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epa08421332 Schalke's goalkeeper Ralf Faehrmann (C) wearing a protective face mask leaves the team quarantine hotel in Gelsenkirchen, Germany, 14 May 2020. Due to the gradual relaxation of the restrictions imposed to slow down the spread of the pandemic COVID-19 disease caused by the SARS CoV-2 coronavirus, Schalke 04 is set to face Bundesliga rivals Borussia Dortmund on 16 May 2020 without spectators.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL

Die neue Realität in der Bundesliga: abgesperrte Trainingsgelände und Spieler mit Masken. Bild: EPA

Warum die Welt ab morgen gespannt auf die Bundesliga blickt

Als erste grosse Liga – nein, als erster grosser Sport-Wettbewerb überhaupt – nimmt die Bundesliga am Samstag den Betrieb nach dem Corona-Unterbruch wieder auf. Sie spielt die Rolle einer Vorreiterin. Doch der Re-Start mit Geisterspielen wird begleitet von Skepsis.



Karl-Heinz Rummenigge denkt und spricht als Vorstandschef von Rekordmeister Bayern München oft in Superlativen. Wenige Tage vor dem Wiederbeginn sprach er gegenüber der «Sport Bild» grosse Worte für einmal im Namen der gesamten Liga. «Wenn die Bundesliga als einzige grosse Liga rund um den Globus im TV übertragen wird, dann gehe ich davon aus, dass wir ein Milliardenpublikum haben werden.»

Wenn am Samstag ab 15.30 Uhr der Ball in Deutschland wieder rollt, schauen aber nicht nur die seit über zwei Monaten nach Live-Sport lechzenden Fans in allen Erdteilen genau hin.

«Der Re-Start der Bundesliga zeigt, dass ‹made in Germany› wieder ein absolutes Gütesiegel ist.»

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef Bayern München

Deutschland und die Bundesliga übernehmen eine Vorreiterrolle für andere Verbände und Ligen – und nicht nur im Fussball. Politiker, Funktionäre und Virologen werden beobachten, wie die Schutzkonzepte umgesetzt werden, ob der aufgenommene Spielbetrieb die Gesundheit der Athleten gefährdet, oder wie sich die spezielle Situation mit beeinträchtigten Trainings sowie kurzer Vorbereitung auf den Wettbewerb auswirkt.

Rummenigge appellierte an die Verantwortung der Vereine, Trainer und Spieler. «Wir müssen unter Beweis stellen, dass wir mit dem Vertrauensbeweis der Politik super diszipliniert umgehen.» Er ist sich aber auch sicher: «Der Re-Start der Bundesliga zeigt, dass »made in Germany« wieder ein absolutes Gütesiegel ist.»

Spielen auf Bewährung

Mit der Wiederaufnahme der Meisterschaft hat die Bundesliga in den nächsten Wochen eine der wichtigsten und grössten Sportbühnen – der internationale Fussball – für sich ganz alleine. Dies lässt die Liga-Spitze um Geschäftsführer Christian Seifert allerdings nicht abheben. In einem Interview mit dem TV-Sender ZDF sagte er: «Wir haben einen Notbetrieb aufgestellt, und jedem muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung.»

«Das Konzept steht auf tönernen Füssen.»

Max Eberl, Sportchef Borussia Mönchengladbach

Damit deutete Seifert an, dass die Bundesliga zwar wieder beginnt, dass aber der Abschluss der Saison, geplant für den 27. Juni, längst nicht gesichert ist. Die Angst vor einem Abbruch bei neuen Corona-Fällen innerhalb eines Teams begleitet die anstehenden neun Runden.

Ob bei Neuinfizierungen gleich die ganze Mannschaft in Quarantäne muss, entscheiden die Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesländer. Wenn sich zwei oder drei Teams in eine zweiwöchigen Quarantäne begeben müssen, ist die Beendigung der Saison nicht mehr realistisch. Borussia Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl sagte daher: «Das Konzept steht auf tönernen Füssen.»

