Ein Tag, so wunderschön wie heute: Am 2. Januar, am ersten Hockey-Tag des neuen Jahres ist es bei den ZSC Lions zum ersten Mal rundum so, wie es schon seit dem Herbst hätte sein dürfen, können, sollen und müssen.
Das Genie (Denis Malgin) tanzt und die eigentlich fürs Farmteam vorgesehenen Indianer skoren (Kyen Sopa bucht den Siegestreffer zum 3:2). Die ZSC Lions siegen zum ersten Mal in dieser Saison viermal hintereinander. Vor allem aber: Der Trainer geht nicht mehr fremd und hat keine NHL- und KHL-Flausen mehr im Kopf. Die Option per 31. Dezember für eine Auflösung des Vertrags am Ende der Saison hat Rikard Grönborg nicht eingelöst. Nun läuft sein Vertrag bis 2023, also bis Ende der nächsten Saison.
Der Schwede sagt, nun gebe es keine weiteren Klauseln mehr im Vertrag. Die Frage, ob er nach einem triumphalen Titelgewinn im Frühjahr dann doch im Sommer einen Anruf einer NHL- oder KHL-Organisation trotzdem beantworten würde, mochte er allerdings nicht mit einem herzhaften «Nein!» beantworten. Auch nicht nach mehrmaligem Nachhaken und dem expliziten Hinweis, dass das Buch der Bücher lehre, man solle «Ja, Ja» oder «Nein, Nein» antworten und alles andere sei von Übel. Was wohl heisst: Kommt es zu einer ZSC-Meisterfeier – man weiss ja nie – dann geht das Theater von neuem los. Wechselt der Meistertrainer nun doch in die NHL? Oder doch nicht?
Rikard Grönborg ist zwar mehrfacher Weltmeistertrainer. Aber ZSC-Meistermacher ist er noch lange nicht. Dass es im Hallenstadion eine Meisterfeier geben wird, sollten wir inzwischen nicht mehr gänzlich ausschliessen.
Selbst ohne ihren Leitwolf Sven Andrighetto haben die Zürcher Tabellenführer Gottéron erstaunlich sicher mit 4:2 gebodigt. Der erste Einsatz des tschechischen Goalies Jakub Kovar ist geglückt (Sieg und 92,59 Prozent Fangquote). Und ist nicht der SCB 2016 nach einer miserablen Qualifikation mit dem im Dezember eingeflogenen tschechischen Torhüter Jakub Stepanek Meister geworden? Ein Goalie mit gleichem Vornamen, sehr ähnlichem Stil und beinahe gleicher Postur? Und hat damals beim SCB nicht noch ZSC-Sportchef Sven Leuenberger die Fäden gezogen? Ja, so war es.
Und da ist noch etwas: Denis Hollenstein, der diese Saison in 20 von bisher 29 Partien nicht ins Netz getroffen hat, erzielt gleich zwei Treffer. Blüht er auf, weil gegen Gottéron ausnahmsweise sein traditioneller Flügelpartner Sven Andrighetto in der Grundaufstellung fehlt und durch den vergleichsweise hölzernen Rumpelflügel Marco Pedretti ersetzt wird und Denis Malgin womöglich sein Spiel mehr auf den gefitzten und flinken Denis als den ungelenken Marco ausrichtet? Sind eigentlich Sven Andrighetto, Denis Malgin und Denis Hollenstein in einer Linie eine Überbesetzung? Müsste man fast mit drei Pucks spielen, damit sich im wohl hochkarätigsten helvetischen Trio der Liga jeder entfalten kann?
Wir wollen nicht grübeln. Sieg ist Sieg. Vor allem die letzten zehn Minuten der sonntäglichen Partie gegen Gottéron sind eindrücklich: Der Tabellenführer, der nun vehement den Ausgleich sucht, wird unter Kontrolle gehalten und ein Genieblitz von Denis Malgin führt zum finalen 4:2. Den Genies Freiräume lassen – das sieht Trainer Rikard Grönborg tatsächlich als wichtigen Erfolgs-Faktor. Aber Denis Malgin tanzt noch nicht jeden Abend so wie gegen Gottéron. In zehn Spielen dieser Saison ist er punktelos geblieben. Doch das ist jetzt vergeben und vergessen und sein Trainer ist nach dem grossen Sieg über Gottéron milde gestimmt. Er sagt: «Auch ein Rembrandt hat nicht jeden Tag gemalt.»
Ganz ohne Bosheit dürfen wir anmerken: das holländische Maler-Genie aus dem 17. Jahrhundert genoss zwar schon zu Lebzeiten höchstes Ansehen, hat aber viel, viel weniger verdient als Denis Malgin. Von ihm durfte wahrlich nicht verlangt werden, jeden Tag zu malen.
Und so lautet die ZSC-Erfolgsformel nun: Weniger schwedischer Systemzwang, mehr Freiraum für die Genies wie Denis Malgin und schon rocken die Zürcher. Ganz offensichtlich ist Rikard Grönborg lernfähig.