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Philippe Coutinho – der Zauberer und sein Kampf gegen Klopps Fluch

Er warf die Bayern schon mal aus der Champions League, hatte immer wieder Probleme mit den Fans – und kämpft gegen eine Vorhersage von Jürgen Klopp. t-online.de stellt Philippe Coutinho vor.
17.08.2019, 11:04
David Digili / t-online
Philippe Coutinho im Dress der Seleção.
Philippe Coutinho im Dress der Seleção.Bild: EPA
Ein Artikel von
t-online

Da hat der FC Bayern also seinen Transfer-Kracher – wenn auch nicht den, der eigentlich erwartet wurde. Philippe Coutinho wird den deutschen Rekordmeister verstärken, kommt für ein Jahr auf Leihbasis vom FC Barcelona. Wer ist der 27-jährige Brasilianer, der nun in der Offensive der Münchner wirbeln wird?

«Welche Qualitäten wünschen Sie sich von einem Fussballer?» fragte Brasiliens Nationaltrainer Tite einmal auf einer Pressekonferenz – und antwortete dann selbst: «Coutinho hat sie alle: Ein starkes Passspiel, grossen Ehrgeiz, er ist aus der Mitteldistanz effektiv, gedankenschnell, eiskalt im Abschluss und ein hervorragender Vorbereiter.» Coutinhos Hauptposition ist Linksaussen, allerdings ist der 1.71 Meter grosse Techniker auch im zentralen offensiven Mittelfeld und als Rechtsaussen einsetzbar – die Bayern haben einen Spieler von gehobener internationaler Klasse.

«Wir sind sehr glücklich, dass wir den Spieler zum FC Bayern holen werden», sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem 2:2 der Münchner zum Bundesligastart gegen Hertha BSC am Freitagabend. Als Top-Talent galt der Architektensohn schon früh bei Vasco da Gama in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro. Inter Mailand sicherte sich bereits 2008 für 3.8 Millionen Euro die Rechte am damals 16-Jährigen, liess das Juwel aber zwei weitere Jahre in Rio Erfahrungen sammeln. Erst 2010 debütierte Coutinho für die «Nerazzurri», stand auch beim 3:2-Sieg der Italiener im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals beim FC Bayern auf dem Platz – Inter warf die Bayern damit aus dem Wettbewerb.

Als Youngster zu Inter Mailand

Allerdings hatte der noch unerfahrene Youngster Schwierigkeiten, sich einen Platz in der Mannschaft zu erspielen. Im Januar 2012 verlieh Inter den Teenager an Espanyol Barcelona nach Spanien. Nach ansprechenden Leistungen (16 Spiele, fünf Tore) durfte Coutinho zurück nach Mailand, blieb bei Inter aber ohne grosse Perspektive – und der FC Liverpool schlug für 13 Millionen Euro zu. Bei den «Reds» wurde der Angreifer schnell zur festen Grösse in der Offensive, startete richtig durch. Bilanz nach fünf Jahren: 201 Pflichtspiele, 54 Tore, 45 Vorlagen, bester brasilianischer Torschütze der Premier-League-Geschichte – in der Arbeiterstadt nannten sie ihn schnell nur noch «Der Zauberer».

Coutinho in rot
Coutinho in rotBild: AP/AP

Bei Liverpool reifte Coutinho auch zum brasilianischen Nationalspieler, gehört seit 2014 zum Kern der «Seleção», nachdem er bereits mit 18 Jahren in der A-Nationalelf debütierte, dann aber fast vier Jahre lang nicht mehr berufen wurde. Sein Abschied aus England aber hinterliess einen faden Beigeschmack, als er den Wechsel zum FC Barcelona erzwingen wollte – die treuen Fans der «Reds» nahmen ihrem eigentlich beliebten Star das divenhafte Verhalten übel. Am Ende kam es im Januar 2018 zum Transfer – für satte 145 Millionen Euro. Damals der drittteuerste Transfer der Fussball-Geschichte.

Grosse Probleme in Barcelona

In Barcelona dann allerdings konnte sich Coutinho nicht durchsetzen, agierte oft unglücklich, schien einfach nie hundertprozentig in der Mannschaft angekommen zu sein. Seine Statistiken waren zwar ansehnlich: 21 Tore und elf Vorlagen in 76 Einsätzen – aber viel zu wenig für die hohen Ansprüche der Katalanen. Auch im Zweikampf mit Ex-BVB-Star Ousmane Dembélé konnte sich Coutinho nie einen wirklichen Vorteil erarbeiten, Barça-Coach Ernesto Valverde wechselte immer wieder zwischen den beiden als Neymar-Ersatz an der Seite von Lionel Messi und Luis Suárez hin und her.

Bild: AP/AP

Berichte, der teure Einkauf sei unzufrieden in Barcelona, brachten zudem auch beim spanischen Traditionsklub die Fans gegen ihn auf. Im März gegen Rayo Vallecano gab es viele Pfiffe von den Rängen für den Neuzugang. Teamkollege und Barça-Denkmal Gerard Piqué sah die Situation nüchtern: «Natürlich hat er viel Geld gekostet und die Erwartungen sind hoch, aber so ist das nun mal. Du musst diese Reaktionen akzeptieren, es sind unsere Fans. Wir im Verein können ihn nur nach Kräften unterstützen.» Wenige Wochen später, im Ligaspiel gegen San Sebastian, gab es erneut Pfiffe. Trainer Valverde mühte sich nach der Partie, die Wogen zu glätten: «Das Publikum steht hinter Coutinho, und Coutinho steht hinter dem Publikum.»

Nicht nur deswegen – und trotz zweier Meistertitel und eines Pokalsiegs – galt Coutinho seit längerem als Kandidat für einen Abschied. «Ich hatte keine gute Saison,» sagte der Techniker im Vorfeld der Copa America mit Brasilien über seine Spielzeit in Barcelona. «Meine Leistungen waren viel schlechter, als ich es von mir selbst erwartet hatte.» Ironie: Schon im Mai 2017 – als es bereits Gerüchte um einen Coutinho-Wechsel gab – hatte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp seinen Spieler gewarnt: «Bleib hier, und sie werden Dir ein Denkmal bauen. Geh nach Barcelona, zu den Bayern oder zu Real Madrid, und Du wirst nur ein Spieler unter vielen sein.» In Barcelona hat es nicht geklappt. Nun hat Philippe Coutinho in München die nächste Chance, Jürgen Klopp zu widerlegen.

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