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FC Basel gibt Adjetey ab – ein Zeichen gegen den sportlichen Erfolg

Basel's disappointed players Jonas Adjetey, left, and goalkeeper Marwin Hitz, right, say goodbye to the fans after the UEFA Europa League league phase round 6 match between Switzerland's FC  ...
Jonas Adjetey verlässt den FC Basel in Richtung Wolfsburg.Bild: keystone
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Ein klares Zeichen des FC Basel – gegen den sportlichen Erfolg

Obwohl die sportliche Leitung dagegen war, gibt der FC Basel Innenverteidiger Jonas Adjetey ab. Das Angebot sei schlicht zu gut gewesen, teilt Präsident David Degen mit – und stellt damit finanzielle Nachhaltigkeit über den kurzfristigen sportlichen Erfolg.
03.02.2026, 07:1603.02.2026, 08:19

Der FC Basel gibt Jonas Adjetey an den VfL Wolfsburg ab und kassiert vom Bundesligisten dafür Berichten zufolge eine Ablösesumme von rund zehn Millionen Euro.

Es ist ein Entscheid des Verwaltungsrats entgegen dem Willen der sportlichen Leitung, wie FCB-Präsident David Degen am Montagabend mitteilte. Damit ist sicher Sportdirektor Daniel Stucki gemeint, aber wohl auch Trainer Stephan Lichtsteiner.

Der in der vergangenen Woche vorgestellte Trainer hat jetzt nämlich nur noch zwei erfahrene Innenverteidiger zur Verfügung: Flavius Daniliuc, der sich seit seiner Verpflichtung im Sommer als Abwehrchef etablierte, zuletzt aber auch fehleranfällig war, und Nicolas Vouilloz, der dem FC Thun am Sonntag das Tor zum 2:1 schenkte und bereits zuvor fast ein Gegentor verschuldet hatte. Dazu kommen der Langzeitverletzte Finn van Breemen, dessen letzter Super-League-Einsatz 324 Tage her ist, und der 18-jährige Marvin Akahomen, der in dieser Saison noch ganz ohne Profieinsatz ist. Aus der ohnehin schon wackligen Abwehrmauer wurde in Adjetey also auch noch einer der stabileren Steine herausgerissen.

«Der Verwaltungsrat hat entschieden, dass wir das finale Angebot des VfL Wolfsburg schlicht nicht ausschlagen können.»

Obwohl das Transferfenster in der Super League noch bis am 16. Februar geöffnet ist, wird es nahezu unmöglich, einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Einerseits sind im Winter nur selten besonders attraktive Spieler auf dem Markt. Andererseits zieht das Argument Europacup seit dem Aus am letzten Donnerstag mit der 0:1-Niederlage gegen Viktoria Pilsen nicht mehr. Dass Stucki und Co. dementsprechend gegen einen Verkauf des 22-jährigen Adjeteys waren, ist auch für den Verwaltungsrat «nachvollziehbar», wie Degen betont. Das Angebot aus Wolfsburg konnte der FCB aber «schlicht nicht ausschlagen».

Basels Praesident David Degen vor dem Fussball Meisterschaftsspiel der Regular Season der Swiss Super League zwischen dem FC Basel 1893, FCB, und dem dem FC Winterthur, FCW, im Stadion St. Jakob-Park  ...
Beim Angebot aus Wolfsburg wurde David Degen schwach.Bild: keystone

«Wir wollen den FC Basel wirtschaftlich nachhaltig und unabhängig aufstellen. Noch sind wir auf dem Weg zu diesem Ziel auf Transfereinnahmen angewiesen. Entsprechend hat dieser Faktor, unsere wirtschaftliche Verantwortung für den Klub, in diesem Fall den Ausschlag gegeben», wird Degen im Namen des Verwaltungsrats zitiert. Der finanzielle Erfolg steht also vorerst klar über dem kurzfristigen sportlichen Erfolg.

Auch das ist verständlich. Schliesslich stand der FCB Ende 2022 beinahe ohne Eigenkapital da. Seither folgten zwar zwei Jahre mit satten Gewinnen (gut sechs Millionen Franken 2023 und gar über 15 Millionen Franken 2024) und dürfte dank der Erfolge und Transfereinnahmen auch das letzte Jahr finanziell erfolgreich gewesen sein, doch war Basel dafür immer auf lukrative Abgänge angewiesen. Somit sind die zehn Millionen Euro für Adjetey, der auch nicht immer über alle Zweifel erhaben war, ein Segen für den FCB.

«Wir sind aber überzeugt davon, dass unser Kader stark genug ist, um diese Situation im nationalen Wettbewerb zu meistern.»

Zudem könne der Transfer des jungen Ghanaers, der sich von der Spieleragentur von Degens Zwillingsbruder Philipp beraten lässt, «für seine persönliche Zukunft in vielerlei Hinsicht wegweisend sein». Damit ist es auch ein Zeichen an andere Jungstars: Am Rheinknie werden euch keine Steine in den Weg gelegt. Der FCB positioniert sich als attraktives Ziel für talentierte Spieler, die sich entwickeln und irgendwann den nächsten Schritt gehen wollen. Auch Philip Otele kam der Verein entgegen. Obwohl die Basler ursprünglich nur einen definitiven Verkauf akzeptieren wollten, durfte der 26-jährige Flügelspieler auf seinen ausdrücklichen Wunsch auf Leihbasis zum Hamburger SV wechseln. Der Bundesligist verfügt über eine Kaufoption.

Philip Otele (FCB) jubelt nach seinem Tor zum 2:1 fuer den FC Basel im Achtelfinal des Schweizer Fussball Cups zwischen dem FC Grand-Saconnex und dem FC Basel 1893 im Stadion St. Jakob-Park in Basel,  ...
Nimmt seine Schnelligkeit und Finesse nach Hamburg: Philip Otele.Bild: keystone

Mit Blick auf den Cup-Viertelfinal am Mittwoch in St.Gallen seien die kurzfristigen Abgänge «nicht ideal», gibt Degen zu. Gleichzeitig setzt er Lichtsteiner und das Team auch unter Druck. «Wir sind aber überzeugt davon, dass unser Kader stark genug ist, um diese Situation im nationalen Wettbewerb zu meistern.» Ob das angesichts des sehr dünnen Angebots an Innenverteidigern gerechtfertigt ist, darf bestritten werden.

Doch verspricht der Präsident auch, dass sich der Klub in den verbleibenden Wochen noch intensiv um einen Innenverteidiger und einen Stürmer bemühen werde. Sportdirektor Daniel Stucki sowie Stephan Lichtsteiner würden «völlig unabhängig von den Resultaten in der aktuell schwierigen Phase unsere volle Rückendeckung haben», stellte Degen klar. «Wir wollen weiterhin gemeinsam etwas aufbauen und planen in dieser Konstellation entsprechend langfristig.»

Und dabei könnten die zehn Millionen Euro für Adjetey noch nützlich werden. Aber wohl nicht mehr in dieser Saison, in der nach der 1:2-Niederlage gegen Leader Thun auch die Meisterschaft langsam aber sicher abgeschrieben werden muss. Spätestens nach den Abgängen vom Montag käme auch ein Aus im Cup nicht überraschend. Doch der kurzfristige sportliche Erfolg muss schliesslich hinten anstehen. Es ist eine Wette, die sich irgendwann auszahlen kann. Der Verwaltungsrat scheint davon überzeugt.

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quelle: keystone / peter klaunzer
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