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Swiss forward Eren Derdiyok, reacts during the 2018 Fifa World Cup group B qualification soccer match between Switzerland and Faroe Islands at the Swissporarena in Lucerne, Switzerland, Sunday, November 13, 2016. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Eren Derdiyok ist die prägende Figur beim 2:0-Sieg gegen die Färöer. Bild: KEYSTONE

Die grosse Versöhnung – Derdiyok zahlt Petkovics Vertrauen sofort zurück

Beim 2:0 über die Färöer schiesst Stürmer Eren Derdiyok das wegweisende Tor. Ein erlösender Moment für den Stürmer, der schwere Zeiten hinter sich hat.

Markus Brütsch / Nordwestschweiz



Nach 87 Minuten ist Schluss für Eren Derdiyok. Vladimir Petkovic nützt die Gelegenheit für einen «Applauswechsel». Eben hat Stephan Lichtsteiner das 2:0 erzielt, und so kann der Coach den Stürmer beruhigt vom Feld holen. Der 28-Jährige hat gut gespielt, zwar noch die eine oder andere Möglichkeit liegen lassen, ist aber mit seinem Tor zum 1:0 nach 26 Minuten der eigentliche Wegbereiter des 2:0-Sieges über die Färöer Inseln gewesen.

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Das wegweisende 1:0 durch Derdiyok. Video: streamable

«Ich bin froh, habe ich recht bekommen, ihn aufzustellen», sagt Petkovic hinterher. «Eren hat eine gute Technik, und das hat sich heute bestätigt». Wie Derdiyok den langen Ball von Valon Behrami technisch perfekt mit dem rechten Fuss angenommen und dann mit dem linken flach ins Netz spediert hat, ist eine Augenweide gewesen.

«Das 1:0 war erlösend. Auf einen solchen Moment habe ich hingearbeitet und in dieser Woche gut trainiert», sagt Derdiyok. «Ich bin glücklich, konnte ich das Vertrauen des Trainers zurückzahlen.»

Petkovics guter Entscheid

Es ist ein guter Entscheid Petkovics gewesen, den 1.91-Meter-Mann gegen die baumlangen gegnerischen Innenverteidiger aufzustellen, denn Derdiyok ist immerhin sechs Zentimeter grösser als Sturmkonkurrent Haris Seferovic. Die Rechnung geht auf: Derdiyok behauptet sich in den meisten Luftduellen, erzielt sein Tor zwar mit dem Fuss, beschäftigt die Nordländer bei hohen Bällen jedoch permanent.

«Es hat Spass gemacht», sagt Derdiyok danach. Gleich nach seinem Treffer hatte er Seferovic umarmt. «Es ist ein Zeichen dafür, wie gut die Stimmung in unserem Team ist. Jeder gönnt dem anderen ein Erfolgserlebnis. Jeder respektiert, wenn der andere aufgestellt wird.» Solche Töne hat man vom Basler im Zusammenhang mit der Nati lange nicht gehört.

Swiss soccer players celebrates after scoring a goal with Swiss forward Eren Derdiyok, 2nd right, during the 2018 Fifa World Cup group B qualification soccer match between Switzerland and Faroe Islands at the Swissporarena in Lucerne, Switzerland, Sunday, November 13, 2016. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Derdiyok wird nach seinem Treffer von Fans und Teamkollegen gefeiert. Bild: KEYSTONE

Es hat harte Zeiten für den Stürmer gegeben und auch viel Frust. Der letzte Nackenschlag liegt noch gar nicht weit zurück. Bei der EM im vergangenen Sommer ist er in allen drei Gruppenspielen nicht eingesetzt worden, hat dann zwar im Achtelfinal gegen Polen als Joker Xherdan Shaqiris «Tor des EM-Turniers» vorbereitet, später aber die hochkarätige Chance zum Siegtreffer vergeben.

Wochen später verleiht er in einem Interview seiner grossen Enttäuschung Ausdruck. Die Mannschaft habe so viele Torchancen kreiert, dass er sich sicher sei, vier oder fünf davon zu einem Tor genützt zu haben, hat er gesagt. Und auf den vergebenen Matchball angesprochen, geantwortet: «Vielleicht fehlt dir dann genau das Selbstvertrauen, wenn vorher nicht auf dich gesetzt wurde.»

Achteinhalb Jahre dauert die Beziehung zwischen Derdiyok und der Nati schon. Der Start war äusserst vielversprechend gewesen. Als 19-Jähriger hatte er debütiert, im Wembley gegen England und 13 Minuten nach seiner Einwechslung auch bereits das erste Tor geschossen. Doch erst vier Jahre später ist dem in Basel geborenen schweizerisch-türkischen Doppelbürger Basler wieder ein grosser Auftritt gelungen, als er beim 5:3-Sieg im Testspiel gegen Deutschland drei Tore schoss.

Die faule Sau

Aber immer hat der Eindruck vorgeherrscht, Derdiyok schöpfe sein Potenzial nicht aus. Er hat 2011 mit einem sagenhaften Fallrückzieher für Leverkusen gegen Wolfsburg das Tor des Jahres geschossen, in seinem jeweiligen Klub und auch in der Nati aber immer wieder enttäuscht.

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Derdiyoks Fallrückzieher-Tor gegen Wolfsburg. Video: streamable

Im September ist dann der Luzerner Trainer Markus Babbel in einer Radiosendung über Derdiyok so richtig vom Leder gezogen: «Eine faule Sau. Er könnte bei Barcelona oder Real spielen, jetzt spielt er in der Türkei. Er bringt sehr viel mit, nicht aber die Mentalität. Bei Hoffenheim war er einfach ein fauler Hund.» Dicker Tobak.

Privat läuft für Eren Derdiyok alles bestens: Seit 2014 ist er mit Kardelen (23) verheiratet.

Vorbei und vergessen. «Viele Tore habe ich für die Nati ja noch nicht geschossen», sagt Derdiyok. «Das gegen die Färöer ist wohl mein Wichtigstes.» So endet ein schwieriges Jahr für Derdiyok, der vor einem Jahr in der Slowakei das letzte seiner nun elf Tore geschossen hat, versöhnlich. «Jetzt kann ich im Klub bei Galatasaray Vollgas geben und gegen Fenerbahce ein gutes Derby machen», sagt Derdiyok und verschwindet in Richtung Mannschaftsbus.

Die Noten der Schweizer Nati gegen Färöer

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • SwissGTO 14.11.2016 16:49
    Highlight Highlight Gegen einen solchen Gegner hätte man auch 2 richtige Stürmer aufstellen können...
  • ND_B 14.11.2016 11:00
    Highlight Highlight Nachdem ich ihn vor ein paar Jahren bereits abgeschrieben habe, verfolge ich nun den Werdegang von Derdiyok wieder sehr interessiert.

    Wenn er in der nächsten Zeit so weitermacht, ist es noch nicht zu spät als Leistungsträger in die BL zurückzukehren oder in der PL regelmässig zu scoren. Es wäre toll, seine technischen Fähigkeiten sind schlicht eine Augenweide.
    • Posersalami 14.11.2016 18:58
      Highlight Highlight Ich sehe das genau so! Es wäre aber schön, wenn er zukünftig das dribbeln im eigenen 16er sein lässt. Das kann auch gegen die Färöer in die Hose gehen.

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