter anderem den Job, im Finale gegen Los Angeles den grossen Wayne Gretzky zu neutralisieren. In Ambri hatte er als Spieler Kultstatus, in Zug auch, und nach seiner Einbürgerung spielte er in Lugano für ein paar Wochen im gleichen Team wie Hnat Domenichelli. Im letzten Frühjahr hat er in Zug den Job im skandinavisch geprägten Coachingteam verloren. Nun ist er als Assistent zurück im Hockeygeschäft.

Kann das Trio Serge Pelletier, Paul DiPietro, Rob Cookson (einst Marc Crawfords Assistent im Hallenstadion) funktionieren? Ja, zumindest kurzfristig.

Der Spieler Paul di Pietro verlaesst die Garderobe, im Stadion Resega in Lugano, am Montag, 29. Oktober 2012. Aufgrund vieler Verletzungen beim HC Lugano wird Paul di Pietro fuer ungefaehr einen Monat als Verstaerkung beim HC Lugano spielen. (KEYSTONE/Karl Mathis)

Luganese durch und durch: Paul DiPietro. Bild: KEYSTONE

Der familiäre Zusammenhalt ist für Lugano Fluch und Segen zugleich. Aber familiäre Strukturen gehören nun mal zur lateinischen Kultur. Der HC Lugano ist durchaus so etwas wie eine «schrecklich nette Familie des Eishockeys.»

Um junge Männer, die fürstlich bezahlt werden, um zu spielen (nicht um zu arbeiten), an die Leistungsgrenze zu führen, ist eine gewisse Strenge unerlässlich.

Aber wie streng sein mit Spielern, die in einem familiären Umfeld das Ohr der Präsidentin haben? Wenn ein Trainer in Lugano beim einflussreichen Kabinenpersonal in Ungnade fällt, ist er verloren. Wenn der grosse Julien Vauclair oder einer seiner Freunde mit dem Daumen nach unten zeigt, verliert der Trainer seinen Job.

Es genügt deshalb nicht, wenn ein Trainer in Lugano fachlich ohne Fehl und Tadel ist. Mindestens so wichtig sind seine Fähigkeiten als «Kabinen-Diplomat». Wenn er seine Jungs für sich gewinnt und davon abhält, im Büro der klugen Präsidentin gegen ihn zu intrigieren, und sich auch mit der Präsidentin gut versteht – dann ist er auf der sicheren Seite. Sofern die Resultate einigermassen stimmen und im Derby Ambri regelmässig gehörig gebodigt wird.

Serge Pelletier kennt sich im Fuchsbau des HC Lugano aus wie nur ganz wenige Trainer. Dieser gescheite Netzwerker hat auch das Ohr der Präsidentin. Welch schlauer Kabinendiplomat er ist, zeigt sich etwa daran, dass er schon zweimal Cheftrainer in Ambri war.

Den neuen Trainer in Lugano aus dem Amt zu intrigieren wird schwierig sein. Seine getreuen Assistenten Paul DiPietro und Rob Cookson werden ihm schon rechtzeitig zutragen, wer in der Kabine oder im Grotto aufmüpfig redet. Und er wird bei den Hockey-Kaminfeuergesprächen bei Vicky Mantegazza so gute Argumente vorbringen wie Julien Vauclair und seine Kumpels.

Das Problem ist halt, dass diese familiäre Nähe zwischen Trainer, Spielern, Management und Präsidentin früher zu Konflikten führt als in Hockeyfirmen mit klarer Gewaltentrennung. Im Lehrbuch steht: Die Besitzer sollen besitzen, die Sponsoren sponsern, die Manager managen, Sportchefs sportcheffen, die Coaches coachen, die Assistenten assistieren und die Spieler spielen.

In Lugano managen, sportcheffen und coachen alle ein bisschen. Auch die Spieler. Das macht Lugano so faszinierend. Wir sollten trotzdem nicht den Fehler machen, Serge Pelletier zu unterschätzen. Talent haben seine Spieler ja bei weitem genug, um die Playoffs noch zu erreichen.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MARC AUREL 21.12.2019 18:55
    Highlight Highlight Was in Lugano abgeht ist nur noch peinlich... die werden noch lange nix gewinnen! Null Leistungskultur und kein Konzept! Schade eigentlich...
  • LAZIO1900 21.12.2019 17:33
    Highlight Highlight Forza Lugano..
  • HotIce 21.12.2019 17:17
    Highlight Highlight irgendwie vermisse ich das grande lugano. 🙊
    damals war lugano so eine mannschaft, die man „hassen“ (ich mag ja eigentlich irgendwie alle clubs, aber lieben halt nur einen) musste, jeder sieg gegen lugano war schöner als andere siege und luganos erfolg tat mir weh. ich glaube nicht das der neue coach lugano zurückführt. aber vermutlich ist das auch nit der plan mit pelletier.
  • Jacques #23 21.12.2019 15:20
    Highlight Highlight Die kluge Präsidentin. Es steht immer kluge Präsidentin. Klug.

