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Als Bernhard Alpstaeg mit den Milan-Besitzern verhandelte

21.07,2018 Luzern, Swissporarena Fussball Herren Super League Saison 2018/2019 FC Luzern - Neuchatel Xamax FC 0:2 . Im Bild:Bernhard Alpstaeg (Hauptgeldgeber FC Luzern) Sponsor Aktion Gestik Einzelbil ...
Bernhard Alpstaeg liebäugelte schon einmal mit dem Verkauf des FCL.Bild: imago/Geisser

Droht FCL-Verkauf ins Ausland? Als Bernhard Alpstaeg mit den Milan-Besitzern verhandelte

Zwei Tage vor dem Showdown an der Generalversammlung des FC Luzern wird bekannt: Im Jahr 2020 standen die Verhandlungen des Zentralschweizer Super-League-Klubs mit dem damaligen Milan-Besitzer Elliott kurz vor einer Einigung.
01.11.2022, 17:52
Daniel Wyrsch / ch media

Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg beteuert zwar regelmässig, dass er den FC Luzern nicht an ausländische Investoren verkaufen werde. Ein solches Szenario wird in der Innerschweiz trotzdem befürchtet. Josef Bieri, der zweite Aktionär und im Besitz der restlichen 48 Prozent an der FCL Holding AG, stellt nach seinen Erfahrungen mit dem Swisspor-Patron aber bitter enttäuscht fest: «Das Wort von Alpstaeg ist nichts wert.»

Das dürfte bedeuten: Falls Bernhard Alpstaeg am Donnerstagabend an der Generalversammlung wie angekündigt die Macht an sich reisst und mit einer neuen Klubleitung und einem neuen Verwaltungsrat den FC Luzern in die Zukunft führt, dann ist nicht ausgeschlossen, sollte sein «FC Alpstaeg» scheitern, dass er den Klub in ausländische Hände verkauft.

Rangnick hätte Projekt analog Red Bull umsetzen sollen

Wie diese Zeitung exklusiv erfahren hat, fanden Anfang 2020 geheime Verhandlungen mit den damaligen Milan-Besitzern von Elliott, einer Investmentfirma aus den USA, statt. Zusammen mit den Amerikanern am Tisch sassen der schweizerisch-italienische Spielervermittler Giacomo Petralito, Bernhard Alpstaeg und Ralf Rangnick. Der heutige Nationalcoach von Österreich hätte bei der AC Milan Trainer und Sportdirektor in Personalunion werden sollen.

Die Elliott-Verantwortlichen hatten die Idee, ein ähnliches Konstrukt wie bei Red Bull mit dem deutschen Bundesliga-Spitzenklub RB Leipzig und dem österreichischen Serienmeister RB Salzburg sowie dem FC Liefering aus der 2. Liga zu schaffen. AC Milan als Hauptverein, der seine Rohdiamanten an den FC Luzern ausleiht, um für diese Spielpraxis zu bekommen. Die Mailänder hätten ihr professionelles Wissen und die Erfahrung den Innerschweizern weitergegeben, während umgekehrt der Weltverein aus der Lombardei vom Know-how aus Luzern im Nachwuchs profitiert hätte.

Elliott wollte als damalige Milan-Besitzerin Rangnick als führenden Kopf des Projekts einsetzen. Ralf Rangnick besitzt wesentlichen Anteil, dass Red Bull mit dem vielen Geld des kürzlich 78-jährig verstorbenen Dietrich Mateschitz erfolgreich und nachhaltig in den Fussball investierte.

Allerdings hatten die Amerikaner die Rechnung ohne die Klub-Ikonen und heissblütigen Tifosi des inzwischen 19-fachen italienischen Meisters und siebenmaligen Champions-League-Sieger gemacht. Wie die deutsche Zeitung «Die Welt» am 11. Mai 2020 berichtete, sagte Milan-Legende Paolo Maldini der Nachrichtenagentur Ansa: «Rangnick will die ganze Macht - sowohl im technischen als auch im sportlichen Bereich.» Damit grätschte der deutsche Rangnick in Bereiche, «wo Fachleute mit regulärem Vertrag arbeiten».

epa09999721 Austria's head coach Ralf Rangnick reacts during the UEFA Nations League soccer match between Austria and Denmark in Vienna, Austria, 06 June 2022. EPA/CHRISTIAN BRUNA
Ralf Rangnick trainiert aktuell die Nationalelf von Österreich.Bild: keystone

Parallelen in den beiden Vereinen

Einige Parallelen zur aktuellen Situation beim FC Luzern bestehen. Im Unterschied zu Alpstaeg ist Rangnick kein Mehrheitsaktionär, sondern ein sogenannter Fussball-Professor, der seine Ideen ohne Widerspruch umgesetzt haben will. Paolo Maldini, seines Zeichens fünffacher Gewinner der Champions League und während seiner gesamten Karriere Milan-Profi, stichelte in Richtung Rangnick: «Bevor er Italienisch lernt, sollte er das Konzept von Respekt überdenken.»