ARCHIV ? ZUM KEYSTONE-SDA-TEXT DER SPORTREDAKTION UEBER DIE WIEDERAUFNAHME DER DEUTSCHEN BUNDESLIGA STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - 11.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Fußball: Bundesliga, Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln, 21. Spieltag im Borussia-Park. Die Mönchengladbacher und die Kölner Spieler kämpfen um den Ball. Das Spiel findet wegen des Coronavirus ohne Zuschauer als Geisterspiel statt.  (KEYSTONE/DPA/Fabian Strauch)

Der leere Borussiapark, die Heimstätte von Yann Sommer und Co. Bild: DPA

Noch sind sich die Klubs nicht einig, ob bei einem Abbruch die aktuelle Tabelle als Schlussrangliste gewertet werden soll. Knackpunkt in der Diskussion ist vor allem die Frage nach den Absteigern und den Aufsteigern aus der 2. Liga. Selbst wenn sich die Bundesligisten einig werden sollten, drohen juristische Nachspiele, wie sie in Frankreich und in den Niederlanden seit dem Saisonabbruch dort bereits im Gange sind.

Schon in 10 Tagen: Dortmund – Bayern

Wäre nicht die Debatte über die Wertung der Saison im Falle eines Abbruchs aufgekommen, die sportliche Ausgangslage vor dem Wiederbeginn wäre gänzlich marginal geblieben.

Deshalb sei hier daran erinnert: Rekordmeister und Titelverteidiger Bayern München nimmt die Saison mit vier Punkten Vorsprung vor Lucien Favres Borussia Dortmund wieder auf. Borussia Mönchengladbach mit den vier Schweizer Internationalen Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria und Breel Embolo ist als Vierter auf einem Champions-League-Platz klassiert. Der Schweizer Trainer Urs Fischer liegt mit Aufsteiger Union Berlin (11.) im ziemlich sicheren Tabellen-Mittelfeld, und Stephan Lichtsteiner kämpft mit Augsburg (14.) gegen den Abstieg.

Dieser droht Werder Bremen, das seit 40 Jahren in der Bundesliga spielt. Die Hanseaten sind Zweitletzte und haben auf den Barrage-Platz ein Handicap von vier Punkten.

Schon in der dritten Runde nach dem Re-Start steht das Spitzenspiel zwischen Verfolger Dortmund und Leader Bayern auf dem Programm. Für die Dortmunder fühlt sich der Wiederbeginn mit den Geisterspielen besonders speziell an. Die ersten beiden Heimspiele bestreiten sie gegen den Erzrivalen Schalke und gegen Bayern München.

«Als Kinder spielten wir vor fünf Zuschauern. Es geht wie damals um den Spass, darum, die Leidenschaft abzurufen.»

Roman Bürki, Goalie Borussia Dortmund

Auf die Unterstützung ihrer 80'000 Fans können sie dabei nicht zählen. Der Schweizer Borussia-Keeper Roman Bürki versuchte, das ungewohnte Szenario zu antizipieren und sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA: «Als Kinder spielten wir vor fünf Zuschauern. Es geht wie damals um den Spass, darum, die Leidenschaft abzurufen. Vielleicht sollte man sich die Ursprünge wieder etwas vor Augen halten.»

Wenn die Bundesliga auch eine Vorreiter-Rolle spielen möchte für mehr Demut in der vor der Corona-Krise mehr und mehr abgehobenen Fussball-Szene, dann gibt es keine bessere Botschaft als diese Worte von Roman Bürki. (abu/sda)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Glenn Quagmire 15.05.2020 10:40
    Highlight Highlight Die Geisterspiele vor dem Lockdown waren ein graus. Tortzdem freue ich mich wahnsinnig darauf, Fussball zu schauen. Mal schauen ob es während den Spielen immernoch so sein wird.

  • WhatZitTooya 15.05.2020 10:15
    Highlight Highlight «Der Re-Start der Bundesliga zeigt, dass ‹made in Germany› wieder ein absolutes Gütesiegel ist.»

    FALSCH Herr Rummenigge! Der Re-Start zeigt einmal mehr, dass die Deutsche Gier grenzenlos ist. Nur weil Sie Ihren Hals nicht voll kriegen, bedeutet dies nicht, dass Sie immun gegen Atemnot-Erkrankungen sind ;).

