Wegen Trumps Steuerpolitik: Der Nati droht an der WM ein Verlustgeschäft
Kanada, Katar und im schlimmsten Fall Italien. Im ersten Moment hat sich im Lager der Schweizer niemand über die Auslosung für die Fussball-WM 2026 beklagt. Im Gegenteil. Der Tenor lautete: Losglück, freie Fahrt in die K.o.-Runde.
Stand heute sieht das alles etwas anders aus. Nicht, weil unsere Gegner plötzlich einen Zaubertrank erfunden haben, der ihnen unmenschliche Kräfte verleiht. Das sogenannte Lospech steht im Zusammenhang mit dem Spielort der ersten Partie.
Nichts gegen das sagenumwobene Levi's Stadium im Grossraum San Francisco, wo kürzlich der Super Bowl stattgefunden hat und die Nati am 13. Juni gegen Katar in das WM-Abenteuer startet. Das Problem ist ein anderes: Donald Trump. Respektive seine Weigerung, den WM-Teilnehmern die Steuern zu erlassen.
Eigentlich ist es Usus, dass Länder, die sich um eine Weltmeisterschaft bewerben, sich verpflichten, den qualifizierten Fussballverbänden Steuerbefreiungen zu gewähren. Kanada und Mexiko, die zwei anderen Gastgeber, befolgen diese Praxis. Die USA bislang nicht.
Das bedeutet, dass die Nationen je nach Austragungsort mit potenziell sehr unterschiedlichen finanziellen Aussichten konfrontiert sein werden. Teams, die grösstenteils in Bundesstaaten mit niedrigeren Steuersätzen oder ausserhalb der USA ansässig sind, werden finanziell im Vorteil sein.
Das Schweizer Problem heisst Kalifornien
8,1 Millionen Franken erhält der Schweizer Fussballverband (SFV) von der Fifa für die Qualifikation zur WM. Eingespielt hat er sich dieses Geld mit einem 1:1 in Pristina gegen Kosovo. Die Prämie erhält man nicht nach der Quali, sondern erst, wenn man an der WM auch antritt. An sich kein Problem.
Das Problem für die Schweiz heisst Kalifornien. Zwischen dem Sonnenstaat und der helvetischen Administration gibt es kein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit 13,3 Prozent wird in Kalifornien sogar der höchste Steuersatz aller US-Staaten erhoben. Und weil die US-Regelung vorsieht, dass jener Steuersatz für die gesamte Aufenthaltsdauer in den USA relevant ist, wo man die ersten Arbeitsstunden bestreitet, trifft es die Nati besonders hart.
Denn nicht nur die Antrittsprämie muss in den USA versteuert werden, sondern auch die Taggelder und Löhne für die gesamte, über 60-köpfige Delegation. Sowie die Sieg- und Punkteprämien, welche die Nati einspielt. Deshalb heisst es vom Verband, dass man erst mit dem Erreichen des Viertelfinals einen kleinen Gewinn erzielen könnte. Mitunter auch wegen des tiefen Dollarkurses, der längeren Turnierdauer sowie den hohen Reise- und Hotelkosten in den USA.
Kann Infantino seinen Freund Trump umstimmen?
Noch besteht aber die Hoffnung, dass US-Präsident Donald Trump umgestimmt werden kann. Am Uefa-Kongress vor zwei Wochen in Brüssel hat auch die SFV-Spitze ihre Bedenken und Anliegen betreffend Steuern bei Fifa-Funktionären mit Nachdruck deponiert. Wie übrigens auch zehn andere Verbände.
Die Fifa, so hört man, arbeite an einer Lösung mit den US-Behörden. Aber selbst die Bruderschaft zwischen ihrem Präsidenten Gianni Infantino und Trump sei keine Garantie, dass sich an der Steuerpraktik etwas ändern werde. Falls es Infantino nicht gelingt, seinen Freund zum Umdenken zu bewegen, bleibt ihm aus Gründen der Gleichberechtigung wohl nichts anderes übrig, als ein Kompensationsmodell zu implementieren.
Für den SFV ist es wichtig, mit einer WM-Teilnahme einen Überschuss zu erzielen, um in Projekte investieren zu können. Die letzten Endrunden- Teilnahmen haben nach Abzug des Beitrags an die Klubs der Swiss Football Leauge (1 Million) zwischen 1,5 und 2 Millionen Franken Gewinn beschert. Falls der SFV für das US-Abenteuer nun drauflegen müsste, wäre das nicht nur empfindlich, sondern geradezu absurd. (aargauerzeitung.ch)
