Der Künstler kommt – jetzt braucht Biel noch etwas «Schmirgelpapier»
Die Bieler setzen bei der sportlichen Renaissance auf die Talente aus der eigenen Nachwuchsorganisation. Das macht sportlich und finanziell Sinn. Deshalb operiert Sportchef Martin Steinegger auf dem Transfermarkt mit weiser Zurückhaltung. Seine Begründung leuchtet ein: «Es bringt nur etwas, wenn wir Spieler verpflichten, die besser sind als jene, die wir bereits haben.» Wohl wahr.
Tempo und Leidenschaft hat er in der Offensive mehr als genug. Was fehlt, ist eine Prise Kaltblütigkeit und Treffsicherheit in entscheidenden Phasen. Mit Dominic Zwerger hat er für die nächsten vier Jahre den Künstler gefunden, der ins Tor trifft und darin besser ist als die meisten anderen Stürmer mit Schweizer Lizenz.
Was Biels Team noch braucht, ist «Schmirgelpapier». Also Wasserverdrängung, Härte und Einschüchterungsvermögen. Ein Haudegen, der dafür sorgt, dass die Bieler auf dem Eis weniger herumgeschubst werden und auch dazu in der Lage ist, etwas zum spielerischen Wohlergehen beizutragen.
Die «Zeugen Steineggers» melden denn auch, dass Biels Sportchef an einem Powerstürmer interessiert ist. An Fabrice Herzog, der in Zug keinen neuen Vertrag erhält und sich einen neuen Arbeitgeber suchen muss. Und tatsächlich bestätigt Martin Steinegger auf Anfrage, dass er das Interesse an diesem Spieler deponiert hat.
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Fabrice Herzog ist der interessanteste Spieler, der noch zu haben ist. Seine Vergangenheit ist grandios und sagt: Sofort verpflichten! Alle Lohnforderungen erfüllen! Letzte Saison hat er zum sechsten Mal hintereinander 13 oder mehr Tore erzielt. Er war Meister mit den ZSC Lions (2018) und mit Zug (2022) und gehört zu den WM-Silberhelden von 2024. Und dazu kommt: Wenn es hart auf hart geht, wird er besser. 0,49 Punkte pro Spiel in der Qualifikation, 0,59 in den Playoffs. Mit seiner NHL-Postur (189 cm) rockt er die gegnerische Zone und mit einem bösen Check hat er die Karriere von SCB-Verteidiger Eric Blum beendet. Patrick Fischer hat ihn auch diese Saison zu drei Operetten-Länderspielen aufgeboten. Eigentlich ein Stürmer, an dem Titelkandidaten interessiert sein müssten.
Es gibt aber auch eine andere Sichtweise. Zugs tüchtiger Sportchef Reto Kläy hat sich schon etwas überlegt, als er mit dem gleichaltrigen Powerflügel Mike Künzle um zwei Jahre verlängert, aber Fabrice Herzog den Laufpass per Ende Saison gegeben hat. Die Gegenwart ist nicht ganz so glanzvoll wie die Vergangenheit. Aktuell sind es nur noch 7 Punkte (3 Tore) aus 32 Spielen, sein Einschüchterungspotenzial ist mit 4 Strafminuten eher bescheiden und der Wille zur Defensivarbeit (Minus-4 Bilanz) eher schwach ausgeprägt und bei immer noch gut 16 Minuten Eiszeit ist die Powerplay-Präsenz auf unter eine Minute gekürzt worden.
Aber er ist erst 31 und bei einem Spieler mit seinem Potenzial gilt erst recht: neuer Klub, neuer Trainer, neue Herausforderung, neues Glück. Er kann nach wie vor ein wichtiges Teilchen in einem Meisterpuzzle sein und mit einer zentralen Rolle in der Offensive und im Powerplay sind nach wie vor 15 Tore möglich. Und ein pflegeleichter Musterprofi ist er sowieso.
Für Biel wäre er also das ideale «Schmirgelpapier». Aber die Chancen stehen nicht sehr gut. Der Sportdirektor eines grossen, sehr gut gemanagten und meisterfähigen Klubs – sein Name ist dem Chronisten entfallen – war an Fabrice Herzog interessiert und hat kürzlich begründet, warum er nun eben nicht mehr interessiert ist. «Seine Kinder gehen in Zug zur Schule und er möchte den Grossraum Zug nicht verlassen. Er verdient in Zug über 500'000 Franken und so viel Geld sind uns seine Dienste nicht wert.»
Von Zug nach Biel sind es mit der Benzinkutsche fast zwei Stunden. Am wenigsten weit ist es nach Rapperswil-Jona. Dorthin sind es weniger als eine Stunde, die Doppelstadt ist der von Zug aus am schnellsten erreichbare Standort eines NL-Klubs. Romantiker sprechen bei den Partien Zug gegen die Lakers sogar vom «Hirzel-Derby».
Tatsächlich könnte Fabrice Herzog bei den Lakers eine ähnlich wertvolle Hilfe sein wie bei den Bielern. Gewährsleute sehen die Lakers in der Pole-Position. Falls die Lohnvorstellungen bescheidener werden. Titanen wie Davos, Lugano, Lausanne oder die ZSC Lions sind nicht mehr interessiert, der SCB kommt aus naheliegenden Gründen (Fall Eric Blum) gar nicht in Frage. So stehen die Chancen der Lakers gar nicht so schlecht.
Was Biel auch noch benötigt: mehr defensive Stabilität. Ein erfahrener, ruhiger, verlässlicher Defensivverteidiger könnte eine grosse Hilfe sein und die Option eröffnen, nächste Saison nur noch eine Ausländerlizenz mit einem Verteidiger zu blockieren. In Zug bekommt Dominik Schlumpf keine Vertragsverlängerung. Er ist im März zwar schon 34 geworden und war zuletzt etwas verletzungsanfällig, entspricht aber im Profil exakt den defensiven Bedürfnissen des Finalisten von 2023. Die «Zeugen Steineggers» melden, es sei zwar kein Angebot deponiert, aber schon mal ein loses Gespräch mit Schlumpfs Agenten geführt worden.
Sportchef Martin Steinegger ist mit dem Transfer von Dominic Zwerger bei der Erneuerung seines Teams ein gutes Stück vorangekommen. Weitere wohlüberlegte Schritte werden folgen.
