Frey erhält nach verrückter Cup-Wende Sonderlob und sagt: «Der Zusammenhalt ist riesig»
In der 72. Minute war doch schon alles vorbei. Nachdem Sion schon kurz nach Beginn des Cup-Viertelfinals durch Kreshnik Hajrizi in Führung gegangen war, schien Benjamin Kololli dem Grasshopperclub Zürich weniger als 20 Minuten vor dem Ende den definitiven Todesstoss zu verpassen.
Doch GC schlug zurück – und wie. Nur vier Minuten nach dem zweiten Treffer für die Gäste zirkelte Jonathan Asp Jensen den Ball in die Maschen. Es war bereits der achte Saisontreffer für den Bayern-Junior in Diensten der Hoppers. Wiederum nur wenige Zeigerumdrehungen später zog Samuel Krasniqi aus der Distanz ab, Sion-Goalie Anthony Racioppi konnte den Ball nicht festhalten und Felix Tsimba staubte ab zum 2:2-Ausgleich.
Aber auch Sion rappelte sich noch einmal auf. In der 85. Minute hat Josias Lukembila zu viel Platz und bringt die Gäste erneut in Führung. Aber aufgeben? Kennt man bei GC zuletzt offenbar nicht mehr. «Wir haben schon am Wochenende gegen Lugano nicht aufgegeben. Und ich wusste, dass auch heute alles möglich ist, wenn wir nicht aufgeben», sagte Neuzugang und Stürmer Michael Frey nach der Partie.
Und tatsächlich: Frey war es, der in der Nachspielzeit nach einem langen Ball richtig stand und Racioppi zum neuerlichen Ausgleich bezwang. Der 31-Jährige war auch an den GC-Toren zum 1:2 und 2:2 mit seiner physischen Präsenz und seinem Drang nach vorne beteiligt. Entsprechend erhielt er von Trainer Gerald Scheiblehner nach dem Schlusspfiff ein Sonderlob: «Er geht vorneweg wie eine Lokomotive. Die anderen Jungs können sich an einem sehr routinierten Spieler orientieren, sie brauchen das.» Man habe in jeder Minute gesehen, wie viel Spass es Frey mache zu spielen, und dass er unglaublich gefightet habe.
Das momentane GC-Erfolgsrezept gemäss Michael Frey? «Der Zusammenhalt in der Truppe ist da, im Training gibt jeder immer Vollgas.» Der Berner Stürmer hob auch die Energie hervor, die die Einwechselspieler auf den Platz gebracht hätten und erwähnte insbesondere Felix Tsimba. Der 19-jährige Schweizer Stürmer war es, der nach einem Eckball in der Verlängerung richtig stand und GC in den Cup-Halbfinal köpfte. «Es war ein Cup-Fight, der sich am Ende gelohnt hat», resümiert Frey.
Am anderen Ende der Gefühlsskala befanden sich indes die Gäste aus dem Wallis. «Das war einfach ungenügend, wir dürfen so ein Spiel nicht verlieren», fasste Verteidiger Numa Lavanchy das Geschehene zusammen. Sie hätten viele Fehler gemacht an diesem Abend, das dürfe einfach nicht passieren. «Jeder muss anschauen, was er falsch gemacht hat, die ganze Mannschaft war ungenügend heute», lautet das vernichtende Fazit Lavanchys.
Bei den Grasshoppers scheint sich dagegen so etwas wie ein leichter Aufwärtstrend festzusetzen. Ein Punkt gegen Lausanne, ein Punkt gegen Lugano und nun der Einzug in den Cup-Halbfinal. «Wir arbeiten jetzt auch schon länger zusammen und haben gewisse Abläufe gefestigt», analysiert Scheiblehner die Lage. Es helfe auch, dass die Spieler mittlerweile die Trainingsintensität aushalten und nicht mehr andauernd verletzt seien. Der Österreicher sagt aber auch klar: «Wir sind noch weit davon entfernt, dass wir zufrieden sein könnten. Aber den Rückenwind nehmen wir natürlich mit.» (abu)
