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Marco Rose ist Gladbachs Erfolgscoach – doch er ist nicht allein für den Höhenflug der «Fohlen» verantwortlich.
Marco Rose ist Gladbachs Erfolgscoach – doch er ist nicht allein für den Höhenflug der «Fohlen» verantwortlich.Bild: AP

Adventskalender für Nerds – Gladbachs Co-Trainer verrät auf Twitter seine Taktik-Kniffs

12.12.2019, 17:10

Borussia Mönchengladbach ist aktuell Tabellenführer der Bundesliga und steht kurz vor dem Einzug in die K.o.-Phase der Europa League. Ob Patrick Hermann, Marcus Thuram, Breel Embolo oder Yann Sommer – die «Fohlen» machen im Moment richtig Spass, spielen tollen Fussball.

Dabei lohnt sich auch ein Blick auf das Team hinter dem Team: Denn der im Sommer gekommene Trainer Marco Rose hat in seinem Trainerstab wahrscheinlich einen der spannendsten und aussergewöhnlichsten Assistenten der Liga. Ihm steht mit René Maric ein ehemaliger Taktikblogger zur Seite.

Der 27-jährige Österreicher Maric war im Jahr 2011 einer der Mitgründer des Taktikblogs spielverlagerung.de: Eine der ersten Seiten, die in ellenlangen Artikeln die Arbeit von Trainern unter die Lupe nahm, Begriffe wie «abkippende Sechser» und «inverse Aussenstürmer» bei Fans und Experten in Umlauf brachte und taktische Konzepte auseinanderfriemelte.

«René hatte irgendwann einen Artikel über meine Salzburger Jugendmannschaft (Rose trainierte von 2013 bis 2017 Nachwuchsteams von RB Salzburg, d. Red.) geschrieben, den ich sehr interessant fand. Wir haben dann Kontakt aufgenommen und uns ausgetauscht», berichtete Rose gegenüber dem Sport-Informationsdienst. Irgendwann habe man in der Akademie bei RB Salzburg einen Mitarbeiter für Spielanalysen, der auch Co-Trainer werden sollte, gebraucht. Da habe er an ihn gedacht.

Kniffligste Aufgaben gegen Bayern, Union und Leverkusen

Und so wurde Maric erst Roses Assistent in Salzburgs U18, dann folgte er ihm 2017 zur Profimannschaft der österreichischen RB-Filiale. Seit diesem Sommer ist er Roses Co-Trainer in Mönchengladbach, fokussiert sich nun dort auf die taktischen Herausforderungen, die sich Woche für Woche stellen.

Die kniffligsten Aufgaben in der bisherigen Bundesligasaison seien die Spiele gegen Bayer Leverkusen, Union Berlin und Bayern München gewesen. Das verriet Maric neulich auf Twitter. Dort macht er aktuell einen Adventskalender, bei dem er jeden Tag eine ausgewählte Frage von Followern beantwortet. Die interessierten Fans sollen zudem einen guten Zweck angeben, für den Maric dann jeweils 100 Euro spenden will.

Und so erklärte Maric in «Türchen acht» auf die Frage von User @indenwinkelBMG, warum es Leverkusen (1), Union (2) und Bayern (3) den «Fohlen» so schwer machten:

«Bei den Leverkusenern hatten wir schon zuvor gesehen, dass sie mehrere Spielaufbau-Varianten besitzen und diese auf sehr hohem Niveau umsetzen. Insofern haben wir in unserem 3-5-2 mehrere Varianten vorgegeben, auf die unsere Spieler im Match flexibel zurückgreifen konnten.»
twitter.com/renemaric
Die Highlights der Partie.Video: YouTube/DAZN Bundesliga

«Bei Union war es die Mischung aus enormen Mannorientierungen im Zentrum und hervorragendem Vorwärtsverteidigen auf den Seiten. Wir haben es mit dem Versuch, 2v1-Situationen durch einen asymmetrischen Dreieraufbau zu schaffen, probiert, aber es gelang nicht. Die bessere Lösung kam uns erst in der Nachbereitung.»
twitter.com/renemaric
Die Highlights der Partie.Video: YouTube/DAZN Bundesliga

«Bei Bayern waren es die Bewegungen von Müller, Kimmich (!) und Thiago – neben der individuellen Qualität der gesamten Mannschaft – die uns Probleme bereitet haben. Von 4-Raute-2 gingen wir auf 4-2-3-1, um andere Anlaufwinkel und Positionierungen fürs Kontern zu haben.»
twitter.com/renemaric
Die Highlights der Partie.Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Auch wenn man als Otto-Normal-Fussballkonsument vielleicht nicht zu hundert Prozent versteht, was Maric da twittert, sind es doch extrem spannende Einblicke in die detailversessene Arbeit eines Trainerteams in der Bundesliga.

Spielvorbereitung durch Videoanalyse

Auf die Frage von @FohlenJens, wie viele Spiele von Bayern München er sich im Vorfeld des Spiels gegen den Rekordmeister angesehen habe, um die richtige Taktik beziehungsweise die Schwachpunkte zu finden, antwortete Maric:

«Grundsätzlich schauen sich Philipp und Dominik, unsere Videoanalysten, die Spiele komplett an; je nach Kontext (Umstellungen, Trainerwechsel, etc.) zwischen drei und acht Partien, schätze ich mal. Auch Frank [Geideck, d. Red.] (Co-Trainer) sieht sich ausgewählte Partien in kompletter Länge an, z.B. Spiele mit einem bestimmten Ergebnis oder Mannschaften mit einer möglichen Lösung, die zu uns auch passen könnte. Das mache ich punktuell ebenfalls.»
twiiter.com/renemaric

Aus einem Videozusammenschnitt inklusive Animationen mit 15 bis 25 Minuten Länge entstünden letztlich die Besprechungen für die Mannschaft.

Warum das Trainerteam beim Jubel Abstand zum Team hält

Ausserdem interessant war die Frage von @jebmgma1900, der von René Maric wissen wollte, warum das Trainerteam beim Jubeln einen solch grossen Abstand zum Team halte. Die Antwort strotzt vor Demut und Respekt vor dem, was Fans und Spieler in 90 Minuten leisten:

«Weil Erfolge erstmal Fans und Spielern gehören. Die Jungs performen, setzen um und halten ihre Knochen hin. Da ist man als Co-Trainer auch einfach mal Fan, hält sich zurück und feiert die Jungs von der anderen Seite. Lars [Stindl, d. Red.] hat uns ja dann dazu geholt; diese Einladung ist ein Privileg.»

Neben all der teilweise schweren Taktikkost, ist René Maric aber auch zu Scherzen aufgelegt. @schnitzelkiller postete ein Gif vom jubelnden Marcus Thuram und fragte Maric mit Augenzwinkern: «Wer ist das?»

Marics Antwort: «Einer der angenehmsten, sympathischsten und lässigsten Typen, die man so kennenlernen darf.» Ein weiteres Beispiel dafür, dass die «Fohlen» im Moment richtig Spass machen. Auf dem Platz, neben dem Platz und jetzt auch noch bei Twitter, wo der Co-Trainer für den guten Zweck Aufschlüsse über die tägliche Arbeit eines Trainerteams gibt.

Den kompletten Adventskalender von René Maric kannst du hier verfolgen.

(as)

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