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Jubel bei Rapperswils Kevin Clark, Rapperswils Roman Cervenka, Rapperswils Leandro Profico, Rapperswils Steve Moses und Rapperswils Andrew Rowe, von links, im Eishockey Spiel der National League zwischen den Rapperswil-Jona Lakers gegen Fribourg-Gotteron am Freitag, 13. November 2020, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Graue Mäuse? Das war einmal – die SCRJ Lakers haben sich langsam aber stetig empor gearbeitet. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Das Ende der «Miserablen» – Abschied nehmen von den lieben alten Lakers

Gut zehn Jahre lang waren die Rapperswil-Jona Lakers die «grauen Mäuse» aus dem Tabellenkeller. Bis auf ein bisschen Abstiegsdramatik sowie Cup- und Aufstiegs-Romantik durch und durch langweilig und sportlich oft miserabel. Das ist nun vorbei.



Nach dem Cupsieg und der Rückkehr in die höchste Spielklasse im Frühjahr 2018 gab es noch keinen Grund, das liebgewordene Vorurteil gegen die Lakers zu revidieren. Ein Titan im nationalen Hockey? Sicher nicht. Ein risikoloser Tipp in den Saisonprognosen für die Ränge 12, 11 oder 10.

Und nun das: Von Zug kommt Yannick-Lennart Albrecht (26). Zum ersten Mal in seiner Karriere kann er nächste Saison hinter den Ausländern der wichtigste Center sein. Zudem sorgt er mit einer NHL-Postur (190 cm/92 kg) dafür, dass die Lakers, eines der leichtesten und kleinsten Teams der Liga, weniger herumgeschubst werden.

Von den ZSC Lions wechselt Yannick Brüschweiler (21) nach Rapperswil-Jona. Ein flinkes Flügel-Leichtgewicht (178 cm/77 kg) mit Schillerfalter-Qualitäten: technisch bei weitem gut genug, um in der höchsten Liga über die Aussenbahnen zu flattern. Sozusagen ein «Bonsai-Cervenka». Aber ohne das Durchsetzungsvermögen für die National League. Was wir an der Statistik des Junioren-Internationalen ablesen können: 4 Punkte in 27 NL-Partien, aber 80 in 128 Spielen der Swiss League.

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Das sagen die Protagonisten zu den Verlängerungen und Neuzugängen. Video: YouTube/SC Rapperswil-Jona Lakers

Talent ist eine Gabe der Hockey-Götter und nicht lernbar. Talent hat er. Muskeln und Wasserverdrängung hat er noch nicht. Aber diese Qualitäten kann er sich antrainieren. Und Systemtreue ist selbst für diesen taktischen Freidenker lernbar.

Marco Lehmann, links, und Nando Eggenberger, rechts, von Rapperswil feiern das Tor zum 0:1 vor Torhueter Luca Hollenstein, mitte, von Zug beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und den Rapperswil-Jona Lakers vom Dienstag, 12. Januar 2021 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Lehmann und Eggenberger haben in Rapperswil einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Bild: keystone

Die Stürmer Nando Eggenberger (21) und Marco Lehmann (21), vor einem Jahr in Davos bzw. Kloten günstig erworben, spielen gerade ihre beste Saison und haben ihr Potenzial noch nicht ausgereizt. Die Lakers sind auf dem Weg, jünger und dynamischer zu werden.

Auf den Spuren des «Desperado-Teams»

Die Mannschaft wird nächste Saison über vier Formationen ausgeglichener besetzt sein. Mit Nathan Vouardoux (19) und Inaki Baragano (19) kommen aus Lausanne auch noch zwei Verteidiger des Schweizer U20-WM-Teams. Noch ohne NL-Erfahrung. Aber mit dem Potenzial für eine NL-Zukunft.

Der Verlust von Verteidigungs-Minister Dominik Egli (zu Davos) kann kompensiert werden. Vorne ist die Besetzung nun so gut, dass eine der vier Ausländerlizenzen für einen Verteidiger eingelöst werden kann. Sind die Lakers nun ein Team für die obere Tabellenhälfte? Noch nicht ganz. Das Talent reicht zwar erstmals seit dem «Desperado-Team» von 2007/08 aus, um unter die Top 8 zu kommen.

Von links: Die Rapperswiler Spieler Noel Guyaz, Niklas Nordgren, Stacy Roest und Gaetan Voisard jubeln beim Eishockeyspiel der National League A zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem HC Lugano am Dienstag, 18. November 2008, in der Diners-Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Photopress/Alessandro Della Bella)

Noel Guyaz, Niklas Nordgren, Stacy Roest und Gaetan Voisard jubeln über einen Rappi-Sieg. Bild: PHOTOPRESS

Damals waren die Lakers mit Oliver Kamber, Daniel Steiner, Marius Czerkawski, Stacy Roest, Loïc Burkhalter, Sébastien Reuille, Sven Helfenstein, Claudio Micheli, Niklas Nordgren und den defensiven Traumtänzern Gaëtan Voisard und Noël Guyaz ein offensiver Wanderzirkus mit hohem Unterhaltungswert. Der im November für Kari Eloranta ins Amt eingesetzte Trainer Morgan Samuelsson passte wunderbar dazu: er war so etwas wie eine charismatische Mischung aus taktischem Zirkusdirektor und Clown.

Später zeigte sich: Es war die letzte Saison des Ruhmes. Die Götterdämmerung zog herauf. Der spektakuläre Anfang vom Ende. Die sieben mageren Jahre begannen und gipfelten im Frühjahr 2015 in den ersten Abstieg der Klubgeschichte. Und seit dem Frühjahr 2008 haben die Lakers die Playoffs in der höchsten Liga nie mehr gesehen.

Neue Aufgabe für den Sportchef

Heute sind die Verhältnisse bei den Lakers auf und neben dem Eis viel stabiler und berechenbarer als während diesen letzten spielerischen Flugjahren. Nun haben mehr Spieler die Zukunft vor und nicht hinter sich. Es ist der unspektakuläre, von der Konkurrenz kaum bemerkte Anfang einer neuen Ära.

Nach einer klugen Transferstrategie haben die Lakers erstmals seit dem Frühjahr 2008 genug Talent für die Playoffs. Aber dadurch auch neue Herausforderungen. Janick Steinmann wird sich nächste Saison vermehrt der hockeytechnischen Innenpolitik zuwenden müssen: Er hat so viele Spieler unter Vertrag, dass spätestens ab November klar wird, dass nicht alle Träume Wirklichkeit werden. Es ist nicht so einfach, aus frustrierten kleinen Stars hoch motivierte defensive Facharbeiter für den vierten Sturm zu machen.

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Sportchef Janick Steinmann gibt den Rappi-Fans monatlich Updates zum Sportbereich. Hier das vom Januar. Video: YouTube/SC Rapperswil-Jona Lakers

Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren wird der Sportchef der Lakers also mit Launen und Befindlichkeiten konfrontiert, die es sonst nur bei den Titanen der Liga gibt. Eine schwierige, aber schöne Aufgabe, um die ihn die früheren, hochdekorierten Lakers-Bürogeneräle Reto Klaus und Harry Rogenmoser sicherlich beneiden.

Aber ach, nun heisst es Abschied nehmen von liebgewordenen Vorurteilen über Lakers. Und nie mehr dürfen wir sie als «die Miserablen» schmähen.

Wen setzen wir nun in den Prognosen für die Saison 2021/22 an Stelle der Lakers auf die Plätze 12, 11 und 10? Den SCB? Langnau? Oder Ambri?

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