    Ist Vicky klug? Also derart klug oder wird ihr hier einfach der Hof gemacht?

    Der Chronist muss ja schliesslich Chronisten. Wehe dem der dem Chronisten Schreiberling sagt.

  • Hallo22 21.12.2019 14:50
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • fools garden 21.12.2019 14:19
    Highlight Highlight Mich begleitet oft ein Schnunzeln, beim Lesen Ihrer Zeilen, völlig unabhängig ob ich damit einverstanden bin oder nicht.
    • manolo 21.12.2019 14:44
      Highlight Highlight Klaus der „Märlionkel“!
  • Couleur 21.12.2019 14:09
    Highlight Highlight Dass man in der aktuellen Situation jemanden anstellt, der einerseits langjährige Erfahrung mit entsprechenden Situationen hat und den Klub gut kennt, kann ich noch nachvollziehen. Dumm wäre nur, wenn man wenigen erfolgreichen Spielen wieder auf die Idee käme, Pelletier einen Zweijahresvertrag anzubieten...Das wäre ein typischer Habisreutinger Move gewesen...Mal schauen, ob Hnat auch in diese Falle tappt...
  • curiosity_killed_the_cat 21.12.2019 13:58
    Highlight Highlight säuhäfeli und säudeckeli! ich finds unglaublich, wie einfach gewisse leute/vereine gestrickt sind. neuer wein in alten schläuchen stellt wohl die sponsoren zufrieden. ich finds eher peinlich. diese trainerbesetzung (inkl. assistenten) zeugt nicht von einer klaren vision und strategie. geschweige denn von einem beziehungsnetz ausserhalb der kanadischen welt. schade🤷‍♂️
  • no-way 21.12.2019 13:35
    Highlight Highlight cookson, ehemalige assistent und freund von crawford, kann sich 4 monaten einarbeiten. Dann ab Juli ist Crawford HeadCoach in Lugano. Alles sehr klug gemacht von Domenichelli (die auch schon 3 Jahren unter Pellettier gespielt hat)
  • Eiswalzer 21.12.2019 13:30
    Highlight Highlight Als Eishockeyfan saugt man solche Berichte mittlerweile mit grosser Freude auf. Alles ist besser als die langweilige Endlosschlaufe über die uninteressanten Problemchen der Beamten-Millionarios aus der Mikado-Stadt an der Aare. Gabs heute eigentlich schon den obligaten 256. Artikel über eine Berner Goalieposse? Wiederholungen sind übrigens spannend. Als Eishockeyfan saugt man solche Berichte mit Freude auf...
    • CaptainObvious 21.12.2019 16:49
      Highlight Highlight Beamten-Millionaros und Aare versteh ich, aber woher kommt „Mikado-Stadt“?
      Da kann ich mir keinen Reim drauf machen und bitte um Erklärung.
    • glointhegreat 21.12.2019 18:10
      Highlight Highlight @ captain.... Wird wahrscheinlich der bezug zu langsamen (keinen) bewegungen der berner sein.
    • Eiswalzer 21.12.2019 19:22
      Highlight Highlight Beamten-Mikado😉😉 Noch nie gehört?😄
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So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Im Schweizer Eishockey gibt es derzeit ein heiss diskutiertes Thema: Gästesektoren in neuen Stadien. Der mit 200 Plätzen sehr klein ausgefallene Gästesektor im neuen Stadion des Lausanne HC sorgte bei den Fans für Kopfschütteln. Nun hat auch Fribourg erstmals sein (zur Hälfte) neu renoviertes Stadion präsentiert.

Und auch in der Saanestadt wirkt der Sektor für die Gäste nicht gerade einladend. Glas auf allen vier Seiten und dicke schwarze Streben lassen ihn wie einen Käfig aussehen. Immerhin: …

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