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«We are not Barça or Real, but ready for our fucking dream!» Die Salzburg-Fans träumten allerdings vergebens.
«We are not Barça or Real, but ready for our fucking dream!» Die Salzburg-Fans träumten allerdings vergebens.Bild: EPA

Die Grossen in der Champions League unter sich – jetzt haben sie, was sie immer wollten

Erstmals stehen in der Champions League nur Klubs aus den Top-5-Ligen in den Achtelfinals – die Königsklasse hat sich endgültig zur Zweiklassengesellschaft gemausert. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Vielleicht wäre eine europäische Super-Liga mittlerweile die beste Lösung für alle.
12.12.2019, 13:0012.12.2019, 13:56

Die Grossen unter sich: Erstmals seit der aktuelle Champions-League-Modus in der Saison 2004/05 eingeführt worden ist, kommen alle Achtelfinalisten aus den Top-5-Ligen. Zu guter Letzt schaffte es auch noch Atalanta Bergamo, Schachtar Donezk und Dinamo Zagreb hinter sich zu lassen. Damit stehen je vier englische und spanische, je drei italienische und deutsche sowie zwei französische Teams in der K.-o.-Runde.

Spannung kam in dieser Gruppenphase nur selten auf. Zwar sind mit Inter Mailand, Bayer Leverkusen und Lille auch drei Teilnehmer aus den Top-5-Ligen gescheitert – aber bloss in jenen Gruppen, in die bereits zwei andere Top-5-Vertreter gelost waren.

Achtelfinalisten ausserhalb der Top-5-Ligen:
2019/20: – (0)
2018/19: Ajax, Porto (2)
2017/18: Porto, Basel, Schachtar, Besiktas (4)
2016/17: Benfica, Porto (2)
2015/16: Benfica, Gent, PSV, Dynamo Kiew, Zenit (5)
2014/15: Zenit, Olympiakos, Galatasaray (3)
2013/14: Celtic, Schachtar, Porto, Galatasaray (4)
2012/13: Basel, ZSKA, Zenit, Apoel, Benfica (5)
2011/12: Kopenhagen, Schachtar (2)
2010/11: Porto, Olympiakos, ZSKA (3)

Was ist von dieser Eintönigkeit zu halten? Viele Fans sind hin- und hergerissen. Einerseits lässt ein Blick auf die möglichen Achtelfinals mit der Zunge schnalzen, denn in der K.-o.-Runde winken gleich mehrere Top-Affichen. Real gegen Liverpool, ManCity gegen Dortmund oder PSG gegen Chelsea – da schlägt das Fussball-Herz natürlich höher. Klubs wie Schachtar Donezk oder Dinamo Zagreb fehlen in der K.-o.-Runde kaum jemandem.

Und doch blutet das Herz auch ein wenig. Salzburgs Tempo-Fussball mit Superknipser Erling Braut Haaland in der Spitze – davon hätte man gerne noch mehr gesehen. Die Österreicher begeisterten fast so wie im Vorjahr Ajax Amsterdam. Mit spektakulärem Offensiv-Fussball stiessen die Holländer bis in die Halbfinals vor und sorgten so im Champions-League-Einheitsbrei für eine willkommene Abwechslung.

Ein Aussenseiter, der den grossen ein Schnippchen schlägt – solche Geschichten bleiben in Erinnerung. Jeder weiss, dass Leicester City 2016 englischer Meister wurde. Wer holte den Titel 2015 oder 2017? Manchester City? Chelsea? Rückblickend irgendwie egal. In der Königsklasse sind solche Ausreisser nach oben aber noch seltener als im normalen Ligabetrieb. Seit Einführung der Champions League 1992/93 gewannen nur zwei Klubs ausserhalb der Top-5-Ligen den Titel: Ajax Amsterdam 1995 und Porto 2004.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zweiklassengesellschaft wieder durchbrochen wird, ist gering. Zu gross ist der finanzielle Graben zwischen den Grossen und den Kleinen in Europas Fussball geworden. Und die Superreichen sorgen dafür, dass die Schere immer weiter aufgeht. Mit ihrer ständigen Drohung, die Champions League zu verlassen und eine eigene Super-Liga zu gründen, haben sie von der UEFA zuletzt Zugeständnisse wie vier fixe Startplätze oder erfolgsbasierte Prämien durchgeboxt.

Bereits plant die UEFA, den Zugang zur Königsklasse weiter zu beschränken. Trotz des massiven Widerstands der kleineren europäischen Ligen soll die Qualifikation über die nationalen Wettbewerbe ab 2024/2025 so gut wie abgeschafft werden. Stattdessen sollen 24 der insgesamt 32 teilnehmenden Teams ihren Platz auch in der Folgesaison behalten. Klar, aus welchen Ligen diese Teams kommen werden.

Wer hat, dem wird gegeben. Zwar ist die Gruppenphase der Champions League für die Grossen zur lästigen Pflicht geworden, dennoch haben sie gekriegt, was sie immer wollten: Exklusiven und sicheren Zugang zu den Honigtöpfen der Champions League. Bayern München beispielsweise hat dank der perfekten Gruppenphase mit sechs Siegen bereits 74,19 Millionen Euro an festen Prämien verdient.

Ein Aufstand der Kleinen ist so schnell nicht in Sicht. Sie dürfen sich freuen, zwischendurch gegen die Grossen antreten zu dürfen und für ihre Verhältnisse schön abzukassieren. So hat beispielsweise RB Salzburg in der Gruppenphase zwar nicht einmal die Hälfte der Prämien der Bayern eingespielt, sahnt aber immer noch 35 Millionen Euro ab.

Das reicht nie und nimmer, um die Grossen herauszufordern. Aber locker, um in der heimischen Liga für ein massives finanzielles Ungleichgewicht zu sorgen. Ein weiteres Problem des aktuellen Champions-League-Formats. Vielleicht wäre die Super-Liga der Topklubs deshalb gar nicht so ein grosses Übel, wie vielerorts heraufbeschworen wird.

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Holy Crèpe
12.12.2019 13:33registriert März 2016
Und ich schaue so wenig CL wie noch nie. Nicht nur aufgrund der fehlenden TV-Rechte von SRF, sondern auch weil mir diese Entwicklung nicht gefällt und mein FCSG plötzlich Fussball spielen gelernt hat 😄
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ChrigeL_95
12.12.2019 13:26registriert Februar 2019
Frankreich hat für mich weiterhin keine Top Liga, das ist mehr obere Mittelklasse wie Portugal.
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giandalf the grey
12.12.2019 13:48registriert August 2015
Oder man führt eine fixe Marktwertskala von 0-100'000'000.- ein und beschränkt wie viel ein Verein pro Transferphase ausgeben darf (z.B. auf 100'000'000.-). Dann können die reichen Vereine Geld verdienen wie sie wollen, aber nicht mehr ausgeben. Da kann man ihnen dann helfen und mit dem überschüssigen Geld die Junioren und Frauen in ganz Europa gleichmässig unterstützen. Und wenn dann noch was übrig bleibt, wird das von der UEFA in ein funktionierendes "No Racism"-Programm investiert. Die Clubs die das nicht wollen, können ihre eigene (besser boykottierbare) Elite-Liga gründen.
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