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Raus mit der Freude: Englische Jungs beim Public Viewing in London.
Raus mit der Freude: Englische Jungs beim Public Viewing in London.
Bild: EPA

«It's Coming Home» – Englands Fussball-Kultsong in 10 Punkten erklärt

In England ist ein Song aus dem Jahr 1996 nach 22 Jahren wieder an der Spitze der Charts angelangt: «Three Lions». Mit Englands Halbfinal-Einzug an der WM 2018 lösen das Lied und sein Refrain erneut einen Hype aus.
09.07.2018, 10:3009.07.2018, 10:43

Wer hat ihn gemacht?

Das Original-Video.

Ian Broudie von der Band «Lightning Seeds» hat die Musik komponiert, den Text steuerten die beiden Comedians David Baddiel und Frank Skinner bei, damals Moderatoren einer Fussballsendung. «Das Schräge ist, dass Ian bekannt für bittersüsse Liebeslieder war und sich keinen Fussballsong zutraute. Und dann schrieben wir ein bittersüsses Liebeslied über Englands Nationalteam», sagte Skinner über den Song, der für die EM 1996 in England aufgenommen wurde und eine Auftragsarbeit des englischen Fussballverbands FA war.

Was singen die da eigentlich?

Baddiel, Skinner und Broudie (von links).
Baddiel, Skinner und Broudie (von links).
bild: vevo

Im Unterschied zu vielen anderen Fussballsongs wird nicht von glorreichem Erfolg gesungen, sondern vielmehr von der Hoffnung, etwas zu erreichen. Die ewigen Dämpfer seit dem Gewinn des WM-Titels 1966 hatten die Engländer demütig gemacht – aber natürlich nicht davon abgehalten, weiterhin vom nächsten Triumph zu träumen. Das Lied drückt genau diesen Optimismus aller Fussballfans aus, die es ja eigentlich besser wissen und die Hoffnung trotzdem nie aufgeben. «Wahrscheinlich werden wir wieder verlieren. Aber man weiss ja nie …», fasste David Baddiel zusammen, was sie mit dem Text ausdrücken wollten.

Everyone seems to know the score
They've seen it all before
They just know
They're so sure
That England's gonna
Throw it away
Gonna blow it away
But I know they can play
'Cos I remember

Three lions on the shirt
Jules Rimet still gleaming
Thirty years of hurt
Never stoppped me dreaming

Frei übersetzt: «Jeder glaubt jetzt schon, er wisse, wie das Spiel ausgeht. Sie haben alles schon zu oft erlebt. Sie wissen es ganz einfach, sie sind so sicher: England wird am Ende sowieso wieder alles vermasseln. Aber ich weiss, dass sie es draufhaben. Denn ich erinnere mich: Drei Löwen sind auf dem Trikot und Jules Rimet glänzt immer noch. Dreissig Jahre des Leidens haben mich nie vom Träumen abgehalten.»

War es von Anfang an ein Hit?

Nein. Die FA habe Bedenken gehabt, dass er zu negativ sei, erinnerte sich Baddiel. Der Verband habe deshalb nicht gewollt, dass der EM-Song im Stadion gespielt werde. Das änderte sich dann jedoch am 15. Juni 1996 schlagartig. ⬇️

Wann wurde aus dem Song DER Song?

Laut Baddiel war es nach Englands 2:0-Sieg über Schottland in der Gruppenphase der Euro 1996. Nach dem Schlusspfiff habe der Stadion-DJ den Song gespielt «und wir wussten gar nicht, dass alle ihn kannten», erinnert sich Baddiel. «Und das ganze Stadion hat laut mitgesungen. Ganz ehrlich: das war ein unbeschreibliches Gefühl!» In der Folge wurde «Three Lions» bei jedem England-Spiel gespielt und kletterte an die Spitze der englischen Charts. Auch in Deutschland wurde der Song populär. Denn die Deutschen wurden Europameister und nach der Ankunft in der Heimat wurde auch dazu gefeiert. Schliesslich brachten sie ja mit dem Pokal auch den Fussball nach Hause.

BBC-Doku 20 Jahre nach der EM 1996.

Wer sind die Fans im Hintergrund?

Keine Engländer. Sondern Anhänger von Bröndby Kopenhagen, welche bei einem UEFA-Cup-Spiel 1995 in Liverpool aufgenommen wurden.

Auch kein Engländer: Die französische ManUnited-Legende Eric Cantona singt den Refrain.

Wer ist dieser Jules Rimet?

Der Franzose war zwischen 1921 und 1954 FIFA-Präsident und gilt als Mitbegründer der WM. Ihm zu Ehren wurde 1950 der WM-Pokal in «Coupe Jules Rimet» umgetauft. England gewann die Trophäe bekanntlich 1966, weshalb es im Song heisst:

«Jules Rimet still gleaming.»

«Der WM-Pokal glänzt immer noch», bedeutet diese Songzeile.

Aus den Händen der Queen erhält Englands Captain Bobby Moore 1966 im Wembley den WM-Pokal.
Aus den Händen der Queen erhält Englands Captain Bobby Moore 1966 im Wembley den WM-Pokal.
Bild: AP

Wieso ist der Song wieder in aller Munde?

Weil die Gefühle, die er ausdrückt, immer noch so sind. Weil die Durststrecke an der EM 1996 nicht beendet werden konnte. Weil England seit 1966 weiter warten muss auf einen Titelgewinn. Weil die Hoffnungen natürlich wie immer trotzdem gross sind. Und weil sie mit dem Halbfinal-Einzug noch viel grösser geworden sind. Prompt kletterte «Three Lions» nach dem überzeugenden Sieg gegen Schweden auf Platz 1 der Charts.

Die leicht modifizierte 98er-Version mit einem grossartigen Video, in dem fast alle deutschen Fans ein Trikot von Stefan Kuntz tragen. Wortspiel und so …

Wieso gibt es seither eigentlich keine guten Fussballsongs mehr?

«Weil ‹Three Lions› die beste Fussballhymne aller Zeiten ist.»
David Baddiel

«Ich weiss, das sollte ich vielleicht nicht sagen», sagte David Baddiel schon vor zwei Jahren über sein Werk, «aber ich bin mir einfach sicher, dass es so ist.» Das Lied sei auch mehrfach von Fans dazu gewählt worden. Er findet das übrigens schade. «Das Genre der Fussballsongs wurde damit erledigt.»

Aber Moment mal …

Chum bring en hei!

Wir haben doch Baschi mit «Bring en hei». Stimmt! Der Song stammt von Hit-Produzent Roman Camenzind, der sich bei seiner Arbeit von «Three Lions» inspirieren liess. Auch deshalb ist die Schweizer Fussballhymne so gut geworden, dass das gleiche gilt wie für England: Besser geht nicht.

Welche Versionen sind 2018 angesagt?

Natürlich immer noch das Original. Aber 52 Jahre nach dem WM-Triumph 1966 ist die Sehnsucht in England schier unstillbar gross geworden. Der «It's Coming Home»-Hype hat alle gepackt.

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