Sport
Eismeister Zaugg

Eishockey-WM: Schweiz schiesst 9 Tore – aber die Titelhoffnung ist die 0

epa12978873 Switzerland's goaltender Leonardo Genoni celebrates winning the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship preliminary round group A game between Austria and Switzerland, in Z ...
Zum 13. Mal bei einer WM blieb Leonardo Genoni ohne Gegentor.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Die grosse Titelhoffnung ist eine Null

Die offensiven Festspiele gehen weiter: neun Tore gegen Österreich. Aber noch wichtiger ist das «zu null».
20.05.2026, 20:4620.05.2026, 21:20

Draussen wird eine Schönwetter-Phase mit Temperaturen von bis zu 30 Grad erwartet. Drinnen in der Arena gibt es ein Mikroklima mit einem stabilen offensiven Azoren-Hoch. Mit jedem Spiel steigt die Temperatur.

Und auf dem Programm stehen weitere offensive Festspiele. Am Donnerstag gegen Grossbritannien und am Samstag gegen Ungarn gibt es für eine Mannschaft mit dem offensiven Potenzial der Schweizer nur noch eine Herausforderung: mindestens ein «Stängeli». Zehn Tore oder mehr. Die Schweizer dominieren alle erdenklichen Spezialstatistiken: Am meisten Tore, das beste Powerplay (Erfolgsquote: 50 Prozent), die höchste Effizienz.

Die letzte echte Prüfung vor dem Viertelfinal wartet erst am kommenden Dienstag im abschliessenden Vorrundenspiel gegen Finnland. Dann dürfte es um Platz eins oder zwei in der Gruppe gehen.

Neu ist diese offensive Herrlichkeit nicht. Die Schweizer stürmen seit Jahren immer wieder durch die sieben WM-Vorrunden-Partien. Das 9:0 gegen Österreich war bereits der 29. Sieg in den letzten 32 Vorrundenspielen. Die Schweiz ist längst Vorrundenweltmeister. Schönwetter-Weltmeister. Operetten-Weltmeister. Weltmeister der offensiven Illusionen. Aber eben noch nie: Weltmeister. Das 9:0 ist kein Rekord. Der bisher höchste Sieg bei einer WM: 23:0 gegen Jugoslawien am 4. Februar 1939 in Zürich. Weltmeister wurden wir trotz aller offensiven Herrlichkeit auch damals nicht (Bronze).

Denn so beeindruckend, ja begeisternd, das Vorrundenspektakel auch sein mag – entscheidend ist, was nach der Vorrunde kommt. Der Sturm, der zuvor alles mitgerissen hatte, ist jedes Jahr spätestens im Final verebbt. Zuletzt zweimal hintereinander gegen Tschechien (0:2) und die USA (0:1 n. V.). Immer fehlte im entscheidenden Moment genau das, was zuvor scheinbar im Überfluss vorhanden war: ein Tor.

Das WM-Spektakel in Zürich wirkt stilsicherer, präziser und überzeugender als jede Schweizer WM-Inszenierung der Neuzeit. Wer diese Spiele beschreibt, wer versucht, Worte für diese immer höher steigende Flut an Torchancen und Toren zu finden, muss vorsichtig werden. Denn sollte tatsächlich erstmals der WM-Titel gewonnen werden, müssten noch genügend Superlative übrigbleiben.

Vielleicht liegt der Schlüssel zum historischen ersten WM-Titel gar nicht primär in der Offensive. Vielleicht sind nicht die neun Tore die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel gegen Österreich. Sondern eine Null.

Leonardo Genoni blieb gegen Österreich zum 13. Mal an einer Weltmeisterschaft ohne Gegentor. Damit hat er den Rekord von Jiří Holeček übertroffen. Aber die tschechische Goalie-Legende war dreimal Weltmeister (1972, 1976, 1977). Der WM-Titel bleibt die finale grosse Herausforderung für Leonardo Genoni.

Und genau darin könnte die eigentliche Weltmeister-Formel liegen. Vorne die Tore. Hinten die Null. Dominanz im Angriff und hinten Leonardo Genoni. Spektakel auf der einen Seite und absolute Kontrolle auf der anderen. So wie beim 9:0 gegen Österreich. Wenn Leonardo Genoni zu null spielt, werden wir Weltmeister.

Eigentlich ist die Formel zum WM-Titel gar nicht kompliziert.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Eishockey-WM in Zürich und Fribourg
1 / 74
Die besten Bilder der Eishockey-WM in Zürich und Fribourg

Die Schweizer Nati wird vom Publikum an der Heim-WM mit viel Liebe verabschiedet.

quelle: keystone / andreas becker
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Proteste an Köppels Debattier-Aktion
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
53 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
kupus@kombajn
20.05.2026 21:13registriert Dezember 2016
„ Vielleicht liegt der Schlüssel zum historischen ersten WM-Titel gar nicht primär in der Offensive.“

Sind es nicht genau die Tore, die uns in den letzten beiden Finals gefehlt haben? Bekommen haben wir ja nicht viele, aber geschossen haben wir keine.
1031
Melden
Zum Kommentar
avatar
Liebu
20.05.2026 22:16registriert Oktober 2020
Wenn Leonardo Genoni zu null spielt, werden wir Weltmeister.
Wer kein Tor erhält wird immer Meister.
Wenn im Final keines fällt, spielen sie bis es fällt und wenn Leo zu null spielt, wird man logischerweise Weltmeister.
Es kommen aber noch offensiv starke Gegner wo es schwierig ist die Null zu halten und trotzdem so offensiv spielen.
Ich habe in Fribourg die Kanadier gesehen und diese sind dann doch ein anderes Kaliber.
Aber man sah ja letztes Jahr, wie schmal der Grat ist. Es ist an der Zeit, dass der Puck einmal für unsere Nati springt.
Fribourg hat es ja auch geschafft.
Hopp Schwiz 🇨🇭
421
Melden
Zum Kommentar
avatar
Guguseli 4.
20.05.2026 21:14registriert November 2020
Voll der fiese Gastgeber 😈
414
Melden
Zum Kommentar
53
Nach Katar-Blamage: Haben wir Schweizer den Sinn für die Realität verloren?
Nach der Pause hat die Nati plötzlich Sand im Getriebe, prompt reicht es nicht mehr zu einem Sieg gegen den schwächsten Gruppengegner. Ist die Nati gar nicht so gut, wie wir gemeint haben? Was dafür spricht und warum die «Katarstrophe» positive Folgen haben kann.
Hatte Granit Xhaka doch Recht? Als der Nati-Captain eine Woche vor dem WM-Start, nach dem 1:1 im Testspiel gegen Australien, zur Wutrede ansetzte und an die Einstellung seiner Teamkollegen appellierte, wurde er gleichermassen kritisiert und belächelt dafür. Warum torpediert er ausgerechnet jetzt die Nati-Harmonie? Braucht Xhaka Aufmerksamkeit?
Zur Story