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«Ich will nicht mehr dieser Mann sein» – Lyons Depay erklärt seine Reaktion auf Rassismus

Milan Marquard
Milan Marquard



Es war bereits nach Abpfiff des Spiels zwischen Lyon und Leipzig. Die Partie endete mit einem 2:2-Unentschieden. Lyon hatte sich nach der ersten Halbzeit aus einem 0:2-Rückstand zurückgekämpft. Beide Mannschaften konnten zufrieden sein, schliesslich hatten sich beide für die nächste Runde der Champions League qualifiziert.

Die Spieler von Lyon waren gerade auf dem Weg in die Kabine, als ein Fan aus den eigenen Reihen über die Abschrankung zum Spielfeld sprang und den Spielern eine selbstgefertigte Flagge zeigte. Darauf waren neben des Gesichts eines Esels deutlich die Worte «Marcelo dégage» zu lesen, was soviel wie «Marcelo verpiss dich» heisst.

Die Nachricht war an den Innenverteidiger Marcelo gerichtet. Der 32-jährige Spieler stammt aus Brasilien und ist dunkelhäutig.

Die Zusammenfassung des Spiels

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Video: YouTube/DAZN Canada

Die meisten Spieler von Lyon reagierten nicht sofort, ausser der Torschütze zum 2-2 Ausgleich, Memphis Depay. Dieser stürmte auf den Mann zu, der die Flagge hielt und versuchte sie ihm aus den Händen zu reissen. Es gelang ihm nicht, der Mann war schneller und versuchte wieder über die Abschrankung zu klettern. Kurz bevor es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Fans und Spieler kam, beruhigten Sicherheitskräfte die Situation.

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Video: streamable

Marcelo selbst war eher abseits des Geschehens, da ihn seine Kameraden zu beruhigen versuchten. Er ging jedoch in Richtung der Fans und zeigte ihnen den Mittelfinger.

Bild

Hier sieht man, wie Marcelo die Mittelfinger zeigt. screenshot: streamable

Depay, der halb Niederländer und halb Ghanaer ist, wurde später in einem Interview auf die Szene angesprochen. Darauf antwortete er:

«Ich bin wütend. Ich muss vorsichtig sein, denn es erinnert mich an meine Vergangenheit und ich will nicht mehr dieser Mann sein. Ich bin ruhiger geworden, ich habe keine Worte mehr dafür.»

Damit wollte der 25-jährige Linksaussen wohl erklären, dass er auch schon Opfer von Rassismus geworden ist und dass er gelernt hat, nicht mehr mit Gewalt auf solche Situationen zu reagieren. Die Chance hätte er nämlich durchaus gehabt.

Dieser Vorfall reiht sich ein in eine ganze Serie von rassistischen Vorfällen im Fussball. Und obwohl sich die UEFA mit dem Slogan «No to Racism» die Problematik gross auf die Flagge geschrieben hat, wird immer noch nicht wirklich durchgegriffen. Immerhin setzen sich die Spieler für ihre Teamkameraden ein – was man von den eigenen Fans eigentlich auch erwarten könnte.

Stürmer verlässt aus Protest gegen Rassismus das Spielfeld

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TB98 11.12.2019 11:37
    Highlight Highlight Marcelo hat sich im Oktober mit einem Lyon-Ultra angelegt - das ist der Grund für die Flagge und nicht Rassismus. Die Szene hat Null mit Rassismus zu tun.
  • Paul_Partisan 11.12.2019 11:23
    Highlight Highlight Unabhängig ob jetzt dieser Vorfall rassistisch motiviert war oder nicht, es ist hinlänglich bekannt, dass sich in OL's Fanszene massenhaft Rassisten und Faschisten tummeln.
  • Nik G. 11.12.2019 09:43
    Highlight Highlight Ist es in diesem Fall wirklich Rassismus? Ich kenne die Leistung von Marcelo nicht aber in diesem Zusammenhang sieht es eher aus als würde er einfach spielen wie ein Esel.
    Rassistisch sind Affenlaute oder Bananenwerfen. Aber einen einzelnen Spieler zu kritisieren weil er schlecht spielt ist nicht rassistisch auch wenn er dunkelfarbig oder was auch immer ist.
  • hans gwüsst 11.12.2019 09:31
    Highlight Highlight Dann wären die Beleidigungen von den GC Fans an Oliver Buff auch rassistisch gewesen? Hatten gleich viel mit der Hautfarbe zu tun.
  • Mbokani 11.12.2019 08:28
    Highlight Highlight Ich komme und lebe in einer afrikanisch-schweizerischen Familie und muss ehrlich gesagt zugeben, dass ich hier den Rassismus nicht annähernd finde...
    • Reginnga 11.12.2019 09:03
      Highlight Highlight Dann bist du wohl einer der glücklicheren.

      Ich habe da schon paar mal andere Dinge erlebt.
    • Mbokani 11.12.2019 10:00
      Highlight Highlight Ich spreche den obigen Fall an. Klar gibt es Rassismus, auch in der Schweiz, sowie auch im Kongo oder Ghana. Jedoch wird im Interview von Memphis wieder etwas reininterpretiert. Und was die Aktion von diesem Spinner aus dem Fansektor jetzt mit Rassismus zu tun hat, ist mir schleierhaft...
  • hans gwüsst 11.12.2019 08:00
    Highlight Highlight Den Zusammenhang zwischen dieser Aktion und Rassismus check ich nicht. Gerade auch weil Marcelo bekanntlicherweise kein Kind von Traurigkeit ist, kann er polarisieren und Reaktionen hervorrufen.

