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Bekommt der SC Bern als erstes Sportunternehmen einen TV-Sender?

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Sportlich verlief die vergangene Saison für den SCB nicht nach Plan.Bild: keystone
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Bekommt der SC Bern als erstes Schweizer Sportunternehmen einen TV-Sender?

Die Vermarktungsagentur IMS AG aus Köniz bewirbt sich um die Lizenz von «TeleBärn». Das ist ungefähr so wie der SCB dieses Gesuch stellen würde. Ein Lehrstück über Filz und Freundesdienste im Staate Bern.
02.05.2023, 17:1502.05.2023, 19:28
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Zuerst einmal die Fakten: Das Radio- und Fernsehgesetz gibt vor, dass die Konzessionen der Regionalfernsehen regelmässig neu ausgeschrieben werden. Damit soll erreicht werden, dass auch neue Anbieter eine Chance erhalten, auf Sendung zu gehen.

Das Projekt «bärnTV» hat in diesen Tagen beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) sein Gesuch für die Konzessionsperiode 2025 bis 2034 eingereicht.

Hinter dem Projekt stehen die IMS Marketing AG, Herausgeberin des «BärnerBär» und Vermarktungsagentur des Eishockeyclubs SC Bern. Mit an Bord ist auch die unabhängigen Stiftung BaselMedia mit dem Basler TV-Sender Telebasel.

Mit seinem Konzessionsgesuch tritt «bärnTV» gegen das etablierte TeleBärn an, welches im Besitz der AZ Medien ist.

Das neue Regionalfernsehen «bärnTV» wolle – so Erwin Gross – wieder echte Regionalität auf die Berner (Fernseh)Bildschirme bringen. Der Entscheid, wer die Konzession erhält, wird gegen Ende 2023 erfolgen.

Erwin Gross, Alleinaktionär der IMS AG, ist überzeugt, dass die Zeit reif ist für ein neues Berner Regionalfernsehen: «Die Rückbesinnung auf Regionalität und Authentizität hat in der heutigen Zeit wieder wesentlich an Bedeutung gewonnen. Die vielfältigen Teilregionen des Kantons Bern verdienen es, in echten, ehrlichen und vor allem regionalen Medien abgebildet zu werden.» So sei es das erklärte Ziel von «bärnTV», 100 Prozent regionales Fernsehen anzubieten – «Us Bärn, für Bärn!».

Und nun die tatsächlichen Verhältnisse im Staate Bern. Ehrlicher wäre das Motto: «Us Bärn, für ä SCB!» Die wichtigste Einnahmequelle für die IMS AG ist seit 24 Jahren das SCB-Vermarktungsmandat. Es bringt pro Jahr weit mehr als eine Million ein.

Erwin Gross mag zwar keine Zahlen nennen. Immerhin räumt er ein: «Das SCB-Mandat macht rund ein Drittel unserer Einnahmen aus.» Beeilt sich aber zu betonen: «Wir sind nicht vom SCB abhängig und kämen auch ohne dieses Mandat über die Runden.» Wahrlich, ein gesundes Unternehmen, das im Notfall auf einen Drittel der Einnahmen verzichten könnte.

Nun möchte also Erwin Gross mit der noch in Gründung befindlichen «bärn TV AG» Lokalfernsehen machen. Seine Firma IMS generiert ein Drittel ihrer Einnahmen aus einem SCB-Mandat. SCB-Geschäftsführer und Mitbesitzer Marc Lüthi ist sein langjähriger Freund. Die beiden gründeten einst gemeinsam die IMS AG. Mit der Anstellung als SCB-Manager stieg Marc Lüthi aus. Die Männerfreundschaft besiegelt seither das lukrative Marketingmandat.

Marc Luethi, CEO des SC Bern spricht an einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 23. Februar 2022, in Bern. Luethi ist nach einer Operation wieder genesen und leitet wieder das Tagesgeschaeft. (KEYSTONE/Pe ...
Marc Lüthi pflegt engen Kontakt zu Erwin Gross.Bild: keystone

Kein Schelm, wer bei diesen Verhältnissen davon ausgeht, dass «bärnTV» die Interessen des 60 Millionen-Konzerns SC Bern und den SCB-Geschäftspartner angemessen berücksichtigen oder zumindest nicht einfach ignorieren würde. Denn die IMS AG ist gleich doppelt abhängig: Einerseits vom SCB und andererseits vom Wohlwollen der SCB-Kunden, die angeworben oder bei der Stange gehalten werden müssen. Der SCB (und seine Geschäftspartner) bekäme sozusagen als erstes Sportunternehmen der Schweiz seinen eigenen, vom BAKOM abgesegneten und in der Aussenwahrnehmung völlig unabhängigen TV-Sender.

Solche Überlegungen dementieren sowohl Marc Lüthi als auch Erwin Gross in aller Form und Entschiedenheit. «Wir haben mit dem TV-Projekt der IMS AG nichts zu tun und sind nicht daran beteiligt», betont Marc Lüthi ausdrücklich.

Erwin Gross legt Wert auf die Feststellung, dass die redaktionelle Unabhängigkeit auf alle Fälle gewahrt würde. «Unsere journalistische Unabhängigkeit beweisen wir seit Jahren. Der SCB redet uns beim BernerBär (ein wöchentlich erscheinender Gratis-Anzeiger in Bern – die Red.) und beim Slapshot (ein Hockey-Fachmagazin) nicht drein.»

Allerdings hat ein TV-Regionalsender, alimentiert auch mit Gebührengeldern und mit Beachtung im ganzen Kantonsgebiet eine ganz andere Schuhgrösse als ein Gratisanzeiger ohne tieferen journalistischen Anspruch oder ein Fachmagazin. Und immerhin ist beim «BernerBär» die Zusammenarbeit mit einem kritischen Sportkolumnisten nach einer SCB-Intervention subito beendet worden. Etwas mehr SCB-Präsenz auf dem Bildschirm des Lokalfernsehens wäre echte Nostalgie: Von 1997 bis 2004 war Marc Lüthi bei TeleBärn ein höchst beliebter Nachrichten-Moderator mit Kultstatus.

Wie wir es drehen und wenden: «bärnTV» ist ein hochinteressantes Projekt zum Wohle des SC Bern, zum Wohle seiner Gönner und Geschäftspartner und damit letztlich zum Wohle des Stadtberner Eishockeys. Die Bezeichnung «Tele SCB »mag boshaft, ja bösartig sein. Sie kommt der Wahrheit aber näher als der SCB in den letzten drei Jahren dem Meistertitel.

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