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Eismeister Zaugg

Eismeister Zaugg: Der Titel bei Fribourg-Gottéron würde alles ändern

Le gardien Reto Berra (HCFG) celebre la victiore (2-1) apres le sixieme match de la finale des play-off du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le HC Fribourg-Gotteron (HCFG ...
Ein Verein wie eine Familie: Goalie Reto Berra vor den applaudierenden Gottéron-Fans nach dem Sieg im sechsten Spiel.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Magisches Gottéron: Den Titel gewinnen und die Seele verlieren?

Wenn Gottéron heute zum ersten Mal Meister wird, dann verändert sich seine Seele. Ja, die Frage ist berechtigt, ob Gottéron mit einem Titelgewinn seine Seele verlieren wird. Die Magie wäre auf jeden Fall dahin.
30.04.2026, 05:4830.04.2026, 05:48

Gottéron-Mafia? Ein Wort, zu scharf geschliffen für das, was es zu beschreiben sucht. Und doch blitzt darin ein Körnchen Wahrheit: Der HC Fribourg-Gottéron ist mehr als ein Klub. Er ist ein Familienunternehmen im besten, im legalen Sinn, das alle Gesellschaftsschichten eines ganzen Kantons vereinigt. Und heute Abend wartet diese Familie nicht einfach auf ein Spiel – sie wartet auf ein Ereignis von kultureller, von historischer Tragweite. Auf das 7. Finalspiel, das Gottéron, der Familie, der Stadt, dem Kanton in Davos oben den ersten Meistertitel einbringen kann.

Wobei: Es geht nicht einfach um einen Titel. Es geht um das Selbstverständnis eines ganzen Kantons. Kein anderes Sportunternehmen in der Schweiz – abgesehen vielleicht vom HC Ajoie für den Kanton Jura – löst so tiefe Wellen der Begeisterung, der Hoffnung, des Bangens in allen Gesellschafschichten aus wie der HC Fribourg-Gottéron. Ob die ZSC Lions oder Kloten Meister werden, ist vielen Zürcherinnen und Zürchern herzlich egal, ob der SC Bern oder Biel um den Titel spielen, interessiert bei weitem nicht das ganze Bernbiet. Das Schicksal der Lakers beschäftigt die Sportfans im Kanton St. Gallen kaum. Nicht einmal der EV Zug vermag seinen steinreichen Zwergkanton nur annähernd so zu mobilisieren, aufzuwühlen.

Denn dieser Hockeyklub, benannt nach dem kleinen Flüsschen im Gottéron-Tal mit dem Wappentier des Drachens aus eben diesem Tal, gegründet 1938, verbindet an der kulturellen Schnittstelle des Landes («Röstigraben») die welsche, aus dem Burgund ererbte Kultur und die alemannische von jenseits der Saane. Verbindet den katholischen und den reformierten Glauben. Verbindet das urbane Zentrum Fribourg mit den voralpinen und alpinen Landschaften. Verbindet Vergangenheit – Fribourg/Freiburg ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte unseres Landes – mit der Dynamik des modernen Sportes.

Es gibt eine wunderbare, alte Beschreibung der ganz besonderen Wesensart:

«Der Freiburger ist ein Mensch auf der Mitte einer Brücke, der sich sagt: Da mein Herz bald dem einen, bald dem anderen gehört, werde ich mich weder zur Linken noch zur Rechten wenden, noch mich ins Wasser stürzen, sondern den Himmel betrachten, aus dem mir das Licht gespendet wird.»
La vieille ville de Fribourg avec la cathedrale Saint-Nicolas, centre, et le Pont de la Poya, droite, photographie ce lundi 18 avril 2022 a Fribourg. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Die Freiburger Altstadt mit der Pont de la Poya im Hintergrund – die Symbolik ist in diesem Fall selbsterklärend.Bild: KEYSTONE

Und der Fixstern an diesem Himmel ist Gottéron. Dieser Klub ist der emotionale Kraftort eines ganzen Kantons. Sozial, politisch, wirtschaftlich, kulturell. Konkurrenzlos. Keine andere Sportart hat auch nur annährend die gleiche Strahlkraft. Am 7. März 2023, im zweitletzten Qualifikationsspiel gegen Lugano (1:2), war die Arena zum bisher letzten Mal nicht ausverkauft. Seither sind für mehr als 100 Spiele alle Tickets verkauft worden. Aktuell 9372 an der Zahl.

