DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Germany's Antonio Ruediger stands on the pitch disappointed after losing the World Cup 2022 group J qualifying soccer match between Germany and North Macedonia in Duisburg, Germany, Wednesday, March 31, 2021. (AP Photo/Martin Meissner)

1:2 gegen Nordmazedonien: Die deutschen Nationalspieler können es nicht fassen. Bild: keystone

Deutschlands «Mega-Blamage»: «So brauchen wir zur EM gar nicht erst anzutreten»

Deutschland kassiert in der WM-Qualifikation eine bittere 1:2-Pleite gegen Nordmazedonien. Nach der «Mega-Blamage» wurden die leisen Hoffnungen auf einen Aufbruch jäh zerstört – im Land des vierfachen Weltmeisters herrscht Alarmstimmung.



Zwei kleine Schritte vorwärts, ein grosser zurück: Nach der 0:6-Pleite im Herbst gegen Spanien wähnte sich die deutsche Fussball-Nationalmannschaft mit Siegen in der WM-Qualifikation gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) auf dem Weg der Besserung. Doch im dritten Spiel gegen Nordmazedonien kassierte die DFB-Elf nun eine peinliche 1:2-Pleite. Es ist eine Niederlage zur Unzeit – bis zur nächsten Chance auf Wiedergutmachung geht es zwei Monate. Erst dann steht der nächste Länderspiel-Termin an.

Die Niederlage gegen die Weltnummer 65 war verdient. Der vierfache Weltmeister liess so ziemlich alles vermissen: Kein Kampfgeist, keine Zielstrebigkeit, keine Kreativität. Zwar hatten die Deutschen über die gesamte Partie gesehen fast 70 Prozent Ballbesitz, doch wussten sie damit wenig anzufangen. Nur zwei Torschüsse brachte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in 90 Minuten zustande. 645 erfolgreiche Pässe standen am Ende zu Buche, doch Gefahr brachte fast keiner. Die defensiv sehr disziplinierten «Roten Löwen» machten die Räume geschickt zu und postierten sich immer wieder geschickt hinter dem Ball.

Auf das 1:0 der Nordmazedonier durch Routinier Goran Pandev fanden die Deutschen dank eines Elfmeters noch eine Antwort. Ilkay Gündogan glich aus und wenig später hatte Timo Werner die Chance auf den Führungstreffer. Doch der Chelsea-Stürmer vergab und so schoss Eljif Elmas die Nordmazedonier in der 85. Minute zum Sieg.

abspielen

Die Highlights der Partie. Video: YouTube/DAZN Länderspiele

Die deutschen Nationalspieler gaben sich nach der erst dritten Niederlage einer DFB-Elf in einer WM-Qualifikation selbstkritisch. Bundestrainer Jogi Löw suchte keine Ausflüchte, wirkte nach seinem 33. und letzten WM-Quali-Spiel geschockt und ziemlich ratlos.

Die Stimmen der Direktbeteiligten:

Bundestrainer Jogi Löw:

«Die Enttäuschung ist riesengross. Wir haben im Spiel nach vorne viele Bälle verloren, die Defensive war insgesamt nicht stabil. In den ersten beiden Spielen gegen Island und in Rumänien haben wir gute Ansätze gesehen. Das haben wir uns selber eingebrockt, dass wir das aus der Hand gegeben haben. Die Enttäuschung ist erst einmal gross, wenn man zu Hause so verliert.

Ein Plan war schon vorhanden. Das Spiel herumzureissen hat heute nicht funktioniert. Wir sind viel mit dem Ball gelaufen. Wir hatten im Vorwärtsgang viele Abspielfehler und haben keine Mittel gefunden gegen die tiefstehenden Mazedonier. Wir sind dann in einige Konter gelaufen und haben bei der Zuordnung im Sechzehner keinen Zugriff gehabt. Bei den Gegentoren waren wir zumindest in Gleichzahl.»

abspielen

Das Post-Match-Interview mit Bundestrainer Löw. Video: streamable

Captain Ilkay Gündogan:

«Viele Worte fallen mir gerade nicht ein. So eine Niederlage darf nicht passieren. Gefühlt waren die Nordmazedonier zweimal vor unserem Tor und haben zweimal getroffen. Wir sahen bei beiden Toren nicht gut aus. Uns bleibt nichts anderes übrig, als weiterzumachen. Das ist nicht unser Anspruch, das ist nicht zu erklären, aber man muss es akzeptieren. Es tut vielleicht umso mehr weh, dass jetzt zwei Monate nicht viel passieren wird, bis wir uns wiedersehen.»

Flügelstürmer Serge Gnabry:

«Kompliment an Nordmazedonien, sie haben es uns sehr schwer gemacht. Warum wir unsere Chancen nicht nutzen, kann ich leider auch nicht beantworten. Wir würden uns natürlich auch mehr freuen, wenn der Ball drin wäre. Um die EM mache ich mir aber noch keine Sorgen, denn sie hat ja noch nicht begonnen.»

epa09109211 Germany's Serge Gnabry reacts during the FIFA World Cup 2022 qualifying soccer match between Germany and North Macedonia in Duisburg, Germany, 31 March 2021.  EPA/SASCHA STEINBACH

Serge Gnabry ist ziemlich bedient. Bild: keystone

Das sagt der TV-Experte:

Zunächst einmal baff war nach dem Schlusspfiff Uli Hoeness, der seit diesem Jahr bei RTL als TV-Experte tätig ist. «Ich bin ziemlich sprachlos», musste der Bayern-Ehrenpräsident eingestehen. «Es ist ganz schwierig zu erklären. Ich habe wirklich gedacht, dass die Mannschaft den Schwung aus den ersten beiden Spielen mitnimmt.» In den ersten 20 Minuten sei noch alles okay gewesen. Aber «wenn man schon vorne nichts reinkriegt, dann muss man versuchen, hinten keine Tore zu kriegen. In der Mitte war die Abwehr heute teilweise sehr offen, beide Tore sind durchs Zentrum gefallen. Da stimmte was nicht.»