Ähnlich tönt's zurzeit in Luzern, wo sich die Verantwortlichen gegen Alpstaegs kompromisslosen Alleingang zur Wehr setzen. Was Milan und Luzern verbindet: sportlich sind beide nach einer Krise wieder aufgestanden. Maldini, Technischer Direktor, und Trainer Stefano Pioli feierten vergangene Saison zusammen gar die italienische Meisterschaft. Beim FCL arbeiten Sportchef Remo Meyer und Trainer Mario Frick erfolgreich zusammen: Sowohl in der aktuellen Tabelle wie in der Jahresrangliste belegt Luzern in der Super League Platz 3.

Im Juli 2020 war der Versuch definitiv gescheitert, Rangnick bei AC Milan zu installieren. Damals war beim FC Luzern noch Marco Sieber als Aktionär und Verwaltungsrat aktiv. Der Unternehmer bestätigt, dass es vorher konkrete Verhandlungen mit dem damaligen Milan-Besitzer Elliott gegeben hatte: «Ralf Rangnick war in Luzern bei einem Heimspiel. Er schaute sich neben dem Stadion und der Infrastruktur die Pilatus-Akademie an.»

In der Innerschweiz wird befürchtet, dass Alpstaeg den Klub verkauft

Marco Sieber erzählt zudem von Gesprächen mit der AS Roma. «Sowohl bei Milan wie auch bei Roma wäre unsere sportliche Leitung autark geblieben. Es wäre in beiden Fällen nicht um einen Verkauf, sondern um eine Partnerschaft gegangen.» Eine andere involvierte Person, die namentlich nicht genannt werden will, ist allerdings sicher: «Elliott macht keine Partnerschaft, sondern nur einen Kauf. Petralito und Alpstaeg haben über den Verkauf des FCL an Milan verhandelt.»

Sieber, der mindestens teilweise eingeweiht war in die geheimen Pläne von Petralito und Alpstaeg mit Milan, hat Bedenken, dass Alpstaeg den FCL in absehbarer Zeit an ausländische Investoren verkaufen könnte. Das glaubt auch Bieri, der nach wie vor betont: «Ich bin nicht bereit, den FCL in ausländische Hände zu geben.»

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
avatar
mr. jones
01.11.2022 18:03registriert Januar 2019
Alpstaeg: „Ich will beste für den FCL!“
Auch Alpstaeg: „Ich verkaufe an Redbull.“
Noch Fragen zu seinem Charakter?
491
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Zum Kommentar
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Campino
01.11.2022 20:43registriert Februar 2015
Mich erinnert diese Sache länger wie mehr an "Bulat Tschagajew"...
231
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Zum Kommentar
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Iscos Brutto-Netto-Ärger und 7 weitere Deadline-Day-Pannen
Der Spanier Isco wechselt doch nicht zu Union Berlin. Möglicherweise waren der frühere Star von Real Madrid und seine Berater bei allen Verhandlungen vom Netto-Lohn ausgegangen, während der Klub von Brutto-Zahlen sprach. Isco reiht sich ein in diese Auswahl von Transfers, die am Deadline-Day platzten.

Wie es wirklich war, wissen letztlich nur die Direktbeteiligten. Aus dem Isco-Lager hiess es gegenüber spanischen Medien, man habe mit Union Berlin einen Vertrag über eineinhalb Jahre besprochen, aber schliesslich nur einen über sechs Monate erhalten. Zudem sollte der Mittelfeldspieler nicht für die Europa League gemeldet werden, was nicht in seinem Sinne war. Derweil vermutete «Sky»-Experte Torsten Mattuschka, eine Union-Legende: «Ich glaube, dass es an Brutto und Netto gescheitert ist. Weil es in Spanien glaube ich nur Netto-Verträge gibt als Fussballer. In Deutschland habe ich selbst nur Brutto-Verträge unterschrieben.»

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