    Solche Berichte schaden sogar dem Kampf gegen Rassismus, da man das Thema nach so einem Bericht weniger ernst nimmt (wie man sehr schön an den Kommentaren sieht). Die Rassismuskarte sollte nicht inflationär gebraucht werden, im Interessen aller Bekämpfer von Rassismus.
  • Nelson Muntz 11.12.2019 07:05
    Highlight Highlight Wo ist der rassistische Zusammenhang? Lyon hat mehrere dunkelhäutige Spieler. In Frankreich ist ja oft die Mehrheit eines Teams dunkelhäutig.

    Fans mögen einen Spieler nicht. Das ist dämlich, aber nicht zwingend rassistisch. Oder waren die Pfiffe gegen Streller auch rassistisch motiviert?
    • Kennlar 11.12.2019 20:55
      Highlight Highlight Natürlich. Streller und Alex Frei als Basler waren das perfekte Feindbild für Rest-Deutschschweiz.
  • Looney 11.12.2019 07:05
    Highlight Highlight Keine Ahnung was dies jetzt mit Rassismus zu tun haben soll. Ich persönlich mag ihn zum Beispiel nicht weil er immer wieder mit Szenen wie diesen auffiel/auffällt und dies hat absolut nichts mit der Hautfarbe zu tun.
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    • Neversober 11.12.2019 07:26
      Highlight Highlight Du verwechselst die Spieler!
    • xlt 11.12.2019 07:35
      Highlight Highlight Vielleicht solltest du wenigstens den betroffenen Spieler kennen.
    • Player13579 11.12.2019 07:56
      Highlight Highlight Du hast den Marcelo verwechselt. Sie heissen gleich aber derjenige in deinem Video spielt noch immer bei Real Madrid und nicht in Lyon.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Butschina 11.12.2019 07:01
    Highlight Highlight Eigentlich ist es egal ob rassistisch motiviert oder nicht. Das Verhalten des "Fans" ist scheisse.
  • mxpwr 11.12.2019 06:37
    Highlight Highlight Ich erkenne anhand der vorliegenden Informationen keinen Rassismus. Der Spieler wird beleidigt (was schlimm genug ist), aber wo ist die Verbindung zu seiner Hautfarbe? Eher wäre dann die Interpretation dieses Vorfalls als Rassismus selbst rassistisch, da bei der Interpretation aufgrund der Hautfarbe andere Massstäbe angelegt werden.

    Abgesehen davon ist Rassismus das letzte und strikt zu verurteilen.
  • Kennlar 11.12.2019 04:57
    Highlight Highlight Marcelo wird aufgrund seinen Leistungen kritisiert, die seit Wochen andauern. Gibt auch Gerüchte um einen Abgang. Lyon hat auch andere farbige Spieler in den Reihen. Das hat rein gar nichts mit Rassismus zu tun.
  • Adumdum 11.12.2019 04:48
    Highlight Highlight Ok, in dem speziellen Fall verstehe ich nicht warum das Rassismus sein soll. Es ist unschön, es ist gegen einen bestimmten Spieler gerichtet. Aber ich verstehe den Zusammenhang zur Hautfarbe nicht.

    Und ich bin 120% gegen Rassismus oder Diskriminierung aller Art.

    Aber bei Arsenal finden viele Xhaka auch Scheisse - ist das dann Ausländerfeindlichkeit weil er Schweizer ist? Wenn es beim Frauenfussball passiert, ohne spezielle frauenfeindliche Schimpfwörter, ist das dann Sexismus? Wenn man Netanjahu für seine Politik kritisiert hat, ist das Antisemitismus?
    • Stefan Morgenthaler-Müller 11.12.2019 05:35
      Highlight Highlight Sie glauben also, Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit sei explizit nur dann vorhanden, wenn der Täter dem Opfer dies nicht nur durch abwertende oder gar gewalttätige Handlungen zeigt, sondern dies auch verbal bestätigen muss.



    • kupus@kombajn 11.12.2019 06:26
      Highlight Highlight @Stefan Morgenthaler-Müller: Nein, er glaubt, Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit sei dann vorhanden, wenn jemand aufgrund seiner Hautfarbe oder ethnische Zugehörigkeit diskriminiert wird. Nur weil ein Dunkelhäutiger Fussballer von einem Fan zum Teufel gewünscht wird, hat das noch nicht automatisch etwas mit seiner Hautfarbe zu tun.

      Kritik gegenüber dunkelhäutigen, ausländischen, jüdischen etc. Personen immer gleich als Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, etc. zu sehen, ist übrigens auch eine Form von Rassismus.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 11.12.2019 06:50
      Highlight Highlight @kupus. Wenn Adumdum das nicht glaubt, warum schreibt er das und führt noch weitere Beispiele aus? Verstehe ich nicht.

      Was wäre Ihrer Meinung nach die Motivation eines Leibzigers männlichen Fans, Depay im Speziellen auf einer grossen Fahne als Tier zu zeichnen und zu fordern, dass sich Depay zu verpissen hat? In welcher Beziehung steht der der Mann zu Depay? Warum hat er ausgerechnet Depay ausgewählt und nicht jemand anderen?

      Und wie erklären Sie sich Depays Aussagen nach dem Spiel, in dem er auf vergangene Vorfälle Bezug nimmt?


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