Hoeness machte Bundestrainer Löw dafür verantwortlich: «Ich verstehe es überhaupt nicht, dass man ein erfolgreiches System ändert – ohne Not. Ich hätte gerade in der Abwehr, die eingespielt sein muss, nichts durcheinandergewirbelt.» Er lobte allerdings auch die Nordmazedonier: «Die hatten so viele Spieler, die um ihr Leben gerannt sind. Denen hatte unsere Mannschaft körperlich nichts entgegenzusetzen.»

Bild

Uli Hoeness steigt mit Bundestrainer Löw und der deutschen Mannschaft hart ins Gericht. bild: rtl

Hoeness machte sich ausserdem für ein Nationalmannschaftscomeback von Mats Hummels und Thomas Müller stark. Jérôme Boateng würde er aber zur EM «nicht mitnehmen». Mit einem möglichen Rückkehrer Hummels, Niklas Süle und Antonio Rüdiger, «der mir ganz gut gefällt, haben wir ja genug gute Abwehrspieler», so der TV-Experte.

Zu einer regelrechten Lobeshymne setzte Hoeness in Bezug auf Müller an: «Der gehört da unbedingt rein, der ist immer für Tore gut und kann jeder Mannschaft der Welt in bestimmten Situationen helfen.» Nach der Niederlage gegen Nordmazedonien scheinen die Deutschen das bitter nötig zu haben.

Das schreibt die Presse:

Bild:

Bild

«So brauchen wir zur EM im Sommer gar nicht erst anzutreten ... Mit einem erbärmlichen Auftritt blamiert sich die deutsche Nationalmannschaft bis auf die Knochen und verliert in Duisburg 1:2 gegen Nordmazedonien. Ja, Nordmazedonien. WIE PEINLICH!»

Der Spiegel:

Bild

«Zum dritten Mal in der langen WM-Historie verliert Deutschland ein Spiel in der WM-Qualifikation. Die Spieler wirkten müde, der Bundestrainer hätte rotieren sollen. Diese Pleite macht den Stimmungsumschwung zunichte.»

Kicker:

Bild

«Da fehlte einfach alles, rundum und komplett. Und deshalb hat die deutsche Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien aufgrund einer letztlich bodenlosen Vorstellung absolut zu Recht mit 1:2 verloren. Es wäre unfair, Einzelspieler explizit zu kritisieren. Es war ein kollektives Versagen der gesamten Mannschaft.»

«Es gab kein Passspiel, keinen Spielfluss, keine Kombinationen, keine Dribblings, kein Tempo, kein Pressing. Es fand sich kein deutscher Nationalspieler, der die Führung übernommen hätte, nicht Gündogan, nicht Kimmich, nicht Goretzka, noch sonstwer. Der ausgerufene Aufbruch erlebte nun schon wieder einen Abbruch, zumindest vorerst.»

Süddeutsche:

Bild

«Gerade erst hat sich die deutsche Mannschaft vom Spanien-Debakel erholt, da kommt der nächste kapitale Rückschlag: ein 1:2 gegen Nordmazedonien, den 65. der Weltrangliste.»

Focus:

Bild

«Die deutsche Nationalmannschaft verliert in der WM-Qualifikation gegen Nordmazedonien. Es ist ein fussballerischer Offenbarungseid – und eine historische Niederlage. Am Ende der Ära Löw steht der DFB vor einem Scherbenhaufen.»

Sport1:

Bild

«Die DFB-Elf legt sich zum Osterfest ein Ei ins eigene Nest. Die Blamage gegen Nordmazedonien ist schlimmer als das 0:6 von Sevilla. [...] Wer geglaubt hat, dass die deutsche Nationalmannschaft auf einem guten Weg ist, hat sich geschnitten. 76 Tage vor dem ersten EM-Gruppenspiel gegen Frankreich herrscht ernsthafte Alarmstimmung. Die klitzekleine Aufbruchstimmung nach den Siegen gegen Island und Rumänien ist schon wieder völlig dahin. So hat Deutschland nicht den Hauch einer Chance, die Gruppe mit Frankreich, Portugal und Ungarn zu überstehen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Fussball-Weltmeister

Diese 10 Mannschafts-Typen kennst du, leider!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Macht seiner Rasse Ehre»: So antisemitisch war die Engadiner Hotellerie

«Keine Ostergrüsse mehr!» ist eine Fundgrube von einem aufschlussreichen Bildband. Er zeigt, was das Personal eines Schweizer Luxushotels alles in seiner Gästekartei vermerkte.

Der Brand frisst alles ausser der Erinnerung. Frisst 92 Jahre Unterengadiner Hotelgeschichte und Hotelpracht, die noch lange nicht an ein Ende hätte gelangen müssen. Dass es sich beim Feuer am 27. Mai 1989 um Brandstiftung handelt, wird erst vermutet, dann bestätigt, das Hotel Waldhaus Vulpera ist nicht mehr zu retten. Zum Glück steht es leer, die Sommersaison hat noch nicht begonnen.

Doch neben der Erinnerung an ein Hotel, dessen Eingangshalle früher mit einer Alpinlandschaft voller …

Artikel lesen
Link zum Artikel