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Auch der SC Bern spielt nächste Saison mit einem ausländischen Goalie

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Philip Wüthrich hat seine Chance im Tor des SCB verpasst.Bild: www.imago-images.de
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Auch der SC Bern spielt nächste Saison mit einem ausländischen Goalie

Nach langem Hin und Her und «Wärweise» und Abwägen ist der Entscheid gefallen: Der SCB wird nächste Saison mit einem ausländischen Torhüter antreten. Nun wird sich weisen, ob Philip Wüthrich einer der vielen guten oder einer der wenigen grossen Goalies wird.
28.04.2023, 16:5629.04.2023, 14:11
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Philip Wüthrich (25) hat den Test nicht bestanden: Zwei Jahre lang war er die konkurrenzlose Nummer eins in Bern. 2021/22 kam er in 37 Partien zum Zuge (Fangquote 92,06 %) und die Playoffs sind verpasst worden. Diese Saison bestritt er gar 43 Spiele (Fangquote 91,16 %) und zeigte im Playoff-Viertelfinal gegen Biel (Fangquote 88,46 Prozent) nicht sein bestes Hockey.

Philip Wüthrich hat nicht versagt. Aber er hat den Test nicht bestanden, dem jeder SCB-Goalie unterzogen wird: der Vergleich mit den meisterlichen Titanen der Vergangenheit. Er hat noch nicht die Kragenweite der grossen Goalies, die seit mehr als 60 Jahren die ruhmreiche SCB-Geschichte geschrieben haben. Er ist noch nicht der nächste René Kiener, Jürg Jäggi, Renato Tosio, Marco Bührer oder Leonardo Genoni.

Er hat seine Arbeit ordentlich gemacht. Eigentlich konnten die Berner nie sagen, man habe ein Spiel wegen Philip Wüthrich verloren. Aber sie konnten nicht oft genug sagen, man habe dank Philip Wüthrich gewonnen. Aber darauf kommt es an.

Kurzum: Sportchef Andrew Ebbett und sein Berater Mark Streit haben entschieden, die nächste Saison mit einem ausländischen Torhüter zu bestreiten. Weil nur so eine Rückkehr zur sportlichen Konkurrenzfähigkeit möglich ist. Bern ist damit nach Kloten, Biel, den ZSC Lions, Ambri und Lugano der sechste Klub, der nächste Saison eine Ausländerlizenz für den Goalie löst.

Wird Philip Wüthrich, einem eigenen Junior, das Vertrauen entzogen? Nein. Auf den ersten Blick mag es so scheinen. Aber Philip Wüthrich spielt in den SCB-Planspielen weiterhin eine zentrale Rolle. Einer, dessen Wort beim SCB intern zählt, sagt es so: «Fippu bruucht ä Tschällänsch.» Philip Wüthrich brauche eine Herausforderung. Nicht einen freundlichen Mentor wie Daniel Manzato, die bisherige Nummer zwei. Sondern einen Weltklassegoalie, der ihn herausfordert. Gegen den er sich durchsetzen muss. Der ihn aus der Komfortzone herausholt.

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Philip Wüthrich sucht womöglich bald eine neue Herausforderung.Bild: www.imago-images.de

Entweder nimmt er diese neue Herausforderung an und wird einer wie Leonardo Genoni. Oder er zerbricht an dieser neuen Ausgangslage und macht nach Ablauf seines Vertrages in Bern im Frühjahr 2025 eine schöne Karriere zwischen Olten, Visp und Sierre oder Ajoie, Ambri und Langnau.

Philip Wüthrich ist in gewisser Weise ein Opfer der vom gefeuerten Manager Raeto Raffainer aufgebauten «Wohlfühloase», in der eine gute Ausrede wertvoller war als ein gewonnenes Spiel. Aber der «Artenschutz» von oben ist nicht bis in die Kabine durchgedrungen: Philip Wüthrich genoss letzte Saison nicht mehr das bedingungslose Vertrauen aller Spieler. Was auch ein wenig mit seiner Art zu tun hat: Er ist ruhig und gelassen («cool»). So wie grosse Goalies sein müssen. Fälschlicherweise wird seine sanfte Art da und dort als fehlendes Engagement ausgelegt.

Nun kommt ein ausländischer Goalie. Verpflichtet ist er noch nicht. Die Dossiers werden in diesen Tagen gesichtet. Gute Kandidaten sind darunter und am Geld wird die Anstellung eines grossen Namens – möglicherweise aus Finnland – nicht scheitern. Diese neue Situation ist die ultimative Herausforderung für Philip Wüthrich. Und die ganz grosse Chance, um im Alter von 25 Jahren endlich den Schritt vom guten zum grossen Torhüter zu machen.

Noch während der «Wohlfühlzeit» unter Raeto Raffainer ist der Vertrag von Daniel Manzato um ein Jahr bis zum Ende der nächsten Saison verlängert worden. Als Nummer zwei hat Servettes Finalheld von 2021 in Bern künftig keinen Platz mehr. Kein Problem: Entweder bleibt er als Goaliecoach oder er wechselt zu einem ambitionierten Klub in der Swiss League. Visp hat sich bereits erkundigt. Dort ist der neue Trainer Heinz Ehlers in grosser Sorge. Weil eine taugliche Nummer 1 fehlt.

Berns Goalie Daniel Manzato, waehrend dem Qualifikations-Spiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Dienstag 29. November 2022, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel ...
Daniel Manzatos Zukunft beim SCB ist ungewiss.Bild: keystone

Daniel Manzato ist zwar im Januar schon 39 geworden. Aber er hat noch bei weitem genug Diesel für eine weitere gute Saison im Tank. Er muss ja nicht mehr alle Spiele bestreiten. Benötigt wird sein bestes Hockey in den Playoffs.

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hähdude
28.04.2023 18:15registriert Oktober 2016
Ein weiterer ausländischer Goalie in der National League. Die unsägliche Erhöhung auf sechs Ausländer pro Team - mitinitiert von SCB-CEO Marc Lüthi wirkt also nicht auf die Schweizer Feldspieler aus, sondern auch auf die Goalies - dies alles zum Nachteil der Schweizer Nationalmannschaft. Und dass der SC Bern mit Andri Henauer (21), vergangene Saison beim EHC Basel in der Swiss League ein sicherer Wert (in den Playoff 92,38%) bereits einen dritten Torhüter unter Vertrag hat, sei hier auch noch erwähnt.
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Slbstdkr
28.04.2023 18:16registriert April 2023
Genf hat bewiesen das es auch mit einem Schweizer Goalie geht. Biels Van Pottelberge wird das auch noch beweisen. Das Problem in Bern ist nicht die Nationalität, sondern die Personalie Wüthrich. Sein Talent wurde überschätzt, er ist kein NL Goalie. Wenn jetzt alle Teams auf ausländische Goalies setzen, spielt unsere Nati in einigen Jahren wieder im B! Sehr schlechte Entwicklung.
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Berner67
28.04.2023 18:45registriert Februar 2015
Absolut verständlicher und nachvollziehbarer Entscheid seitens SCB. Philipe Wüthrich bekommt a.) endlich Konkurrenz b.) kann und muss diesen Challenge annehmen und kann nur profitieren c.) kann sich hoffentlich positiv entwickeln d.) entweder schafft er es oder dann eben nicht.
Die Grännis wegen den 6 Ausländern - es ist nun einmal so und akzeptiert es einfach - Konkurrenz belebt der Markt in der geschützten Werkstatt in CH-Eishockey.
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