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St. Gallens Cedric Itten reagiert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel, am Mittwoch, 22. Juli 2020, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Am Ende bleibt der Frust: St.Gallen muss seine Meisterträume nach der Niederlage gegen Basel langsam aber sicher begraben. Bild: keystone

St.Gallens Zeidler-Fussball ist nicht kompatibel mit englischen Wochen

Der Traum vom ersten Meistertitel seit 20 Jahren kommt im FC St. Gallen langsam zum Erliegen. Er scheint für englische Wochen (noch) nicht gerüstet.



Fast alle im «Raum Sturm» des Kybunpark hatten hinter den gebrauchten St. Galler Mittwochabend schon einen Haken gemacht, als nochmals eine Frage in Richtung Peter Zeidler kam. Richard Fischbacher, der die St. Galler Heimspiele als Stadion-Speaker begleitet und nach Spielschluss durch die Pressekonferenz führt, wollte von seinem Trainer wissen: «Wie richtet man die Mannschaft nach so einer 0:5-Niederlage wieder auf?»

Mit einem Schmunzeln quittierte der Deutsche die Frage aus der eigenen Reihe und antwortete: «Das überlege ich mir in den nächsten Stunden.»

St. Gallens Trainer Peter Zeidler reagiert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel, am Mittwoch, 22. Juli 2020, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Peter Zeidler steht im Schlussspurt der Meisterschaft vor einer schwierigen Aufgabe. Bild: keystone

Bis Samstag sollten die Ostschweizer die Kanterniederlage, die wohl das Ende der Titelträume bedeutet, aus ihren Köpfen verbannt haben. Dann stehen sie in Zürich gegen den FCZ bereits wieder im Einsatz. Der Fokus für die letzten drei Spiele der Saison wird ein neuer sein: Im Zentrum von Zeidlers Schaffen wird die Absicherung des 2. Ranges stehen, den der FC Basel rückte dank dem Kantersieg im Direktduell auf drei Punkte heran. Und Titelchancen? «Nach einem 0:5 können wir nicht allen Ernstes vom Titel reden», hatte Zeidler am Mittwoch auf die entsprechende Frage eines Journalisten geantwortet.

Verschwörung gegen den Aussenseiter?

Die St. Galler durchlaufen gerade die schwierigste Zeit seit dem Meisterschaftsstart vor über einem Jahr, das war schon vor dem 0:5 gegen Basel zu sehen. Nur einen Sieg errangen sie in den letzten fünf Partien, für ernsthafte Titelambitionen reichen solche Statistiken nicht.

Die Erklärungen für die Baisse sind je nach Partei freilich unterschiedlich. Einige Fans und gewisse Medien wollen eine Benachteiligung des Aussenseiters ausgemacht haben. Die Topklubs Basel und Young Boys profitieren im neuen Spielplan der SFL nach der Coronavirus-Pause von längeren Pausen, während St. Gallen kaum längere Erholungsphasen zugestanden würden.

Ebenso hadert man – meist hinter vorgehaltener Hand – mit einigen Schiedsrichterleistungen. Dieser Frust fusst vor allem auf dem 3:3 im Spitzenkampf gegen die Young Boys von Ende Februar. Der Gast aus Bern war dank einem späten Penaltytor von Guillaume Hoarau weit in der Nachspielzeit zum glückhaften Ausgleich gekommen. Dabei profitierte der Meister von der umstrittenen Wiederholung des Penaltys, nachdem Hoarau im ersten Versuch an St. Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi gescheitert war.

Enttaeuscht stehen die St. Galler im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel, am Mittwoch, 22. Juli 2020, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Verschwörungs-Stimmen in St.Gallen kommen aber nicht vom Verein sondern eher von den Fans. Bild: keystone

Auch gegen Basel entschieden die Referees beim Stand von 0:2 in einer strittigen Strafraumsituation nicht zu Gunsten des FCSG. Wer Anzeichen für eine Verschwörung sucht, wird im Fussball meist fündig.

Gemässigtere Erklärungsversuche gehen in die Richtung, dass dem jungen St. Galler Team im hektischen Schlussspurt schlicht die Kraft für Zeidlers aufreibenden Spielstil fehlt, woran auch ein paar weitere Ruhetage nichts ändern würden. Für die NZZ war dem Überraschungsteam aus St. Gallen am Mittwoch anzumerken, «dass es ermattet ist von seinem strengen Corona-Spielplan».

Anders sah es Peter Zeidler. Sein Team habe in der Startphase schlicht schlecht verteidigt, Basel dafür umso besser angegriffen. Ein Zeichen für fehlende Kraftreserven sei der Fehlstart nicht gewesen.

Welche Optionen?

Die Wahrheit dürfte irgendwo zwischen Trainer und NZZ liegen. Wer Zeidler während des Spiels gegen Basel beobachtete, bekam in regelmässigen Abständen den immer gleichen Ablauf zu Gesicht. Der Trainer bewegte seine ausgestreckten Hände in gegebenem Abstand aufeinander zu, als würde er dazwischen einen unsichtbaren Schneeball formen. Zeidler legte damit offen, was ihm am Spiel seiner Mannschaft missfiel. Die Abstände zwischen den einzelnen Linien waren beim FCSG zu gross, weshalb die Basler im Mittelfeld viele zweite Bälle eroberten und so das rasche Gegenpressing des Heimteams unterbanden.