Gewöhnliche Begeisterung nährt sich aus Siegen. Nur bei Gottéron ist es anders: Hier ist Begeisterung mit Melancholie und Sehnsucht aufgeladen und das gibt dieser Begeisterung eine ganz besondere Tiefe. Es gibt keine Modefans, die nur herbeieilen, weil es was zu feiern gibt. Das ist so, weil Gottéron die Meisterschaft noch nie gewonnen hat. Nicht einmal in den 1990er-Jahren, als mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow zwei der damals besten Stürmer der Welt für beispiellose offensive Flugjahre sorgten.

Bis heute ist der Final viermal verloren worden. In einer Welt, die auf Ruhm und Titel fixiert ist, haben gemeinsam erlittene Niederlagen einen eigenen Wert. Einen grösseren als vergänglicher sportlicher Ruhm, als ein Titel, der jedes Jahr vergeben wird.

Was wäre denn Gottéron ohne den ewigen Traum vom Meisterglück?

Ohne dieses Versprechen, das noch nie eingelöst worden ist und gerade deshalb seine Kraft nicht verloren hat? Ein Klub wie viele andere. Erfolgreich, aber entzaubert. Die Geschichte wäre zu Ende erzählt. Und nichts ist gefährlicher für einen Traditionsklub als eine Geschichte ohne Fortsetzung. Wir sind noch nie Meister geworden, also sind wir. Das ist keine Kapitulation. Sondern ein trotziges, fast schon philosophisches Manifest.

Dieses alljährlich wiederkehrende Bangen und Hoffen, diese unstillbare Sehnsucht nach dem meisterlichen Ruhm seit dem Aufstieg in die höchste Liga im Frühjahr 1980 hält einen Kreislauf im Gange, der sich nicht erschöpft, weil er nie zum Abschluss kommt. Andere, gewöhnliche Klubs feiern Titel und müssen danach neue Geschichten erfinden. Gottéron aber lebt von einer einzigen, die sich wie von selbst immer wieder neu schreibt.

Julien Sprunger (HCFG), au centre, celebre apres la victoire (2-1) avec ses coequipiers apres le sixieme match de la finale des play-off du championnat suisse de hockey sur glace de National League en ...
Vereinslegende Julien Sprunger hätte wohl kaum etwas dagegen, wenn Gottéron künftig ein neues Klub-Narrativ finden müsste.Bild: keystone

Vielleicht ist es gerade diese ewige Unvollendung, die diesen Klub so widerstandsfähig gegen die Launen des Sports und der finanziellen Not macht: Gottéron wäre in einem anderen Kanton schon mehrmals dem Konkurs anheimgefallen. Hier helfen alle, die ganze Familie eben: Staatliche, halbstaatliche und private Unternehmen, Kantonalbank, Elektrizitätswerk, Behörden, Politiker, Proletarier, Erzkapitalisten und heute gehört Gottéron zu den wirtschaftlich stabilsten Sportunternehmen im Land. Auch deshalb ist Gottéron der einzige Klub, der noch nie aus der höchsten Liga abgestiegen ist.

Vielleicht wird der meisterliche Traum heute in Erfüllung gehen. Aber dann wird sich eine andere Frage stellen: Hat Gottéron endlich einen Titel gewonnen, aber die Seele verloren?

Und auf einmal wäre die Frage: Hurra, wir sind Meister. Aber was machen wir nun?

Die Magie wäre auf jeden Fall dahin.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

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quelle: keystone / ennio leanza
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NONOSISI
30.04.2026 06:27registriert März 2023
Wenn Julien Sprunger das gelesen hat, geht er heute Abend in die Kabine und sagt dem Rest der Mannschaft, dass man doch lieber verlieren soll. Denn es gäbe da so einen Chronisten der sich Sorgen mache das dem Drachen seine Seele abhanden käme wenn, er sich die Meisterkrone aufsetzten täte.
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kendo
30.04.2026 06:10registriert November 2018
... habt keine Sorge, wir behalten unsere Seele und Magie :-) wir wären nur endlich das ewige Geschwafel mit immer den gleichen Artikeln um den ersten Titel von den Medien erlöst ;-)
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Okguet
30.04.2026 06:21registriert Oktober 2017
Ich bin bereit, dieses Opfer zu erbringen ;)
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