«Klassische Standbild-Rote-Karte» – Hummels kritisiert Platzverweis gegen BVB
Am Ende stand die 27. Minute sinnbildlich für eine völlig verkorkste Halbzeit von Borussia Dortmund bei der 0:2-Niederlage gegen Tottenham Hotspur im vorletzten Champions-League-Gruppenspiel. Daniel Svensson hatte den Ball am gegnerischen Strafraum im Dribbling verloren, wollte energisch nachsetzen, doch seine Grätsche touchierte nur leicht den Ball, traf aber dafür die Wade von Gegenspieler Wilson Odobert.
Schiedsrichter Glenn Nyberg zeigte dem schwedischen Ausserverteidiger zunächst die Gelbe Karte, änderte seine Entscheidung jedoch nach Hinweis des Videoschiedsrichters und verwies den 23-Jährigen des Feldes. In der Schweiz kennt man diese Art eines Platzverweises seit einem ähnlichen Vorfall als «Fall Görtler».
Prime-Video-Experte Mats Hummels hatte bereits in der Halbzeit kein Verständnis für die Entscheidung. Die Szene sei «unglücklich, aber wird aktuell so gepfiffen. Für mich ist es keine Rote Karte.» Er bezeichnete die Situation zudem als «klassische Standbild-Trefferbild-Rote-Karte». Betrachte man die Entstehung und komplette Dynamik der Situation, sei der Platzverweis nicht gerechtfertigt. «Da wünsche ich mir tatsächlich auch, dass irgendwie die Regeln überarbeitet werden», sagte Hummels abschliessend zur Szene.
Ähnlich bewertete auch Co-Kommentator Benedikt Höwedes die Situation während des Spiels. Für ihn sei die Rote Karte zu hart gewesen, denn «die Intention war, den Ball zu spielen».
Hummels überzeugen Argumente des Schiedsrichter-Experten nicht
Ex-FIFA-Schiedsrichter und Prime-Video-Experte Wolfgang Stark widersprach den beiden Weltmeistern von 2014 teilweise. Er stimmte Hummels zu, dass es ein «typischer Videobeweis-Platzverweis» war, «weil mir fehlt auch die Dynamik für eine Rote Karte und der Ball ist in der Nähe».
Dennoch nahm er den Unparteiischen in Schutz, denn dieser habe richtig gehandelt. «Wir haben das gestreckte Bein, die offene Sohle und das Trefferbild. Das überlagert in der Szene und das ist die Vorgabe der UEFA», sagte Stark.
«Die Super-Slomo ist die schlimmste Erfindung»
Doch Hummels konnte mit diesen Argumenten nicht überzeugt werden. Für ihn sei gar keine Dynamik zu erkennen, da der Schwede am Boden liegt. «Er geht nicht in den Mann und spielt den Ball. Sein Gegenspieler spielt den Ball übrigens gar nicht.» Es sei einfach eine «Nachzieh-Aktion, die im Fussball so häufig vorkommt». Diese zufälligen Zusammenstösse würden ihm aktuell zu häufig mit Platzverweisen oder Elfmetern geahndet werden.
Dass Schiedsrichter Nyberg zunächst nur Gelb gezeigt hatte, lag laut Stark daran, dass er das Trefferbild in der Spielgeschwindigkeit gar nicht wahrgenommen habe. «Ich finde, das Schlimmste für den Fussball ist die Erfindung der Super-Slomo», kommentierte Christoph Kramer als weiterer Prime-Video-Experte daher die Szene und den Einsatz des Videoschiedsrichters. (ram/t-online)

