Gleich drei Jahre für Biels Veteranen Miro Zryd – ist es ein Risiko?
Drei Jahre für einen 31-jährigen Künstler – ein Risiko? Diese Frage ist berechtigt. Miro Zryd war zwar in der mehr und mehr ausverkauften Transfer-Brockenstube ein Geheimtipp. Ein pflegeleichter, kreativer und belastbarer Verteidiger. Aber gleich drei Jahre? Auf den ersten Blick eine riskante und zu lange Vertragsdauer.
Auf den zweiten Blick zeigt sich hingegen, dass die drei Jahre vertretbar sind. Miro Zryd schultert in Biel von allen Schweizer Verteidigern am meisten Eiszeit (pro Partie gut 17 Minuten), hat bereits 9 Punkte beigesteuert und dürfte Ende Saison seine bisherige Bestmarke (11 Punkte) übertreffen.
Seit der Adelbodner 2015 mit den SCL Tigers in die höchste Liga gekommen ist, überzeugt er mit verlässlicher Kreativität: Zwar sorgt er immer wieder mal für ein spielerisches Wagnis und in fünf von zehn NL-Saisons musste er sich bisher eine Minus-Bilanz notieren lassen. Auch diese Saison steht er bei mehr Gegen- als Plustoren auf dem Eis. Aber in lichten Momenten zieht er an einem guten Abend die Fäden wie Roman Josi – und dazu sind nicht viele Schweizer Verteidiger in der Lage. Neun oder mehr Punkte haben diese Saison in der ganzen Liga erst 20 Verteidiger mit Schweizer Lizenz beigesteuert.
Zryd ist und bleibt ein Künstler und das ist gut so. Pflichtverteidiger gibt es ja genug. Romantiker sagen, wie er spiele, hänge auch von der Stellung des Mondes ab, seine Bewunderer weisen darauf hin, dass Eishockey ja ein unberechenbares Spiel sei, und rühmen seine Kreativität, die jede defensive Gedankenlosigkeit kompensiere.
Nach einer Tour de Suisse von Langnau nach Zug, Bern und zurück nach Langnau ist er wohlhabend geworden und nun im Sommer 2024 bei Biel am Ort seiner Bestimmung angelangt: Der spielerische Freigeist ist ja nicht der erste eigenwillige Spieler, der anderswo taktisch und spielerisch nie richtig verstanden worden ist und nun in der Bieler Hockeykultur seine Rolle und seinen Frieden gefunden hat. Kommt dazu: Martin Steinegger ist dringend auf Schweizer Verteidiger angewiesen, damit er künftig nur noch eine Ausländerlizenz für einen Verteidiger blockieren muss. Dann reduziert sich nebenbei die Gefahr eines Transfer-Irrtums: Zuletzt haben die Hockey-Götter Biels tüchtigen Sportchef bei der Wahl der ausländischen Verteidiger zu wenig gut beraten.
Erfahrene Abwehrspieler mit Schweizer Pass sind rar und teuer (deshalb war Zryd ein Geheimtipp in der Transfer-Brockenstube) und wenn Martin Steinegger schon einen hat, den er inzwischen kennt und auf den er sich verlassen kann, dann macht es Sinn, den Vertrag vorzeitig um drei Jahre zu verlängern. Kommt dazu: Künstler wie Miro Zryd altern weniger schnell und er hat noch mindestens vier, fünf gute Jahre vor sich.
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