Bern verliert den SCB – die Zürcher übernehmen
Nun also eine grandiose Neustrukturierung. Nehmen wir die Abkürzung und sagen zum Verständnis der nachfolgenden Ausführungen gleich etwas polemisch, was Sache ist und der Wirklichkeit am nächsten kommt: Der SCB hat mit Pascal Signer einen neuen Obersportchef, Martin Plüss wird zum Untersportchef zurückgestuft und Kultfigur Simon Moser ist der neue Operetten-Sportchef.
Marc Lüthi hat den modernen SCB auch sportlich aufgebaut. Die Entscheidungs-Kompetenz weitgehend in einer Hand. Der Sport ist ein dynamisches Geschäft, mit keiner anderen Branche vergleichbar. Fehler gehören zu diesem Business wie ein Fehlpass auf dem Eis. Entscheidend ist der Mut, Fehler zu machen, einzugestehen und rasch zu korrigieren. Das geht nur mit starken, charismatischen Persönlichkeiten, die die Verantwortung nicht scheuen und auch Kritik aushalten. Mit Persönlichkeiten wie Marc Lüthi.
Es hat schon einen guten Grund, warum er zurzeit auf Teneriffa Golf spielt, mit den Kulissenschiebereien nichts mehr zu tun hat, sich beim SCB aus allen Funktionen zurückzieht und auch alle SCB-Aktien verkauft. Sein SCB wird gerade von Zürchern sportlich demontiert.
Die soeben verkündete Umstrukturierung sieht im Wortlaut so aus. Wer die englischen Ausdrücke nicht versteht, muss halt im Internet nachsehen: Der bisherige Chief Operations Officer (COO) und stellvertretende CEO, Pascal Signer, wechselt in den Sportbereich und übernimmt die neu geschaffene Funktion des Chief Hockey Officer (CHO). Martin Plüss bleibt Sportdirektor, Kultspieler Simon Moser wird neuer Teammanager und der bisherige Untersportchef Diego Piceci gefeuert.
Einfach erklärt: Pascal Signer ist der neue Obersportchef, Martin Plüss nur noch Untersportchef und Simon Moser Operettensportchef.
Das bedeutet im Alltag: Die Spielerverträge werden neu von Pascal Signer und Martin Plüss signiert. Beide stammen aus dem Schluefweg-Kosmos und werden hockeytechnisch deshalb als Zürcher bezeichnet. Der SCB wird nun sportlich von Zürchern kontrolliert und hoffentlich nicht ruiniert.
Die Gefahr ist allerdings erheblich. Denn nun wird die SCB-Sportabteilung noch schwerfälliger. Martin Plüss hat bis jetzt schon nicht nur Agenten mit seinem ewigen Zaudern und Zögern schier zur Verzweiflung gebracht. Das Resultat seiner endlosen Klärungen, Rücksprachen, Abstimmungen, Überprüfungen, Verifizierungen, Evaluationen, Nachforschungen, Konsultationen, Validierungen, Erörterungen, Analysen, Einordnungen, Abwägungen, Koordinationen, Abgleichungen und Untersuchungen ist im Wesentlichen die vorzeitige Verlängerung mit Trainer Jussi Tapola, seine vorzeitige Entlassung sowie der Verpflichtung von vier Goalies für eine Saison und ein Absturz auf Rang 10.
Künftig hat im Sport nicht mehr Martin Plüss das letzte Wort. Es braucht für alles auch noch den Segen und die Unterschrift von Pascal Signer, der ja nun als Obersportchef für den gesamten Sport verantwortlich ist. Es wird also noch komplizierter. Und am sturen Festhalten der emotionslosen skandinavischen Hockeyphilosophie, die der SCB-DNA fundamental widerspricht, ändert sich weiterhin nichts.
Aber ist da nicht auch noch Simon Moser? Er ist bloss das Berner SCB-Feigenblatt. Seine Popularität ist das Blendwerk fürs Publikum, um nicht zu erkennen, dass der SCB in die Hände der Zürcher gefallen ist.
Simon Moser wird leidglich die Position eines Teammanagers zugestanden. Also des Mannes, der dafür verantwortlich ist, dass der Teambus pünktlich fährt, keiner bei der Abfahrt vergessen wird, die Trinkflaschen gefüllt sind und die Videomaschinen rattern. Wer boshaft ist, kann ihn auch als Obermaterialchef oder Operettensportchef bezeichnen. Welch eine Absurdität, einen Mann mit seinem Charisma und seinem Knowhow auf diesen Job zu reduzieren. Es ist, wie wenn Roger Köppel bei einer SVP-Albisgüetli-Tagung nur bei der Verpflegung etwas zu sagen hätte.
Aber ist da nicht noch Marc Lüthis Nachfolger Jürg Fuhrer? Ja gewiss, er nimmt in der Hierarchie die oberste Position ein. Aber sein Durchsetzungsvermögen im Sport ist gegen Pascal Signer und Martin Plüss gleich null. Da der SCB ein Sportunternehmen ist und am Ende des Tages alles vom sportlichen Erfolg abhängt eine verhängnisvolle Konstellation. Die Berner – Jürg Fuhrer und Simon Moser – tragen im SCB-Zirkus nur noch die Clown-Nasen. Die Direktion haben die Zürcher übernommen.
Dazu passt die Entlassung von Diego Piceci. Es macht sich gut, einen aus der Ostschweiz zu entlassen und gleichzeitig die Anstellung von Simon Moser verkünden zu können. Diego Piceci war ab der komplizierten Entscheidungsstruktur der Sportabteilung fast verzweifelt, hatte aber einige Transfers zustande gebracht. Nun ist er das Bauernopfer.
Der SCB leistet sich – anders als die ZSC Lions – nicht einmal ein Farmteam und hat trotzdem die grösste und komplizierteste Sportadministration. Sie hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Es gibt immer jemandem, dem man die Schuld oder doch eine Teilschuld in die Schuhe schieben kann und keiner muss bei Fehlern die alleinige Verantwortung tragen.
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So kann ein Bundesamt für Sport geführt werden. Aber nicht ein erfolgreiches Sportunternehmen. Der SCB braucht den Beistand aller Hockeygötter, um in den nächsten Jahren nicht dauerhaft ins untere sportliche Mittelmass abzurutschen. Und es wäre ehrlich, nach Ablauf des Vertrages mit der Postbank (PostFinance) den Tempel in Schluefweg umzubenennen.