Dass St. Gallen nach frühem Rückstand zwischenzeitlich ins Spiel fand, lässt derweil mehr auf ein mentales Problem schliessen als auf fehlenden Saft in den Beinen. Die Zitrone FCSG scheint ausgepresst: körperlich und mental. Während Basel und vor allem die Young Boys mit einem breiten und austarierten Kader in den Liga-Neustart gingen, hat Zeidler nur wenige Optionen. Dass er in der aktuellen Situation an seinem Stamm festhält, bringt ihm Kritik ein, obschon der Spielraum für Rotationen klein ist.

St. Gallens Cedric Itten, links, gegen Zuerichs Becir Omeragic, im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Zuerich, am Donnerstag, 25. Juni 2020, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Spiel gegen den FCZ ist für den FSCG bald schon die letzte Chance. Bild: keystone

Als Zeidler vergangenen Monat bei der 0:4-Heimniederlage gegen Zürich ein Experiment mit Fabiano Alves wagte, ging dies eindrücklich schief. Zeidler wechselte den 25-jährigen Brasilianer, den er zur Pause beim Stand von 0:1 aufs Feld schickte, 20 Minuten später wieder aus – da führte Zürich 0:2. Am Samstag heisst der Gegner von St. Gallen wieder FCZ. Auf grosse Experimente dürfte Zeidler diesmal verzichten. (abu/sda)

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • swisszelli17 24.07.2020 14:54
    Highlight Highlight Verstehe den Ansatz hier nicht ganz. Zeidler lässt doch mit einer extrem jungen Truppe wahnsinnig unterhaltsamen und auch noch erstaunlich erfolgreichen Offensivfussball spielen. Diese Saison wird ein grosser Erfolg für den FCSG unabhängig ob am Ende auf Platz 1,2 oder 3. Alles andere wird man in sehr kurzer Zeit sehr schnell vergessen haben.
  • Bran_don 24.07.2020 12:56
    Highlight Highlight Da frage ich mich direkt, wenn St. Gallen im EC oder CL qualifizieren würde. Dann gibt es nur noch englische Wochen für diese Mannschaft, solange man im Wettbewerb besteht. Was sagt man dann? Weil wenn man die Mannschaften ansieht die jedes Jahr dabei sind, merkt und sieht man, dass je nach Position ein Ersatz vom Ersatz gibt. Sprich eine grössere Breite gibt um Spielern kompensieren zu können. Genau das fehlt in der SFL um int. noch weiter zu kommen (mehr englische Wochen). Weil in der Meisterschaft wie jetzt, werden fast immer die gleichen in der Startformation aufgeboten.
  • Dong 23.07.2020 19:48
    Highlight Highlight Powerfussball ist halt anfällig, wenn der Gegner zu abgeklärt ist oder die Tore halt nicht fallen wollen. Und einen Gang höher schalten geht auch nicht, weil wir nur einen Gang haben. Da werden wir auch regelmässig bei eigenem Vorsprung ausgekontert. Macht aber nichts, unser Fussball ist geil und wir waren ja vor kurzem erst grad Meister! Hoppsanggale!
  • Herren 23.07.2020 19:32
    Highlight Highlight Ich finde es toll, was SG in den letzten beiden Jshren geschaffen hat und wie es diese Saison spielt. Es erinnert mich an YB von 2009 ... und danach vergingen nochmals 9 Jahre, bis "wir" Meister wurden. Den SG-Anhängern rate ich zu etwas Geduld und Demut beim Warten auf den Meistertitel. Zudem scheint es mir kein ratsames Mittel zu sein, sich in die Opferrolle zu begeben. Mit dieser Mentalität gewinnt man keine Meisterschaften.
  • Glenn Quagmire 23.07.2020 18:31
    Highlight Highlight Verschwörungstheorien sieht man nur mit Fanbrille und Einfältigkeit. Egal ob in St Gallen, Bern, Basel oder Zürich.
    Was jedoch auffällig ist dass es gewisse Vereine gibt, wo die Fans schneller rumheulen. Und wenn die Sportjournalisten der Stadt auch zu sehr mit Fanbrille schreiben, giessen sie nur noch zusätzlich Öl ins Verschwörungsfeuer.
  • TanookiStormtrooper 23.07.2020 18:26
    Highlight Highlight Die Liga wäre sicherlich besser beraten, wenn sie allen Teams auch etwa die gleichen Ruhephasen gönnen würden, gerade weil es in dieser Ausnahmesituation recht eng werden kann. Aber die Liga scheint mir allgemein von Amateuren geleitet zu werden, die den Spielplan wohl einfach auswürfeln. Eine professionelle Schiri-Ausbildung wäre da auch ein Punkt. Perfekt wird es wohl nie werden aber teilweise haben die Schiris wirklich keine klare Linie.
    • Mia_san_mia 24.07.2020 05:20
      Highlight Highlight Ich verstehe nicht, warum es da Blitze gibt...
  • tostaky 23.07.2020 17:59
    Highlight Highlight Dass Fans eine "Verschwörung" wittern ist doch keiner Erwähnung wert, da ticken sie wohl bei allen Klubs gleich. Mich beeindruckt es, wie konsequent sich der Klub selber nie zu solchen Benachteiligungen (und das sind sie) geäussert hat. Ich glaube auch nicht an eine Schiriverschwörung, trotz Ellbogen (im Teaserbild) und Penaltyentscheid, sondern Unvermögen beim Schiedsrichter - und natürlich auch bei der Mannschaft, wobei eine Rote Karte und/oder ein Penalty beim Stand von 0:2 das Spiel hätten wenden können.
    • tostaky 23.07.2020 18:29
      Highlight Highlight (Edit: Natürlich nicht der Ellbogen im Teaserbild)
  • d10 23.07.2020 17:41
    Highlight Highlight Zeidler hat nun mal nicht so ein breites und teures Kader zur Verfügung wie YB und der FCB, deshalb kann er auch weniger rotieren. Es war zu erwarten, dass SG bei diesen englischen Wochen langsam der Pfupf ausgeht.

