DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07811715 Inter's Romelu Lukaku (C-R) celebrates with his teammates after scoring the 2-1 lead from the penalty spot during the Italian Serie A soccer match between Cagliari Calcio and Inter Milan at Sardegna Arena Stadium in Cagliari, Italy, 01 September 2019.  EPA/FABIO MURRU

Torschütze Lukaku: Gefeiert von Mitspielern, verhöhnt von Zuschauern. Bild: EPA

Inter-Fans wollen Lukaku beibringen, dass Affenlaute nicht rassistisch seien

Inter Mailands neuer Starstürmer Romelu Lukaku wird beim Auswärtsspiel in Cagliari mit Affenlauten verhöhnt. Nun gibt es ausgerechnet von den Inter-Fans Support für die Anhänger von Cagliari – die hätten das nämlich nicht rassistisch gemeint, behaupten sie.



Beim 2:1-Sieg von Inter Mailand im Serie-A-Spiel in Cagliari ist Romelu Lukaku der Matchwinner. Der Belgier erzielt am Sonntag den Siegtreffer der Gäste vom Penaltypunkt aus. Und wird während dessen Ausführung, vor allem aber nach dem Treffer, von den sardischen Anhängern mit Affenlauten eingedeckt.

«Wir dürfen keine Form von Diskriminierung akzeptieren. Ich hoffe, die Verbände reagieren in solchen Fällen», schrieb Lukaku danach auf Instagram. «Wir reden seit Jahren davon und dennoch geschieht es immer noch. Meine Damen und Herren, es ist 2019. Aber anstatt dass es vorwärts geht, bewegen wir uns zurück», stellte er fest.

Offener Brief der Fankurve

Der Vorfall ist nur der jüngste in einer ganzen Reihe rassistischer Entgleisungen in italienischen Stadien. Wobei: Die Affenlaute seien ja gar nicht rassistisch gemeint, rechtfertigt sich die Inter-Kurve. Auf ihrer Facebook-Seite «L'urlo della Nord» («Der Schrei des Nordens») wenden sich die Fans im Namen der Nordkurve an Romelu Lukaku. «Es tut uns sehr leid, dass du glaubst, was in Cagliari passiert ist, sei rassistisch gewesen», schreiben sie. «Du musst verstehen, dass Italien anders ist als viele Länder im Norden Europas, wo Rassismus ein echtes Problem ist.»

Wie bitte?

«Wir verstehen, dass man den Eindruck erhalten kann, dass das rassistisch war», so die Interisti weiter. Doch sie erklären: «In Italien machen wir solche Dinge nur deshalb, um unserem Team zu helfen und um den Gegner aus dem Konzept zu bringen, nicht weil wir Rassisten wären. Wir sind es nicht und auch nicht die Cagliari-Fans.»

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Back in business @belgianreddevils 🇧🇪

Ein Beitrag geteilt von Romelu Lukaku (@romelulukaku) am

Lukaku rückte am Dienstag zum Nationalteam ein.

Die Fans drehen den Spiess in ihrer eigenen Weltanschauung gleich ganz um: «Bitte verstehe dieses Verhalten italienischer Fans als eine Form von Respekt. Sie haben Angst, dass du gegen ihr Team triffst. Aber sie hassen dich nicht und sind keine Rassisten.» Affenlaute zu imitieren, wenn ein dunkelhäutiger Spieler ein Tor erzielt, ist in ihrer Welt also dasselbe wie laut pfeifen oder buhen. Eine seltsame Ansicht.

Bitte um Klarstellung

Die Vertreter der Inter-Kurve machen nun neues Ungemach aus, das auf sie zukommt: «Wenn du sagst, man müsse Rassismus in Italien bekämpfen, dann hilfst du damit bloss jenen, die repressiv gegen Fussballfans vorgehen und du sorgst dafür, dass ein Problem geschaffen wird, das gar keines ist, oder sicher nicht so wie in anderen Ländern. Bitte hilf uns dabei, klarzustellen, was Rassismus wirklich ist und dass italienische Fussballfans keine Rassisten sind.»

Es ist zu hoffen, dass Lukaku nicht einknickt und Verständnis für das Verhalten dieser Fans aufbringt. Sonst ändert sich wohl tatsächlich nie etwas. Derzeit ist der Stürmer bei der belgischen Nationalmannschaft, die am Freitag in der EM-Qualifikation gegen den Aussenseiter San Marino spielt.

Auf das Schreiben der Fans reagiert hat Demba Ba, der frühere Bundesliga- (Hoffenheim) und Premier-League-Stürmer (Newcastle, Chelsea). Der Senegalese des türkischen Vizemeisters Basaksehir Istanbul schreibt, er würde sich wünschen, dass als Konsequenz auf so eine Einstellung der Fans alle schwarzen Spieler die Serie A verlassen würden. (ram)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Schweizer Bierbrauerei auf 3200 Metern über Meer in Tibet

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie sich Querdenker an der Fussball-EM (vermutlich) verhalten werden

Dass es trotz Corona letztlich doch noch zur Austragung der Fussball-EM 2020 kommt, ist natürlich erfreulich. Dass aber auch ein Typ Mensch dabei sein wird, den wir erst seit dieser Pandemie wahrgenommen haben, hingegen weniger.

Eigentlich hätte die Fussball-Europameisterschaft vor einem Jahr beginnen sollen. Dann kam das Coronavirus und der Rest dürfte uns allen ja bestens präsent sein. Dieses Jahr wird die Fussball-EM nun nachgeholt und somit kehrt (zumindest für Sportfans) ein Stück Normalität zurück in unser Leben.

Die Ausgangslage an der EM ist für viele Teams ähnlich wie vor Jahresfrist. Für die Fans hingegen nicht wirklich. Denn neben all den anderen, bereits gängigen Fan-Typen – von den Besserwissenden …

Artikel lesen
Link zum Artikel