Ein logisches WM-Team – und nur eine heikle Frage
Die Verteidiger Giancarlo Chanton, Fabian Heldner und Simon Seiler sowie die Stürmer Yannick Frehner und Tyler Moy haben den letzten Cut nicht mehr geschafft. Eine logische Selektion.
Mit Tyler Moy hat zwar der beste Skorer des Silberteams vom Vorjahr (12 Punkte, gleich viele wie Sidney Crosby) seinen Platz im WM-Team verloren. Seine Rolle muss der Schillerfalter Théo Rochette, der zweitbeste Skorer mit Schweizer Pass in der Qualifikation, übernehmen. Er hat zwischen September und März zehn Tore mehr erzielt und ist sechs Jahre jünger als Moy. So gesehen hat die Nicht-Nomination von Moy keinen Einfluss auf das Leistungsvermögen.
Bei den Verteidigern ist die Ausbootung von Giancarlo Chanton, Fabian Heldner und Simon Seiler ebenfalls kein Grund zur Aufregung.
Was im Vergleich zu den beiden WM-Silberteams von 2024 und 2025 aber auffällt: Mit Jonas Siegenthaler, Michael Fora und Andrea Glauser fehlen die drei bissigsten Verteidiger. Dafür ist Lukas Frick wieder im Team. 2018 war er WM-Silberheld. Aber in den Finalteams von 2024 und 2025 nicht im Aufgebot. Er und Janis Moser werden die defensive Lücke auffüllen müssen, die Fora, Siegenthaler und Glauser hinterlassen. Auf Moser warten wohl gut 25 Minuten Eiszeit. Alles in allem dürfte unser WM-Team etwas weniger robust sein als 2024 und 2025. Das ist eine kleine, aber nicht zu unterschätzende Differenz.
Bei den Stürmern und Verteidigern war die Selektion für den Nationaltrainer also kein Problem und es gibt kein Potenzial für Polemik.
Die grösste Herausforderung ist die Torhüterposition. 2024 und 2025 war Leonardo Genoni die klare Nummer eins. Weder Reto Berra noch Akira Schmid (2024) noch Stéphane Charlin (2025) vermochten die Goalie-Hierarchie im WM-Team durcheinanderzubringen.
Aber nun spielt Reto Berra, gleicher Jahrgang wie Genoni, sein bestes Hockey. Der WM-Silberheld von 2013 (hexte die Schweizer mit einem 3:0 gegen die USA in den Final, den dann Martin Gerber gegen Schweden verlor) ist besser in Form als Genoni. Soeben hat er Gottéron zum ersten Titel der Geschichte verholfen. Der Romantiker sagt: Nun krönt er die Saison und macht die Schweizer zum ersten Mal zu Weltmeistern. Der Realist mahnt: Zu Genoni hat die Mannschaft blindes Vertrauen, er bleibt die Nummer eins.
Im Viertelfinal auf Reto Berra oder auf Leonardo Genoni setzen? Das ist die Schicksalsfrage bei dieser WM. Jan Cadieux hatte gar keine andere Wahl, als diese beiden Goalies aufzubieten. Die Nummer 3 – wie 2022 und 2025 Sandro Aeschlimann – spielt nur eine Statistenrolle. Wer doch noch ein wenig polemisieren will, kann sagen, es wäre vielleicht besser, den acht Jahre jüngeren Kevin Pasche WM-Luft schnuppern zu lassen. Aber eigentlich spielt das keine Rolle. Pasche wird so wenig wie Aeschlimann je eine Nummer eins oder zwei bei einer WM sein. Womit wir bei einem Thema sind, das uns in den nächsten Jahren vor und während einer WM beschäftigen wird: Was wird bloss aus den Schweizern ohne Leonardo Genoni und Reto Berra? Aber wir wollen jetzt noch nicht grübeln.
