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Ballon d' Or

Die Pressekonferenz mit Neymar, Messi und Ronaldo wird den Fans vor Ort live übertragen – die Stars bleiben für die meisten aber unerreichbar.
bild: watson/sandro zappella

Unser Mann am «Ballon d' Or»: Von einem, der sich auszog, um Ronaldo zu sehen

Ich habe mich während der Verleihung des «Ballon d' Or» mit der Mission nach Autogrammen und Selfies der Superstars unter die Fans gemischt. Mit der Erkenntnis, dass die Hoffnung zwar zuletzt stirbt, aber dass sie stirbt.



Für einmal blickt die Fussballwelt nicht wegen Verhaftungen im «Baur au Lac» oder Durchsuchungen im FIFA-Hauptgebäude nach Zürich. Beim Ballon d'Or wird am Montagabend der beste Fussballer der Welt ausgezeichnet, die Stars ziehen scharenweise ins Kongresshaus. Die grosse Chance für Fans, endlich mal an Autogramme und Fotos mit ihren Idolen zu kommen. 

Genau das habe ich mir zur Aufgabe gemacht: Mische dich unter die Fans und komme den Stars so nah wie möglich! Natürlich plane ich ein solches Vorhaben nicht ohne akribische Vorbereitung. Sorgfältig habe ich meinen Rucksack gepackt: Tigerbalsam – zum unter die Augen streichen, um dann mit Tränen um Autogramme zu betteln – gehört ebenso zu meiner Ausrüstung wie mein selbstgebasteltes «Fan-Wheel 3000». Ich werde mich bis auf die Knochen ausziehen, ich werde alle Register ziehen. Schliesslich will ich mich vor Ort gegen den Mob von Teenies und postpubertären Cristiano-Ronaldo-Verschnitten durchsetzen. 

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Selbst erfunden, selbst gebastelt und selbst benannt: Das Fan-Wheel 3000.
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Wer braucht schon ein Ticket? Jeder. Leider.

Zu meiner sauberen Vorbereitung gehört es natürlich auch, genug früh vor Ort zu sein. Die Verleihung beginnt um 19 Uhr, ich komme bereits vier Stunden früher an, um mir mit Sicherheit ein schönes Plätzchen zu ergattern. Ich habe mich gewaltig getäuscht! Die Kids, erprobt durch stundenlanges, ans Geländer gedrückte Ausharren in ersten Reihen von Justin-Bieber-Konzerten, sind natürlich schon früher dort. Viel früher. Einige sind seit morgens um 7 Uhr am Warten, wie sie stolz verkünden.

Ballon d' Or

Sicherheit geht über alles.
Bild: watson/sandrozappella

In einem kleinen Bereich beim Eingang zum Kongresshaus ist der rote Teppich ausgelegt, der «place to be» um garantiert ganz nah an die Stars zu kommen. Der klitzekleine Haken: Leider ist alles doppelt und dreifach abgesperrt und durch den Eingang komme ich auch nicht. «Das ist nur für Leute mit Ticket, die konntest du im Vorfeld gewinnen. Sonst kommst du hier nicht durch», sagen die Securitas gelangweilt aber bestimmt. Ich brauche einen Plan B.

Ballon d' Or

Diese Strasse trennt die normalsterblichen Fans vom roten Teppich: Wer kein Ticket hat, sieht die Stars nur von hinten.
Bild: watson/sandro zappella

Wo sind sie denn, die Stars?

Die meisten Kids stehen vor dem Park Hyatt Hotel, die Fussballstars dürften also da sein. Ich stelle mich hinten an, realisiere aber schnell, dass Messi und Co. hier keine Autogramme geben, sondern schnurstracks in die Limousinen verschwinden, welche sie dann 100 Meter weiter vorne beim Kongresshaus wieder verlassen.

Ballon d' Or

Die Strasse zwischen Hyatt (rechts) und Kongresshaus ist übersät mit Leuten.
Bild: watson/sandro zappella

Also verfolge ich das Geschehen auf einem Geländer stehend von einigen Meter weiter hinten, da habe ich zumindest gute Sicht. Alle starren sie nun auf diese schwarzen Limousinen, das Smartphone in der einen, das Trikot des Lieblingsspielers in der anderen Hand.

Es vergehen Minuten, sogar Stunden. Zwei Buben neben mir erzählen ganz stolz, dass sie heute schon Sergio Ramos und Marcelo über den Weg gelaufen sind und sogar Autogramme erhalten haben. Zum Beweis zeigt mir der eine Junge noch die Bilder auf seinem Handy. «Sehen Sie, das ist Ramos.» Die meisten anderen Fans hält eigentlich nur noch die Hoffnung vor dem Hotel. Es ist kalt, es ist eng.

Das ganze Warten für einen kurzen Blick auf Ronaldo und Co.

Die Teenies werden langsam ungeduldig, als es dann doch noch ganz aufregend wird: Da läuft tatsächlich Cristiano Ronaldo aus dem Hotel. Das impliziere ich zumindest aus den lauten «Siiiiim-Schreien». Dann sehe ich ihn auch, das heisst, ich sehe übermässig stark gegelte Haare, die nach Cristiano Ronaldo aussehen. Dann verschwindet der Kopf des Portugiesen auch schon im Auto. Kein Winken, keine Fotos, keine Autogramme. Die Fans sind trotzdem nah an der Ekstase. 

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Ronaldo läuft von der Hoteltür direkt ins Auto – die Fans flippen dennoch aus.
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Das Spiel wiederholt sich wenige Minuten später mit Neymar. Auch der Brasilianer wird frenetisch gefeiert, der Spuk ist aber schnell vorbei und zurück bleiben eine Menge Teenager, die zwar noch vom Adrenalin gepusht rumzappeln, wenig später aber doch enttäuscht von dannen zotteln. Den Stars so nah und doch so fern.

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Auch Neymar hüpft direkt ins Auto, welches ihn vors Kongresshaus bringt.
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Knäckebrot statt Cheeseburger

Mit der Dunkelheit kommt auch die letzte Chance, doch noch an die Stars zu kommen. Vielleicht nehmen sie sich ja jetzt, wo sie sich alle in Schale geworfen haben, mehr Zeit für die Fans? Leider nein. Die Fussballer halten sich offenbar an einen strikten Zeitplan, werden erneut mit den Limousinen direkt vor den roten Teppich im Kongresshaus gefahren.

Also stürme ich in einem letzten Versuch nochmals vors Kongresshaus. Doch da kommt die bittere Pille für mich und tausende andere Fans: Alle müssen wir mitansehen, wie die gut gelaunten Stars anderen Fans am roten Teppich Autogramme geben und Selfies mit ihnen machen. Ich fühle mich, als hätte ich Hunger, aber nur ein Knäckebrot bekommen, während ich dabei zusehen muss, wie andere einen saftigen Cheeseburger nach dem anderen runterschlingen.

Nach über vier Stunden in denen mir das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, habe ich dann irgendwann genug. Ich habe genug von meinem Knäckebrot. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.

Bild

Die Extra-Kirsche auf dem bitteren Eisbecher: Zusehen wie die Stars anderen Autogramme geben.
Bild: watson/sandrozappella

Es schliessen sich mir viele an, der ganze Pöbel, wir, das Ballon-d-Or-Proletariat musste sich damit begnügen, die Stars immerhin live gesehen zu haben. So nah und doch so fern. Ein kleiner Junge, der während Stunden tapfer ganz vorne am Geländer gewartet hat, nimmt es gelassen: «Die kommen ja nächstes Jahr wieder.» Ich nicht.

Alle Gewinner des Ballon d'Or

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