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Ein bisschen sieht das schon aus wie bei Toni Kroos.
Ein bisschen sieht das schon aus wie bei Toni Kroos.
bild: imago-images.de

YB-Motor Michel Aebischer – am liebsten wäre er wie Toni Kroos

Michel Aebischer erlebt mit YB und der Schweizer Nati phänomenale Wochen – wer ist der 24-Jährige, der mit den Bernern heute in der Champions League gegen Atalanta Bergamo für ein weiteres Ausrufezeichen sorgen und am liebsten wie Toni Kroos sein möchte?
29.09.2021, 15:08
Etienne Wuillemin / ch media

Die Erinnerungen in Bern an die magische Nacht gegen Manchester United sind viel zu schön, als dass man sie einfach so beiseitelegen könnte. 2:1 gegen den weltberühmten Gast aus England, das Siegtor in der 95. Minute, die Eruptionen der Fans im vollen Stadion. «Nein, so etwas erlebt man nicht alle Tage!», sagt Michel Aebischer.

Doch allzu sehr ins Schwelgen geraten? Nein, das will er nicht. Mit gutem Grund: Für YB steht heute die nächste grosse Aufgabe an. Das zweite Spiel in dieser Champions-League-Gruppenphase. Zu Gast bei Atalanta Bergamo. Dem vielleicht aufregendsten Team Italiens. «Nach dem Startsieg wäre nun die Verlockung natürlich da, zu träumen. Aber genau das darf und wird nicht passieren. Wir bleiben auf dem Boden», sagt Aebischer. Nur bedeutet das nicht, dass sich YB kleiner macht als nötig. Und darum sagt Aebischer auch: «Wer Manchester United besiegt, kann auch Atalanta Bergamo schlagen.»

Die YB-Pressekonferenz vor am Atalanta-Spiel mit Trainer Wagner und Verteidiger Hefti.

Das Erweckungserlebnis mit der Nati

Sollte dies tatsächlich gelingen, so würde zum ersten Mal seit 1996 ein Schweizer Team mit zwei Siegen in die Champions League starten. Damals besiegte GC mit dem heutigen Nationaltrainer Murat Yakin zuerst die Glasgow Rangers (3:0) und danach auswärts Ajax Amsterdam (1:0) – ehe die Qualifikation für den Viertelfinal doch noch auf dramatische Art und Weise verpasst wurde.

Nun ist es vielleicht verwegen, das Funktionieren eines Teams an einem einzelnen Spieler festzumachen, auf der Bühne der Königsklasse sowieso. Und doch hat der jüngste Höhenflug von YB viel mit Michel Aebischer zu tun. Als Taktgeber im Mittelfeld ist er so etwas wie der Motor dieser manchmal fast unheimlichen Berner Maschinerie, die in letzter Zeit ihre Gegner gerne einfach mal überfährt. Und es war ja nicht so, dass der Sieg über Manchester einer Laune des Zufalls entsprang. Aus Leverkusen meldet der ehemalige Trainer Gerardo Seoane:

«Er hat eine sensationelle Entwicklung hinter sich. Nicht nur fussballerisch, auch als Leader. Es macht unheimlich Spass, ihm zuzuschauen. Und es ist eigentlich verwunderlich, dass er immer noch in der Schweiz spielt.»

Vielleicht ist es aber auch so, dass Aebischer noch ein letztes Erweckungserlebnis gebraucht hat, um seine ganze Wirkung zu entfalten. Anfang September war das, beim 0:0 mit der Nationalmannschaft gegen Italien. Etwas überraschend berief ihn Yakin da in die Startformation. Aebischer dankte das Vertrauen, spielte mit jeder Minute noch ein bisschen abgeklärter.

Seither wirkt er wie beflügelt. Die kleinen Fehler, die es zu Beginn der Saison durchaus noch gab – wie beispielsweise beim frühen Gegentor in der Qualifikation zur Champions League gegen Cluj – hat er abgestellt. Im Rückblick sagt Aebischer: «Einverstanden, es waren sehr spannende Wochen zuletzt – aber es werden noch viele andere spannende folgen.»

Das ABC des Fussballs erlernt Aebischer im Kanton Fribourg, im Verein seines Heimatdorfes Heitenried. Bald einmal spielt er in der regionalen Auswahl. In der Jugend wird YB auf ihn aufmerksam. U17-Trainer André Niederhäuser lädt ihn zu zwei, drei Testtrainings ein. Der Wechsel gelingt problemlos. Früher spielte Aebischer noch als klassischer Spielmacher mit der Nummer 10, bei YB fortan im defensiven Mittelfeld.

YB-Scout Stéphane Chapuisat sitzt an diesem Montag am Rand des Berner Trainingsplatzes direkt hinter dem Wankdorf. Er beobachtet das YB-Training. Nach Aebischer gefragt, sagt er: «Seine Spielintelligenz war offensichtlich. Er traf auf dem Platz schon damals automatisch die richtigen Entscheidungen.»

Hin und wieder darf sich Aebischer auch als Torschütze feiern lassen.
Hin und wieder darf sich Aebischer auch als Torschütze feiern lassen.
Bild: keystone

Am liebsten so sein wie Toni Kroos

Nach seinem Wechsel zu YB schliesst Aebischer die Handelsschule ab, die drei Jahre Schule absolviert er in Fribourg, das einjährige Praktikum danach auf dem Büro von YB. Ab diesem Herbst 2016 darf er mit der ersten Mannschaft mittrainieren. Bald folgt der erste Teileinsatz. «Ich war ziemlich aufgeregt, schliesslich wartet man als Junger sehnlichst darauf. Es ist damit auch eine Last abgefallen.»

Aebischer kommt zu einer Zeit zu YB, als unter Sportchef Christoph Spycher die Weichen für die Erfolgsjahre gestellt werden. Er wird ein immer wichtigerer Teil des grossen Ganzen. Ob Adi Hütter, Seoane oder nun David Wagner – sie alle sehen in ihm einen smarten Strategen. Einen, der zumindest in Ansätzen an Toni Kroos erinnert, Aebischers grosses Vorbild.

Und in der Freizeit? «Da schaue ich Fussball»

Fünf Jahre nach seinem ersten Einsatz bei YB strahlt Aebischer längst die Souveränität eines Routiniers aus. Er ist auch im Gespräch so ruhig und besonnen wie auf dem Feld. Und wofür interessiert er sich, wenn er gerade nicht Fussball spielt. «Dann schaue ich Fussball!», sagt er und lacht herzhaft. Bei der EM beispielsweise hat er fast alle Spiele geschaut, zumindest zu Turnierbeginn. Danach einfach jene, die das Trainingslager mit YB noch zuliessen.

Irgendwann möchte Aebischer auch selbst bei einem grossen Turnier für die Schweiz auflaufen. Zunächst einmal gilt es aber, gegen Atalanta Bergamo einen nächsten guten Auftritt in der Champions League auf den Platz zu zaubern.

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quelle: keystone / thomas hodel
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