    BTW fällt der Social-Media Post eines gewissen Hertha-Spielers ebenfalls unter das ABSOLUTE Gütesiegel "Made-in-Germany"? Oder wäre dies unpassend? :D
  • messiah 15.05.2020 07:22
    Highlight Highlight Die UFC wird am Wochenende bereits den dritten Event seit Krisenbeginn abhalten. Die BuLi ist also definitiv nicht die erste grosse Organisation, die wieder beginnt.
  • Brunhilde 15.05.2020 07:13
    Highlight Highlight Ach, wirklich? Eine nicht so massgebliche „Welt“. Da haben wir wahrlich wichtigere Dinge, die uns aktuell beschäftigen sollten.
  • maxi #sovielfürdieregiongetan 15.05.2020 07:06
    Highlight Highlight Das Milliarden publikum freut sich auf freiburg hoffenheim, augsburg wolfsburg und düdo paderborn. Es freut sich auch diese Leckerbissen ohne Zuschauer ansehen zu dürfen.


    Leute die den Fussball wirklich lieben, werden sich diese Tristesse nicht abtun.


    Die Bundesliga als Vorreiter für Demut. 😂😂 Ihr habt die Rummenigge, Rangniks, Hopps und Watkes vergessen. Da ist nichts mit Demut.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 15.05.2020 07:01
    Highlight Highlight Die Frage, die Millionen von Psychiatern beschäftigt: Wie verhält sich der Fussballer, wenn keine Fans im Stadion sind? Was sich Fans fragen: Was wenn die Mannschaft ohne uns besser spielt? Und das einzige, was sich Rummenigge fragt: Wie kriege ich die Kasse voll?
    • Jo Blocher 16.05.2020 12:35
      Highlight Highlight Nö, MM, er fragt sich, wie lange er seine weit über 1000 Mitarbeiter bezahlen kann und da sind die Fussballer eine kleine Minderheit, die übrigens auf einen grossen Teil der Gage verzichten!
    • Stefan Morgenthaler-Müller 16.05.2020 18:30
      Highlight Highlight Die 1'000 Mitarbeiter sind schneller entlassen, als sie Mia sind Mia rufen können.
  • Schneider Alex 15.05.2020 06:27
    Highlight Highlight
    Sportsieg und Lebensglück

    Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich beim Passivsport emotional engagieren können, sich aber einen Deut um wichtige politische Anliegen scheren, die die Lebenssituation der ganzen Bevölkerung tangieren.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 15.05.2020 07:07
      Highlight Highlight Wie viele sind es? Auf dem Platz, da finden Sie die wahren Emotionen und das ist etwas, was man nicht findet, wenn man Politikern, Wirtschaftsvertretern, Virologen, usw. beim Reden zuhört. Und genau darum sehen wir Kindern gerne beim Spielen zu.
    • Fiction42 15.05.2020 07:09
      Highlight Highlight Das liegt meiner Meinung nach daran, dass man mit dem Sport aus dem Alltag fliehen kann, es Emotionen weckt und man es in Gesellschaft geniessen kann. Aber in dem einen Punkt gebe ich dir Recht, die Bevölkerung sollte sich mehr für politische Anliegen interessieren und da rede ich nicht nur von den Jungen Menschen in unserem Land!
    • Stefan Morgenthaler-Müller 15.05.2020 09:06
      Highlight Highlight @Fiction42. Nehmen wir an, jeder würde sich für politische Anliegen interessieren, was genau wäre jetzt anders? Hätten wir bessere Arbeitnehmerrechte, hätten wir besseren Mieterschutz, usw. Schliesslich sind ja mehr Menschen Arbeitnehmer und Mieter als Arbeitgeber und Vermieter? Und wie erklären Sie sich, dass z.B. 6 Wochen Ferien im Jahr mit rund 75% beim Volk gescheitert ist? Und wie erklären Sie sich, dass bei Abstimmungen meistens das abgestimmt wird, was eher einer kleiner Gruppe von Bürgern zugute kommt?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Blitzesammler 15.05.2020 06:12
    Highlight Highlight Alsooo..... ich bin auch auf der Welt, doch das interessiert mich überhaupt nicht!!
    • anonymer analphabet 15.05.2020 08:26
      Highlight Highlight Ja und...? es interessieren sich nicht alle für das gleiche, war schon immer so.
    • Jo Blocher 16.05.2020 12:38
      Highlight Highlight @Blitzesammler: Das interessiert jetzt aber wirklich niemanden!

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