Schwingerkönig Joel Wicki (28) tritt per sofort zurück
«Der Entscheid ist gefallen, ich werde per sofort vom aktiven Schwingsport zurücktreten», sagte Joel Wicki am Sonntagabend in der SRF-Sendung «Sportpanorama». In einer Medienmitteilung liess er sich folgendermassen zitieren: «Der Entscheid ist mir nach einer so langen und schönen Zeit im Schwingsport nicht leichtgefallen. Das Schwingen hat mir vieles abverlangt, aber es hat mir auch sehr vieles gegeben.» Jetzt aber freue er sich auf einen neuen und hoffentlich ebenso spannenden Lebensabschnitt, «in dem ich auch bereit sein werde, mich in der Jugendförderung zu engagieren. Ich selber habe unendlich viel profitiert, deshalb gebe ich gerne auch etwas zurück.»
Wicki krönte sich 2022 in Pratteln zum Schwingerkönig – als erst zweiter Vertreter des Innerschweizer Schwingerverbands –, indem er im Schlussgang den Berner Matthias Aeschbacher auf den Rücken legte. In seiner Karriere gewann Wicki 28 Kranzfeste und 76 Kränze. Er schwang an vier Teilverbandsfesten und acht Bergfesten obenaus.
Gerüchte bewahrheiten sich
Schon seit längerem war über Wickis Zukunft spekuliert worden. Hartnäckig hielten sich die Gerüchte, dass der erst 28-Jährige nach der Saison seine sportlichen Ambitionen hintanstellen und seinem Privatleben mehr Raum einordnen könnte. Zu gross seien seine Passion für die Arbeit auf dem eigenen Betrieb, für die Jagd und das Fischen, sein Bestreben, dereinst eine Familie zu gründen, als dass sich alles unter einen Hut packen liesse, so die Meinung vieler, die ihm nahestehen.
Wicki liess sich jedoch nicht in die Karten schauen. «Ich habe noch keinen Entscheid getroffen, kann noch nicht sagen, wie es weitergeht», sagte er vor dem Saisonhöhepunkt in Mollis zu den Spekulationen. Keine Bestätigung, kein Dementi. Nur so viel: «Manchmal überlegt man sich schon, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich will nicht aufhören, wenn ich körperlich angeschlagen bin. Denn für mich gibt es ein Leben nach dem Schwingen. Den Körper braucht es auch dort.»
Die letzten beiden Feste mit eidgenössischem Charakter verliefen für Wicki enttäuschend. Als amtierender König belegte er im vergangenen Jahr beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Mollis nach einem starken ersten Wettkampftag am Ende nur Rang 9b – auch, weil ihm ein Fehlentscheid der Kampfrichter zu Beginn des Sonntags den Wind aus den Segeln nahm. Im Vorjahr beim Eidgenössischen Jubiläumsschwingfest in Appenzell hatte er sich nur unwesentlich besser im Rang 7c eingereiht. Es waren Klassierungen, die eines Joel Wicki unwürdig waren und die nicht zuletzt an ihm selbst sehr genagt haben.
Herber Schlag für die Innerschweiz
In seiner Karriere gewann Wicki 76 Kränze und 28 Kranzfeste, das letzte Mitte September beim Tessiner Kantonalen in Biasca. Er triumphierte viermal bei einem Teilverbandsfest und gewann acht der prestigeträchtigen Bergfeste. In der vergangenen Saison reüssierte er auf dem Brünig. Zuvor hatte er sich schon am Innerschweizerischen in Seedorf keine Blösse gegeben und bei seinem Comeback nach rund einmonatiger Verletzungspause trotz namhafter Konkurrenz aus der Nordostschweiz (Samuel Giger, Werner Schlegel) triumphiert.
Der explosive Schwingstil Wickis forderte immer wieder seinen Tribut. Aufgrund eines Unterschenkelbruchs verpasste er das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2016 in Estavayer. 2021 brach der Sörenberger wegen einer Ellbogenverletzung die Saison vorzeitig ab, 2023 musste er das Unspunnenfest aufgrund einer erneuten Verletzung am Ellbogen auslassen. Immer wieder zwangen ihn kleinere Blessuren zu Wettkampfpausen.
Für den Innerschweizer Verband ist der Rücktritt von Wicki ein herber Verlust. Mit dem 28-Jährigen verliert der grösste Teilverband sein Aushängeschild und – nach Pirmin Reichmuth, der anlässlich des Saisonhöhepunktes in Mollis einen Schlussstrich unter seine Karriere zog – auch den letzten verbliebenen Spitzenschwinger. (nih/sda)
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