    Vor den letzten beiden Spielen war noch nix davon sichtbar und hoffentlich gelingt es Zeidler, seine Jungs nochmal so zu motivieren, dass sie in den letzten 3 Spielen wieder Gas geben können.

    Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden! Das Spiel heute Abend ist sehr spannend, denn Xamax kämpft um seine letzte Chance. Hopp YB :)
  • Helios 23.07.2020 17:20
    Highlight Highlight Spannende Analyse.

    Andererseits, selbst wenn der FCSG die verbleibenden Partien allesamt verlieren sollte, wäre deren Leistung mit einem so jungen Team, in der (erst) zweiten Saison unter Zeidler, noch immer sensationell.

    Weiter ist im kommenden Transferfenster keine allzu grosse Transformation des Kaders zu erwarten. Sollte die nächste Saison ohne englische Wochen gespielt werden, stehen die Chancen also gut, dass sie wieder ganz vorne dabei sein werden.

    Mit etwas mehr Wettkampfglück, als diese Saison, wird alles möglich sein.

    Achtungsvoll, ein leidgeprüfter YB-Fan
    • baldini75 23.07.2020 23:19
      Highlight Highlight Englische Wochen wird es geben. Ohne grösserem Kader wir die Europacup Saison schwierig zu prästieren sein.
  • pluginbaby 23.07.2020 17:17
    Highlight Highlight Der Verein verliert 0:5 und alle Menschen ausserhalb des Vereins glauben immernoch die St.Galler werden benachteiligt.

    Seht es ein, mit einem Kader von 13 brauchbaren Spielern wird man nie Meister. Zeidler hat mit diesem Kader ein Wunder vollbracht, Platz 2 wäre ein Riesen Erfolg....
  • Sen 23.07.2020 17:13
    Highlight Highlight Es wurde leider ein Punkt erreicht, bei dem man aufgrund all der Benachteiligungen und Fehlentscheidungen gegen den FC St. Gallen kaum mehr an einen Zufall glauben kann.

    Ich hoffe, dass sich der Club mal öffentlich dazu äussert und der SFV dazu Stellung nimmt.
    Das Fass ist überlaufen.
    • Kyle C. 23.07.2020 17:24
      Highlight Highlight Bin auch SG-Anhänger, aber sehe das anders. Fassen wir zusammen:

      1 umstrittener 11er vor 5 Monaten
      1 nicht gegebener 11er gestern
      YB/FCB dürfen gegen geschwächtes FCZ antreten
      Weniger Ruhetage

      Habe ich was vergessen? Nun, Penaltys sind fast immer umstritten, gleicht sich im Laufe einer Saison wohl aus. Für die FCZ Sache kann YB nichts dafür. Die Ruhetage finde ich auch nicht so prickelnd, aber für den Aluhut reicht es dann doch nicht m.M.n.

      Der Club äussert sich wohl nicht, weil es nichts zu äussern gibt aus Clubsicht. Und das finde ich gut und zeugt von Grösse.

      Just my 2 Cents...
    • glass9876 23.07.2020 17:31
      Highlight Highlight Es wurde leider ein Punkt erreicht, bei dem auch die grösstmögliche Bevorteilung des FCSG durch die Schiedsrichter keinen Unterschiedmehr gemacht hätte: ein 5:0 dreht man nicht durch eine strittige Penaltyszene. Gegen den Abstiegskandidaten Thun verliert man nicht, wenn es um meisterschaftsentscheidende Punkte geht.
    • bokl 23.07.2020 17:35
      Highlight Highlight Genau. Der SFV hat sich zu oft über das SRF geärgert und rächt sich nun. Unter Hüppi/Sutter wird es keine Titel für den FCSG geben!
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